Zuzahlung bei Triptanen, über die gesetzliche Zuzahlung hinaus!

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  • Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 27906

    Hallo Knorpel,

    mal ganz abgesehen von der berechtigten Entrüstung bezüglich der Zuzahlungen, nimmst Du viel zu viele Akutmedikamente. Bist Du denn in guter Behandlung, nimmst Du Prophylaktika? Wahrscheinlich bist Du zusätzlich im MÜK – setze doch hier erstmal an. 😉

    Liebe Grüße
    Bettina

    Harald Rupp
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 90

    Hallo Knorpel,

    also mich regt das auch furchtbar auf.
    Ich habe vor vier Wochen 122,25 € für meine Monatsration Relpax draufgezahlt, obwohl ich von der gesetzlichen Zuzahlung für dieses Jahr befreit bin.

    Ich beziehe Grundsicherung nach SGB XII, das ist genau so viel wie das sog. Hartz IV. Nach Abzug meiner Fixkosten (für Strom, Warmwasser und Telefon/Internet) hatte ich in diesem Monat ca. 130 € zum Leben (für alles).

    Auf Dauer kann ich das nicht durchstehen.

    Mit meinem chronischen Cluster-Kopfschmerz bin ich erwerbsunfähig. Dennoch arbeite ich neben der Erkrankung ehrenamtlich in der Selbsthilfe. Seit vielen Jahren, von früh bis spät, ohne Wochenende, Feiertag oder Urlaub. Wohlgemerkt ohne Bezahlung.

    Deshalb regt mich noch zusätzlich auf, welche Aussagen und Kommentare derzeit in den Diskussionen zum sog. Hartz IV gemacht werden.

    Die Segnungen der neuerlichen Gesundheitsreform die auf die gesetzlich Versicherten noch zukommen, werden viele Kranke noch weiter belasten.

    Im Spannungsfeld der Interessen der Akteure im Gesundheitswesen (also der Interessen von all denen, die an uns Kranken verdienen) sind die Kranken nicht von Belang.

    So ist das.

    HR

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Hallo zusammen,
    wenn ihr im Moment ein Triptanrezept braucht, lohnt es sich vorher in der Apotheke nach dem billigsten Anbieter zu fragen.
    Almogran 12,5mg 14 Tabl. heute bei Eurim Pharma 44,49 € und bei Almirall 104,11 (der teuerste). Habe auf Verdacht schon mal bestellt. Selbst wenn mir das Rezept verwehrt würde, was nicht passiert, wäre es billiger, selbst zu zahlen als ein teures Kassenrezept zu nehmen.

    Liebe Grüße
    Julia

    Harald Rupp
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 90

    Hallo Julia,

    hab heute auch ein Rezept für Relpax eingelöst,
    keine Aufzahlung beim Reimport von EurimPharm.

    Fragen und vergleichen lohnt also.

    Grüße

    HR

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Hallo Harald,

    auch wenn es sehr schwierig und teuer ist z. Zt. mit den Triptanen, im Grunde ist es eine sinnvolle Aktion. Die Triptane werden dadurch auf die Dauer günstiger und nicht teurer. Die Lieferanten werden alle unter diese Bemessungsgrenze gehen mit ihrem Preis, sonst haben sie bald keinen Umsatz mehr.
    Da die Preise meist zum 1. oder 15. eines Monats geändert werden, wird es sicher zum 15.10. schon wieder einige billigere Medis geben.
    Da werden wir wohl noch einige Zeit kritisch sein und aufpassen müssen.

    Wir sollten uns immer viel mehr für die Kosten unserer Behandlung interessieren, da ließe sich vieles einsparen.

    Einen scheinbar ganz guten Überblick über die tagesaktuellen Preise hat man bei PreisRoboter.de.

    Was mir noch dazu einfällt: früher als sonst ein neues Rezept besorgen, die billigen Lieferanten haben Lieferschwierigkeiten und dann müssen doch die teuren Medis her.
    Unsere leistungsfähigen Migränegehirne schaffen das schon 😉

    Einen schönen Tag
    Julia

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    @julia said:

    Wir sollten uns immer viel mehr für die Kosten unserer Behandlung interessieren, da ließe sich vieles einsparen.

