Allgemeine Erklärung zur ONS

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  • Bettina Frank – Admin
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    Occipitalis-Nervenstimulation zur Behandlung der chronischen Migräne

    Die chronische Migräne ist eine besonders schwere Verlaufsform der Migräne. Die betroffenen Patienten leiden an mehr als 15 Tagen pro Monat an schweren Kopfschmerzen. Die hohe Häufigkeit der Kopfschmerztage pro Monat besteht seit mindestens drei Monaten. Ein Medikamentenübergebrauch liegt nicht vor, so dass es sich bei der chronischen Migräne um eine spontan hohe Attackenfrequenz handelt, bei der auch eine Medikamentenpause keine Besserung bringt. Die Schmerzen können auch im Hinterhaupts- und Schulter-Nackenbereich lokalisiert sein. Vorbeugende Medikamente bewirken trotz ausreichender Dosierung und zeitlicher Dauer keine Verbesserung des schweren Verlaufes. Sämtliche Therapiemassnahmen zeigten keine nachhaltige Wirkung.

    Für diese besonders schwer betroffene Patientengruppe gibt es nur wenige wirksame Therapieoptionen. In neuester Zeit rücken nun auch Möglichkeiten der peripheren Nervenstimulation (PNS) als Behandlungsmöglichkeit zunehmend in den Fokus.

    Die periphere Nervenstimulation ist eine spezielle Anwendung der Neurostimulation. Diese wird bereits seit mehreren Jahrzehnten zur Linderung und Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt. Eine erfolgreiche Anwendung ist möglich bei Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Arm- und Beinschmerzen.

    Durch den zunehmenden Fortschritt der Mikroelektronik ist es möglich, ein schrittmacherähnliches Gerät unter die Haut zu implantieren und damit eine kontinuierliche periphere Nervenstimulation zu ermöglichen. Zur Behandlung der chronischen Migräne kann ein spezielles System implantiert werden. Dieses sendet elektrische Signale an den sich direkt unter der Nackenhaut befindlichen Occipitalnerven. Aufgrund dieser besonderen Lokalisation wird diese Behandlungsmöglichkeit auch Occipitalis-Nervenstimulation (ONS) genannt.

    Die Wirkungsweise der Occipitalis-Nervenstimulation wird durch Veränderungen der elektrischen Regulation im Hirnstamm erklärt. Das Muster der Schmerzsignale wird durch die kontinuierliche Stimulation moduliert und überdeckt. Die ständige Überempfindlichkeit im Nervensystem wird dadurch ausgeglichen und reduziert.

    Die Funktion des Neurostimulatorsystems und die periphere Nervenstimulation sind mit denen von Herzschrittmachern zu vergleichen. Das Gerät sendet jedoch keine Impulse zum Herzen, sondern über den Hinterhauptsnerv zum trigeminalen Hirnstammkomplex. Es wird angenommen, dass dadurch die körpereigene Schmerzabwehr aktiviert und stabilisiert wird und somit auf natürlichem Weg die Empfindlichkeit für Schmerzsignale reduziert werden kann.

    Für Patienten mit therapieresistenten chronischen Migräneschmerzen ergeben sich durch die Occipitalis-Nervenstimulation (ONS) neue Möglichkeiten in der Behandlung. Bei diesen Betroffenen besteht in der Regel seit Jahren eine chronische Migräneverlaufsform. Sämtliche leitliniengerechten vorbeugenden Medikamente und sonstige Therapiemaßnahmen wurden ohne Effekt durchgeführt oder aber sie wurden nicht vertragen. Für diese Patientengruppe gibt es nur sehr limitierte Möglichkeiten in der Behandlung. Eine Option stellt die Behandlung mit Botulinumtoxin (Botox) dar. Dieses Arzneimittel ist seit September 2011 für die Behandlung der chronischen Migräne zugelassen.

    Mittlerweile ist auch die periphere Nervenstimulation in Form der Occipitalis-Nervenstimulation (ONS) für die Behandlung der chronischen Migräne zugelassen. Betroffene Patienten können daher mit ihrem Arzt entscheiden, ob diese Behandlungsform für sie eine geeignete Möglichkeit darstellt. Diese Behandlung wird in dafür zertifizierten Zentren angeboten. Entscheidend ist dabei die genaue Analyse der Kopfschmerzform, die Indikationsstellung, die Implantation durch einen zertifizierten Neurochirurgen sowie die Langzeitbetreuung mit Therapie- und Verlaufskontrolle durch das Migränezentrum.

