Frage zur Prophylaxe bei chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp

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  • Flocke
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    Hallo liebe Mitglieder

    Seit 1 1/2 Jahren leide ich nun an einem permanent bestehenden Kopfschmerz, welcher sich oft über Tage und Wochen hinweg in eine starke Intensität steigert.
    Akutmedikation ist nur bedingt wirkungsvoll und ich bin sehr darauf bedacht, nicht in eine MÜK zu geraten.
    Im Mai war ich aufgrund dieser Problematik stationär in der Schmerzklinik Kiel.
    Neben etlichen Diagnosen lautet meine unter anderem: chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp mit perikranieller Überempfindlichkeit, sowie Migräne ohne Aura (diese aber eher seltener, ist für mich aber oft nur schwer vom Spannungskopfschmerz abzugrenzen).
    Zudem leide ich auch unter Depressionen.
    Aus dieser Depressionsphase bin ich, auch durch Auftreten der chronischen Schmerzen, nie mehr richtig rausgekommen (ich bin aktuell auch wieder in psychotherapeutischer Behandlung).
    Weitere Details zu meinem Krankheitsverlauf wären an dieser Stelle zu umfassend.
    In Kiel verordnete man mir 4 MG Tizanidin zur Prophylaxe meiner chronischen Kopfschmerzen. Diese nehme ich seit ca. 6 Wochen.
    In Kiel selbst war schon eine Verbesserung (aber keine Beschwerdefreiheit) meines Gesundheitszustandes ersichtlich.
    Die ersten 2 Wochen hielt dies auch daheim an.
    Allerdings leide ich nun seit einigen Tagen wieder an starken Schmerzen (man muss dazu sagen, ich bin nicht sehr stressresistent und auch dies wirkt sich auf meine Schmerzen aus, das ist mir bewusst, ist aber nicht der einzige Grund meiner Schmerzen, sondern nur ein Baustein im gesamten System).
    Für mich ist es also sehr schwierig, diesen Kreislauf aus Stress, Schmerz, Stimmungstiefs etc. zu durchbrechen, woran ich aber täglich arbeite (momentan mit wenig Erfolg).
    Nun zu meiner Frage:
    Lohnt es sich, das Tizanidin weiter zu nehmen, da ich momentan wieder einen starken Einbruch erlebe? Sollten die Schmerzen unter einer Prophylaxe schleichend weniger werden oder ist es so, dass man nach zwei bis drei Monaten eine (relativ) plötzliche Verbesserung erfährt?
    In Kiel wurde mir, neben dem Tizanidin, als Option zu Amitryptilin geraten.
    Diesem Mittel stehe ich eher ambivalent gegenüber, da ich sehr viele und schlechte Erfahrungen mit Psychopharmaka gemacht habe und auch die Zeiten des Ausschleichens immer langwierig und katastrophal sind.
    (Die Einnahme diverser Mittel aus diesem Bereich haben mein Nervensystem wahrscheinlich noch zusätzlich Durcheinander gebracht).
    Allerdings würde ich dieses Mittel mittlerweile sogar in Betracht ziehen, da mein Leben mit diesen Schmerzen auch nicht gerade zufriedenstellend ist.
    Einen Termin bei einer Schmerztherapeutin habe ich erst Anfang September, leider muss man sich ja immer auf diese Wartezeiten einstellen.
    Zudem habe ich dem damals für mich zuständigen Oberarzt eine E-Mail mit dieser Frage zukommen lassen, allerdings bis jetzt ohne Rückmeldung.
    Aus diesem Grund richte ich mich mit meiner Frage nun an euch.
    Ich würde mich sehr über Antworten freuen und ansonsten wünsche ich allen hier ein sorgen- und schmerzfreieres Wochenende.

    LG
    Flocke

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4577

    Liebe Flocke,

    grundsätzlich sollte man Medikamenten genügend Zeit geben, um eine volle Wirksamkeit zu entwickeln. Bei Prophylaxen spricht man von 8-12 Wochen. Wenn man zu früh abbricht, läuft man Gefahr, dem Mittel die Chance auf Hilfe zu nehmen. Ich würde immer die volle Zeit abwarten, wenn es die NW zulassen. Wäre schade um einen vertanen Versuch.

    Deine Abneigung Psychopharmaka gegenüber ist verständlich aber m.E. nicht sinnvoll. Diese Medikamente sollen helfen. Leider muss man sie ausprobieren. Da jeder anderes und auch unterschiedlich sensibel reagiert, kommt es dann eben manchmal zu negativen Erfahrungen. Diese sollte man aber auch entsprechend einschätzen und mit seinem Arzt besprechen.

    Ich pers. lese aus deinem Beitrag eine im Grunde negative Stimmung. Völlig verständlich bei den Schmerzen die du erträgst.

    Auf die Empfehlung aus Kiel würde ich auf jeden Fall eingehen. Lass dir helfen, und lass es nicht zu, dass deine eigenen Abneigungen dir im Wege stehen.

