In dieser Gruppe können wir über sämtliche aktuelle Themen diskutieren. Bitte achtet im gemeinsamen Interesse darauf, die Diskussionen in einem sachlichen und fairen Ton zu führen.
Zum Einstellen eines Beitrags bitte immer auf “Forum” klicken. Dann öffnen sich alle Foren, die in dieser Gruppe schon bestehen. Nun kann man sich ein passendes Forum für seinen Beitrag aussuchen. Ist das passende Thema nicht dabei, bitte auf “Neues Thema” klicken und somit ein neues Forum eröffnen. Aussagefähige Überschrift wählen, Beitrag einstellen und unter “Tags” die relevanten Suchwörter eintragen.
Krankheit und Familie
-
AutorBeiträge
-
Hallo ihr Lieben,
ich hatte Bettina vor einer Weile gefragt, ob es einen Thread für das Thema Familie und Krankheit gibt, und sie hatte mir vorgeschlagen, hier dazu zu posten. Ich fühle mich ein bisschen merkwürdig dabei, eine so sensible Angelegenheit unter »Sonstiges« zu diskutieren, aber vielleicht ist der Name des Threads nicht so wichtig.
Jedenfalls, ich habe über die Jahre, die ich hier mal lese, mal poste, gelegentlich Geschichten gesehen, die Menschen über ihre Familien erzählen, und habe immer wieder gedacht dass das Thema mehr Raum gebrauchen könnte. In diesem Sinne mache ich hier mal einen Anfang, indem ich einen Thread aufmache und über meine Mutter erzähle, und freue mich sehr, wenn ihr Lust habt mir dazu Feedback zu geben oder eure Geschichten aufzuschreiben.Meine Migräne ist zum ersten Mal aufgetreten, als ich zehn war. Es war der Vorabend der ersten Reise, die ich, abgesehen von Klassenfahrten, ohne meine Familie antreten sollte, ich war für den nächsten Tag zu einem zweiwöchigen Sommercamp in Österreich angemeldet. Ich weiß nicht, ob die damit verbundene Aufregung mit dem Migräneanfall zu tun hatte oder ob es Zufall war. Auf jeden Fall bekam ich zum ersten Mal diese Schmerzen, als würde ein kleines Männchen in meinem Kopf sitzen und mit einem großen Hammer gegen die linke Stirnhälfte schlagen, und ich erbrach mich den ganzen Abend lang immer wieder. Meine Mutter dachte, mich müsste irgendeine Art von Sommergrippe erwischt haben, sagte »Das wird schon wieder« und setzte mich in den Bus zum Camp. Mir ging es dort erst einmal ziemlich dreckig, der eigentliche Anfall war vorbei, aber ich war erschöpft und verwirrt und hatte schreckliches Heimweh. Ich rief meine Mutter täglich an und bettelte, sie möge mich nach Hause holen. Sie sagte, ich solle durchhalten. Nach ungefähr einer Woche begann ich, mich besser zu fühlen, und die letzten Tage auf dem Camp hatte ich sogar Spaß. Als die zwei Wochen um waren und der Campbus wieder zu Hause vorfuhr, kam meine Mutter dann angelaufen und war ganz aufgelöst. Gott sei Dank sei ich wohlbehalten wieder da! Und sogar fröhlich! Sie habe geglaubt, ein Häuflein Elend in Empfang nehmen zu müssen! Wenn ich nur wüsste, was sie durchgemacht habe, mit einem kranken Kind auf dem Camp! Niemals würde ich nachempfinden können, wie schlimm das für sie gewesen sei!
Diese Geschichte fasst das Verhalten meiner Mutter ziemlich gut zusammen.
Zum Einen war Realitätsverweigerung immer schon ihre bevorzugte Strategie, wenn es um meine Krankheit ging, ergänzt und gestützt durch die »Gepriesen sei, was hart macht«-Haltung, die für ihre Generation typisch ist. Wie man sieht, hatte sie auch kein Problem damit, gegebenfalls ein ganzes Sommercamp die Konsequenzen tragen zu lassen – wenn es nun wirklich ein ansteckendes Virus gewesen wäre?
Zum Zweiten konnte sie von der einen Sekunde zur anderen die Rolle wechseln und plötzlich zur überemotionalen Mutter werden, die meine Krankheit nicht ertrug und dringend meine Zuwendung brauchte.