    Das ist eine sehr treffende Aussage. Viel zu viel wird als selbstverständlich hingenommen und kritiklos „konsumiert“. Verschriebene Medikamente werden besorgt und es kümmert keinen, ob sie dann nur noch in der Schublade rumliegen und gar nicht benötigt werden. Ist mir so auch schon passiert. Die Politik unseres Gesundheitssystems fördert solches Verhalten. Insgesamt läuft hier so viel verkehrt, dass man gar nicht wüsste, wo mit einer Optimierung zuerst angefangen werden sollte.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906
    Harald Rupp
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 90

    Hallo Bettina,

    wenn ich den Artikel richtig verstehe, meint der KBV-Vorstandsvorsitzende „dass die von der Koalition geplanten Zusatzbeiträge seiner Ansicht nach die Zahl der Arztbesuche nicht reduzieren werden, weil alle Mitglieder einer Kasse sie bezahlen müssten“.
    Das Gegenteil wäre also, daß nur bzw. vorwiegend die Kranken zur Kasse gebeten werden sollen?

    Wenn mit Kostenerstattung gemeint ist, daß der Patient erst mal beim Arzt bezahlt und dann (einen Teil?) von der KK wieder erstattet bekommt, bedeutet dies in vielen Fällen, daß wer sich das nicht leisten kann, gar nicht erst zum Arzt geht.

    Wenn unbehandelte Krankheit sich verschlimmert, führt das i. d. R. zu Mehrkosten. Von den Konsequenzen für die Betroffenen ganz zu schweigen.
    Bei den ganzen Diskussionen zum Thema Gesundheit geht es ja fast nur noch um Kosten.

    „Die Versorgung von Kopfschmerzpatienten in Deutschland unterliegt den aktuellen Restriktionen und Reglementierungen des Gesundheitssystems.
    Dabei kommt es zu einer Unterversorgung, da Kopfschmerzen im Gegensatz zu anderen Erkrankungen nicht so ernst genommen werden, wie es die durch sie verursachte Einschränkung der Lebensqualität und Produktivität eigentlich erwarten lassen würde.“

    Quelle:
    Die Versorgungssituation von Kopfschmerzpatienten in Deutschland
    S. Evers; T.-M. Wallasch, in Nervenheilkunde 2009; 28: 350–355

    In meinem Viertel, gibt es sehr viele Leute, die sich „Sehhilfen“ im Supermarkt für Zwofuffzich oder eine „Gebrauchte“ auf dem Flohmarkt kaufen, da sie sich keine Brille leisten können.

    Viele erkennt man daran, daß sie nicht lächeln, nicht nur weil sie nichts zu lachen haben, sondern auch weil sie sich keinen Zahnersatz leisten können.

    Da sei mir doch die Frage erlaubt: Warum es eine Versicherung überhaupt gibt?

    Natürlich bin ich der Meinung, daß man generell Eigenverantwortung tragen sollte, die in manchen Fällen auch ausgeprägter sein dürfte.

    Dazu gehört aber auch: ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht, das Versicherte bzw. Kranke nicht haben.

    Die Patientenvertreter der vier Organisationen haben z. B. im G-BA nicht mal ein Stimmrecht.

    Alle die an Krankheit verdienen bestimmen und die, die das alles finanzieren, haben nichts zu sagen??

    Leider fehlt mir die Kraft und die Zeit mal zu erforschen, welche geldwerten Leistungen die Selbsthilfeaktiven erbringen.
    Nicht zuletzt auch welche Einsparungen für das Gesundheitswesen.

    Grüße

    HR

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Hallo Harald,

    so viel ich weiß, gab es immer eine Grundversorgung und wird es wohl auch immer geben. Wenn Menschen ohne Gebiss bleiben, oder keine passende Brille haben, läuft wohl etwas anderes schief – denn darauf hat jeder Versicherte einen garantierten Anspruch.

