Diagnose, Therapie und Vorbeugung.
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Prophylaxe bei 14jähriger Tochter
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AutorBeiträge
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Liebes Team,
wir waren neulich schon einmal hier, hatten wegen technischer Probleme dann aber zunächst nur mit Bettina Frank direkt Kontakt – hoffen, dass es dieses Mal besser klappt!
Wir sind aktuell in großer Sorge um unsere Tochter, die seit dem 1. Juni die achte Migräne-Attacke mit Aura-Symptomen erleidet. Die Akutmedikation scheint soweit ok – Magnesium im Tütchen, hochdosiertes Ibuprofen, manchmal Maxalt Schmelztabletten und ein Mittel gegen Übelkeit -, zudem nimmt sie bereits seit ihrer ersten Attacke mit 11 Jahren Migravent als Prophylaxe ein.
EEG usw. hat sie erhalten, ein MRT steht noch aus (wir machen das, um ein Häkchen dahinter setzen zu können – selbst die Kinderneurologin verspricht sich nicht viel davon) – es ist eine Migräne mit leider heftiger (zum Teil lang anhaltender) Aura. Die Aura geht mitunter über eine Stunde, da das Augenflimmern von einer „Lähmung“ der Hand und Sprachstörungen abgelöst wird.
Ich denke, es ist an der Zeit für eine medikamentöse Prophylaxe: wir bemerken aufgrund der zunehmenden Attackenhäufigkeit und vor allem der sehr belastenden Aura ein Vermeidungsverhalten bei unserer Tochter. Sie möchte nicht in die Reiterferien, in die Schule; unsere von ihr lang ersehnte USA-Reise nicht antreten …
Leider möchte die Kinderneurologin keine Prophylaxe starten und es gibt selbst im Großraum Stuttgart eigentlich keinen Neurologen, der auch Jugendliche unter 18 Jahren behandelt.
Welche Argumente haben wir bzw. welche Erfahrungen gibt es hier im Forum speziell zur Prophylaxe bei Kindern?
Die verhaltenstherapeutischen Maßnahmen nutzen wir gut, ich will das Kind aber auch nicht in ein Zwangskorsett pressen (kein Freibad, kein Eis … auch wenn wir auf Pausen und Ernährung achten).
Vielen Dank für die Anregungen!
Ich vergaß mich noch einmal explizit zu bedanken für die rasche Antwort von Bettina damals!
Viele Grüße
AlexGuten Morgen, Alex,
Eure Sorgen verstehe ich gut, auch bzgl.des Vermeidungsverhaltens eurer Tochter.
Mir fällt spontan dazu ein, dass ich während meiner Klinikaufenthalte in der Migräneklinik Königstein auch Kinder erlebt habe, es wäre von euch aus auch erreichbar, eher als Kiel, wo es eine auf kindliche Migräne erfahrene Ärztin gibt, hier darf man , meine ich, keine Namen schreiben..
Jedenfalls habe ich in Königstein mitbekommen, dass ein junges Mädchen eine Prophylaxe mit Betablocker hilfreich fand. Ist allerdings schon eine Zeit her und die Ärzte haben gewechselt seitdem. Trotzdem könnte es einen Versuch wert sein, dort nachzuforschen. Stuttgart bis Frankfurt wäre ja sicher machbar.
Regelmäßig Kohlenhydrate essen kennt ihr sicher als Eich wichtiges Glied in der Kette der Vorbeugung?
Liebe Grüße erstmal, da wird sicher noch mehr hier kommen..Hallo Alex,
wir sind ja schon zu dem Schluss gekommen, dass eine Prophylaxe in so einem Fall nötig ist. Verhaltenstechnische Möglichkeiten sind ausgeschöpft, bzw. werden angewandt, aber reicht halt leider oft nicht aus.
In Kiel gibt es inzwischen vier reine Kinderkurse im Jahr, bei denen auch schon kleine Kinder (zusammen mit ihren Eltern) aufgenommen werden. Da dreht sich alles um die kindliche Migräne, auch die Vorträge sind dann entsprechend gestaltet.
Betablocker werden schon bei kleinen Kindern eingesetzt und sind auf jeden Fall einen Versuch wert.
manchmal Maxalt Schmelztabletten
Triptane dürfen erst nach Abklingen der Aura eingenommen werden. Schmelztabletten wirken übrigens nicht besser oder schneller als die normalen Tabletten, eher sogar weniger gut. Zudem haben sie einen starken Minzgeschmack, der zusammen mit der eh schon vorhandenen Übelkeit möglicherweise schwer zu ertragen ist. Das nur als Zusatzinfo, dass es keine Schmelztabletten sein müssen. 😉
Alles Gute und liebe Grüße
BettinaLieber Alex,
für Eltern ist es sicher besonders schwer, ihr Kind mit Symptomen einer Aura und mit Schmerzen zu erleben.
