Topiramat – trotz geringer Anfangsdosis wie ferngesteuert o.O

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  • Aliena
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo zusammen,

    nachdem ich als Neuling mich gerade schon in der anderen Gruppe vorgestellt habe, würde ich auch hier gerne meine Fragen zu Topiramat loswerden. Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Gestern Abend habe ich die erste Kapsel genommen, und zwar lediglich 15 mg – trotzdem laufe ich heute durch die Gegend wie ferngesteuert. Das macht mir in Hinblick auf meine Arbeit und die Erziehung meiner kleinen Tochter, insbesondere aber aufs Autofahren große Sorge.

    Ist es „normal“, dass Nebenwirkungen schon so früh und so stark auftreten, bei einer so geringen Dosierung? Ist da noch auf Besserung zu hoffen oder muss ich mich drauf einstellen, dass das die nächsten Tage eher noch schlimmer wird? Dann müsste ich wohl rechtzeitig einen Fahrdienst organisieren.

    Mich interessiert auch das Thema „Wortfindungsstörungen“ – einige geben an, diese durch Topiramat bekommen zu haben, ich hatte die vorher schon häufig und bemerke zumindest heute dahingehend keine Verschlechterung – was habt Ihr da für Erfahrungen? Da ich Redakteurin bin, kann ich mir Sprachstörungen leider nicht leisten.

    Danke fürs Lesen und liebe Grüße!
    Aliena

    Gigi
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 91

    Liebe Aliena,
    bin auch noch nicht lange im Forum, aber habe deinen Beitrag gelesen und da ich über zwei Jahre lang Topiramat genommen habe, kann ich ja mal von meinen Erfahrungen berichten.
    Ich habe mich damals lange gesträubt das Mittel einzunehmen.
    Letztlich hat es mir am Anfang etwas geholfen die Anzahl der Migräneattacken zu reduzieren, insbesondere dadurch, dass ich nicht mehr ganz so stark auf „Reizempfang“ geschaltet war..

    Allerdings musste auch ich dafür in Kauf nehmen, dass ich mich nicht gut konzentrieren konnte und auch tatsächlich Wortfindungsstörungen hatte.
    ?
    In meinem Job als Gymnasiallehrerin auch nicht ganz so lustig… ?aber ich habe mir dann gesagt: wichtiger, als der Anspruch auf Perfektionismus, ist es menschlich mit den Schülern gut zurecht zu kommen! …
    Ich bin schließlich kein wandelndes Lexikon…sogar ganz und gar nicht… ?

    Beim Aufdosieren von 25 auf 50 mg hatte ich dann am Anfang zusätzlich einen unangenehmen Drehschwindel wenn ich mich Abends ins Bett gelegt habe, das legte sich dann aber Gott sei Dank nach kurzer Zeit.

    Außerdem habe ich einige Kilo abgenommen, (das hat mich aber nicht so gestört ?) jetzt sind die Kilos wieder drauf und mein Gewicht ist im Normalbereich.

    Nach ca. zwei Jahren wurden die Anfälle leider wieder häufiger, (wohl auch durch sehr viel Stress) und ich habe keinen Sinn mehr darin gesehen Topiramat einzunehmen. Auch mein Neurologe hat mir dann zu einem anderen Prophylaxemittel geraten, was aber dann letztlich noch weniger gebracht hat…

    Im Nachhinein hatte das Topiramat (von allen von mir ausprobierten Mitteln) die stärkste Wirkung, aber auch die stärksten Nebenwirkungen…

    Mittlerweile arbeite ich vor allem an meiner Einstellung
    (stressresistenter, d.h. gelassener zu werden), achte sehr auf meine Ernährung
    (m.M. nach wichtig!) und nehme seit einigen Tagen (auf Bettinas Rat hin),hochdosiert Magnesium und Vit.B2.
    Mal sehen, ob es etwas bringt, man darf die Hoffnung nicht aufgeben…

    Ich weiß nicht, ob dir das jetzt geholfen hat, aber vllt. hilft es ja auch schon wenn ich dir sage: Probiere weiter aus, du bist nicht allein!! Ich denke, wir können uns hier im Forum gegenseitig toll unterstützen und austauschen, das ist auf jeden Fall eine Menge wert!
    Alles Gute!!!
    Gigi

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Jahre von  Gigi.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Jahre von  Gigi.
    Anouk
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 296

    Liebe Aliena,

    die einzelnen Medikamente wirken bei jedem ganz unterschiedlich, aber ja, es kann sein, dass eine Prophylaxe sehr schnell und in niedriger Dosierung starke Nebenwirkungen zeigt (die oft mit der Zeit abklingen).

