Migränekopfschmerzen, die an mindestens 15 Tagen pro Monat seit über mehr als 3 Monaten auftreten.
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Als Ärztin chronische Migräne – berufliche Perspektive (Rebscra)
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Mutmacher gesucht…
Ich werde dieses Jahr 30 und bin jetzt endlich in den Beruf eingestiegen (erst Ausland, dann Pharmaziestudium begonnen, dann Medizinstudium mit kleiner Unterbrechung wegen Depression). Mein Examen habe ich schon im November 2021 gemacht und dann noch bis Anfang Februar 2022 ein Praktikum für meinen Zusatzstudiengang. Danach hätte ich normal das Arbeiten anfangen können, aber es ging aufgrund der Migräne nicht.
Bei mir fing es im Dezember 2021/Januar 2022 urplötzlich an, sich zu chronifizieren. Vorher hatte ich so 2 richtig heftige Migräneanfälle im Jahr ca., zwar auch öfter mal leicht, aber gut mit Medis abzufangen und daher nicht soo belastend. Von gefühlt einem auf den anderen Tag jeden Tag Kopfschmerzen, bis ich im Dauerkopfschmerz war, in 95% der Fälle punktuell an einer Stelle links im Kopf und klassisch migräniform. Selbst Spazieren für 10 min ging irgendwann nicht mehr. Der Neurologe hat dann mit Propranolol begonnen, was auch recht gut gewirkt hat zunächst und die Nebenwirkungen waren gut händelbar. Im Juli habe ich mich mit Covid infiziert und danach ging ws mir etwas Zeitversatz der Spaß von vorn los. Zudem war mir ständig schwindlig, was bei Blutdruckwerten von 80/55 wohl kein Wunder war. Daraufhin haben wir den Betablocker abgesetzt.
In der Zwischenzeit so von August bis September, als es eigentlich relativ gut war, habe ich mich dann endlich auf richtige Arbeitssuche begeben – vorher habe ich auf 20h-Basis bei meinem Unternehmen vom Werkstudentenjob im Homeoffice gearbeitet, was aber nie auf Dauer gedacht war.
Ende Oktober habe ich,nachdem die Zulassung geändert wurde, Aimovig gleich 140 mg bekommen, weils wieder recht schlimm, wenn auch kein Dauerkopfschmerz wurde und ich wieder locker bei 15-20 Schmerztagen und 4 richtig heftigen Anfällen im Monat war. Am Anfang dachte ich, hilft super, ich konnte gut in der Klinik als Ärztin arbeiten. Bis es nach 6 Wochen wieder losging und ich jetzt eigentlich jeden Tag Migräne habe, davon 2 wirklich heftige Anfälle pro Woche.
Auf Arbeit war ich jetzt seit November schon den 7. Tag krank (natürlich am Anfang erstmal ein richtig dicker viraler Infekt für 5 Tage, mit dem ich nicht an schwerkranke multimorbide Patienten kann und 2 Tage wegen Migräne). Ich schleppe mich jeden Tag nur noch zur Arbeit, spätestens nach dem Mittagessen gehen die Kopfschmerzen los und so viel Schmerzmittel kann ich gar nicht nehmen, weil ich dann auch noch im medikamenteninduzierten Kopfschmerz stecke.
Nun wollte der Neurologe mit Topiramat beginnen, Amitriptylin soll ich mir in den Schrank stellen, weil ich das recht sicher nicht vertragen werde (hab in meiner depressiven Phase Mirtazapin anfangs bekommen und gar nicht vertragen und Amitriptylin geht auf die gleichen Rezeptoren). Bzgl. Nebenwirkungen mache ich mir natürlich Sorgen, zumal ich wohl schon wieder mitten in der Depression stecke – ich funktioniere einfach nur irgendwie, Leben ist das nicht mehr. In meinem Job muss mein Kopf funktionieren – Konzentrationsstörungen kann ich mir nicht erlauben, da dann halt im wahrsten Sinne des Wortes Menschen sterben. Ich merke jetzt nach ein paar Tagen mit Mini-Dosis (12,5 mg abends) leider schon Nebenwirkungen: Hangover am Morgen, teilweise Schwindel und noch krasser Müdigkeit als vorher (die drei Sachen können natürlich psychisch bedingt sein), Schmierblutung und ständiges Herzrasen aus dem Nichts heraus so auf 130/min Herzfrequenz und das auch in völligen Entspannungssituationen.