Ich selbst habe im Laufe der Zeit gemerkt, wie wichtig es für mich war und ist, u.a. hier im headbook um Hilfe zu bitten und mich hier, auf der Internetseite der Schmerzklinik Kiel und anderen seriösen Internetseiten über Migräne und Kopfschmerzen zu informieren.
Sehr hilfreich ist mir auch das Buch von Prof. Göbel „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“.U.a. hat mir die Beschäftigung mit dem Thema dazu verholfen, Angst und Sorge vor den Schmerzen nach und nach loslassen und meinen (Be)Handlungsspielraum erweitern zu können. Dennoch hält sich meine Akzeptanz für Häufigkeit und Intensität der Schmerzen zeitweise und immer mal wieder in äußerst engen Grenzen…
Mir kamen beim Lesen deines Beitrags ein paar Gedanken. Ich betone, dass es nur Gedanken sind – und zwar meine. Ich kann mich nur auf das beziehen, was du (be)schreibst, und weiß nicht, wie und wie weit ihr im Gespräch mit eurer Tochter und den Ärzten seid.
Es liegt mir fern, euch zu nahe zu treten. Falls sich meine Gedanken für euch unstimmig und/oder konstruiert anfühlen, dann gerne „idP“ (in den Papierkorb) damit, okay?
Könnten neben der Häufigkeit und Ausprägung von Aura und Schmerzen möglicherweise auch eure große Sorge und die Bemühungen (MRT, Streben nach einer medikamentösen Prophylaxe), die durchaus verstehbar sind, Faktoren für das Vermeidungsverhalten eurer Tochter sein?
Kinder haben in der Regel ein sehr feines Gespür, möchten, dass es ihren Eltern gut geht, und tun vieles dafür. Würde ihr Vermeidungsverhalten zu weniger Auren und Schmerzen führen, würdet ihr euch vielleicht weniger Sorgen machen. Das würde sie wahrscheinlich wiederum in ihrem Vermeidungsverhalten bestärken.Könnte es möglicherweise sein, dass ihr als Eltern versucht zu vermeiden, sie eure Sorge spüren zu lassen? In diesem Fall würde sie diese vorgelebte Vermeidung mit großer Wahrscheinlichkeit übernehmen. Kinder lernen ja am einfachsten und schnellsten von und an ihren Bezugspersonen. So nach dem Motto „Kinder machen nicht das, was wir sagen, sondern das, was wir tun.“ (Jesper Juul).
Ich weiß nicht, wie jung eure Tochter ist. Ich bekomme häufiger mit, dass z.B. Gespräche mit Eltern über ihre Kinder in Abwesenheit ihrer Kinder geführt werden. Oder das mit Eltern besprochen wird, was sich auch mit den Kindern besprechen ließe. Deshalb halte ich es durchaus für sinnvoll, Kinder ab einem gewissen Alter in Gespräche und Entscheidungen mit einzubeziehen und sich auch das, was sie zur Sache zu sagen haben, anzuhören, natürlich ohne sie zu bedrängen oder zu überfordern. Auf diese Weise wird für sie erfahr- und spürbar, dass auch ihre Stimme Gewicht hat, dass ihnen Zu- und Vertrauen entgegengebracht wird und dass sie sich unterstützen lassen und Hilfe annehmen können. Und sie lernen allmählich, wie es sich anfühlt, (Eigen)Verantwortung zu übernehmen.
Für manche klingt das vielleicht alles nach blanker Theorie einer kinderlosen Frau. Ich glaube daran.Die Akutmedikation scheint soweit ok – Magnesium im Tütchen, hochdosiertes Ibuprofen, manchmal Maxalt Schmelztabletten und ein Mittel gegen Übelkeit…
Wie ist dieser Teil deines Satzes zu verstehen?
Eine wirksame Akutmedikation und wirksames Magnesium könnten ihr und euch als Eltern vielleicht eine gewisse Sicherheit und Beruhigung geben.
In den Aura- und Schmerzphasen könnte es möglicherweise hilfreich sein, ihr als ruhiger und „sicherer Hafen“ beizustehen, was ihr vielleicht bereits tut.
Im Rückblick hätte mir das als Jugendliche wahrscheinlich geholfen, mich „normal“ (was immer das auch sein soll…) statt als „Last“ zu fühlen. Selten, aber in für mich extremen Schmerzsituationen kommt dieses Gefühl, eine Last zu sein, auch heute trotz meiner 52 Lenze noch hoch.
Wobei mir natürlich bewusst ist, dass das eine andere Zeit war, in der das Wissen über Kopfschmerzen und Migräne weniger umfassend vorhanden und vermutlich noch weniger verbreitet war als heute.Die verhaltenstherapeutischen Maßnahmen nutzen wir gut, ich will das Kind aber auch nicht in ein Zwangskorsett pressen (kein Freibad, kein Eis … auch wenn wir auf Pausen und Ernährung achten).
Diesen Satz würde ich gerne genauer verstehen. Wenn du ihn näher erklären magst, hätte ich auch dazu gegebenenfalls noch ein paar Gedanken. Wenn ihr sie lesen wollt. Wenn nicht, wäre das für mich auch vollkommen in Ordnung.
