Optimales Verhalten bei Migräne – Zwischen Schmerz Aushalten und frühzeitiger Medikamenteneinnahme

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  • Jürgen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 29

    Hallo,

    was mir immer noch nicht richtig klar ist:

    Migräne ohne Medikamenten/Triptaneinnahme aushalten soll ja die nächste Schmerzattacke hinauszögern. Dagegen spricht das Schmerzgedächtnis, oder? Mal abgesehen von der 10-10 Regel und einer generellen Medipause wegen MÜK: lohnt es dann doch die eine oder andere Attacke ohne Medikamente auszuhalten oder ist das völliger Blödsinn? Ist das eine Gratwanderung zwischen diesen beiden Aspekten oder gibt es da doch eine Maxime?

    Mich würden eure eigenen Erfahrungen interessieren und auch wie eurer meinung nach der med.Stand der Dinge ist.

    Immer wieder stelle ich mir oder jemand anders(meine Frau…) die Frage, ob es nicht auch sinnvoll ist, ohne Triptan …

    Gruß

    Jürgen

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5651

    Hallo Jürgen,

    wenn du in dieser Gruppe auf „Dokumente“ klickst, siehst du, dass ein ganz ausführlicher Artikel zum Thema Schmerzgedächtnis von Prof. Göbel reingestellt ist. Bei Migräne ist das Schmerzgedächtnis NICHT betroffen. Wenn du unbedingt Migräne-Schmerzen aushalten willst, wirst du es nicht aktivieren.

    Natürlich KANN man Migräne ohne Triptane durchstehen. Früher gab es die Triptane nicht, da musste es ohne gehen. Ich musste auch mal monatelang ganz ohne auskommen. Ich habe es „überlebt“ ;-), aber es war wirklich nicht witzig! 🙁

    Ich persönlich würde niemals freiwillig Schmerzen durchstehen, nur um eine längere Pause zur nächsten Attacke zu haben, wenn ich nicht von der von dir schon erwähnten MÜK- oder 10/20- Regel- Problematik betroffen wäre.

    Allerdings vertrage ich mein Triptan auch sehr gut und es wirkt fast immer optimal. In einem unnötigen Mich-quälen sehe ich keinen Sinn.

    Lieber Gruß

    Heika

     

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28006

    Lieber Jürgen,

    im Forum http://www.headbook.me/groups/schmerzgedaechtnis/forum/topic/fragen-zum-schmerzgedaechtnis-im-zusammenhang-mit-migraene/ wurde diese Frage schon von Prof. Göbel beantwortet. 

    Migräne entsteht im Zentralnervensystem, daher kann kein Schmerzgedächtnis entstehen, wenn man Attacken ohne Medikation durchsteht. Ganz anders z.B. bei Rückenschmerzen, wo der Schmerz in Sehnen und Muskeln entsteht und die Nichtbehandlung der Schmerzen sich daher ins Schmerzgedächtnis einbrennen und verselbständigen kann.

    Wenn Du es aushältst, eine Migräne ohne Medikamente zu durchleben, wird Dir das nicht schaden und eventuell lässt die nächste Attacke dann länger auf sich warten. Wie Du das psychisch überstehst, ist dann die andere Frage.

    Ich bin nicht mehr bereit, eine Migräne unbehandelt durchzustehen, da es meist in Dauererbrechen endet. Das tue ich mir nicht an – nie mehr. Wenn ich eine Pause mit Kortison einlege, nehme ich zusätzlich noch Neuroleptika oder Diazepam, damit ich so wenig wie möglich vom Schmerz mitbekomme.

    Liebe Grüße

    Bettina

     

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28006

    Jetzt haben wir uns überschnitten, Heike. Doppelter Service für Jürgen. 🙂

    susisonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 677

    Danke wegen dem Hinweis, dass Schmerzen aushalten nicht viel bringt (außer ggf. Hinauszögern der nächsten Attacke) – habe in den letzten Jahren nämlich sehr viele Attacken ausgehalten … 🙁

    Ronja
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 970

    Lieber Jürgen,

    ich will es mir gar nicht vorstellen, eine Attacke ohne Triptan durchzustehen. Ich nehme möglichst früh das Triptan ein, damit die Attacke erst gar nicht bis zum Vollbild ausbrechen kann.

    Ich halte auch nichts davon, die Attacken durchzustehen ohne Grund und einfach so, insbesondere bei den Erkenntnissen über das Schmerzgedächtnis. Ich vertrage Triptane auch sehr gut.

    Herzliche Grüße

    Ronja

    Jürgen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 29

    Danke für eure Antworten.