    Bei den ganzen Diskussionen zum Thema Gesundheit geht es ja fast nur noch um Kosten.

    Das ist wohl wahr und sehr bedauerlich. Bleibt abzuwarten, wohin das alles noch führt…

    Leider fehlt mir die Kraft und die Zeit mal zu erforschen, welche geldwerten Leistungen die Selbsthilfeaktiven erbringen.
    Nicht zuletzt auch welche Einsparungen für das Gesundheitswesen.

    Gut, dass ein solcher Einsatz stattfindet. Eigentlich sollte sich jeder – im Rahmen seiner Möglichkeiten – ein wenig für die Gemeinschaft einsetzen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Für meine 12 Tabletten „Allegro“ zahle ich heute 24.99€. Das Reimportprodukt „Tigreat“ ist zur Zeit immer noch nicht lieferbar und wird es wohl in absehbarer Zeit auch nicht sein. Meine Apothekerin hatte sich sehr bemüht und bei verschiedenen Stellen angerufen.

    Leider kann ich nicht abwarten, wie sich das in den nächsten Wochen/Monaten entwickelt. Ich BRAUCHE mein Triptan einfach!

    Man fühlt sich hier genauso hilflos, wie wenn die Öl-, Gas-, Wasser- oder Strompreise großzügig angehoben werden. Man kann sich nicht dagegen wehren, was den Firmen natürlich durchaus bewusst ist.

    Dennoch freue ich mich daran, dass wir heute einen so herrlichen Herbsttag haben, die Sonne scheint und mein Kopf gerade ganz brav ist.

    Allen ein schönes Wochenende,
    Heika

    Anonym
    Beitragsanzahl: 77

    Hallo liebe Heika,

    das tut mir sehr leid mit deiner Zuzahlung.

    Ich verstehe diesen Unsinn sowieso überhaupt nicht. Ich finde es einfach nur Unmöglich was den Kranken da wiedermal zugemutet wird!

    Als wenn jeder das Geld heut zutage so locker zu sitzen hätte!

    Ich habe gestern mein Rezept für eine 6er Packung Relpax eingelöst und nur 5,-Euro zugezahlt,da mir mein Arzt ein Reimport verschrieb.

    Auf ein anderes Triptan kannst du nicht umstellen? Das wäre dann erstmal Preiswerter für dich.

    Ja, mir geht es nun auch wieder besser. Hatte ja heute Früh nach einer Migränepause von 7 Tagen,wieder einen Anfall.

    Ich finde das Wetter auch einfach nur Herrlich!

    Liebe Grüße
    Astrid

    Mareike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 9

    Hallo Heika,
    da Allegro so teuer ist,habe ich von meinem Arzt Naramig verschrieben bekommen(Zuzahlung 5€).
    Es gehört-genau wie Allegro-zu den milden, lang wirksamen Triptanen und hilft mir genauso gut.

    Vielleicht wäre das für dich auch eine Option?!

    Liebe Grüße

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Liebe Astrid, liebe Mareike,

    das mit dem Naramig wäre wirklich mal zu überlegen. Wichtig ist bei mir, dass das Triptan lange wirkt, da meine Attacken in der Regel 48 Stunden dauern, und dass es nicht so stark ist. Vielen Dank für eure Antworten!

    Lieber Gruß
    Heika

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3975

    Liebe Heika,
    wenn du Naramig noch nicht kennst und mit einem relativ schwachen Triptan auskommst, dann kann ich dir das nur empfehlen. Ich bin von allegro auf Naramig umgestiegen und bin froh..
    Naramig hat bei mir noch weniger Nebenwirkungen und es hält mindestens genau so lange vor. Es brcuht auch nicht so lange, bis die wirkung einsetzt wie das allegro und wenn es wirkt, kann das Leben wieder beginnen!

    Viel Erfolg!!!

    Gruß
    Gisela

    Friedrich
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 75

    Anregungen und Vorschläge nehmen Der Gemeinsame Bundesausschuss und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung:

    Wolfgang Zöller
    Friedrichstraße 108
    10117 Berlin
    Telefon: 030 18 441-3420

    patientenbeauftragter@bmg.bund.de

    http://www.patientenbeauftragter.de/front_content.php?idcat=23&lang=1

    … sicherlich ebenfalls gerne entgegen!

