Betablocker – Fragen und Erfahrungsberichte

Ansicht von 30 Beiträgen - 151 bis 180 (von insgesamt 196)
  • Autor
    Beiträge
  • mirabelle
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 52

    Liebe Bettina,

    vielen Dank für das Willkommen und deine Antwort.
    Ich habe heute auch nochmal mit dem Arzt gesprochen, der auch sagte, es kann eine gute Wirkung haben auf das Grundlevel der Schmerzen.

    Nun möchte ich erst noch das Ergebnis meiner Blutwerte, B12 und Schilddrüse, abwarten. Und auch einen Termin mit einer Frauenärztin, die mir ebenfalls dieser Schmerzarzt empfohlen hat, um über einen möglichen Pillenwechsel zu beraten. Ich bin unsicher, aber ich denke, lieber eine Stellschraube nach der anderen als alles auf einmal?
    Vielleicht hilft ja B12 (ich hatte in den letzten Jahren oft einen Mangel aufgrund von vegetarischer Ernährung, jetzt wird geprüft, ob die Spritzen geholfen haben oder der Mangel noch besteht) und ein Pillenwechsel kommt in Frage und ich kann meinem Körper den Betablocker ersparen?

    Oder ist das eine „falsche“ Denke und verlängert nur die viel zu lange Phase der unzureichenden Behandlung und dadurch ggf. Steigerung der Migräne?

    Ich schreibe gerne auch nochmal einen vollständigeren Beitrag über meine Geschichte.

    Vielen Dank & liebe Grüße
    mirabelle

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28307

    Liebe Mirabelle,

    ich denke, dass Dein persönlicher Leidensdruck darüber entscheidet, wie lange Du noch warten möchtest. 😉

    Normalerweise ist es richtig, nicht mehrere Dinge gleichzeitig zu ändern, da man dann eine eventuelle Verbesserung keiner konkreten Sache zuordnen kann. Allerdings hat der B12-Spiegel keine Relevanz für die Migräne, Schilddrüsenwerte sollten eh unabhängig von der Migräne getestet werden (wenn es hier Probleme gibt). Wenn Du mit der Pille versuchen willst, eine Verbesserung zu erzielen, musst Du Dich auf eine lange „Wartezeit“ gefasst machen. Manchen geht es besser mit der Pille, anderen ohne Pille. Manchen geht es besser mit östrogenhaltigen Pillen, andere mit gestagenhaltigen. Du siehst, es ist ein weites Feld.

    Betablocker haben Evidenz gezeigt, es ist also mit einer Verbesserung zu rechnen. Wobei selbstverständlich nicht jeder positiv anspricht, aber das ist Dir ja sicher klar.

    Sinn machen hochdosiertes Magnesium und Vitamin B2, beide Stoffe haben in Studien Wirksamkeit gezeigt.

    Liebe Grüße
    Bettina

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3997

    Liebe Mirabelle,
    dann möchte ich dir noch einen Erfahrungsbericht mitgeben:
    mir haben Betablocker immer sehr gut geholfen und zwar prompt.
    Das ganze Nervensystem hat sich, so fühlte es sich an, umgehend beruhigt und entspannt. Ich konnte wieder ausruhen und schlafen und dieses ewige Brizzeln der Gedanken und diese Unruhe ließen nach.
    Es gibt -wie bei jedem Medikament- natürlich auch Nebenwirkungen.
    Es gibt unterschiedliche Betablocker. Wenn also der eine nicht zusagt, kann ein anderer versucht werden.
    In der letzten Zeit habe ich eine sehr geringe Dosis genommen und kaum Nebenwirkungen verspürt. Und geholfen hat er sehr gut.
    Auch das Abdosieren, wenn man das Gefühl hat, dass „es reicht“, hat mir nie Probleme gemacht.
    Ich persönlich würde die für harmloser halten als eine Pille.
    Also, wenn es ums „sich ersparen“ ginge, würde ich mir eher eine Hormonbehandlung ersparen. Die haben bei mir überhaupt nichts gebracht außer Verschlechterungen.
    Wir haben hier auch eine Gruppe „Migräne im Leben der Frau“. Da kannst du auch noch Erfahrungberichte lesen.

    LG
    alchemilla

    mirabelle
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 52

    Liebe Bettina, liebe Alchemilla,

    vielen Dank!