    Ziele der Therapie sind eine Reduktion der Kopfschmerztage pro Monat, eine relevante Linderung der Kopfschmerzintensität, Reduktion der Akutmedikamente und eine verbesserte Lebensqualität.

    Das Neurostimulationssystem für die Occipitalis-Nervenstimulation besteht aus drei Hauptbestandteilen,

    den Neurostimulator,
    den Elektroden und
    einem Bediengerät für die Patienten.

    Der Neurostimulator selbst entspricht in der Größe ungefähr einer Stoppuhr. Er enthält die Batterien und elektrischen Bestandteile, die die Impulse an die Elektroden erzeugen und dorthin senden. Die Elektroden bestehen aus dünnen Drähten, mit denen die elektrischen Signale vom Stimulator zu den Occipitalis-Nerven gesendet werden. Das Bediengerät für die Patienten ist einer kleinen Fernbedienung ähnlich. Es kann von den Patienten benutzt werden, den Neurostimulator ein- oder auszuschalten und das Reizmuster dem jeweiligen Bedürfnis entsprechend anzupassen.

    Die Behandlung der chronischen Migräne mit der peripheren Neurostimulation ist eine neue Therapiemethode. Langzeiterfahrungen für die Behandlung der chronischen Migräne liegen nur sehr vereinzelt vor. Diese Behandlungsform erfordert eine gute Zusammenarbeit zwischen Neurochirurgen und Neurologen. Während eines kleinen einfachen chirurgischen Eingriffs wird das Neurostimulationssystem implantiert. Die stationäre Behandlung erstreckt sich dabei in der Regel über einen Tag. Mögliche Komplikationen sind, wie bei jeder Operation, Infektionen oder postoperative Schmerzen. Im Langzeitverlauf können sich Risiken wie Verschiebung der Elektroden ergeben. Vor dem Eingriff wird genauestens über diese möglichen Komplikationen aufgeklärt. Die Elektroden werden unter die Haut gelegt, eine tieferliegende Operation erfolgt nicht.

    Die Langzeitbetreuung erfolgt in unserem Kopfschmerzzentrum. Dabei wird der genaue Verlauf der Migräne dokumentiert, der Stimulator eingestellt und es werden Langzeiterfahrungen systemisch wissenschaftlich ausgewertet. Im Rahmen einer multinationalen Analyse können so die Behandlungsergebnisse über mehrere Jahre beobachtet und bewertet werden. Ob die Möglichkeit einer peripheren Nervenstimulation in Form der Occipitalis-Stimulation im Einzelfall helfen kann, kann nur durch eine eingehende spezialisierte neurologisch-schmerztherapeutische Untersuchung geklärt werden.

    Dazu haben wir an der Schmerzklinik Kiel eine Spezialsprechstunde eingerichtet. Experten für Neurostimulation und Migräne analysieren eingehend den bisherigen Behandlungsverlauf sowie die Therapiemöglichkeiten mit dieser neuen Form der Vorbeugung bei chronischer Migräne.

    Studienergebnis
    Studienergebnis St. Jude

    http://www.youtube.com/watch?v=mI8w-tIzTJ8

    http://www.youtube.com/watch?v=ccrH5gk3wBQ

    http://www.youtube.com/watch?v=rL1YKE26cY4

    Quelle Schmerzklinik Kiel

    Susi
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 494

    Liebe Bettina,

    vielen Dank, dass du die Info nochmal mitsamt den Videos hier eingestellt hast 🙂
    Mich würden noch zwei Dinge interessieren: kann diese Untersuchung, ob die Methode für jemanden geeignet ist, nur in Kiel gemacht werden? Und kann man nach der Untersuchung mit Sicherheit sagen, ob jemand davon profitieren kann, oder weiß man das erst nach der OP sicher?
    Ich hoffe natürlich, dass ich diesen Eingriff nicht brauchen werde – aber falls doch, wäre es schön, die Erfolgsaussichten vorher zu kennen 😉

    Liebe Grüße
    Susi

    Happy
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1826

    Liebe Bettina,

    vielen Dank! Ich fand den Artikel sehr interessant und gut lesbar und verständlich. Gibt es auch die Möglichkeit, das in Kiel machen zu lassen z.B. in Verbindung mit einem weiteren zweiwöchigen Aufenthalt dort im Frühjahr?

    Ich würde es glatt bei mir machen lassen, denn ich fühle mich voll angsprochen von der Beschreibung der Patienten, die von dieser Behandlung profitieren sollen. Auch wenn es noch wenig Langzeitergebnisse gibt, nach dem, was ich alles durch habe und mit mittlerweilen 20 Migräne(!)-Tage (kein Spannungskopfschmerz, den habe ich nur sehr selten) bin ich zu allem bereit, was helfen kann.