    Hartmut Göbel
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 459

    Neuer Festbetragsregelung für Triptane: Auswirkungen für Patienten und Ärzte
    Dr. Axel Heinze, Dr. Katja Heinze-Kuhn und Prof. Dr. Hartmut Göbel
    Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel
    http://www.schmerzklinik.de/2010/09/21/neue-festbetragsregelung-fuer-triptane/

    Patienten, die ab dem 1. September 2010 wie gewohnt ihre Triptanrezepte bei einer Apotheke einlösen wollten, erlebten zum Teil eine unangenehme Überraschung. So wurde für Packungen mit 6 Tabletten in den Apotheken bei einigen Triptanen eine Zuzahlung von bis zu € 33,- verlangt. Selbst eigentlich von der Zuzahlung befreite Patienten wurden noch bis zu € 28,- abverlangt.

    Hintergrund dieses dramatischen und unangekündigten Anstieges der Zuzahlung ist die neue Festbetragsregelung für die Triptane:

    * Der Festbetrag bezeichnet die Höchstgrenze, bis zu der die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für bestimmte Arzneimittel oder Hilfsmittel übernehmen.
    * Liegt der Preis eines Arzneimittels über dem Festbetrag, muss der Patient die Differenz aus eigener Tasche bezahlen, sofern er speziell dieses Arzneimittel wünscht.
    * Hinzu kommen noch die gewohnten 10 % Zuzahlung für das Medikament, wobei sich die 10 % zumindest nur auf den niedrigeren Festbetrag und nicht den tatsächlichen Preis beziehen.
    * Nur von dieser 10%igen Zuzahlung kann man sich auf Antrag befreien lassen.

    Der Sinn der Festbetragsregelungen ist eine Kostenersparnis im Gesundheitswesen. Dabei sollen die eingesparten Kosten keineswegs dem Patienten aufgebürdet werden. Der Patient soll vielmehr von teuren Medikamenten hin zu preiswerteren Arzneimitteln geführt werden. Gleichzeitig sollen die Hersteller zu Preissenkungen veranlasst werden.

    Festbetragsregelungen können immer nur dann eingeführt werden, wenn es in einer Arzneimittelgruppe mindestens drei Arzneimittel gibt, von denen keines eine therapeutische Verbesserung darstellt oder z.B. verringerte Nebenwirkungen aufweist. Der Festbetrag orientiert sich dann immer am preiswertesten Vertreter einer Arzneimittelgruppe.

    Der erste Vertreter der Substanzklasse der Triptane war das Sumatriptan. In den Folgejahren wurden sechs weitere Triptane zugelassen (Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Almotriptan, Eletriptan und Frovatriptan). 2006 endete der Patentschutz von Sumatriptan, das fortan von zahlreichen Herstellern als Generikum („Nachahmerpräparat“) angeboten wurde. Die hierdurch ausgelöste Preisreduktion des Sumatriptans führte zu einem deutlichen Preisgefälle zwischen Sumatriptan auf der einen und den übrigen Triptanen auf der anderen Seite. Dieses Preisgefälle innerhalb einer Substanzklasse ist Grundbedingung, dass eine Festbetragsregelung überhaupt finanziell für die Gesetzlichen Krankenkassen sinnvoll wäre.

    Der nächste Schritt war dann die Feststellung, dass alle anderen Triptane gegenüber dem Sumatriptan keinen therapeutischen Vorteil aufweisen. Das Gesundheitssystem spricht hier von „me too“-Präparaten (me too [engl.]= ich auch, oder frei übersetzt: „ich habe auch die gleiche Substanz“).

    An dieser Feststellung waren u.a. der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beteiligt. Damit waren die Bedingungen erfüllt, das die Spitzenverbände der Krankenkassen einen Festbetrag für alle Triptane in Tabletten- oder Schmelztablettenform einführen konnten, der ab dem 1.September 2010 gültig ist. Der Festbetrag orientiert sich dabei an den preiswerten Sumatriptan-Generika.