Als Kind hatte ich keine Worte dafür, heute kann ich sagen, dass dieses Springen von »Du bist nicht krank, beiß die Zähne zusammen, steh auf« zu »Du bist krank! Das ist ja schrecklich! Das kann ich gar nicht aushalten!« das Schlimmste war. Beide Verhaltensweisen für sich haben beinhaltet, dass es, egal wie krank ich war, um ihre Bedürfnisse gehen musste, niemals um meine. Das allein wäre schwierig genug. Aber diese abrupten Wechsel zwischen Unter- und Überreaktion und die Unberechenbarkeit, die dadurch entstanden ist … Das war nicht mehr nur schwierig oder schlimm, das war gruselig.Es sei dazu gesagt, dass die oben beschriebene Anekdote 30 Jahre her ist. Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter, ich habe seit Jahren nicht mit ihr gesprochen und möchte es auch nicht. Aber soweit ich das mitbekomme, drängt sie meine Geschwister und neuerdings meine Nichte dazu, mich in den Schoß der Familie zurückzuholen. Dazu vielleicht beim nächsten Mal mehr. Erst einmal würde ich mich freuen, wenn ihr Lust habt euch zu Wort zu melden und zu erzählen, wie es mit euren Familien läuft.
Liebe Grüße in die Runde,
AnnikaHallo Annika
Nach dem Lesen deines Beitrags sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangenen. Ich versuche mal diese in geordneter Form wiederzugeben.
Als erstes möchte ich dir sagen, dass es für jede Familie eine Herausforderung ist wenn sie mit chronisch erkrankten Familienmitgliedern leben.
Oftmals führt es dabei zu Missverständnissen weil als erstes nur die bekannten Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden. Oder es heißt „stell dich nicht so an“, „das kenne ich auch“, „das ist psychisch“ etc. oder „da musst du durch“. Dieses betrifft vor allem die Generation unserer Eltern. Diese Erfahrung musste ich auch machen.
Das heißt aber noch lange nicht, dass sich die Eltern keine Gedanken machen!
Ich selber lebe seit 1994 mit Dauerkopfschmerzen (NDPH). Für meine Eltern war ich die sensible Tochter und sie schoben mein Problem auf meine Psyche. Das betraf aber auch alle Ärzte die ich besucht hatte. Es gab keinen Beweis für eine organische Erkrankung.
Trotz allem haben meine Eltern versucht mir ein Gefühl des „Ich bin da“!!! zu geben. Das heißt wann immer ich mich schlecht fühlte, das war in den ersten Jahren häufig der Fall, konnte ich sie anrufen und sie waren da.
Dabei gab es auch den ein oder anderen Vorwurf den sie mir machten. Für mich war wichtig das sie da waren denn Niemand nahm mich wirklich ernst. Sie vielleicht auch nicht aber sie gaben mir das Gefühl mich zu nehmen wie ich bin.
Die Situation aus Muttersicht habe ich ebenfalls kennengelernt. Unser Sohn hatte in der Jugend Epilepsie. Ich fühlte mich damals schuldig weil ich es erst nach dem 1. für mich offentsichlichen generalisierten Krampfanfall gemerkt habe. Im Vorfeld gab es etliche Situationen wo unser Sohn auffällig war aber wir haben erst einmal nur irgendwelche naheliegende Möglichkeiten in Erwägung gezogen. Dabei kam es des öfteren zu Konfrontationen die mich als Mutter an meine Grenze geführt haben.
Deine Mutter wünscht sich, auch wenn es über Umwege geht, wieder Kontakt mit dir zu haben. Du weißt nicht welche Gedanken oder Gefühle sie in den letzten Jahren beschäftigt haben.
Du beschreibst die Sprunghaftigkeit deiner Mutter. Diese ist aber 30!!! Jahre her. Wenn du einen Vergleich ziehen müsstest wieviel du dich in den letzten 30 Jahren verändert hast. Könntest du dir vorstellen, dass deine Mutter sich in diesen vielen Jahren auch verändert haben könnte?
Ich persönlich wünsche mir, dass du es schaffst auf deine Mutter zugehen zu können. Dabei alle alten negativen Gefühle beiseite schiebst und ihr beide einen Weg zueinander findet.
Gruß Flummi
Hallo ihr Lieben,
es wäre vielleicht wichtig, diesem Thread hier den Hinweis voranzustellen, dass die eigene Geschichte jeweils von der der anderen zu trennen ist, damit nicht eigene Situationen unabsichtlich projiziert werden.
