Berufstätigkeit und Migräne2024-12-22T21:09:57+01:00

Berufstätigkeit und Migräne

Migräne und Spannungskopfschmerz bei der Arbeit ertragen oder krank melden?

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  • Gunnar Grieser
    Participant
    Beitragsanzahl: 2

    Liebe Mitpatienten/-innen,

    Heute ist wieder so ein Tag…
    Nach dem Aufstehen wieder das stechende Gefühl in der rechten Schläfe.

    „Will das jetzt wieder eine Migräne sein?“

    Ich habe mich dazu entschlossen mich fertig zu machen und zur Arbeit zu fahren.
    Auf dem Weg wurde es dann doch schlimmer, also kaum angekommen erst mal das Zomig Nasal, was ich für Notfälle in der Arbeit habe, genommen und abwarten.

    „Lass Dir bloß nix anmerken.“

    Nach gut einer Stunde war dann der Schmerz weg, aber die Watte im Kopf bleibt.

    „War das zu spät eingenommen?“
    „Habe ich wieder den Doppelschlag aus Migräne und Spannung?“

    Immer diese Fragen über einen selbst.
    Geht es nur mir so, oder kennt Ihr das auch?
    Es sind diese Selbstzweifel, die mich auffressen.
    Sollte ich nicht besser von vornherein, bei den geringsten Schmerzen, zu Hause bleiben.
    Dann jagen mich die Ängste, was meine Kollegen und Vorgesetzten von mir denken.
    Manchmal geht die Attacke ja vorbei, wenn ich abgelenkt bin in der Arbeit.
    Heute geht es aber nicht komplett vorbei und doch habe ich wichtige Termine in der Arbeit.
    Was tun?
    Ich bin der Typ, der es ertragen will, aber auch weiß, dass es nicht gut ist.
    Meist kommt es dann am nächsten Tag noch dicker und ich bin für den Rest der Woche k.o..

    Wie würdet Ihr handeln?
    Ich danke schon jetzt für Beiträge.

    Liebe Grüße,
    Gunnar

    Daniela
    Participant
    Beitragsanzahl: 1141

    Hallo Gunnar,

    das ist natürlich insgesamt ein schwieriges Thema. Das muss im Endeffekt auch jeder für sich entscheiden.

    Ich melde mich durchschnittlich einmal pro Monat krank wegen Migräne.
    Insgesamt bin ich damit VIEL WENIGER krank als meine direkten Kollegen, die mind. einmal im Jahr 1-2 Wochen mit Erkältung ausfallen. Dann mal 3 Tage Magen Darm, dann Corona-Quarantäne, dann ein Wegeunfall, etc.

    Die Firma in der ich arbeite geht vorbildlich um mit dem Thema „Krankheit“, tut sehr viel für die Mitarbeitergesundheit und bietet viele Hilfsangebote. Z.B. könnte ich externe Berater kontaktieren, egal um was es geht.

    In meinem Team wissen alle (es sind 3 Leute) Bescheid über meine Migräne. Auch mein direkter Chef weiß bescheid. Da wo ich arbeite ist ein klarer Kopf wichtig – so lange alle da sind, kann ich mich aber schon mal auf „ungefährlichere“ ruhigere Arbeit beschränken. So kann ich auch mal ein paar Stunden mit Kopfschmerzen oder Matschbirne überbrücken.

    Wenn ich mit Kopfschmerzen aufwache, nehme ich mir generell morgens etwas mehr Zeit. Ich habe da so meine Rituale am Handy, ein paar kleinere Konzentrationsspiele – wenn das gut geht, dann geht auch arbeiten/Auto/Motorrad fahren. Wenn ich beim Konzentrieren auf den Handybildschirm schon merke, dass das anstrengend ist oder mir übel wird, dann entscheide ich mich gegen arbeiten.

    Natürlich kommt das drauf an, wie oft das vorkommt. Aber mein Arbeitgeber erwartet 100% Mitarbeiter wenn ich komme – wenn ich die nicht geben kann, soll ich lieber daheim bleiben.

    Ich habe jetzt ein klasse Team. Da kann ich offen mit dem Thema umgehen. Das ist totaler Luxus, das habe ich früher auch nicht gemacht. Früher hatte ich mal einen Chef, der alle meine Krankmeldungen kopiert hatte und mir Aussagen von früher immer wieder nachtrug – damals bin ich wegen der Migräne vom Schichtdienst auf normale Gleitzeit gewechselt. Ich hatte ihm gesagt, dass das besser wäre für die Migräne – jedes Mal, wenn ich mich danach krank gemeldet habe, hat er gefragt warum…es sollte doch besser werden, wenn ich aus der Schicht raus bin… Mittlerweile weiß ich, dass er gar nicht das Recht hat so genau nachzufragen. Ich muss ihm gar nicht sagen warum ich krank bin.

    Seitdem melde ich mich nur noch per Mail krank, dann muss ich mich nicht am Telefon (mit Matschbirne) rechtfertigen. Und ich habs schriftlich, wenn einer behauptet, er hätte nix bekommen – auch sehr nützlich 😉

    Ein wirkliches „zu spät“ genommen gibts bei Triptanen nicht. Evtl. kannst du mal andere Triptane testen, vielleicht findest du eins, das dich nicht so matschig macht. Aber oft kann man die Migräne halt nicht komplett erledigen, wenn man weiter arbeitet – so ist das nun mal. Eigentlich braucht dein Kopf dann Ruhe, wenn er die nicht bekommt, wird sich die Migräne nur langsam beruhigen.