    Aus wissenschaftlicher Sicht weisen die einzelnen Triptane allesamt den gleichen Wirkungsmechanismus auf. Sie unterscheiden sich jedoch in der klinischen Anwendung zum Teil deutlich hinsichtlich Wirkstärke, Wirkgeschwindigkeit, Wirkdauer und/oder Verträglichkeit. Gerade letzteres wird u.a. dadurch dokumentiert, dass in Deutschland bislang erst ein Triptan rezeptfrei erhältlich ist (Naratriptan). Es ist davon auszugehen, dass die Mehrheit der Patienten, die heute andere Triptane einsetzen, mit Sumatriptan zumindest Erfahrungen gesammelt haben. Auf Grund von Arzneimittelbudgetierungen lag es bereits seit langem im Interesse der verordnenden Ärzte, in erster Linie das preiswerte Sumatriptan einzusetzen, für Patienten war die fehlende Zuzahlung attraktiv. Wer als Patient dennoch andere Triptane einnahm, tat dies aufgrund ärztlicher Verordnung aufgrund höherer Wirksamkeit oder besserer Verträglichkeit. Für diesen individuellen Patienten war und ist „sein“ Triptan daher kein „me too“-Präparat.

    Seitens der Triptanhersteller reagierte bislang nur der Hersteller des Maxalt auf die veränderte Festbetragsregelung. Der Preis für die Maxalt-Tablette wurde auf den aktuellen Festbetrag gesenkt, so dass hier keine zusätzlichen Kosten über die 10%ige Zuzahlung hinaus entstehen. Auch der Preis der Maxalt lingua-Schmerztablette wurde reduziert, liegt aber weiter oberhalb des Festbetrages.

    In den Anfangswochen der neuen Festbetragsregelung konnten Patienten mit engagierten Apothekern bei allen anderen Triptanen auf preiswerte Re-Importe ausweichen. Insbesondere die beiden Firmen EMRA-MED und EURIM Pharm boten Triptane als Importware aus anderen europäischen Ländern zu Preisen an, die um mehr als die Hälfte unter denen der entsprechenden deutschen Präparate (und auch anderer Re-Importeure) lagen. Bei den Re-Importen handelt es sich um identische Produkte, die sich aber zum Teil im Namen unterscheiden (AscoTop = Zomig; Allegro = Tigreat). In diesen Wochen im September und zum Teil auch noch bis Anfang Oktober waren damit faktisch alle Triptane ohne Aufschläge erhältlich und die 10%ige Zuzahlung war entsprechend deutlich reduziert (um bis zu 5€ pro Packung). Bedauerlicherweise waren diese Re-Importe jedoch spätestens ab Oktober im Pharmagroßhandel weitestgehend vergriffen und es ist unklar wann und zu welchem Preis diese Re-Importe wieder zur Verfügung stehen.

    Was können individuell Betroffene Patienten konkret erwägen?

    Die Situation ist im Fluss ist und stetige Veränderungen sind zu erwarten sind. Genau das ist gesetzlich angestrebt. Durch die Festbeträge sollen Wirtschaftlichkeitsreserven ausgeschöpft und ein wirksamer Preiswettbewerb ausgelöst werden. Der eigentliche Kritikpunkt ist, ob Triptane tatsächlich in eine Festbetragsgruppe zusammengefasst werden können, d.h., ob es sich um pharmakologisch-therapeutisch vergleichbare Wirkstoffe handelt. Das kann theoretisch so gesehen werden. In der praktischen Anwendung zeigt sich jedoch, dass die individuelle Wirksamkeit und Verträglichkeit sich von Triptan zu Triptan ausgeprägt unterscheiden kann und klinische Vergleichbarkeit nicht besteht. Patienten können folgende Schritte in Betracht ziehen (Stand 15.11.2010):

