Jeder ist überfordert. Spannungskopfschmerz psychosomatisch?

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  • Matthias E.
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    Hallo, ich bin M, 44 und aus Berlin. Ich hab seit 3,5 Jahren mit Kopfschmerzen zu tun, seit ca. 1,5 Jahren sind sie chronisch. Und leider nicht immer nur mal tageweise, sondern dauerhaft. Ich stehe früh mit Kopfschmerzen auf und schlafe am Abend damit ein.

    Es würde den Rahmen sprengen, hier nun alles zu schrieben.

    Ich war heute wieder in der Berliner Charité, Kopfschmerzambulanz. Es war der 2. Termin. Immer lange Gespräche, aber heute wurde mir gesagt, man kann mir nicht helfen, kein weiterer Termin. Mich überrascht das aber nicht.

    Wo fange ich an… (?).

    In den letzten 4 Jahren war ich 1 Woche wegen Abklärung körperlicher Symptome im Krankenhaus, inkl. Herzkatheter Untersuchung. Alles bestens. Zu der Zeit litt ich seit 6 Monaten an einer Panikstörung, die für mich aus unerklärlichen Gründen auftrat. Blutdruck war zu der Zeit hoch, Herzrasen. Darum bekam ich Blutdrucktabletten, Wassertablette und Betablocker. Mir ging es immer schlechter mit den Medikamenten, physisch und psychisch.

    In der Zeit fingen die Kopfschmerzen an. Versucht wurden etwa 5 oder 6 verschiedene Blutdruckmedikamente und 5 verschiedene Betablocker. Nicht hab ich wirklich vertragen und irgendwann sagte mir dann eine Kardiologin, im Prinzip brach ich nichts, weil wenn ich ein paar kg Gewicht reduziere, dann könnte das schon helfen.

    Dann kam noch Tinnitus dazu, der gut 1 Jahr auch extrem belastete, heute kann ich damit umgehen.

    In der Phase war ich dann im Sommer 2009 in einer psychiatrischen Tagesklinik, die aber leider als Schwerpunkt Depression hatte und irgendwie fühlte ich mich dort falsch. Ich bekam einige Wochen Stangyl, fühlte mich damit aber nur noch schlechter, mein Kreislauf war ständig im Eimer. Dann bekam ich noch starken Ausschlag und sollte das Medikament weglassen. Einen Versuch mit Valdoxan brauch ich nach wenigen Tagen selbst ab.

    Ich muss dazu sagen, durch diese ganze Sache über etliche Monate mit den Blutdrucktabletten und Betablockern hab ich eine Art Medikamenten-Phobie entwickelt.

    In der Tagesklinik ging es mir von Tag zu Tag schlechter und ich ließ mich dann nach 2 Monaten entlassen.

    Um es hier abzukürzen, ich leide an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung, die laut etlicher Gutachter schon mein ganzes Leben besteht. Außerdem ADS.

    Dazu kamen dann in den letzten Jahren noch die Diagnosen Panikstörung, Zwangsstörung und von Depression wird auch immer geredet, wobei ich das anders sehe, weil mir eigentlich alle Kernsymptome fehlen.

    2010 war ich das ganze Jahr in einer ambulanten Verhaltenstherapie, die nichts brauchte. Die Psychologin sagte dann zum Schluss, sie hätte mir gern geholfen, aber es ging nicht. Warum auch immer.

    Nach der Tagesklinik war das dann der 2. Versuch.

    Problem ist und das sagte mir heute auch die Neurologin in der Charité, es ist bei mir einfach zu viel, zu kompliziert, man kann bei mir Äpfel nicht mehr von Birnen trennen.

    2 andere Psychologen nahmen mich erst gar nicht und sagten, es ist ihnen zu viel. Es sind zu viele Baustellen.

    Das kling für Aussenstehende bestimmt alles ganz dramatisch, aber mir persönlich geht es eigentlich NUR um die Dauerkopfschmerzen. Nur ist halt die Frage, wo ansetzen? Oder wo noch, was nicht schon geschehen ist.

    Ich war in den Jahren überall. HNO, 2 Neurochirurgen, in einer orthopädischen Klinik über die Jahre bei 4 oder 5 verschiedenen Orthopäden, 3 Neurologen, 1 Spezialambulanz, jetzt die Charité, bei sicher über 5 verschiedenen Psychiatern, alle Untersuchungen (5 MRT, 3 CT, EEG, EMG Arm und Beine, alle Formen von EKG, etliche Blutbilder, Hämatologin und noch viel mehr…).