    Ich würde gern für einen Aufenthalt im Frühjahr oder Frühsommer bei der Krankenkasse nachfragen, bzw. mich von meinem Neurologen einweisen lassen. Dann ist ein Jahr vergangen und sicherlich steht dem dann nichts im Wege. Bis dahin habe ich auch die Botox-Behandlung eingehend getestet.

    Danke für Deine gute Arbeit hier, Bettina. Spielst Du auch mit dem Gedanken, den Stimulator implantieren zu lassen?

    Liebe Grüße
    Christiane

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28444

    Liebe Susi,

    es gibt inzwischen in Deutschland einige Zentren, welche die OP anbieten und auch neurologisch begleiten. In Kiel ist die größte Erfahrung, sind die meisten schwer betroffenen Patienten und zusätzlich läuft eine Studie dazu. Ich persönlich würde jedem (!) raten, – egal, woher er kommt – sich in Kiel vorzustellen, bevor man die Implantation in Erwägung zieht. Die richtige Diagnosestellung ist das A und O für einen guten Erfolg und diese Diagnose würde ich nur von sehr erfahrenen Ärzten erstellen lassen.

    Man kann Dir sagen, ob Du profitieren könntest, aber niemand wird Dir eine Garantie geben können. Würde das jemand so ausdrücken, wäre das unseriös! Erst einige Wochen oder sogar Monate nach der OP kann man beurteilen, ob sie Erfolg hatte. Die Erfolgsaussichten sind doch relativ groß, wie Du den oben eingestellten Studien entnehmen kannst. Wie gesagt, ist es wichtig, dass die Patienten gut ausgesucht werden.

    Liebe Christiane,

    es ist möglich und sogar sinnvoll, dass Du Dich im Rahmen eines stationären Aufenthalts beraten lässt. (Nachträglich korrigiert wegen aktueller Informationen.)

    Mir hilft Botox doch oft ganz gut, aber die 10 Tage kann ich trotzdem so gut wie nie einhalten. Vor zwei Monaten hatte ich eine neue Prophylaxe gestartet, der ich noch eine Chance geben will. Wirkt sie nicht richtig, plane ich auch die Implantation.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Happy
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1826

    Danke Bettina 🙂
    und Dir viel Glück mit der neuen Prophylaxe.

    Wenn ich ohne Aufenthalt in Kiel das machen würde, wäre ja blöd, da ich so einen weiten Weg habe. Zuerst muss ja erst die Sprechstunde stattfinden und dann würde ich die OP auch gern in Kiel machen lassen.

    Wie ist das denn, wenn man das im Rahmen der Studie macht. Gibt es da Unterschiede? Ist das auch mit einem (wenigstens kurzem) Aufenthalt verbunden?

    Liebe Grüße
    Christiane

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28444

    Liebe Christiane,

    das Wichtigste ist die neurologische Diagnosestellung! Die würde ich Dir auf jeden Fall in Kiel empfehlen. Der Eingriff selbst ist absolute Routine für einen Neurochirurgen und den kannst Du auch wohnortnah vornehmen lassen. Der Vorteil, sich im Rahmen der Studie behandeln zu lassen, ist der, dass Diagnose, OP und Nachbehandlung in einer Hand sind und alles gut überwacht wird. Die an der Studie teilnehmenden Neurochirurgen sind zertifiziert und die interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniert dann einwandfrei.

    In Kiel wird im Moment noch nicht operiert im Rahmen der Studie, die nächste Möglichkeit wäre Lübeck. Da Du aber aus dem Süden bist, besteht keine Notwendigkeit, Dich im Norden operieren zu lassen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Happy
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1826

    Liebe Bettina,

    danke vielmals. Verzeihe mir, ich habe gerade so viele Fragen im Kopf.

    Kann man dann über Kiel Adressen bekommen, bei welchen Neurochirugen man sich operieren lassen kann.

    Läuft die Studie nur in Kiel oder in Verbindung mit den verschiedenen Zentren auch im süddeutschen Raum?

    Ich hätte ja mal an einer Studie in München mitmachen können, ging es da wohl um einen etwas anderen Stimulator, weil es dort ja transkutan gemacht wird. Allerdings nehmen die mich nicht, weil ich Fibromyalgie habe, das ist für die ein Ausschlusskriterium. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.

    Liebe Grüße und danke nochmals für Deine geduldigen Antworten.

    Christiane