Ernährung2024-12-22T21:09:57+01:00

Ernährung

Verloren im Ernahrungsdschungel

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  • Abby
    Participant
    Beitragsanzahl: 6

    Moin liebe Mitgeplagten. Ich in 39 Jahre alt und habe etwa seit der Kindheit Migräne. Bei meinem 1. Kind war es die gesamte Stillzeit super bei meinem 2. Habe ich ketogen gegessen und war tatsächlich fast 2 Jahre anfallsfrei. Irgendwann aber nicht mehr. Dann fing ich wieder an normal. Zu essen und habe seitdem 12 kg zugenommen. Eigentlich würde ich gerne abnehmen, aber egal. Was ich probiere ich esse irgendwann wieder weil ich merke dass sonst die Migräne kommt. Im Moment ist es auch extrem schlimm. Gerne hätte ich mal. Ideen wie ihr die komplexen KH in euren Alltag einbaut, denn ich bin überfordert. Vielleicht finde ich dann auch einen Weg für mich dee über weniger Migräne auch zu einem besseren Gewicht führt.
    Freue mich auf Austausch.

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7221

    Liebe Abby,

    herzlich willkommen in Headbook!

    Ja, die Migräne und unsere Ernährung ist ein sehr wichtiges Thema, das viele von uns beschäftigt und bei dem viele den optimalen Weg für sich suchen.

    Migräne kann sich allerdings immer wieder verändern, völlig unabhängig von der Ernährung. Migräne ist oft eine progredient (=fortschreitend) verlaufende Erkrankung, die im Verlauf von Jahren schlimmer werden kann, auch wenn man sich immer gleich ernährt.

    Unser Gehirn braucht zum Funktionieren Glucose, Sauerstoff und Wasser. Glucose wird am einfachsten und schnellsten aus Kohlenhydraten hergestellt. Gleichzeitig sollen aber ständige und starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels vermieden werden, weil diese eine Attacke triggern können. Je gleichmäßiger wir essen und leben, desto schonender für unseren Kopf. Es kommen ja immer noch andere Trigger dazu, die wir nicht beeinflussen können wie Wetter, Hormone, familiäre Belastungen, etc.

    Bei den Kohlenhydraten sind diese in der täglichen Ernährung zu bevorzugen, die nur einen geringen Ausschlag des Blutzuckerspiegels zur Folge haben, also z.B. Vollkornprodukte, Gemüse, Obst.

    Allerdings gibt es die besondere Situation, dass wir besonderen Heißhunger auf Süßes bekommen, wenn die Migräneattacke gestartet ist. Unser hochaktives Migränegehirn befindet sich dann bereits im Energiedefizit und möchte diesen Mangel schnellstmöglich beheben und sendet starke Hungersignale auf Süßes. Wenn wir dann schnell gegensteuern, können wir evtl. hin und wieder eine Attacke abfangen. Ich trinke in so einem Fall ein großes Glas normales Cola. Der Zucker geht schnell ins Blut und das Koffein regt den Hirnstoffwechsel an.
    Eine Möglichkeit ist auch, Vollkornbrot mit Honig oder Marmelade zu essen. Letztere werden schnell verstoffwechselt, das Vollkornbrot macht dafür länger satt.

    Hier in Headbook war auch immer mal zu lesen, dass Patienten allerdings ständig gegessen haben, weil sie immer das Gefühl hatten, sobald Hunger aufkäme, würde das eine Attacke auslösen. So etwas kann auf einem „Gefühl“ beruhen, das der Realität nicht standhält, denn eine ständige Snackerei tut unserem Körper nicht gut. Und fördert das Zunehmen an Gewicht. Und keiner braucht alle ein bis zwei Stunden etwas zu essen.

    Eine regelmäßige, ausgewogene und vollwertige Ernährung sind für unsere Köpfe das Beste. Wichtig ist das Frühstück, da unser Körper nach der langen Ruhepause über Nacht einen Nachschub an Kohlehydraten braucht. Ich frühstücke ein zuckerfreies, selbstgemachtes Müsli aus verschiedenen Getreidearten und füge Obst und Nüsse dazu. Mittags gibt es viel Salat oder Gemüse mit Nudeln, Reis oder Kartoffeln, abends Vollkornbrot mit irgendwas dazu. Vormittags muss ich manchmal eine Kleinigkeit essen, weil mir die Pause bis zum Mittagessen zu lang ist.

    Ich esse schon mein Leben lang sehr gerne, sehr viel und leider auch gerne sehr süß. Das Süße verkneife ich mir aktuell völlig. Wenn ich mit Süßem mal anfange, fällt mir das Maßhalten schwer.

    Ich versuche – aktuell zumindest ? – nur zu essen, wenn ich Hunger habe; ich esse bewusst langsam und höre auf, wenn ich satt bin.