    1. Nochmals einen neuen Anlauf unternehmen und die beiden günstigen Triptane Sumatriptan und Rizatriptan (Maxalt-Tabletten) austesten. Das Rizatriptan weist dabei im Vergleich eine etwas stärkere und schnellere Wirkung auf. Die meisten Sumatriptan-Generika kosten noch nicht einmal die 10%ige Zuzahlung.
    2. Bei nicht ausreichender Wirkung richtige Dosierung beachten, ggf. die Dosis erhöhen (Sumatriptan 100 mg statt 50 mg, Rizatriptan 10 mg statt 5 mg).
    3. Möglichst frühe Einnahme im Migräneanfall anstreben.
    4. Durch eine solche Triptanrotation den bisherigen Anbieter zum Preiswettbewerb ermuntern.
    5. Wenn früher ein anderes Triptan nicht geholfen hat (oder schlechter verträglich war), kann dies zu einem späteren Zeitpunkt ohne weiteres möglich sein, daher nicht auf frühere Erfahrungen verlassen.
    6. Resorptionsverbesserung durch Zugabe eines Mittels gegen Übelkeit wie MCP oder Domperidon erzielen.
    7. Beim Zolmitriptan kann anstelle der Tablette und Schmelztablette auf das Nasenspray ausgewichen werden, das von der Festbetragsregelung nicht betroffen ist.
    8. Wirksamkeitsverbesserung und vor allem auch Reduktion von Wiederkehrkopfschmerzen durch Zugabe eines langwirksamen NSAR wie Naproxen 500 mg testen.
    9. Vorbeugung mit Medikamenten neu einstellen.
    10. Vorbeugung durch Verhalten intensiv beachten.
    11. Spätestens nach all diesen Maßnahmen darauf bauen, dass auch der letzte Hersteller sich den Festbeträgen angenähert hat.

    Es ist zu hoffen, dass zukünftig Patientinnen und Patienten nicht von neuen Anpassungen der Regelungen ohne Vorinformation überrascht und betroffen werden.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Vielen Dank für diese aufschlußreiche und gut verständliche Darlegung des Sachverhaltes. Fazit: Noch ein wenig Geduld, denn letztendlich kommt die Regelung dann doch dem Patienten entgegen.

    oeco
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 203

    Auch von mir vielen Dank für die Erklärungen! Der Beitrag hat das Ganze doch noch mal verdeutlicht und auch auf die positive Seite hingewiesen. Also nicht immer nur lamentieren sondern es auch mal optimistscher sehen 🙂

    Knorpel
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 85

    Ich möchte dieser doch recht positiven Darstellung entgegenhalten, daß ich nun schon seit einem Monat kein Ascotop 5mg und auch keinen Reimport davon mehr erhalten habe. Mit diesem Triptan bin ich als chronischer Migräniker seit Jahren gut gefahren und konnte mein Leben erträglich gestalten. Die nun fälligen ca. 150€ monatlicher Aufzahlung vermag ich nicht zu leisten – meine Belastungsgrenze liegt bei 120€ im Jahr. Da Ascotop nasal bei mir nicht anschlägt, mußte ich auf die Imigran inject ausweichen, wobei die Kasse ganz bestimmt nicht spart. Diese Spritzen sind mehr als dreimal so teuer wie die von mir bisher benutzten Ascotop- Tabletten. Ich brauche sie öfter als die Tabletten, weil die Wirkdauer nur 6h beträgt, und fühle mich wesentlich schlechter, weil ich davon nur zwei am Tag nehmen darf. Das heißt, an 20 Tagen im Monat laufe ich jeweils 12 Stunden mit Migräne herum bzw. verbringe diese im Bett. Bisher habe ich den Tag so verteilt: 6h migränefrei wach s
    ein, 6h migränefrei schlafen. Aber die Spritzen wirken bei weitem nicht so zuverlässig wie Ascotop. Dadurch hatte ich schon enorme Einbrüche nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch bei der Gestaltung meines Alltags.
    Die von mir angeschriebenen Herren Gesundheitsminister, Bundespatienten- und -behindertenberater sowie sogar die Migräneliga antworten mir gleichlautend, ich solle mit meinem Arzt über ein anderes Medikament sprechen oder auf Reimporte und Generika ausweichen. Natürlich habe ich das alles schon vor dieser unsäglichen Festbetragssenkung versucht. Ich habe mit vielen Migränikern und anderen chronisch Kranken gesprochen, die in ähnlich prekären Situationen sind und keinen Ausweg wissen. Man spielt hier ein Spiel auf dem Rücken der Patienten, und wir erhalten von nirgends Unterstützung.