    Für mich sehe ich das jetzt so: Unbehandelt Schmerzanfälle überstehen, hat wahrscheinlich den Vorteil, dass die Schmerzen seltener kommen. Das geht aber natürlich nur, wenn die Schmerzen auszuhalten sind, insbesondere auch die Begleiterschungen. Über Dauererbrechen brauchen wir da natürlich nicht nachzudenken. Bei mir sind die Attacken aber nicht so stark. Vor meinem Aufenthalt in Kiel im Mai 2010 konnte ich mir nicht vorstellen, Kopfschmerzen unbehandelt auszuhalten. Eine Schmerzankündigung ohne Medikamente in Reichweite machte mich absolut unruhig. Nach der neunwöchigen Medipause in Kiel (mit Kortison) und zu Hause, habe ich aber doch sämtliche Attacken ausgehalten und es war auch ein unglaublich gutes Gefühl, dass die Schmerzen tatsächlich auch ohne Medi weggingen. Durchaus auch ein Gefühl der Stärke, ohne den dicken Max zu machen in dem Bewußtsein, dass Aushalten überhaupt möglich sein muss.
    Z.Z. geht es nicht mehr so gut, habe 9-12 Schmerztage und muss daher sowieso einige unbehandelt überstehen. Dabei ist es schwierig, die richtigen(leichten) herauszupicken. Manchmal ertrage ich es dann einen Tag und am zweiten wird es mir doch zuviel. Dann denke ich: hättest es doch gleich nehmen sollen, vlt. wäre der zweite Tag dir erspart geblieben.
    Aber gut zu wissen, dass das Schmerzgedächtnis bei reiner Migräne nicht zuschlägt.

    Gruß

    Jürgen

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5651

    Hallo Jürgen,

    wir alle probieren ja irgendwie rum, um den eigenen optimalen Weg zu finden. Mir haben all die vielen Tipps im Forum schon so viel geholfen, aber letztlich geht es ja immer darum, dass man für sich entscheidet, was für meinen ganz speziellen Fall in Frage kommt.

    Das habe ich früher übrigens auch oft gemacht: Die Attacke so durchstehen wollen, um dann nach einem Tag des Leidens doch das Triptan zu nehmen, weil es mir zu viel wurde. Das mache ich heute nicht mehr, und ich verstehe inzwischen, warum die Ärzte so viel Wert drauf legen, das Triptan RECHTZEITIG zu nehmen: Man erspart sich viele Mühen. Allerdings hab ich im Gegensatz zu dir leicht reden, denn ich habe weniger Schmerztage als du.

    Dir alles Gute bei DEINEM Weg!

    Heika

    lwin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 20

    Hallo Jürgen,

    ich kann genau nachempfinden, was Du meinst. Ohne Triptane habe ich 5 Mal im Monat Migräne, die allerdings ca. 27 – 30 Stunden dauert und irrsinnig schwer zu ertragen ist. Früher musste ich es immer ertragen, bevor es die Triptane gab, half mir nicht anderes. Seit es Triptane gibt hat sich die Anfallshäufigkeit auf ca. 13 – 15 Mal im Monat erhöht. Ich schaffe es allerdings kaum noch einen Anfall ohne Triptan auszuhalten. Wenn ich es dann doch mal schaffe, geht es mir mind. eine Woche richtig gut. Für mich sind die Triptane immer noch ein Segen und ein Fluch zugleich…….

    Alles Liebe

    Gabi

     

    Kerstin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 38

    Hallo,
    verstanden habe ich jetzt, das das Schmerzgedächnis bei einer Migräne die ich ohne Medikamente durchstehe nicht aktiv wird. Jetzt hatte ich bevor ich diesen Sommer in Kiel war gar keine Akutmedikamente, weil nichts gewirkt hat.Mußte also egal ob Migräne oder Spannungskopfschmerz es so durchstehen. Meine Migräneattacken hätten infolgedessen weniger werden müssen? Es war allerdings andersherum – es wurde immer mehr und heftiger, bis ich in einem Dauerkopfschmerz war. Waren es dann die Spannungskopfschmerzen die das Schmerzgedachnis so aktiviert haben??
    Lieben Gruß, Kerstin

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28006

    Liebe Kerstin,

    Du hast kein Schmerzgedächtnis entwickelt, sondern Deine allgemeine Schmerzempfindlichkeit hat sich erhöht durch die unbehandelten Schmerzen. Daher sollte man Schmerzen immer behandeln, der Migräniker muss halt auf die 10er-Grenze achten.

    Liebe Grüße
    Bettina

    himbeere1
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 20

    Hallo zusammen,

    muss das Thema jetzt noch mal aufwärmen.

    War vor fünf Jahren auch immer der Meinung ich muss die Migräne aushalten bzw. möglichst lange aushalten damit ich Triptane „sparen“ kann. Mittlerweile weiß ich zum Glück, dass ich die frühzeitig einnehmen muss und hab mir somit viele schmerzhafte Tage erspart.

    Leider ist es bei mir hin und wieder der Fall und zur Zeit wieder häufiger, dass ich bereits mit starker Migräne aufwache und wenn ich dann gleich ein Tritpan nehme (auch mit Ibu oder Proxen) die Wirkung nicht lange anhält und ich noch eins nehmen muss und was dann leider noch dazu kommt, dass die Attacke dann über mehrere Tage anhält (bis zu 6 Tage).

    Hab zwar auch schon drei mal Kortison bekommen, als ich die Migräne länger als drei Tage hatte, aber was kann ich noch nehmen bzw. nehmt ihr die Triptane dann auch mal vier Tage oder noch länger hintereinander?