    Ich habe 2 Triptane, die unterschiedlich wirken. Naratriptan, wirkt schwach und lange; kann ich super unterwegs nehmen, eine normale Attacke beendet das gut nahezu ohne Nebenwirkungen, kann halt nur dauern.
    Rizatriptan wirkt schneller und stärker – aber macht mich müde, deshalb nehme ich das nur, wenn ich zu Hause bin und nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teilnehmen muss. Mit Ruhe wirkt das dann aber recht fix und nach ein paar ruhigen Stunden kann der Rest vom Tag noch effektiv werden 😉

    Vielleicht hilft dir das ein Bisschen.
    Gute Besserung!

    Grüßle Daniela

    Rosinante
    Participant
    Beitragsanzahl: 527

    Hallo Gunnar,
    bei mir ist es so, dass die Migräne manchmal so plötzlich auftritt, dass ich nach Hause muss.
    Auch wenn ich ein Medikament nehme, ist mein Hirn eingeschränkt.
    Da ich mit Schülerinnen und Schülern
    mit Lernbehinderungen und Verhaltensauffälligkeiten arbeite, muss ich schnell reagieren können.
    Meine Kollegen wissen was mit mir los ist und da wir inzwischen doppelt besetzt sind ist die Versorgung der Kinder gewährleistet.
    Früher war das schwieriger aber wir haben nach Lösungen gesucht.
    Jeder wird das anders handhaben, da jeder auch einen anderen Beruf hat.
    Ich wünsche dir für dich gute Lösungen.
    Liebe Grüße
    Rosinante

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34371

    Willkommen Gunnar. 🙂

    Geh offen mit der Erkrankung um, versuche nicht, sie zu verbergen. Kümmere Dich um einen Schwerbehinderten-Ausweis, sofern er bei Deinem Verlauf angezeigt ist. Er schützt Dich im Arbeitsleben und gibt Dir auch eine gewisse Sicherheit.

    Sicherheit gibt auch viel Wissen um die Erkrankung. Bist Du da fit? Kennst Du unsere Migräne-App?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Gunnar Grieser
    Participant
    Beitragsanzahl: 2

    Hallo Bettina,

    um mich zu verstehen muss man, denke ich, meinen langen Leidensweg und meine Natur kennen.
    Beides hat sehr lange nicht zueinander gepasst.
    Eine Schwerbehinderung, mit GdB50, habe ich aus anderen Gründen unbefristet erhalten. Die Migräne war ein kleiner Bestandteil davon, weshalb ich überlege eine erneute Prüfung zu beantragen.
    Während meines Aufenthaltes im Juni, in der Schmerzklinik, habe ich echt viel gelernt.
    Es war das erste Mal, seit meinem Unfall 1998, dass wirklich nur meine Kopfschmerzen im Mittelpunkt standen.
    Dabei habe ich viel im Umgang damit gelernt.
    Einzig mein Wille in der Arbeit eine gleichbleibende Leistung zu erbringen steht dem im Wege.
    Inzwischen habe ich eingesehen, dass die Gesundheit, bzw. die Genesung, wichtig ist.
    Trotzdem habe ich dann immer ein schlechtes Gewissen und Versuche es allen Recht zu machen.
    Daher ja dieser Post…
    Soll ich beim Versorgungsamt eine Verschlechterung beantragen oder einfach so lassen und lieber mehr auf meinen Körper hören?
    Seit der letzten Festlegung des GdB sind immerhin auch schon 14 Jahre vergangen.

    Liebe Grüße,
    Gunnar

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34371

    Hallo Gunnar,

    Eine Schwerbehinderung, mit GdB50, habe ich aus anderen Gründen unbefristet erhalten. Die Migräne war ein kleiner Bestandteil davon, weshalb ich überlege eine erneute Prüfung zu beantragen.

    und

    Soll ich beim Versorgungsamt eine Verschlechterung beantragen oder einfach so lassen und lieber mehr auf meinen Körper hören?
    Seit der letzten Festlegung des GdB sind immerhin auch schon 14 Jahre vergangen.

    ich würde Dir raten, alles so zu belassen. Du hast einen Grad von 50 unbefristet und das ist alles, was man braucht. 😉 Bei einem Verschlimmerungsantrag wird alles erneut geprüft und im schlimmsten Fall wirst Du sogar runtergestuft und/oder der GdB wird wieder befristet. Alles schon passiert, daher meine Warnung. Zudem gewinnst Du nicht viel, wenn Du vielleicht einen GdB von 60 anstrebst.

    Trotzdem habe ich dann immer ein schlechtes Gewissen und Versuche es allen Recht zu machen.

    Auch das kann man lernen. Nicht immer allen alles recht machen, meist wird es eh nicht ausreichend geschätzt oder beachtet. Im Grunde ist es wohl eher fürs eigene (Wohl)Gefühl und das kann man sich auch etwas abtrainieren. 😉 Du lebst für Dich und nicht für die anderen. Damit sind jetzt nicht Respekt und Rücksichtnahme gemeint, aber ich denke, Du verstehst, was ich sagen will.

    Liebe Grüße
    Bettina

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