Einem Kind, das sich laufend am Übergeben ist, medizinische Behandlung und Rückzug zu verweigern und es stattdessen ins Sommercamp zu schicken, ist objektiv eine Missbrauchssituation. Da hatte die Mutter im Grunde „Glück“, dass die Symptome sich dort schon abgeschwächt hatten und das nicht aufgefallen ist. Auch dass sie im Nachhinein keine echte Empathie gezeigt, sondern erstmal ihre eigene Belastung in den Vordergrund gestellt hat, und das wohl auch wiederholt so war, finde ich sehr problematisch. Fehler können immer passieren, aber es ist Aufgabe der Erwachsenen, die Verantwortung dafür, so gut es eben geht und zur Not auch nachträglich, zu übernehmen.
Auch so ein Kontaktabbruch passiert ja in der Regel nicht über Nacht, sondern nach vielen Kämpfen und Hoffnung auf Reflexion und Einsicht. Er sollte von außen respektiert werden, denn dass deine Eltern trotz allem immer für dich da waren, Flummi, und du ebenso für deinen Sohn, wird sich für Annika möglicherweise ganz anders dargestellt haben.
Annika, wir hatten ja vor längerer Zeit kurz mal geschrieben. Ich will mal noch ergänzen, dass ich diese Widersprüchlichkeit in der elterlichen Reaktion auch gut kenne. Auf etwas andere Weise, aber ich weiß, dass es viel auch mit der eigenen Belastungswahrnehmung anstellt, wenn man mit schlimmen Erfahrungen nie sicher aufgefangen wird. Ich habe gerade zufällig so eine Situation, daher danke für die Erinnerung, mal wieder extra lieb und fürsorglich mit sich umzugehen. 🙂
Liebe Grüße
FraktiHallo Annika,
ich kann deinen Konflikt sehr gut nachvollziehen. So wie du deine Mutter beschreibst, standen ihre Gefühle und ihr Befinden im Vordergrund und ich hätte meinem 10 jährigen Kind dieses von dir beschriebene Camp nicht so krank zugemutet. Ich war selbst mal in dem Alter zur Kinderkur weit weg, ohne Eltern früher, und hatte mega Heimweh.
Dass du dieses ambivalente Verhalten zu anstrengend findest, verstehe ich auch und da darfst du natürlich auf dich schauen, ob und wann du einen Versuch zur Annäherung machst, könnte ja auch erstmal ein Telefonat sein. Ich selbst habe den Absprung von meinen Eltern nicht geschafft trotz sehr schwierigem und belasteten Verhältnis und es hat damit auch meiner eigens gegründeten Familie Energie abgezogen. Für meine Migräne gab es allerdings Verständnis, da meine Mutter mir diese vererbt hat und gut kannte.
Kannst du das auch professionell besprechen? Das geht ja besser als hier schriftlich.Mich selbst holt das Thema “ Migräne und Familie“ gerade auch wieder mehr ein, aber anders. Ich habe in den letzten Monaten wieder deutlich mehr Attacken und bin andererseits als Oma sehr gefragt, mehr als ich leisten kann, funktioniere also nicht. Das hat zu heftigen Konflikten geführt und macht mich ziemlich traurig – ich wäre ja gerne die fitte Oma ..
Liebe GrüßeHallo ihr Lieben,
danke für eure Antworten!
Erst einmal bin ich froh, dass hier das Wort »Missbrauch« sofort gefallen ist. So nenne ich das Verhalten meiner Mutter nämlich auch, bin aber mit jedem Versuch, das in der Familie aufzuarbeiten, auf heftige Abwehr gestoßen.