    Leider muss ich sagen, jeder sieht ein anderes Problem, immer im jeweiligen Fachgebiet. 1 Neurochirurg wollte mich sogar an der HWS operieren, wo der nächste Neurochirurg dann sagte „Um Gottes Willen…“. Die Orthopäden sagen, HWS bedingter Kopfschmerz, dann ist es plötzlich nicht mehr so, weil 3 Physios hintereinander, 3 Monate Reizstrom, und Spritzen in die HWS null Wirkung zeigten.

    Schmerzmittel hab ich nie länger genommen, vielleicht 1-3 Mal ASS im Monat. Paracetamol oder Novamin geht wegen Allergie nicht. Selbst 2 x 400 mg Ibupropfen, Katadolon oder eine 100 mg Diclo hat null Wirkung auf den Kopfschmerz. Darum nehme ich nichts. Es hilft eh nicht.

    Mein Hausarzt verschrieb mir mal Tilidin Tropfen, die hab ich nie genommen.

    Neurochirurgen und Orthopäden gaben mir Bromazepam oder Tetrazepam, brachte auch nichts, nahm ich aber auch immer nur mal 1 oder 2 Tage. Mein Psychiater sagte, ich soll es besser ganz lassen.

    Kommunikation unter den Fachärzten gibt es ja auch nicht. Da telefoniert kein Orthopäde mit dem Psychiater und er nicht mit der Psychologin oder dem Hausarzt. Nichts.

    Wie gesagt, mit Medikamenten hab ich ein großes Problem und oft hab ich sie dann auch sehr schlecht vertragen.

    Was absolut nicht ging (wurde alles verschrieben), war Amitripylin ( 3 Versuche in 2 Jahren), Trazodon, Cipralex, Elontril, Lyrica. Meist unerträglicher Zustand, auch Allergien.

    Ritalin brachte am Anfang Linderung, es war das einzige Medikament, wo die Kopfschmerzen sogar mal einige Stunden weg gingen. Ich hab es dann aber auch schlecht vertragen, bekam einen starken Reboundeffekt, Panikattacken bei Wirkungsverlust etc. Dann wurde Amphetaminsaft versucht, war furchtbar, ich fühlte mich nur noch wie auf der Flucht.

    Verständlicherweise möchte mir heute keiner mehr was verschrieben, wenn ich das alles erzähle. Ist für mich aber auch ok.

    Ich hab seit einigen Monaten EU Rente, bin auch bei einem GdB von 50. Für mich ist das ok so, wegen der psych. Störungen gab es im Berufsleben eh nur Probleme und ich war nur krank.

    In den letzten 3 Jahren hab ich 20 kg abgenommen, mir einen Hund angeschafft, laufe täglich um die 10 km. Mein Blutdruck hat sich normalisiert, Puls auch. Seit etwa 3 1/2 Jahren trinke ich generell keinen Alkohol mehr, bis dahin war es viel, täglich und z.T. an Wocheneden extrem viel. Über ca. 15 Jahre. Ich konnte es aber ohne Probleme lassen. Ich muss aber auch sagen, ich bekam damals unter Alkohol immer häufiger starke Panikattacken und wahrscheinlich hat mit die Angst geholfen, auf Alkohol zu verzichten.

    Vor 13 Monaten hab ich mir das Rauchen abgewöhnt, weil Neurologen meinten, wenn ich aufhöre, werde ich die Kopfschmerzen los. Ich fing mit 13 Jahren damals an, hörte mit 43 Jahren auf, also 30 Jahre! Und ich hab die letzten Jahre 40-50 am Tag geraucht!

    Ich hab einfach aufgehört. Ja. Ohne Hilfsmittel, ohne Antiraucher Buch oder CD, ohne Medikament. Es ging besser als ich dachte. Ich hab auch bis heute keinen Versuch wieder unternommen und hab keine Probleme. Ich denke, ich werde nie wieder rauchen, weil es mir besser gefällt.

    Aber das große Aber. Seit ich nicht mehr rauche wurden die Kopfschmerzen noch deutlich schlimmer und dann letztlich auch leider dauerhaft. Bis vor 13 Monaten war es nicht so. Trotzdem denke ich nicht daran, wieder anzufangen.

    Mein Problem ist nun, was kann ich noch tun? Die Charité Kopfschmerzambulanz sagte mir heute, mal psychosomatische Klinik. Mein Hausarzt sagte mir aber gerade wieder, er hält davon in meinem Fall nichts. Mein Psychiater (bin dort schon Jahre, auch über die Charité) sprach das auch nie an.

    Dazu kommen halt auch leider noch andere Symptome, wie ständige Missempfindungen in den Beinen (wie Stromschläge), der linke Arm ist immer mal für Stunden taub (geht schon Jahre), der besagte Tinnitus, die zermürbenden Kopfschmerzen. Ich bin kaum belastbar, muss mir alles einteilen.