Liebe Grüße
KatrinViva la Vida! 🍀
Liebe Bettina,
Schmelztabletten wirken übrigens nicht besser oder schneller als die normalen Tabletten, eher sogar weniger gut.
Meine praktischen Erfahrungen bezüglich des Rizatriptans als Schmelztablette sind andere. Vielleicht spielen dabei auch der Stoffwechsel (bei mir braucht‘s z.B. beim Essen gefühlt eine halbe „Ewigkeit“ von rein bis raus…) oder dass sich Schmelztabletten bei mir schneller auflösen als Tabletten, eine Rolle. Von Dragees ganz zu schweigen: die kann ich schlucken, ohne dass ich eine Wirkung bemerke.
Rizatriptan als Schmelztablette wirkt bei mir relativ schnell und sehr gut. Ich könnte mir als Laie eher vorstellen, dass die Wirkzeit der Schmelztablette möglicherweise etwas kürzer ausfallen könnte, da sie sich – zumindest bei mir – schneller auflöst, der Wirkstoff schneller ankommt und schneller verbraucht wird.
Liebe Grüße
KatrinViva la Vida! 🍀
Lieber Alex,
ich nochmal…
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, was 🙈?!
Ich habe gerade eben in deinem Titel gelesen, dass eure Tochter 14 Jahre jung ist. Nun weiß auch ich es 👍.Liebe Grüße
KatrinViva la Vida! 🍀
Liebe Katrin,
Schmelztabletten wirken nur dann zufriedenstellend, wenn sie wie jede andere Tablette auch mit ausreichend Wasser (direkt nach dem Auflösen) geschluckt werden. Der Wirkstoff wird nur minimal von der Mundschleimhaut aufgenommen, der Rest muss genauso bis zum Dünndarm gelangen wie normale Tabletten auch.
Ganz grundsätzlich gesagt sind sie den normalen Tabletten gegenüber im Nachteil, das ist auch die klinische Erfahrung der Schmerzklinik. Ausnahmen gibt es aber immer und wenn Du gut damit zurechtkommst, ist es für Dich persönlich die beste Darreichungsform. 🙂
Liebe Grüße
BettinaLiebe Bettina,
ups…! Dass ich Rizatriptan als Schmelztablette mit genauso ausreichend Wasser einnehme, wie „normale“ Tabletten, ist für mich selbstverständlich, so dass ich diese Tatsache vorausgesetzt habe. Ich hätte es wohl besser noch dazu geschrieben. Naja, passiert und aufgeklärt 😊!
Liebe Grüße
KatrinViva la Vida! 🍀
Liebe Katrin,
die Aufklärung zu den Schmelztabletten ist inzwischen fester Punkt in meinen Seminaren. Geschätzt 99,9 % aller Patienten haben davon keine Ahnung. Nur einmal sagte eine Patientin, dass sie danach immer ein Glas Wasser trinken muss, damit der aufdringliche Geschmack weggeht. „Ob das die Wirkung beeinträchtigen könnte.“ 😉 Die meisten erzählen, dass sie sogar vom Arzt den Hinweis erhalten, die Schmelztablette so lange wie möglich im Mund zu lassen, sie sogar unter die Zunge zu legen. Im Glauben daran, dass viel Wirkstoff über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. 🤦♀️
Daher war es mir wichtig, darauf hinzuweisen, damit Dein Beitrag nicht missverständlich rüberkommt. 🙂
Liebe Grüße
BettinaLiebe Bettina,
dieser deutliche Hinweis scheint deiner Erfahrung nach doch viel wichtiger und sinnvoll zu sein.
Ich wurde 2008 bei meinem ersten Klinikaufenthalt in der Schmerzklinik Kiel von meinem behandelnden Arzt auf die Einnahme mit ausreichend Wasser hingewiesen, als ich dort das erste Mal Rizatriptan als Schmelztablette bekam. Sonst hätte ich es wahrscheinlich auch nicht gewusst.
Im Beipackzettel des Original-Präparats steht unter Art der Einnahme lediglich etwas zur (eingeschränkten) Dosis.
Im Beipackzettel des Generikas, welches ich nehme, steht so gar drin, dass die Schmelztabletten nicht mit Wasser eingenommen werden brauchen bzw. in Situationen eingenommen werden können, in denen keine Flüssigkeit zur Verfügung steht.Mit diesen Angaben ist es kein Wunder, dass in dieser Beziehung Aufklärung auf beiden Seiten – Arzt und Patient – vonnöten ist. Es wäre sicher hilfreicher, wenn die Hersteller ihre Einnahmehinweise diesbezüglich ändern.
Vielleicht sind die von ihnen verfassten Angaben zur Einnahme – und da wage ich jetzt meine ganz persönliche Spekulation – auch einfach „nur“ Taktik…Liebe Grüße
KatrinViva la Vida! 🍀
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