Und nein, in professioneller Betreuung bin ich nicht mit dem Ganzen. Ich überlege immer mal wieder, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, aber ich stelle mir das sehr anstrengend und zeitintensiv vor und bin mir nicht sicher, ob dabei neue Erkenntnisse herauskommen würden die den Aufwand wert sind. Meistens beschäftigt mich das Thema auch nicht mehr so, nur kürzlich ist es hochgekocht weil meine Mutter andere Familienmitglieder bearbeitet, um mich zu einer Kontaktaufnahme mit ihr zu bewegen. Konkret heißt das, dass meine 13jährige Nichte mich gebeten hat, doch wieder mit ihrer Omi zu reden. Sie wisse ja selbst, wie gemein Omi sein könne, zu ihr sei sie das auch ständig, aber man müsse ihr das doch verzeihen, sie wisse eben manchmal nicht was sie sage und es tue ihr doch hinterher immer wieder Leid … Da ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen und seitdem geht mir das ganze Thema wieder öfter im Kopf herum.Von euren Beiträgen stechen für mich vor allem zwei Dinge heraus:
Ich selbst habe den Absprung von meinen Eltern nicht geschafft trotz sehr schwierigem und belasteten Verhältnis
Den Absprung nicht geschafft … was für eine interessante Wortwahl. Ich weiß nicht, ob man den Absprung von der Familie jemals schafft. Aber ich glaube, man kann Verhalten ändern, vor allem bei sich selbst.
ich weiß, dass es viel auch mit der eigenen Belastungswahrnehmung anstellt, wenn man mit schlimmen Erfahrungen nie sicher aufgefangen wird. Ich habe gerade zufällig so eine Situation, daher danke für die Erinnerung, mal wieder extra lieb und fürsorglich mit sich umzugehen. 🙂
Gerne und danke zurück 🙂
Und ja, mir ist es lange schwergefallen, Überlastung überhaupt als solche wahrzunehmen. Alles auszuhalten und zu schaffen war selbstverständlich. Aber ich will nicht mehr so leben, was auch heißt, meine Rolle in der Familiendynamik nicht mehr zu erfüllen, und seitdem … na ja, siehe oben.Seid lieb und fürsorglich zu euch!
Liebe Annika,
ich habe selber eine schwere Ursprungsfamiliengeschichte hinter mir. Nein, in meiner Familie war niemand suchtkrank und niemand körperlich übergriffig, an so etwas wird oft zuerst gedacht.
Es war ein sehr ungesundes Familiengefüge und auch ich war starkem emotionalem Missbrauch ausgesetzt. Es hat lange gedauert, bis ich mich daraus lösen konnte, doch als ich den Schritt dann vollzogen hatte, bin ich keinen Zentimeter mehr zurück.Was nicht hieß, dass ich den Kontakt abgebrochen habe, aber ich war immer bemüht, meine Schutzgrenze zu halten. Äußerlich hat das gut geklappt, seelisch nahm es mich damals sehr mit. Im Laufe der Jahre konnte ich dann besser damit umgehen, leicht war es nie.
Psychologische Betreuung hatte ich keine. Wenn man bereit ist, ganz tief in sich zu graben und sich gegenüber ehrlich zu sein und nach der Motivation und den Zielen des eigenen Verhaltens zu fragen, kommt man auch alleine sehr weit. Ich konnte auch gut mit meinem Mann darüber sprechen, eine andere Sicht eines Menschen mit einem gesunden Menschenverstand bringt auch viel.
Ich konnte das alles gut verarbeiten. Es gehört aber zu meiner Familien- bzw. Lebensgeschichte dazu.
Man sollte nie die Erwartung haben, dass man das vergessen kann, und Narben bleiben sowieso. Aber man kann lernen, damit gut zu leben.Wenn bei mir mal wieder was davon aufploppt, betrachte ich es kurz und lege es dann wieder ab, zurück zu dem Vergangenen.
Ich hole davon nur bewusst wieder Dinge hervor, wenn ich mit Menschen zu tun habe, die in einer ähnlichen Situation sind und dringend Hilfe brauchen. Es kann sehr guttun, wenn man mit jemandem reden kann, der Ähnliches durchgemacht hat, weil ein ganz anderes Verständnis dafür da ist, wie schwer einem so etwas zu schaffen machen kann.
Danach lege ich es wieder ab. Und bin jedes Mal aufs Neue dankbar, dass diese schwere, schmerzliche Zeit hinter mir liegt.Seit meine Eltern nicht mehr leben, ist es noch einmal viel leichter.
Ich wünsche dir von Herzen alles Gute für deinen Weg.
Lieber Gruß
HeikaIch weiß nicht, ob man den Absprung von der Familie jemals schafft. Aber ich glaube, man kann Verhalten ändern, vor allem bei sich selbst.
Ja, das habe ich auch gemacht und den Kontakt dezimiert, aber eben nicht ganz abgebrochen, nur die letzten Jahre zu einem Elternteil (zu Recht im geschlossenen Pflegeheim).