    Selbst von nur 10 Minuten die Wohnung saugen bekomme ich heftige Kopfschmerzen, Schwindel, Schweißausbruch.

    Was kann oder soll man denn da noch machen? Ich wäre ja schon froh, wenn ich mal 1 Tag keine Kopfschmerzen hätte. Es gibt aber keine Mittel für mich im Akutfall.

    Ich war schon überall. Psychosomatische Klinik? Oder doch mal ein Antidepressiva nehmen (aber keine Amitr., Venlafaxin, Cymbalta etc.)?

    Danke für’s lesen, leider viel Text. 😉

    Conny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1024

    Hallo Matthias
    Herzlich willkommen hier bei uns im Forum.
    Schön das Du soviel von dir erzählt hast.

    Es ist auch wichtig soviel wie möglich von dir zu wissen so können wir uns gleich ein gutes Bild von dir machen.
    Einen grandiosen Tip für dich habe ich jetzt nicht gerade zur Hand und ich lese sicher deinen Text nochmal durch aber sei dir sicher …hier wirst du ernst genommen und jeder hört dir zu.
    Leider hast du ja schon viel hinter dir …mit mäßigem Erfolg.
    Besonders schade ist es auch das du viele Medikamente nicht verträgst…..den da stecken auch viele Chancen drin.
    Was du aber unbedingt aufgeben solltest ist deine Abwehrhaltung gegen Medikamente.Du wirst begreifen müssen das es ohne leider nicht geht.

    Die Frage ist hier nur …welches ist das richtige.Vllt wirst du manches auch besser vertragen wenn du deinen Einstellung dazu etwas änderst.
    Ich weiß das hört sich leicht an und ist es sicher nicht…ist aber unbedingt nötig.

    Liebe Grüße Conny

    Cinderella
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 548

    Hallo Matthias,
    auch von mir ein herzliches Willkommen. Da hast du ja wirklich viele Baustellen. Vielleicht wäre die Schmerzklinik Kiel nochmal eine Option für Dich. Dort wird ganzheitlich gearbeitet. Das heißt man lernt Entspannungsverfahren (die Du ja schon kennst), man macht Sport und es wird individuell auf Deine Schmerzen eingegangen.
    Ich hatte bis letztes Jahr auch täglich Kopfschmerzen. Mir helfen nun solche banalen Dinge wie Ausdauersport,Entspannungsverfahren, Muskelrelaxans (Sirdalud) und hochdosiert Magnesium.Spannungskopfweh hab ich seitdem so gut wie gar nicht mehr.
    Es gibt in vielen großen Städten Psychologen, die sich auf Schmerzen spezialisiert haben. Die Seele und Dein Körper müssen wieder ins Gleichgewicht kommen.
    Behandelst du Dein ADS?Ich habe auch eine Freundin, die im Erwachsenenalter darunter leidet.Wichtig ist ein Gesamtkonzept zu finden, was Dich vor allen Dingen von Deinen seelischen Schmerzen befreit.
    Schau Dir hier im Forum mal die einzelnen Gruppen an. Lies quer, und stell Fragen wenn welche da sind.
    Gutes Gelingen
    Cinderella

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28428

    Herzlich willkommen in Headbook, lieber Matthias. 🙂

    Du hast also keine Diagnose eines chronischen Kopfschmerzes? Es könnte tatsächlich sein, dass Du einen sekundären Kopfschmerz hast, dessen Ursprung in der psychischen Erkrankung liegt. Hier gilt es wahrscheinlich weiter anzusetzen.

    Rauchen schadet nicht nur dem Kopf, sondern dem gesamten Körper, da die Blutversorgung in allen Körperzellen sehr gedrosselt wird. Wenn Du jetzt nach dem Aufhören mehr Migräne hast, kann dies nur eine psychische Komponente sein. Das Rauchen entspannt, man tut sich was Gutes (glaubt man), kommt zur Ruhe, es ist wie ein Ritual und dies sorgt dafür, dass man sich gut fühlt. Jetzt wärst Du gut beraten, das schädliche Ritual durch ein Ritual zu ersetzen, womit Du Dich ähnlich gut fühlst.