Wenn es mit Topiramat auch nix wird und ich formal Amitriptylin nicht vertragen hab, können wir mit einem anderen Antikörper beginnen – Botox dann als letzter Ausweg.Nur – selbst wenn irgendwas endlich nachhaltig anschlägt – ich kann der Arbeit wegen nicht ständig ausfallen. Bin in der Probezeit (die dauert hier ganze 6 Monate) und ab März sollte ich eigentlich 24h-Dienste machen, wo ich keine Ahnung habe, wie ich das irgendwie überstehen soll jemals. Bin jetzt vorübergehend erstmal 3 Monate 24h-dienstfreigestellt, die Weiterbildungszeit wird mir dadurch evtl. leider aber gar nicht angerechnet. Wenn ich der Krankheit wegen gekündigt werde, stehe ich ohne da – hab ja schließlich noch nicht lang genug in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt (gut, Bürgergeld könnteevtl. gehen…). Ob die Berufsunfähigkeitsversicherung greifen würde, ist fraglich, die läuft erst seit November (bin ich über einen vereinfachten Risikocheck bei Ärzten irgendwie reingekommen), die alte haben wir gekündigt, weil ich sie aufgrund der Depression und jetzt der Migräne nicht hochstufen konnte. Kurz – ich habe gerade wirklich Existenzängste und frag mich auch, wie ich einen neuen Job finden soll, der auch für mich funktioniert und wo der Arbeitgeber sich nicht querstellt, wenn ich vorher wegen Krankheit gekündigt wurde. Bzw. stelle ich mir insgesamt vor allem die Frage – denn ja, Bürgergeld wäre uncool, aber man würde es überleben – ob das Ziel des klassischen Facharztes überhaupt jemals noch sinnvoll ist zu erstreben. Ich muss so oder so durch eine Zeit lang Klinik durch, auch in der Praxis kann ich nicht einfach ausfallen und irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich nur gegen meinen Körper arbeite. Und selbst wenn eine Prophylaxe wirkt, wie sieht es aus mit Kinderwunsch und Schwangerschaft. Geht ja damit auch nicht (abgesehen aktuell vom Gesundheitszustand).
Mir geht’s einfach nur noch beschissen in diesem Teufelskreis. Wie war das bei euch beruflich?
Ich hab mir jahrelang den Arsch aufgearbeitet, um irgendwann mal meinen Traum vom Ärztinsein nach der Facharztweiterbildung leben zu können und gleichzeitig finanziell abgesichert zu sein – jetzt habe ich das Gefühl, dass dieser Beruf und die Migräne einfach nicht vereinbar sein werden, vor allem weil ich durch die Klinikzeit durch muss…Ich weiß, ich denke immer schon 10 Schritte weite rund das ist nicht wirklich förderlich, auf der anderen Seite sind meine Gedanken glaube ich normal…
Sorry für den langen Text.
Willkommen, liebe Rebscra. 🙂
Wenn Du Mutmacher suchst, bist Du bei uns genau richtig. 😉
Nun wollte der Neurologe mit Topiramat beginnen …
Bzgl. Nebenwirkungen mache ich mir natürlich Sorgen, zumal ich wohl schon wieder mitten in der Depression stecke – ich funktioniere einfach nur irgendwie, Leben ist das nicht mehr. In meinem Job muss mein Kopf funktionieren – Konzentrationsstörungen kann ich mir nicht erlauben, da dann halt im wahrsten Sinne des Wortes Menschen sterben. Ich merke jetzt nach ein paar Tagen mit Mini-Dosis (12,5 mg abends) leider schon Nebenwirkungen: Hangover am Morgen, teilweise Schwindel und noch krasser Müdigkeit als vorher (die drei Sachen können natürlich psychisch bedingt sein), Schmierblutung und ständiges Herzrasen aus dem Nichts heraus so auf 130/min Herzfrequenz und das auch in völligen Entspannungssituationen.
Topamax ist bei Depressionen kontraindiziert, das würde ich persönlich in Deinem Fall gar nicht mal probieren. Mal abgesehen von weiteren bekannten Nebenwirkungen, die mit Deinem Job nicht verträglich sind.
Botox dann als letzter Ausweg.
Botox als super gut verträgliche Prophylaxe sollte nie als letzter Ausweg gesehen werden. 😉 Für manche Krankenkassen ist es sogar Voraussetzung, Botox vor den Antikörpern getestet zu haben.