    Und zum Schluss noch ein wichtiger Punkt: Das größte Problem ist für die meisten Menschen das emotionale Essen: Essen aus Frust, Traurigkeit, Enttäuschung, zur Entspannung, als Belohnung, als Trost, etc. In meinem Freundeskreis sind alle Übergewichtigen emotionale Esser. Und für schwer betroffene Migränepatienten ist dieser Aspekt durchaus von Bedeutung, denn wenn man schon ansonsten auf so vieles im Leben zwangsweise verzichten muss, möchte man das oft beim Essen nicht auch noch tun.

    Lieber Gruß
    Heika

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34371

    Willkommen, liebe Abby. 🙂

    Heika hat schon sehr viel erklärt, so dass Du nachvollziehen kannst, warum es Dir trotz vermeintlich sinnvoller Diät wieder schlechter geht.

    Ergänzen möchte ich noch, dass viele sich den meisten Stress mit Lebensmitteln machen. Auch glauben, von diesem oder jenem Migräne zu bekommen. Das ist ein Mythos, der sich leider hartnäckig hält. Freue Dich am Essen, iss, worauf zu Lust hast – aber in Maßen. Einfach gesagt, schwer getan.

    Diäten funktionieren nicht auf Dauer, daher versuchen, weniger Kalorien zu Dir zu nehmen als Du verbrauchst. Es gibt dafür auch gute Apps, Yazio z.B. Versuche das Abnehmen auf entspannte Art und Weise. Geht dann zwar nicht so schnell, dafür langanhaltender.

    Liebe Grüße
    Bettina

    alchemilla
    Participant
    Beitragsanzahl: 3992

    Liebe Abby,
    den ausführlichen Antworten, die du nun bekommen hast, möchte ich noch eine andere Sichtweise hinzufügen.
    Du fragst nicht nur nach der Ernährung sondern auch danach, die Migräne „in den Griff“ zu bekommen.
    Dazu muss man bedenken, dass Migräne ein sehr komplexes Geschehen ist.
    Die Sehnsucht, einen Punkt in den Abläufen zu verändern und damit die Migräne zu reduzieren, teilen Viele von uns. Es bleibt aber eine Sehnsucht, denn es ist nicht realistisch.
    Ich denke, man muss auch in die entgegengesetzt Richtung schauen: nicht nur „Wo bekomme ich die Energie her“ sondern auch „Wie kann ich zu viel Energieverlust vermeiden?“
    Prof Göbel betont in seinen Vorträgen und in seinem Buch, dass es so wichtig ist, den Tagesablauf und die gesamte Lebensweise der Migräneanfälligkeit anzupassen.
    Für mich ist das seit Jahren ein großes Forschungsfeld, heraus zu finden, wo ich persönlich zu viel Energie verbrauche.
    Und ich glaube, das muss jeder für sich selbst ergründen.

    Ein lebendiger Organismus ist keine Maschine, wo man oben Energieträger einfüllt und unten die Leistung herauskommt.
    Lebendige Organismen brauchen auch Ruhepausen. Regenerationsmöglichkeiten.
    Wie die Bergsteiger ganz regelmäßig ihre Zwischenlager nutzen, um wieder Kraft zu schöpfen, damit sie den Gipfel überhaupt erreichen können.

    Vielleicht hilft dir diese Sichtweise auch ein wenig weiter.

    LG
    alchemilla

    Abby
    Participant
    Beitragsanzahl: 6

    Danke für Eure spannenden Antworten. Ich lese hier immer wieder von Pellkartoffeln, dabei dachte ich immer dass diese einen hohen Glyx haben und deshalb zu schnell anfluten. Kann mir dazu noch jemand was sagen?

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7221

    Bei Pellkartoffeln habe ich einen GI von 65 gefunden, Vollkornnudeln und Vollkornreis und Müsli ohne Zucker haben aber auch schon 50.
    Man muss immer bedenken, dass diese Kohlenhydrate nur einen Teil der Mahlzeit darstellen. Wenn ich morgens mein Müsli mit Vollkornflocken und Obst und Nüssen zubereite, sinkt der GI bei der Gesamtmenge.
    Ebenso bei den Mahlzeiten mit Kartoffeln, wenn man noch anderes Gemüse dazu isst.

    Umgekehrt kann man den GI aber auch steigern, wenn man beim Frühstück z.B. zu Weißbrötchen Marmelade isst und auch noch Orangensaft dazu trinkt.

    Wenn man auf eine vernünftige Menge achtet und die Lebensmittel geschickt kombiniert, möglichst auch frische und unverarbeitete Lebensmittel isst, also selber kocht, kann man eigentlich fast nichts falsch machen.