Lange hatte ich den komplett falschen Denkansatz, wie ich das schaffe mich bei meinen Eltern wohler zu fühlen.. bekloppt, aber ich war ewig in größter Sorge um meine Mutter. Nun ist sie vor 1 Jahr verstorben, nachdem ich sie noch 5 Jahre im Nachbarort im Heim durch Demenz begleitet habe. Hat mir auch nicht gut getan, aber es war nur hier etwas frei in einer Notsituation und kein Mensch dachte, dass es solange wird.
So ist jede Familiensituation anders.
Wenn sich deine Mutter, @Annika, nun also selbst deiner Nichte gegenüber so ungut verhält, würde ich wohl auch nicht wieder den Kontakt aufnehmen, aber das kann nur jede/r für sich entscheiden..Hi ihr Lieben,
vielen Dank für eure Antworten! Mir hilft das hier gerade sehr.
als ich den Schritt dann vollzogen hatte, bin ich keinen Zentimeter mehr zurück.
Genau! So mache ich es auch und das fühlt sich sehr richtig an.
Allerdings, wenn ich fragen darf: Hast du Geschwister? Und wenn ja, wie lief oder läuft es mit denen? Verstehen die dein Verhalten?Lange hatte ich den komplett falschen Denkansatz, wie ich das schaffe mich bei meinen Eltern wohler zu fühlen.. bekloppt, aber ich war ewig in größter Sorge um meine Mutter.
Na ja, bekloppt … ich glaube, das können alle verstehen, oder? Ich versteh’s auf jeden Fall. Die Bindung an die Eltern ist ja nicht gerade etwas, was sich mal eben über Bord werfen lässt, und idealerweise möchte man das auch gar nicht.
Meine Mutter hat, wenn ich ihr signalisiert habe dass ich mich bei ihr unwohl fühle, immer sehr empört und verletzt reagiert und verlangt, ich solle mich anders fühlen. Ich bin vor einer Weile dahintergekommen, dass die Frage nicht ist, wie ich es schaffe, mich anders zu fühlen, sondern wie meine Mutter es schafft, sich anders zu verhalten.
Herausgekommen ist dabei eine Art Pattsituation. Meine Mutter will sich nicht anders verhalten. Ich will eine Person, die so mit Menschen umgeht wie sie, nicht in meinem Leben haben. Da wird sich nichts mehr ändern und das kann ich auch akzeptieren.Was mir aber zu schaffen macht, ist die Beziehung zu meinen Geschwistern. Als meine Nichte mich gebeten hat, den Kontakt zu ihrer armen leidenden Omi wieder aufzunehmen, habe ich das meinem Bruder, dem Vater meiner Nichte, gegenüber angesprochen. Ich habe ihm gesagt, ich hätte da ein paar Dinge gehört, die mir Sorgen machen. Er hat geantwortet, ich sei überkritisch und überempfindlich und im Übrigen verbitte er sich den (seiner Meinung nach implizierten) Vorwurf, er passe nicht richtig auf seine Tochter auf. Er hat exakt wiederholt, was meine Mutter immer zu mir gesagt hat, sogar in genau ihren Worten: Ich würde überreagieren, immer müsse ich meine übertriebenen Befindlichkeiten über das Wohl der Familie stellen, mit mir auszukommen sei einfach nicht möglich … Von ihm ist das neu und es war sehr hart zu hören.
Ich habe auch versucht, mit meiner Schwester zu reden, zu der ich früher mal ein sehr gutes Verhältnis hatte. Sie hat mich abblitzen lassen mit den Worten, das sei alles nicht ihre Angelegenheit.Seit meine Eltern nicht mehr leben, ist es noch einmal viel leichter.
Danke, dass du das aussprichst und ich hoffe, das wird bei uns auch so. Aber gerade habe ich die Befürchtung, dass wir mit dem Tod unserer Mutter, wenn er irgendwann eintrifft, sehr unterschiedlich umgehen werden und uns das noch weiter voneinander entfernen wird.
Deshalb zurück zu meiner Frage von oben, falls ihr das beantworten mögt: Wie ist das bei euch? Haben andere Familienmitglieder Verständnis für eure Position? Oder hat der Bruch mit dem missbrauchenden Elternteil zu weiteren Brüchen geführt?
-
AutorBeiträge
- Du musst angemeldet sein, um zu diesem Thema eine Antwort verfassen zu können.