    Gib auf keinen Fall auf und finde Dich mit Deiner Situation nicht ab! Ich kann mir vorstellen, dass Dir eine psychosomatische Klinik mit vielen Gespräche und eventuell auch ein Antidepressivum sehr gut tun würden.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Matthias E.
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7

    Hallo und danke für die Antworten. 😉

    Nein, das ADS wird nicht behandelt. Ich hab auch eher das Gefühl, so wichtig ist das nicht. Es ist halt schwierig, vielleicht dann doch irgendwo da anzuknüpfen, wo ich schon mal war und was nichts brachte. Sirdalud kenne ich auch, meine Extrasystholen wurden schlimmer und ich fühlte mich nicht wirklich toll. Tetrazepam (auch Muskelrelaxans, aber ein Benzo) hab ich ja auch immer mal genommen und mit null Erfolg. Wirklich gutes Magnesium (Citrat) nehme ich schon ewig, keine Wirkung.

    Entspannungsverfahren, gerade PME, hab ich schon seit Jahren immer mal versucht, auch in der Klinik oder bei einer Psychologin in Therapie, es geht bei mir nicht. Ich kann damit überhaupt nichts anfangen und letztlich wurde mir dann gesagt, dann soll ich es lassen und nicht noch 20 Mal damit anfangen.

    Ja, na klar sind es wegen Medikament auch Chancen, die man nicht nutzt. Es gibt aber Wirkstoffgruppen, die definitiv ausscheiden und wirklich viel bleibt dann nicht.

    Kurios ist doch auch, selbst in hoher Dosis wirken keine Schmerzmittel, obwohl ich quasi nie welche nehme. Das 1200 mg ASS, 100 mg Diclo oder 800 mg Ibuprofen null Wirkung haben und sogar z.T. die Kopfschmerzen noch verschlimmern, ist in meinen Augen merkwürdig.

    Wahrscheinlich würde eh nur Prophylaxe was bringen.

    Ich hab versucht, die Sachen nie zum Hobby zu machen, aber ich hab mich dann doch damit befasst, nach Lösungen gesucht. Bücher gelesen, auch von Prof. Göbel. Viel ist für mich eh unklar. Die Kopfschmerzen sind auf Stufe 5, ich gehe mit dem Hund in den Wald, hab auch Lust dazu und bekomme in der entspannenden Natur dann einen Anstieg auf Stufe 8-9 und gehe letztlich wieder nach Hause.

    Bei mir werden die Kopfschmerzen durch Aktivitäten immer deutlich schlimmer, sie schränken meine Lebensführung enorm ein. Für mich klingt es nicht wirklich nach Spannungskopfschmerz.

    Ich hatte noch nie Schlafstörungen, schlafe 7-8 Stunden, werde wach und merke noch im Halbschlaf, wie mir der Kopf total dröhnt. Immer und überall. Auch, wenn ich zu Besuch woanders bin. Es gibt seit 1,5 Jahren keinen einzigen Tag, wo es nicht so war. Tag für Tag. Bett erneuert, 2 x neue Matratze, mehrere Kissen versucht, Nackenrollen, nichts… Kein Unterschied.

    Was noch eine Option wäre, Joggen oder was in der Art. Allerdings fahre ich viel Rad und oft dann auch bis an die Leistungsgrenze. Mit dem Effekt, ich bin dann vor lauter Kopfschmerzen danach mehrere Stunden völlig platt. Das mache ich schon Jahre und ich hab mich damit noch nicht einmal gut oder besser gefühlt.

    Joggen wäre aber einen Versuch wert, ja. Nur dann eben am Abend oder so loszulaufen mit Kopfschmerz auf Stufe 7 oder 8 ist dann auch so eine Sache…

    Ansonsten, ja, ein Gesamtkonzept wäre gut. Nur darf man nicht vergessen, mir haben Neurologen die Charité empfohlen, wo ich nun 2 Mal war und selbst da sagt man mir, man könne mir nicht helfen.

    Matthias E.
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7

    Hallo Bettina, ja, genau so sehe ich es eigentlich auch. Die Neurologin in der Charité Kopfschmerzambulanz würde ja auch hellhörig, als ich ihr sagte, nichts hilft (Analgetika etc.), aber mit Methylphenidat (Ritalin etc.) bin ich nach 20 Minuten gleich mal für 2-3 Stunden frei von Kopfschmerzen. Das spricht fast eindeutig für einen psychischen Hintergrund, meinte sie.

    Wobei ich körperlich eher nicht der unruhige Typ bin, aber leider wohl vom Kopf her. Meist sehe ich es nicht so, aber da mache ich mir was vor.

    Ich soll kommenden Dienstag in der Charité (Klinik für Psychosomatik) anrufen wegen Termin und der ist sogar noch im Dezember (Erstgespräch). Das mache ich auf jeden Fall.

    Die Sache mit dem Rauchen kann ich so auch nur bestätigen. Auch wenn es mir schlechter geht, ich würde nicht mehr anfangen wollen. Es ist nicht gut.