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7221

    In einer Sendung über das Brotbacken erfuhr ich jetzt noch etwas Interessantes, das mir bislang so noch nicht bekannt war:

    Es hängt u.a. auch vom Vermahlungsgrad eines Mehles ab, wie stark der Blutzuckerspiegel ansteigt. Ist also ein Vollkornmehl sehr fein gemahlen, steigt der Blutzuckerspiegel schneller an (wobei natürlich nach wie vor langsamer als bei Weißmehl) als wenn ein Mehl eher grob vermahlen wird oder sogar noch ganze Körner enthält.

    Danni74
    Participant
    Beitragsanzahl: 48

    Hallo Ihr Lieben,
    ich greife das Thema Ernährungsdschungel noch einmal auf: Wegen anhaltender Magen-Darm-Probleme (schlimmer Blähbauch, Sodbrennen, Verdauungsstörungen), habe ich eine Gastro-Praxis aufgesucht.

    Der Arzt dort schien mir recht kompetent (und nett, mit ausreichend Zeit), hat mich aber in Bezug auf meine Ernährung ziemlich verunsichert.

    Meine Probleme kämen von den vielen, regelmäßigen Kohlenhydraten. Schon morgens früh etwas essen wäre auch ganz schlecht. Ebenso spät abends noch eine Vollkornmahlzeit (esse meistens ein paar Haferflocken oder etwas Vollkorngriess). Ich habe ihm natürlich von meinem Migräneproblem berichtet, aber er meinte, ich dürfe den Körper nicht immer dazu bringen, Insulin auszuschütten. Gluten- und Histaminreduziert ist das Mittel der Wahl.

    Weil ich nächste Woche ohnehin eine Vorsorge-Darmspiegelung habe, könnte ich bei der Gelegenheit den Blutzucker messen. Dann würde ich ja nichts essen und hätte realistische Werte. Schön mir erst mal ganz vernünftig, dann hab ich was zu kontrollieren 😉.

    Eigentlich dachte ich, ich ernähre mich Migränemässig ganz gut. Ich koche frisch, esse Vollkorn und auch regelmäßig, wenig Süßes – und weiß jetzt plötzlich doch nicht weiter.

    Vermutlich liegt‘s auch ein wenig an den Antikörpern oder Medis, aber ich kann halt auch nicht ständig Pantoprazol nehmen. Und ohne AK/Prophylaxe ist keine Option, es gibt für mich nix Besseres! 🙂

    Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen oder Tipps oder das gleiche Problem. Plötzlich auf KH verzichten mache ich auf keinen Fall. Das ist mir viel zu riskant. Aber vielleicht gibt’s einen Mittelweg?

    Liebe Grüße an Alle, Danni

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7221

    Liebe Danni,

    aus meiner Sicht machst du ernährungsmäßig alles genau richtig.
    Bei deinen Ernährungsgewohnheiten würdest du jeder Ernährungsberaterin große Freude bereiten. 😉

    Hast du dem Arzt gesagt, dass du die Antikörper bekommst?
    Magen-Darmprobleme sind die häufigste Nebenwirkung. Vielleicht kennt er sich damit noch nicht aus?

    Die Migräne wird sich von einer Gluten- oder Histamin-Reduktion kaum beeinflussen lassen und ob es dein Darm tut, kann ich nicht beurteilen. Wenn du bei diesem Arzt ein gutes Gefühl hast, kannst du es im Selbstversuch ja mal testen, ob das wirklich einen Einfluss darauf hat. Dann hättest du nicht mehr die Gedanken im Hinterkopf, es könnte doch was dran sein.

    Ich selber bin ein großer Fan von Zweitmeinungen. Ich an deiner Stelle würde tatsächlich noch einen zweiten Gastroenterologen aufsuchen.

    Lieber Gruß
    Heika

    Danni74
    Participant
    Beitragsanzahl: 48

    Liebe Heika,

    da bin ich sehr froh – danke für Deine Rückmeldung! ☺️

    Ich teste also unaufgeregt ein, zwei Dinge, lasse mich vor allem nicht verrückt machen und sehe dann weiter. Das mit der Zweitmeinung behalte ich mal im Hinterkopf.

    Liebe Grüße, Danni

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34371

    Liebe Danni,

    schließe mich voll Heika an. Lass Dich nicht verunsichern, Du machst migränetechnisch alles richtig und nicht nur da. Der Arzt scheint sich mit Migräne und Antikörper nicht auszukennen, daher sollte er Deine Hinweise aufgreifen und sich entsprechend informieren.

    Möglich wäre auch ein Wechsel zu Atogepant, darunter sind die Nebenwirkungen vielleicht weniger gravierend oder bestenfalls gar nicht vorhanden.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Danni74
    Participant
    Beitragsanzahl: 48

    Danke Dir für Deine Rückmeldung, liebe Bettina, und den Hinweis auf Atogepant! Die Frage nehme ich beim nächsten Mal mit zu meinem Neurologen.
    Liebe Grüße, Danni

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