    Zur Pille: Ich nehme ja seit 20 Jahren eine. Es geht mir hier um die Frage, ob ich sie absetzen sollte bzw. ob ein Wechsel etwas bringen kann. Aber ich sehe das auch als langwierigeren Prozess und für den Körper sicher auch nicht easy. Da ich aber gerade auf keinen Fall schwanger werden will, ist das komplette Absetzen der Pille auch mit einem unguten Gefühl verbunden… Obwohl ich schon denke, meine Pille kann die Migräne durchaus „begünstigen“ oder verstärken…

    Zum Betablocker: Danke, das ist sehr gut zu hören, dass dir dies so gut hilft. Ich bin ein Mensch mit gutem Blutdruck, eher niedrig als zu hoch. Daher bin ich da irgendwie unsicher.
    Hattest du leicht erhöhten Blutdruck? Dieses „Brizzeln“ könnte ich mir vorstellen, dass ich weiß, was du meinst. Das würde ich auch gerne los. Habe aber Angst vor „Dämmerzuständen“. Wobei ich die ja mit den Schmerzen irgendwie auch habe…

    Lese gerade das Buch von Oliver Sacks zur Migräne. Kennt ihr das?
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Kopfschmerzen auch emotionalen/psychischen Ursprung haben (und dann externe Faktoren auslösend und verstärkend wirken). Er beschreibt dies ja als „habituelle Migräne“.
    Denkt ihr, aus eurer Erfahrung, in so einem Fall ist es gut, erstmal Betablocker zu nehmen, um die Schmerzen zu lindern, da der Prozess lang ist, anders mit den so ausgedrückten Emotionen umzugehen?

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    mirabelle

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5717

    Liebe Mirabelle,

    von Oliver Sacks war hier immer mal wieder zu lesen.

    Fest steht: Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die ihren Ursprung nicht in der Psyche hat. Man kann in betroffenen Familien eindeutig genetische Linien verfolgen und man hat inzwischen gewisse Migräne-Merkmale im Erbgut entdeckt.

    Sehr wohl können aber externe Faktoren auslösend und vor allem auch verstärkend wirken, da gibt es eine ganze Reihe, die man aufzählen könnte. Eine ausgeglichene Psyche ist sicherlich immer von Vorteil, denn Stress kann Migräne eindeutig triggern. Doch der Umkehrschluss, dass man „nur“ seine psychischen Belastungsfaktoren aufarbeiten muss, um dann die Migräne auch wieder loszuwerden, wird leider nicht funktionieren.

    Dein Zögern, einen Blutdrucksenker bei normalem Blutdruck zu nehmen, kann ich gut nachvollziehen. Doch zur Migräneprophylaxe ist es wirklich ein gutes und erprobtes Mittel und deine Dosierung wird eh recht gering sein und bleiben. Ein Versuch wäre es wert, denn du kannst es ja jederzeit wieder absetzen. Allerdings sollte man das nicht zu früh tun, denn es braucht manchmal einige Wochen, bis eine positive Wirkung auf die Migräne eintritt. Und Nebenwirkungen treten oft schon am Anfang auf, lassen im Lauf der Zeit aber eher nach. Deshalb sollte man eine gewisse Zeit durchhalten und dem Medikament eine Chance geben.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Jahre, 3 Monate von  heika.
    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3997