    Ich habe beim Amitriptylin erlebt, dass ich in der ersten Woche etwa zwei (oder drei) Stunden nach der Einnahme eingeschlafen bin, egal wo ich gesessen oder gelegen habe. Die Augen gingen zu wie bei einer Vollnarkose.

    Beim Flunarizin war ich zwei Tage nach Einnahmebeginn beruflich auf einer Konferenz im Ausland und bin während der Verträge auf meinem Stuhl eingeschlafen…

    Es kann also durchaus sein und wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, organisiere dir einen Fahrdienst. Lieber nicht brauchen als am Ende nicht von A nach B zu kommen.

    Was die Wortfindungsstörungen betrifft, so habe ich die jetzt unter Valproat (auch ein Antiepeleptika wie das Topi). Vor allem wenn ich mit meinen Kindern rede, müssen die mir oft aushelfen oder ich behelfe mir mit „Dings“. 😀

    Da ich Übersetzerin bin, auch nicht wirklich lustig. Erstaunlicherweise ringe ich beim Schreiben seltener nach Worten. Manchmal dauert die Recherche allerdings länger, wenn ich weiß, dass da eine Formulierung existiert und ich nicht gleich darauf komme, muss ich googeln.

    Würde ich dolmetschen, hätte ich ein echtes Problem, aber so geht es irgendwie. Außerdem ist das seit Beginn der Einnahme schon wieder etwas besser geworden.

    Ich drücke dir die Daumen, dass dir das Topi hilft!
    Solange die Nebenwirkungen irgendwie aushaltbar sind, würde ich dem Medikament eine Chance geben, denn ob es dir hilft, kannst du nur selber herausfinden.

    Liebe Grüße
    Anouk

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27915

    Liebe Aliena,

    man kann tatsächlich schon ab der ersten Tablette Nebenwirkungen spüren, das scheint bei Dir der Fall. Über sonstige mögliche Nebenwirkungen solltest Du Dir nicht schon jetzt Gedanken machen, sondern einfach mal in Ruhe abwarten. Manche Nebenwirkungen vergehen mit der Zeit, andere nicht. Es kommt auf Dich an und wie Du damit umgehen kannst und willst. Übrigens können Nebenwirkungen in jeder Phase der Einnahme kommen, manchmal auch erst nach Jahren.

    Jetzt erst mal gute Verträglichkeit, die Wirkung lässt manchmal ein wenig auf sich warten. 🙂 Steigere ganz langsam hoch, nicht in wöchentlichen Schritten. Das ist für die meisten zu schnell.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Aliena
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo Ihr Lieben,

    erst mal danke für Eure ermutigenden Antworten! Sie haben mir wirklich geholfen, die letzten Tage durchzustehen. Besonders hilfreich finde ich es zu wissen, dass man also trotz dieser Matschbirne irgendwie seinen Beruf bewältigen kann. Wobei ich jetzt noch abwarten möchte, wie es in zwei Wochen aussieht. Gestern ging es mir z.B. etwas besser, heute bin ich wieder extrem neben der Spur.
    Was ich irgendwie gut finde, ist, dass ich gerade relativ resolut bin: Ich tu mir nichts an, was mir nicht gut tut. Meiner Tochter und meinem LG gefällt das gar nicht, die finden mich reizbar. Ich hingegen finde mich selbstbestimmter! Wären da nur nicht die extreme Langsamkeit und das Gefühl, echt aufpassen zu müssen, um keinen Unfall zu bauen…
    Ansonsten habe ich bisher keine Kopfschmerzen und auch dieser „Dauerlärm“ im Hirn, der mir das Leben oft schwer macht – alle Reize strömen auf einmal auf mich ein, bis ich völlig wirr bin – ist etwas gedämpft. Kann das echt sein?

    Liebe Grüße, gute Besserung!

    Aliena #-)

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27915

    Liebe Aliena,

    diese teilweise extreme Reizbarkeit und auch Aggressivität tritt nicht selten auf. Bleibt sie vorhanden, leidet das Zusammenleben mit Deinen Lieben. Ist daher nicht nur positiv zu bewerten. 😉 Beobachte jetzt einfach mal, Du bist ja erst am Anfang.

    Doch, Du bist gedämpft, was sich ja auch in Wortfindungs- und Aufmerksamkeitsstörungen äußern kann. Das Medikament dämpft allgemein die überaktive Nerventätigkeit, man springt nicht mehr auf jeden Reiz so extrem an.

    Liebe Grüße
    Bettina

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