Mir geht’s einfach nur noch beschissen in diesem Teufelskreis. Wie war das bei euch beruflich?
Ich hab mir jahrelang den Arsch aufgearbeitet, um irgendwann mal meinen Traum vom Ärztinsein nach der Facharztweiterbildung leben zu können und gleichzeitig finanziell abgesichert zu sein – jetzt habe ich das Gefühl, dass dieser Beruf und die Migräne einfach nicht vereinbar sein werden, vor allem weil ich durch die Klinikzeit durch muss…Ich arbeite recht oft von zu Hause aus, kann mir die Zeit auch meist einteilen. Meine von Migräne betroffene Tochter arbeitet auch als Ärztin im Krankenhaus und es ist gut machbar. Sie hat schon von früher Jugend an zwischen drei und zehn Attacken im Monat und schon auch mal Zeiten, in denen es sehr schwer ist. Man kann natürlich die Belastung nicht vergleichen, das ist klar. Aber so grob von der Richtung her geht ein Vergleich schon und ich möchte Dir Mut machen, Dich nicht unterkriegen zu lassen. Auch dieser Job ist machbar mit Migräne.
Wichtig ist, dass Du ein gutes Konzept für Akuttherapie und Prophylaxe erhältst. Prophylaxen zu testen, die nebenwirkungsträchtig und kontraindiziert sind, helfen Dir nicht weiter, aber Du verlierst sehr wertvolle Lebenszeit.
Mein Rat an Dich – und alle schwer Betroffenen – wäre, Dich mal in der Schmerzklinik in Kiel vorzustellen und eventuell auch über einen stationären Aufenthalt nachzudenken. Wenn man ambulant eher rumeiert, also nicht gut weiterkommt, dann wäre das für mich der richtige Weg.
Wir haben hier unser Mitglied Lina, die unbedingt trotz schwerer Migräne Medizin studieren wollte. Alle haben ihr abgeraten, wir haben sie ermutigt. Und nun hat sie bereits das Physikum und wird sicher einmal in ihrem Traumjob arbeiten können. Vielleicht magst Du bei ihr ein wenig schmökern? Lina und die Berufswahl
Ich weiß, ich denke immer schon 10 Schritte weite rund das ist nicht wirklich förderlich, auf der anderen Seite sind meine Gedanken glaube ich normal…
Ja, die Gedanken sind normal und nachvollziehbar. Migräne sollte einem aber nicht die Berufswahl diktieren und/oder die Freude am erlernten Beruf nehmen. Es gibt Möglichkeiten, es kann ein langer Weg sein – aber es gibt diesen Weg. 🙂
Alles Gute und liebe Grüße
BettinaDanke für die Antwort.
Ja, ich war bei Topiramat auch ein bisschen verwirrt, dass der Neurologe das ausprobieren möchte. Wahrscheinlich wäre Amitriptylin sogar schlauer, aber da habe halt ich das Veto eingelegt, von Mirtazapin habe ich extrem viel zugenommen, mir war schwindlig und ich war fast sediert, so müde war ich. Die Müdigkeit kommt leider unter Topiramat jetzt auch schon – ich habe heute wieder nur geschlafen (wenigstens der Kopf ist bisher relativ ok) und meine Oberärzte haben natürlich null Verständnis, wenn ich plötzlich weniger aufnahmefähig bin.
Ich habe ganz kurzfristig im Westdeutschen Kopfschmerzzentrum einen Termin bekommen für Dienstag, mal sehen, was die sagen.
Warum für meinen Neurologen Botox erst zum Schluss kommen soll, weiß ich auch nicht, ich habe dagegen nämlich keine Hemmnisse. Werde zwar jetzt schon immer jünger geschätzt, aber noch ein bisschen mehr Faltenfreiheit (die ja gar nicht sein muss) soll mein geringsten Problem sein ;).Es macht mir Mut zu lesen, dass deine Tochter als Ärztin arbeitet. Wahrscheinlich jin ich gerade einfach in einer extrem schwierigen Phase und wenn die Migräne mal wieder halbwegs im Griff ist, kann ich auch wieder dran glauben, dass Klinikarbeit was werden könnte.
In die Schmerzklinik würde ich sehr gerne – einen Platz vor der Probezeit könnte ich mir halt eigentlich nicht leisten. Auf der anderen Seite habe ich diese Woche realisiert, dass ich ohnehin keine drei Monate mehr so durchhalte…
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