Mein persönlicher Schmerzverlauf2024-12-22T21:09:57+01:00

Mein persönlicher Schmerzverlauf

Aletheia – Status Migränosus & mittlerweile ein Vierteljahr migränefrei

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  • Aletheia
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    Mindestens zurückgehend bis in meine Pubertät habe ich immer wieder Migräne-Attacken erlebt.
    Dass es sich um Migräne handelte war leicht klar; meine Mutter war ebenfalls Migräne-geplagt. Mein Kopfschmerz hatte also recht früh einen Namen.

    Meine Odyssee – mein Status Migränosus
    24.01.2025 Covid-Auffrischungsimpfung
    29.01.2025 4-stündige Fahrt zu einem 2tägigen Workshop
    30.01.2025 Mein Mann wird morgens positiv auf Influenza B getestet. Klar, dass ich mich angesteckt hatte – aber noch kein 40°-Fieber. Also: Fix nach Hause, solange ich noch fit bin! Zum ersten Mal allein die 4 Stunden durchgefahren, um ihn zurückzubringen – und unsere Familie zu schützen. Den Rest des Tages: erschöpft durchgeschlafen.
    03.02.2025 Krankschreibung bis zum Wochenende
    06.02.2025 Endlich unter 38° – kein Fieber mehr.
    08.02.2025, abends Plötzlich wurde ich von Nervosität „durchzogen“, die in in schnellen Wellen kam und anstieg. Das Blutdruckmessgerät hat immer höhere Werte angezeigt, letztlich 175! Wir haben den Notarzt verständigt. Als der Rettungswagen eintraf, war alles wieder soweit okay. Wir sind daher alle von einer – mir zuvor fremd gewesen – Panikattacke ausgegangen. (Kein Herzrasen, keine Atemnot, nur hohe Nervositätsgefühle mit angestiegenem Blutdruck; ich nehme mittlerweile an, dass es sich um den Vorboten der Migräne-Attacke handelte…)
    In der Nacht zum 09. Februar 2025 Migräne – ich kann mich nicht erinnern, doch ich bin recht sicher, dass ich eine Ibuprofen 400mg eingeworfen habe. Der Morgen ging noch einigermaßen, wir haben sogar noch gefrühstückt. Im Tagesverlauf immer stärker werdende Schmerzen mit zunehmender Übelkeit. (Sagt mein Mann, ich kann mich nicht erinnern. Er sagt auch, dass ich seitdem das letzte Mal wirklich was gegessen habe.)
    10.02.2025 starke Kopfschmerzen und Übelkeit – auch hier: keine Erinnerung mehr. Meine Hausärztin: „gehört leider alles noch zur Influenza, das dauert leider. Bitte schonen und in Geduld üben“. Verlängerung der Krankschreibung. MCP gegen die Übelkeit.
    11.02.2025 Mein Mann hat mich gegen 13:30 Uhr ins Krankenhaus gebracht. (Erst in das nächstliegende, doch die haben uns abgewiesen, dann nach Bergedorf in die Neurologie.) Starke Schmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit.
    12.02.2025, 5:35 Uhr (leichte!) Migräne. Im Verlauf des Tages wieder zunehmend, mit allem was dazu gehört. Um 9 Uhr starkes Schmerzmittel erhalten. Das Bett nicht verlassen außer zur Toilette. Visite. Es deutet alles auf Migräne hin, sie wollen gezielt Medikamente dafür geben. Immer noch alles laut und hell, aber keine Übelkeit mehr, d.h. Mittagessen, ein vegetarisches Curry mit Reis aufgegessen. (Nachtisch und andere stehen lassen). Das Essen hat mich sehr angestrengt. Ich bin trotzdem stolz und happy, dass ich es aufgegessen habe, ich sehe das als positives Zeichen!
    13.02.2025 Endlich keine Schmerzen mehr! Immer noch ausgesprochen Lärm- und Lichtscheu. Unsägliche Erschöpfung. Bettlägerig. Am späten Nachmittag Hörsturz erlitten. Am Abend aus dem Krankenhaus entlassen worden. – In den Entlassungspapieren steht die Diagnose „Status Migraenosus.“
    14.02.2025 Leichte Kopfschmerzen, 2x Aspirin
    15.02.2025 Vomex („zur Vorsorge, Beruhigung vorm Schlafen“)Ich habe den ganzen Tag nur im Bett gelegen, konnte allein nicht laufen. Mein Mann und ich haben zwei Spaziergänge unternommen. Einmal morgens, einmal Nachmittags. Ich hätte ohne Unterstützung nicht gehen können.
    17.02.2025 Mein Mann musste unbedingt arbeiten gehen, d.h. ich war das erste Mal seit der Migräne-Attacke allein, vorher hatte er mich bei allem begleitet und unterstützt. Ich habe mich getraut und konnte sogar kleine Spaziergänge gaaanz langsam alleine unternehmen. Schrecklich anstrengend, aber ich will ja wieder fit werden.
    18.02.2025 Nach der Migräne-Attacke (Status Migränosus) bin ich zittrig, nervös. Heute bin ich um 3 Uhr wach geworden und immer wieder durchfuhren mich regelrechte Nervositäts-Attacken! Was soll das?! Das kenne ich so nicht von mir! Bekomme ich etwa noch eine Angststörung obendrauf? Meine Hände sind seit Tagen kalt, was ich so auch nicht kenne.