    Sorry vielleicht hab ichs überlesen oder meine Augen lassen mich wg. der Migräne heute wieder in Stich.

    Bettina Frank
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 36

    Liebe Himbeere,

    wenn ich schon mit heftiger Migräne aufwache, nutze ich nur Imigran Inject. Sie wirkt so stark, dass sie die Attacken manchmal komplett kupieren kann. Aber gelegentlich dauert es trotzdem einige Tage.

    Du könntest die Wirkzeit verlängern mit Naproxen 500 mg, viel Magnesium einnehmen und abends auch mal Vomex dazunehmen. Einfach mal probieren, was Dir wann gut tut und ausreichend wirkt.

    Liebe Grüße und schnelle Besserung,
    Bettina

    papu64
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 121

    Hallo Bettina,
    ich kenne Naproxan gar nicht.
    Wenn ich das richtig verstehe, könnte ich Naproxan mit einem Triptan nehmen, um dann möglicherweise nicht gleich wieder eine Attacke zu haben?
    Ich bin leider schon wieder mitten drin im Geschehen nach der Pause mithilfe des Cortisons,- allerdings bisher ohne Spannungskopfschmerz bzw nächtliche Attacken. Ich suche jetzt eine Lösung zwischen den Migräneanfallen mehr als nur einen Tag Pause zu bekommen.
    Könnte das mit Naproxan gelingen?
    LG
    papu

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5651

    Liebe Papu,

    ich habe das Naproxen auch erst hier im Forum kennengelernt. Naproxen ist ein Schmerzmittel mit einer langen Halbwertszeit von ca. 12 Stunden. (Paracetamol hat ca. 2-4 Stunden, Ibuprofen ca. 6.)

    Man kann die Wirkung des Triptans sowohl verlängern als auch verstärken, gleichzeitig bekämpft man die Migräneattacke auf zwei Fronten: Das Triptan wirkt VOR der Synapse und verhindert die Ausschüttung der entzündlichen Eiweißstoffe, das Naproxen wirkt HINTER der Synapse.

    Da Naproxen den Magen reizen kann, nehme ich es immer nach dem Essen oder esse wenigstens eine Kleinigkeit dazu.

    Lieber Gruß
    Heika

    MiRi
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 302

    Liebe Papu,

    ich finde, Heika hat das toll erklärt, dem ist wenig hinzuzufügen. Der Schwerpunkt des Naproxens ist die Verstärkung und Verlängerung der Triptanwirkung. Die Reduzierung der Anfallsstärke und -häufigkeit versucht man mit den Prophylaxemitteln zu erreichen (in Deinem Fall ist das ja wohl Flunarizin).

    Liebe Grüße
    MiRi

    papu64
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 121

    Hallo Heika, hallo Miri,
    Danke für eure Antworten 🙂
    welches Naproxen ist denn zu empfehlen? Ich hab mal bei apo rot geschaut und da gibt es gleich wieder soviele Anbieter… Ich komme ja selbst aus der Pflege und wundere mich zum Einen, weil ich das Medikament überhaupt nicht kenne und zum anderen, warum mir meine Schmerztherapeutin dass noch nicht empfohlen hat ( sie hat auch mal in Kiel gearbeitet…)
    Miri, das Flunarizin nehme ich nicht mehr,- zu einer Cortisonphase habe ich unterstützend Doxepin erhalten und daraus wurde dann die „Prophylaxe“. Zur Zeit dosiere ich aber schon wieder von 50 auf 37,5 bzw heute sogar nur 25mg, da ich durch die Einnahme von Doxepin allein, total müde bin am Tag…..bei gleichtzeitiger Einnnahme von Cortison, war die Wirkung offensichtlich nicht so heftig, denn ich hab den Alltag normal gestalten können. Ich kann aber nicht auf Arbeit mit dem Kopf auf die Tischkante sinken… 😉
    Wie auch immer…..Cortison ist raus und ich bin wieder jeden zweiten Tag mit Migräne dabei :-(, aber wenigstens ist der nächtliche Spannungskopfschmerz noch weg 🙂
    LG
    papu

    MiRi
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 302

    Liebe Papu,

    ich denke, es ist beim Naproxen alles wirkstoffgleich (bin pharmazeutisch jetzt nicht der ganz große Experte) und in höherer Dosis ja auch verschreibungspflichtig. Ich habe mir von meiner Neurologin das Naproxen 500 anstandslos (zusätzlich zum Triptan) verschreiben lassen (warum sollte ich sie aus eigener Tasche bezahlen? 😉 ) und zuletzt das von Hexal bekommen und gut vertragen.

    Dir und allen andere Headbookern wunderschöne Pfingsten und einen schmerzfreien Kopf!

    Liebe Grüße
    MiRi

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5651

    Liebe Papu,

    die 250 mg Tabletten bekommst du ohne Rezept, musst halt dann zwei davon schlucken. Die Firma ist eigentlich egal, du solltest nur drauf achten, dass auch 250 mg pro Tablette ebthalten sind, denn ich bin mal an eine Packung geraten mit weniger pro Tablette.

    Lieber Gruß
    Heika

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