Fluraninzin zur vorbeugenden Behandlung

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  • Collien2019
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    Beitragsanzahl: 29

    Hallo Heika,
    ich war 2005 und 2008 in Kiel. Also schon eine Ewigkeit her – besonders in Migränejahren.
    2005 war nicht so erfolgreich, aber 2008 war der Durchbruch von dem ich heut noch träume.
    Aber damals hätte es auch nicht schlimmer kommen können. Ich war wirklich am Ende (suizidgefährdet).

    Du hast schon Recht. Ich verdränge tatsächlich und akzeptiere den Ist-Zustand nicht. In mir ist
    der Migräne-Dämon und die Person, die ich ohne ihn wäre. Und letztere bin ich nicht bereit,
    aufzugeben. Da hängt auch mein Lebenswille dran. Ohne den macht alles keinen Sinn.

    Aber ich bin schon bemüht, beides in Einklang zu bringen. Ich habe auch beide Extreme schon
    durch:
    1. Mit Schmerzmitteln (hauptsächlich Opiaten) schön zur Arbeit bist zum Zusammenbruch, so wenig,
    wie möglich absagen.
    2. Absoluter Rückzug, keine Verabredungen mehr, nur noch zu Hause hocken (nach der Arbeit)

    Ist beides ka***e.

    So strebe ich den bestmöglichen Mittelweg an.

    Aber seit Beginn der Kopfschmerzen (1997) habe ich die Angst, nicht mehr arbeiten zu können.
    Damals waren es hauptsächlich Existenzängste. Nun ist es aber auch die Angst vor Verelendung.
    Ich bin erst seit ein paar Tagen krankgeschrieben und habe hier schon Lagerkoller. Wo soll
    das alles hinführen . . . manchmal fühle ich mich, wie in meinem eigenen Horrorfilm.

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3993

    Liebe Collin,
    ich habe viel Jahre auch so gedacht. Und mir diesen Dämon bildlich vorgestellt. Und mit ihm gekämpft.
    Mittlerweile habe ich eine andere Auffassung davon und mir geht es damit wesentlich besser.
    Sehr deutlich zum Ausdruck gebracht finde ich diese neue Sichtweise in dem Interview, das Prof. Göbel mit Bianca Leppert gehabt hat. Besonders in der Audio-Fassung fällt ein Begriff, der leider in der schriftlichen nicht so deutlich wiedergegeben ist:

    Du weißt sicher, dass die hohe Migränebereitschaft in unseren Genen verankert ist. Aber diese biologisch ablaufenden Prozesse werden durch eine Menge psychologischer Faktoren aktiviert – oder eben nicht, so erklärt Prof. Göbel dort. (An dem Beispiel „Sonnenbrand“)
    Das bedeutet für mich, dass es zwischen diesen beiden Polen, die du beschreibst, sich bis aufs Äußerste zur Arbeit schleppen und um jeden Preis funktionieren oder den völligen sozialen Rückzug eine dritte Möglichkeit gibt
    Sich mit sich selbst zu verabreden. Die berühmte mindestens eine Stunde am Tag ALLES sein zu lassen, was uns von außen beansprucht.
    Sich zurückziehen. „In sich gehen“, sich spüren, da sein. Freundlich und sehr wohlwollend mit sich umgehen usw.
    Die Migräne als Dämon zu sehen, bedeutet unaufhörlichen Stress. Es ist ständig Krieg.
    Und Stress ist der Migräne-Motor Nummer eins.
    Diese Verabredungen mit sich selbst sind keine Garantie für weniger Migräne. Jedenfalls nicht unmittelbar eins zu eins. Dafür ist Migräne ein viel zu komplexes Geschehen.
    Aber es ist definitiv eine Bereicherung der Lebensqualität. Dafür allein lohnt sich so eine Gewohnheit.
    Akzeptanz heißt nicht, die Migräne lieben zu müssen.
    Es heißt auch nicht Resignation.
    Es heißt, als Gegenpol für die viele Quälerei dem Körper und sich viel Zuwendung zukommen zu lassen. Frieden zu stiften.

    Vielleicht ist es dann eines Tages nicht mehr soooo schwer zu ertragen.

    Liebe Grüße
    allchemilla

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 585

    Liebe Collien,

    von mir noch eine kleine, aber – wie ich meine – wichtige Ergänzung zu deinem super Beitrag, liebe Alchemilla.

    Meine Schmerzpsychotherapeutin hat mir ganz deutlich bewusst gemacht, dass das Sprechen über die Schmerzen und die Worte, die man wählt, die gleichen Hirnareale „befeuern“ wie der reale Schmerz.

    Verelendung… Lagerkoller… Horrorfilm…

    Mit genau diesen Worten – und noch vielen, vielen mehr – „beschießen“ und verletzen wir uns selbst! Darüber, ob ich sie in meiner Sprache gebrauche und damit mein Leid (auch so ein Wort ?) vergrößere, habe ich die MACHT! Auch auf dieser Ebene kann ein „Ausmisten“ sehr hilfreich sein und trotz der Migräne zu mehr Wohlbefinden führen.

    Alles Gute
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Monate, 2 Wochen von  Katrin.
    Collien2019
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 29

    Vielen Dank für eure lieben, informativen und aufbauenden Worte.
    Ich bin mit allem, was ihr geschrieben habt völlig d’accord.
    Aber momentan befinde ich mich im worst case (Migränestatus).
    Daher kommt das, was ich geschrieben habe, so negativ rüber.
    Dass die Migräne zu meinem Leben dazugehört, habe ich akzeptiert
    und konnte durch Verhaltensänderungen schon sehr viel Wohlgefühl
    zurückerlangen.
    Aber es bleibt der Faktor X – der absolut unwillkürlich auftritt,
    z.Zt. besonders extrem.
    Damit meine ich, ich hatte vor diesem Migränestatus eine herrliche
    Woche Urlaub. Habe Kraft getankt, fühlte mich gut erholt, konnte viel
    genießen.
    Und trotzdem hat es mich jetzt fett erwischt . . .

    Da ich etwas off-topic geworden bin, schreibe ich an anderer Stelle
    weiter.
    Das mit dem Flunarizin hat sich glaub ich erledigt.

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