    Ich bin heute drei Mal eine kleine Runde Fahrrad, jeweils 15-20 Minuten gefahren. Erst Altglas wegbringen und spontan fix Dinge fürs Abendbrot einkaufen. Gegen Mittag einfach nur so, dann noch mal spontan am Nachmittag. Dabei habe ich gemerkt, dass mir a) die Sonne und frische Luft unglaublich gut tun und b) mich das alles noch unglaublich anstrengt. Ich habe mich beim Einkaufen an die Tiefkühltruhe gelehnt und mehrmals durchgeatmet. Übernehme ich mich?
    Ich radle langsam, bedächtig.
    Angesichts der Tatsache, dass ich 2 Wochen (!) bettlägerig war (Influenza + Status Migränosus), geht alles viel schneller, als ich vor 2 Tagen noch gedacht hätte!

    Was ich in der Zeit der Erholung gemacht habe:
    Jeden Tag meditieren.
    Lese mir Wissen über Migräne an, habe mir das Buch von Prof. Dr. Hartmut Göbel „Erfolgreich Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen beseitigen, gezielt vorbeugen, Strategien zur Selbsthilfe“ gekauft. Zusätzlich den Apotheken-Umschau-Video-Kurs zum Thema Migräne, ebenfalls von/mit Prof. Dr. Hartmut Göbel besorgt (gibt’s kostenlos, Registrierung notwendig).
    Habe mich intensiv mit der Migräne-App der Schmerzklinik Kiel auseinandergesetzt.
    Nehme Magnesium-Tabletten.
    Ich bin Nichtraucherin und trinke eh keinen Alkohol.
    Regelmäßiger Alltag, regelmäßiges Essen.
    Mein Mann und ich versuchen drei Mal die Woche in unserem kleinem Mini-Fitnessstudio im Keller zu sporteln. Klappt ganz gut. 🙂

    Was mir von all den Tagen des Status Migränosus in Erinnerung ist:
    – Ich bin beim Versuch eine halbe Scheibe Brot zu essen (wieder zu Hause) auf dem Esstisch zusammengebrochen und habe es anschließend mit der Hilfe meines Mannes noch bis zur Couch geschafft.
    – Vernichtungsschmerz.
    – In den Momenten, wo ich halbwegs ansprechbar war habe kaum etwas zu Essen runterbekommen, bzw. mich regelrecht dazu selbst gezwungen – und dann die Mahlzeiten nicht beenden können.
    – In der ersten Nacht nach dem Krankenhaus habe ich so dermaßen wild, wuselig, hektisch geträumt. Als würden etliche Nächte des Träumens stark beschleunigt nachgeholt werden! Mein Hirn auf der Überholspur ohne Brems-Möglichkeit. Völlig übertaktet. Immer wieder versucht mich selbst zu beruhigen, auf meinen Atem zu konzentrieren und mich im Hier und Jetzt zu erden.
    – Ich habe immer wieder regelrechte Zitteranfälle gehabt, insbesondere meine Beine haben unkontrolliert gezittert.
    – Im Krankenhaus gab es eine Situation, wo im Doppelzimmer mindestens vier bis fünf Menschen (inkl. Zimmernachbarin) im Raum waren, keine Ahnung warum. Es war so LAUT und HELL! Die Kopfschmerzen waren grausam, unmenschlich. Habe mir die Ohren und Augen zugehalten und gewimmert. Irgendwer sprach mich an: „Auf einer Skala von 1 bis 10, wie schlimm sind Ihre Schmerzen?“ und prompt kam die Antwort – wohlgemerkt, nicht von mir! – von drei verschiedenen Stimmen „Zehn!“, „Zehn“, „Zehn, sehen sie das nicht, welche Schmerzen sie hat?!“
    Ich hätte, trotz dieser Schmerzen, auch hier nie mit „10“ geantwortet. Es war schlimm, ja, sehr. Aber die Schmerzen waren zuvor schon schlimmer gewesen! Ich konnte mich kaum mitteilen, nur Stöhnen, Wimmern und Weinen. Das war höchstens ne 9, ggf. sogar „nur“ eine 8. Weil ich noch irgendwie denken konnte. Worte hören und etwas davon verstehen.
    Mir wurde irgendwas in den Bauch gespritzt. Hat das gewirkt? Keine Ahnung. Irgendwas wurde mir auch über den Tropf gegeben. Hat das gewirkt? Ich kann mich nicht mehr erinnern.
    – Der Gedanke an die Schmerzklinik Kiel, d.h. für mich ggf. erreichbare Experten, die mir helfen könnten, die sich auskennen, hat mir Kraft gegeben.