    P.S.: Nein, ich bin nicht im MÜK – wäre ich drin, hätte ich wohl kaum 5 Tage am Stück keine Kopfschmerzen.

    P.P.S.: Wegen der angesprochenen Verwirrung bezüglich der Preise habe ich gerade den Hersteller angerufen: Ascotop 5mg kostet weiterhin 54,97€; die Zuzahlung beträgt 28,37€.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Deine Situation ist sehr schwierig, Knorpel. Das tut mir leid für Dich.

    Ich habe Prof. Göbels Beitrag so verstanden, dass der Weg zu einer fairen und für alle sinnvollen Preispolitik nur über den Umweg der vorübergehenden Mehrbelastung möglich sein wird. So gesehen ist dieser jetzige Zustand nicht von Dauer und am Ende profitieren wir alle von günstigeren Preisen.

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Ich habe mich wegen dieser ganzen Angelegenheit mit meiner Krankenkasse in Verbindung gesetzt und um Aufklärung gebeten, da mich einfach auch die Preise bei diesem ganzen Hin und Her interessiert haben. Ich wurde sehr nett beraten, allerdings ändert es nichts an der Tatsache, dass wir Patienten in einen gewissen „Machtkampf“ verwickelt wurden.

    Mein Triptan kostete vor dem vor dem 1.9. ca. 90.-€. Der Festbetrag lag in etwa auf dieser Höhe. Nun wurde der Festbetrag aber ab dem 1.9. auf ca. 40.-€ gesenkt, ziemlich krass, wie ich finde. Die Herstellerfirma senkte ihren Betrag aber nur auf ca. 60.-€, die Differenz geht zu Lasten der Patienten, die nun hoffen müssen, dass die Pharmaindustrie nachgibt und die Preise noch weiter senkt.

    Aus einer objektiven Gesamtübersicht über die Kostenproblematik im Gesundheitswesen betrachtet, ist die Entwicklung hin zu angemessenen, fairen Preisen für Triptane natürlich wünschenswert und wird hoffentlich dazu führen, dass kein einziger Patient bei keinem Arzt mehr um seine Triptane „betteln“ muss, weil sie zu teuer sind und damit das ärztliche Budget über Gebühr strapazieren.

    Den Weg dahin hätte ich uns Patienten allerdings anders gewünscht.

    Heika

    Rinchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 214

    Danke für die sehr aufschlussreiche Erklärung. Ich bin GsD nicht betroffen, weil ich z.Zt. mit dem Sumatriptan recht gut zurecht komme. Ich habe im Laufe meiner Migränekarriere ja alle Triptane durchprobiert, weil sie nach einer gewissen Zeit an Wirksamkeit verloren und ich wechseln musste. Allein diese Tatsache läßt mir einen Schauer über den Rücken fahren. Patienten müssen evtl. aus finanziellen Gründen auf ein wirksames Medikament verzichten, weil die Kassen mit der Pharmaindustrie einen Machtkampf ausübt. Da tröstet es wenig, wenn es sich evtl. um eine vorübergehende Angelegenheit handelt. Und wer sagt denn, dass die Pharmafirmen sich wirklich so in die Knie zwingen lassen? Es gibt ja Medikamente, die vom Deutschen Markt genommen wurden, weil „sie nicht mehr wirtschaftlich“ waren.
    Ich habe mich direkt an die Pharmafirmen gewandt und mich darüber beschwert…wenn das jeder Betroffene macht, würden die Pharmakonzerne vllt. schneller handeln.