    Sprich mit deinem Arzt darüber und versuche in der jetztingen Situation regelmäßige vorsorgliche Termine zu vereinbaren. Dann ist die Wartezeit nicht soooo lang.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Heike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 35

    Liebe Flocke,
    ich kann dich sehr gut verstehen.
    Im letzten November war ich stationär wegen Spannungskopfschmerzen und chronischer Migräne.
    Im KH wurde mir als Prophylaxe gegen die Spannungskopfschmerzen Amitriptylin verordnet und ich muss sagen, dass es mir bzgl. der Spannungskopfschmerzen sehr gut geholfen. Leider nicht gegen meine Migräne aber dafür ist Ami ja auch nicht unbedingt gedacht.
    Ich habe das Ami aber Ende Mai abgesetzt, weil meine Migräne mehr in den Vordergrund gerückt ist und ich diese nun versuche mit Betablocker ein wenig in Schacht zu halten. Die Spannungskopfschmerzen sind durch die Behandlung mit Ami um 100% zurück gegangen und auch jetzt nach dem Absetzen sind sie nicht wieder aufgetreten.
    Was ich allerdings dazu sagen muss, ist, dass es bei mir auch wirklich sehr starke Absetzungserscheinungen des Amitriptylins gibt. Ich habe Gelenk und Muskelschmerzen und mir ist manchmal sehr übel. Das sind, wie ich hier im Forum erfahren habe, die üblichen Absetzuungserscheinungen des Medikaments. Ich habe es allerdings nicht bereut, Ami genommen zu haben, weil es mir wirklich sehr sehr gut geholfen hat.
    Vielleicht wäre es doch eine Option für dich.

    Ich wünsche dir im Moment ganz viel Kraft.

    Liebe Grüße
    Heike

    Flocke
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 10

    Hallo zusammen

    Erstmal Danke an euch beiden für die Antworten.

    Mit den vorsorglichen Terminen hast du, Sternchen, natürlich Recht.
    Leider ist es so, dass ich bis kurz vor der Zeit in Kiel noch bei einem Neurologen mit Spezialisierung auf Kopfschmerzen war, der mit meiner Problematik überfordert zu sein schien und anscheinend auch nicht die richtige Diagnose gestellt hatte (mein Spannungskopfschmerz scheint etwas untypisch zu sein, ausser für Kiel, da konnte man das anscheinend sehr gut einordnen).
    Dadurch habe ich dann auch einiges an Zeit verloren.
    Ich werde dem Tizanidin dann jetzt noch etwas Zeit geben, da meine Möglichkeiten zur Zeit eh relativ stark begrenzt sind, auch wenn ich momentan nicht zufrieden mit der Situation bin.
    Es ist aber auch schön zu hören, Heike, dass das Amitryptilin wirklich gut helfen kann.
    Ich weiß ja auch, das dies bei jedem unterschiedlich ist, aber ich denke, wenn das Tizanidin nichts bringt, werde ich auf die Empfehlung von Kiel eingehen und das Medikament ausprobieren um auch nicht noch mehr Zeit zu vergeuden.
    Ich weiß auch, dass ich mir mit meinen Ängsten bzgl. Psychopharmaka manchmal im Wege stehe.
    Unbegründet sind diese aber leider keinesfalls. Das ich schlechte Erfahrungen mit diesen gemacht habe, leider vor allem auch mit Neuroleptika, ist noch ziemlich human ausgedrückt.
    In Kiel wurde mir auch ein schädlicher Gebrauch von Substanzen diagnostiziert (ja, habe ich wirklich als Diagnose), weil ich von Ärzten über ein Jahr lang mit verschiedensten Medikamenten, von Antidepressiva zu Neuroleptika bis hin zu Benzodiazepinen abgeschossen wurde und erst als es mir immer schlechter ging, ich selber anfing, das ganze zu hinterfragen und die Medikamente ausschlich.
    Psychisch wurde es, nach einer schweren Zeit, dann auch besser und es ist auch besser als noch z.B. 2017, aber, unter anderem als Folge dessen, ist jetzt auch diese chronische Schmerzerkrankung entstanden und so stecke ich jetzt, wie bereits erwähnt, in diesem Teufelskreis fest.
    Leider. Ich möchte hier gar nicht jammern, sondern mich nur etwas verständlich machen.
    Und ja, diese Mittel sollen helfen, aber das können sie auch nur, wenn ein vernünftiger Umgang mit diesen gepflegt wird, sprich, vernünftige Aufklärung seitens der Ärzte erfolgt, vorsichtige Dosisanpassungen vorgenommen werden etc. Etc.
    Ich denke, ihr wisst was ich meine.
    Und diese Kompetenz habe ich so, bis jetzt, leider nur in Kiel erlebt.
    Und leider kann ich ambulant auch nicht nach Kiel fahren, da ich viel weiter weg wohne und hier auf dem Land gibt es kaum kompetente und spezialisierte Ärzte/Kliniken etc.