    Rückblick & heute
    Ich erinnere mich an lediglich zwei Aura-Erlebnisse in meinem Leben, u. a. eine Netzhautmigräne.
    Seit dem Status Migränosus hatte ich nur noch sechs Migräneanfälle – klar zuordenbar (Hormone, Trigeminus, Stress, lange Autofahrt).

    Heute ist der 11.02.2026. Das bedeutet, dass ich seit seit nunmehr einem Vierteljahr migränefrei bin.
    Früher konnte ich nicht zwischen Spannungskopfschmerzen und Migräne unterscheiden.
    Ich wusste nicht, dass es Triptane gibt. Und ich habe keine Skepsis mehr Triptane einzunehmen, denn tatsächlich haben sie mir ausgezeichnet geholfen.
    Obwohl ich mit jedem Arzt früher über meine Kopfschmerzen/Migräne gesprochen habe, gab es keine Gespräche/Informationen darüber. Meine jetzige Ärztin ist da ganz anders. Auch mein Neurologe zu dem sie mich schickte. Ich fühle mich erstgenommen, verstanden.
    Das MRT zeigt, dass ich Marklagergliosen habe.

    Der Status Migränosus war traumatisierend, eine tiefe Erschütterung. Ich habe Erinnerungslücken. Und Flashbacks, die glücklicher Weise seltener werden.
    Ich mache insgesamt mehr Pausen. Wenn mir etwas zu viel wird, dann „flirren“ meine Nerven deutlich spürbar im Hals und Gesicht. Wie Spidermans Spinnensinn in den Comics. „Achtung Stress“.

    Weder meine Hausärztin, noch mein Neurologe noch ich selbst glauben, dass ich nochmals einen Status Migränosus erleiden werde. Wir glauben allesamt, dass die Virenbelastung der erlittenen Influenza B., starker Stress (Beruflich, zusätzlich schmerzhafte über drei Monate zuvor andauernde Kehlkopfentzündung), hormoneller Trigger (Menstruation), und noch weiterer körperlicher sowie psychischer Stress alles zusammengenommen der Auslöser waren. Ich bezeichne das gern selbst ironisch als „mit einer Schrotflinte aus nächster Nähe auf ein kleines weißes Kaninchen geschossen“.

    Dies ist meine Geschichte.
    Ich teile sie hier, weil mir Eure Erfahrungen in meinen dunkelsten Stunden unglaublich geholfen haben.
    Sie haben mir gezeigt: Ich bin nicht allein. Und Hilfe ist möglich.
    Danke.

    • Dieses Thema wurde vor vor 8 months von Aletheia bearbeitet.
    • Dieses Thema wurde vor vor 8 months von Aletheia bearbeitet.
    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34373

    Ein herzliches Willkommen im Headbook, liebe Aletheia. 🙂

    Danke für Deine ausführliche Schilderung Deines Weges.

    Du hast ganz schön was mitgemacht mit der Influenza und dem Status migraenosus. Solche Ereignisse können Migräne oft zeitweise sehr verschlechtern, was Du ja erlebt hast.

    Gut, dass Du Dich informierst über Literatur, die Migräne-App und hier bei uns. Sollte die Migräne wieder auftauchen – wünsche Dir sehr, dass das nicht passiert -, weißt Du genau, was Du machen musst.

    Weiter gute Zeit und liebe Grüße
    Bettina

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