    LG Rinchen

    Knorpel
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 85

    Hallo Rinchen, das habe ich auch gemacht. Man werde meine Beschwerde weiterleiten, hieß es.
    Ich finde aber, daß das ein politisches Problem ist, denn es geht hier ja nicht um irgendeinen Luxus, sondern um Grundlagen eines menschenwürdigen Lebens. Das mag überspitzt klingen, aber wenn man Leuten erzählt, daß man ganze Tage mit Schmerzen im Bett oder kotzend über dem Klo verbringt, sagen sie ja doch: Ich würd mir nen Strick nehmen. Muß sich erst jemand den Strick nehmen, bis sich etwas Aufmerksamkeit auf diese Probleme richtet?

    Harald Rupp
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 90

    … Das mag überspitzt klingen,

    Das ist nicht überspitzt.

    Es ist auch nicht nur ein politisches Problem, wenn Patienten die Verlierer der neuen Festbetragsregelung sind.

    Sondern da stellt sich die Frage, welche moralischen Werte die dafür Verantwortlichen vor sich hertragen.

    Rinchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 214

    Wo Geld regiert hat die Moral keinen Platz.

    LG rinchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    @rinchen said:
    Wo Geld regiert hat die Moral keinen Platz.

    LG rinchen

    Da hast Du ein wahres Wort gesprochen, liebes Rinchen. 🙁

    Trotz allem wird sich auf lange Sicht auch in dieser Angelegenheit hoffentlich bald alles zum Besseren wenden.

    Liebe Grüße
    Bettina

    thomas
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 9

    Hallo Bettina,

    wie aber sieht es aus , wenn viele von uns den Preis notgedrungen bezahlen ?
    Dann ändert sich gar nicht so viel, denn Angebot und Nachfrage ist ja das Non-Plus-Ultra heutzutage.
    So scheint es für mich momentan gar keine Alternative zu geben, als zu zahlen,
    denn Reimporte sind momentan nicht lieferbar.
    Und die AscoTop sind nun mal scheinbar für mich gemacht, bei den anderen wird mir ziemlich schwumrig oder die Wirkung ist unterirdisch schlecht.

    Ich bin erst gestern drüber gestolpert und sollte 50 Euro für die 12 2,5 mg Schmelztabletten asco Top bezahlen.

    Gruß
    Thomas

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Hallo Thomas, Dir gehts anscheinend wie mir. Ich habe auch nur AscoTop (+ Imigran Inject) als einzig wirksames Triptan.

    Schau doch mal in den Internetapotheken nach (DocMorris…), da erhältst Du Medikamente deutlich billiger. Irgendwann knickt auch AscoTop ein. 😉

    Außerdem könntest du Dir doch auch die 5 mg Schmelztabletten besorgen und – wenn nötig – teilen. Damit sparst Du schon die Hälfte der Zuzahlung.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Hartmut Göbel
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 459

    Heute ist das Thema Titelgeschichte in DER ZEIT
    http://www.zeit.de/administratives/2010-10/die-zeit

    thomas
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 9

    @bettina said:
    Hallo Thomas, Dir gehts anscheinend wie mir. Ich habe auch nur AscoTop (+ Imigran Inject) als einzig wirksames Triptan.

    Schau doch mal in den Internetapotheken nach (DocMorris…), da erhältst Du Medikamente deutlich billiger. Irgendwann knickt auch AscoTop ein. 😉

    Außerdem könntest du Dir doch auch die 5 mg Schmelztabletten besorgen und – wenn nötig – teilen. Damit sparst Du schon die Hälfte der Zuzahlung.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Hallo Bettina,

    DocMorris will sogar 53,90 für die 12 2,5 Schmelztabs.
    Also ist das auch keine Alternative.
    Und seid ihr sicher, das man die 5mg teilen darf?
    Hat die Tablette eine Sollbruchstelle , wo man sie teilen kann?
    Ich habe mal gelesen , dass nur solche Tabletten geteilt werden dürfen.

    Ich habe jetzt AstraZenica gemailt, dass ich mir das Produkt leider nicht (mehr) leisten kann….,mal sehen welche Antwort ich erhalte.
    Grüße Thomas

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