    Ich wünsche euch noch ein angenehmes Restwochende und Heike, ich drücke dir die Daumen, das die Spannungskopfschmerzem weiterhin weg bleiben und du die Migräne auch noch besser in den Griff bekommst.

    LG
    Flocke

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Wochen von  Flocke.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Wochen von  Flocke.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Wochen von  Flocke.
    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27907

    Liebe Flocke,

    Du hast schon einiges durch, da sind Deine Ängste natürlich verständlich. Aber Du warst in einer sehr spezialisierten Klinik mit der größtmöglichen Erfahrung. Wenn man Dir Amitriptylin empfohlen hat, würde ich es unbedingt testen! Es ist Mittel der 1. Wahl beim Spannungskopfschmerz, kann sich sehr positiv auf Ganzkörperschmerzen (auch z. B. Fibromyalgie) und auch auf guten Schlaf auswirken und nicht zuletzt auch die Stimmung heben. Man kann es in Tropfenform sehr niedrig dosiert und sehr langsam einschleichen, dann ist die Verträglichkeit gut und manche haben auch schon bei sehr geringer Dosierung gute Wirkung. Ich würde gar nicht so lange fackeln und eher tauschen. Tizanidin ist ein Muskelrelaxans, das gut gegen den empfindlichen Schulter-/Nackenbereich wirken kann, aber nicht wirklich durchschlagend gegen Spannungskopfschmerzen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Flocke
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 10

    Hallo ihr Lieben

    Danke für den Rat, Bettina. Ich denke auf kurz oder lang wird es eh auf das Amitryptilin hinauslaufen, wenn ich dies gut vertrage und auch eine gute Wirksamkeit zeigen sollte, könnte ich damit auch gut leben, zumal man dieses Mittel im besten Fall ja auch kein Leben lang nimmt.

    Nun noch eine andere Frage:
    Zu meinen chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp zählen unter anderem auch Schmerzen entlang des Okzipitalnervs rechts, sowie der Trigeminusäste rechts.
    Ich bin seit meiner Schmerzerkrankung auch in ständiger zahnärztlicher Behandlung, da ich ständig Probleme an den Zähnen habe, unter anderem auch wegen einer vorhandenen Kiefergelenksproblematik (ich trage eine Aufbissschiene).
    Jetzt ist es so, dass mir ein bestimmter Zahn, neben einem bereits wurzelbehandelten Zahn, auf der rechten Seite immer wieder Probleme macht.
    Dieser ist extrem kälteempfindlich und seit dem Wochenende besteht dort auch wieder ein ziehender Dauerschmerz.
    Vor einem Jahr sah man auch schon, das ich dort eine Karies habe, welche aber noch nicht behandlungsbedürftig war.
    Auf der linken Seite habe ich auch Zähne mit Kariesstellen, welche wohl eher behandlungsbedürftig sind, diese machen aber keine Probleme.
    Ich bin somit sehr verunsichert, ob die Zahnschmerzen am rechten Zahn in die Trigeminusäste ausstrahlen oder ob meine chronische Schmerzerkrankung eine derartige Überempfindlichkeit in diesem Zahn verursacht. (Den Druckkopfschmerz habe ich beidseitig, nur diese ziehenden Schmerzen über die Nerven habe ich immer rechtsseitig).
    Ich bin schon immer sehr vorsichtig, dass ich an meinen Zähnen nicht übertrieben viel machen lasse, da durch Nervenreizungen chronische Schmerzen ja noch noch verschlimmert werden können.
    Ich kann halt leider gar nicht mehr unterscheiden, was im Bezug auf meine Schmerzen nun sinnvoll ist oder nicht.
    Zahn behandeln lassen oder eher nicht?
    Mein Zahnarzt weiß da manchmal auch nicht so den Rat, vielleicht, weil er auch nichts falsch machen möchte.
    Können Zahnschmerzen durch eine Karies überhaupt so über die Trigeminusäste weitergeleitet werden, vor allem wenn man eh schon eine Schmerzüberempfindlichkeit aufweist?

    Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche wünscht
    Flocke

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Wochen, 5 Tagen von  Flocke.
    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27907

    Liebe Flocke,

    Vor einem Jahr sah man auch schon, das ich dort eine Karies habe, welche aber noch nicht behandlungsbedürftig war.
    Auf der linken Seite habe ich auch Zähne mit Kariesstellen, welche wohl eher behandlungsbedürftig sind, diese machen aber keine Probleme.

    Karies muss immer behandelt werden! Karies vergeht nicht von selbst, sondern arbeitet sich immer mehr in die Tiefe vor bis zur Wurzel. Also lass die Zähne ordentlich sanieren, das ist der beste Garant für spätere Schmerzfreiheit. „Spätere“ deshalb, weil die Behandlung selbst erst mal triggern kann. Aber es ist keine Lösung, dies auszusitzen.

    Liebe Grüße
    Bettina

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