    Liebe Mirabelle,
    deine Ausführungen beeindrucken mich sehr. Du gehst sehr verantwortungsbewusst mit der Frage der Medikamenteneinnahme um.
    Dazu nun meine Gedanken:
    Es kann durchaus sein, dass die Pille die Migräne beeinflusst. Dazu kann ich selbst aber nichts sagen, weil ich damit keine Erfahrung habe.
    Wie gesagt gibt es hier noch die Gruppe, in der es speziell um diesen Aspekt geht.
    Betablocker sollen eigentlich nur den Blutdruck regulieren. D.h. dass ein niedriger Blutdruck nicht automatisch noch mehr gesenkt wird.
    Aber „Blocker“ ist blockierend, es ist auf jeden Fall eine Beeinflussung der Körperchemie.
    Deswegen sehe ich in Medikamenten immer erstmal eine Unterstützungsfunktion dahingehend, dass der Körper eine Chance erhält, sich wieder selber ins Gleichgewicht zu versetzen.
    Wenn man einen gebrochenen Fuß hat, geht man eine Weile mit Stützen umher, damit der Fuß heilen kann und entlastet wird. Und dann ist das auch wieder vorbei.
    So hat mir der Betablocker immer mal wieder dazu verholfen, die Denke zu beruhigen. Dann konnte ich mit den sog. „verhaltensmedizinischen“ Maßnahmen besser loslegen und Erfolge erzielen. Und dann habe ich die Betablocker wieder ausgeschlichen und es ging eine Weile gut.
    Wenn man von der psychischen Ausgeglichenheit ausgeht, so erlebe ich auch, dass diese die Migränetätigkeit beeinflusst.
    Am besten geht es mir ,wenn ich das Gefühl habe, MEIN Leben zu leben. Darauf achten zu dürfen, ob ich das, was ich jetzt tun sollte, wirklich WILL. Ob mir das, was ich tue FREUDE macht.
    Das ist in meinem Leben meistens ein schierer Luxus.
    Ich habe meinen Beruf geliebt, aber ich kann nicht sagen, dass ich jeden Tag vor Freude gegrunzt habe, wenn ich da hingegangen bin.
    Ich liebe meine Familie, aber ich muss oft Dinge tun, von denen ich nicht gerade entzückt bin. Oder die zu Zeiten zu tun, wo ich lieber ganz etwas anderes zu tun wünschte.
    Aber es war wichtig, mir dessen bewusst zu werden. So kann ich jeden Tag wenigstens EINE Sache einbauen, auf die ich mich freue. Und diese dann ohne schlechtes Gewissen genießen.
    Und trotzdem reißt das Leben mich immer wieder fort von meiner Selbstbestimmtheit und ich zerbrösele mich mit den tausend Jobs für andere. Mit diesem „Kümmern“ um alles und jeden – auch wenn es eigentlich nicht meine Angelegenheit ist.
    Bei den nicht medikamentösen Maßnahmen, die Denke zu beruhigen, hilft mir das Meditieren. Das ist nicht entspannen sondern das ist, fokussieren lernen. Das Denken zu beobachten und möglichst imm wieder auf das zurück zu holen, was jetzt gerade ist. Spüren, was jetzt ist, nicht dnken, was sein könnte. So in etwa.
    Das, was du schreibst: lernen anders mit den so ausgedrückten Emotionen umzugehen ist das eigentlich Ziel. Der Betablocker kann den Weg dahin eine Weile ebnen. Ersetzen, den Weg zu gehen, kann er nicht.

    Ich wünsche dir gutes Vorankommen auf diesem Weg!
    LG
    alchemilla

    P S im moment lese ich mit viel Spaß die Bücher von Alexandra Reinwarth. Geht auch so in die Richtung

    mirabelle
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 52

    Danke, liebe Alchemilla und liebe Heika!

    Liebe Alchemilla, danke für deine sehr lieben Worte.

    Vielleicht führt das Thema hier an dieser Stelle zu weit und ich werde nochmal an anderer Stelle dazu schreiben.

    Aber ich habe noch eine Frage, die im Prinzip auch mit den Betablockern bzw. generell einer Prophylaxe zu tun hat: Ich dachte 13 Jahre lang, ich habe „einfache“ Spannungskopfschmerzen. Nun seit wenigen Wochen habe ich endlich ein Triptan genommen und gemerkt, wie gut es wirkt. Vielleicht habe ich auch eine Kombination von Spannungskopfschmerz und Migräne. Ich habe nun also angefangen, mich mehr mit der Migräne zu beschäftigen, was ist das, woher kommt es, was kann man tun.

    Ich frage mich Folgendes: Ich habe seit April so gut wie permanente Schmerzen. Das sind nicht immer krasse Kopfschmerzen, oft aber extreme Nacken- und Gesichtsschmerzen. Teilweise haben meine Schultern so geschmerzt, dass ich kaum eine Position für meine Arme/Schultern finden konnte, um schlafen zu können. Jeder Druck im Nacken oder an der Schulter ist mir zu viel, ich kann streckenweise nicht mal eine ganz ganz leichte Halskette tragen. Von Taschen, Rucksäcken, Trägerhemden, BH mal ganz zu schweigen.

    Kann das auch Teil der Migräne sein?? Und kann das durch spezifische Migräne-Prophylaxe (hier sind wir nach langer Rede endlich wieder beim Propra) weg gehen?

    ((Zum Hintergrund: Ich führe diesen spezifischen Ausbruch (seit November 2016) und die bisher unbekannte Dauerhaftigkeit und bisher unbekannte punktuelle Intensität dieser Schmerzen in erster Linie auf eine extrem belastende Jobsituation zurück. Daran gekoppelt war ein Umzug für diese Stelle, ich habe mein sehr geliebtes Zuhause in einer anderen Stadt aufgegeben etc. Der neue Job war eine extreme Enttäuschung, es gab große Konflikte, ich war darin aber quasi handlungsunfähig (Konflikte waren auf anderer Ebene, ich war „nur“ Leidtragende). Ich habe die Stelle inzwischen gekündigt, die Schmerzen aber halten sich noch (jetzt ca. 1,5 Monate seit Austritt aus dem Job).))

    Herzlich
    mirabelle

    <