Mein persönlicher Schmerzverlauf2024-12-22T21:09:57+01:00

Mein persönlicher Schmerzverlauf

Hallo headbook, hier ist Malin (malinkoehler)

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  • Malin
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    Hallo ihr Lieben,

    ich habe Migräne ohne Aura seit ich Kind/Jugendliche bin. Damals waren das für mich einfach Kopfschmerzen, die alle paar Wochen mal gut mit Ibuprofen behandelbar waren. Seit ich ungefähr 18-19 Jahre alt bin werden die Attacken langsam immer stärker und häufiger, außerdem kamen teilweise Übelkeit und fast immer depressive Verstimmungen dazu. Ich bin jetzt 22 und seit knapp einem Jahr in Psychotherapie, denn bestimmt triggern auch mein andauernder emotionaler Stress und leichte depressive Episoden die Migräne (welche mich auch wieder depressiv fühlen lässt – daraus entsteht wohl ein Teufelskreis).

    Nach drei Monaten 70 mg Aimovig bin ich jetzt im 3. Monat mit 140 mg Aimovig. Der erste Monat mit 140mg (Juni) hat vielversprechend angefangen. Von durchschnittlich 15-20 Schmerztagen monatlich bin ich in der ersten Monatshälfte erst mal auf nur ungefähr 3 Schmerztage gekommen, und normalerweise sichere Trigger wie Zugreisen oder Menstruation bedeuteten nicht unbedingt Migräne! Ende Juni kam dann eine psychische Krise dazwischen, und ich habe mich dazu hinreißen lassen, es mal mit Escitalopram zu versuchen. Meine Therapeutin hatte mir schon länger vorgeschlagen, mal ein Antidepressivum auszuprobieren, aber die vielen möglichen Nebenwirkungen haben mich mit der instabilen Migränelage vorher immer abgeschreckt. Die Depression macht mich zwar traurig, aber ist mit Therapie theoretisch auch ohne Medikamente irgendwie schaffbar, denke ich (nach wie vor).

    Als es dann doch sehr akut wurde psychisch, habe ich doch zum Escitalopram gegriffen und war so hoffnungsvoll, meine Psyche ein bisschen stabilisieren zu können, dass ich wohl ein bisschen blind war für die Nebenwirkungen, die mich ja eigentlich sehr vorsichtig bzgl Antidepressiva gemacht haben. Erst nach ungefähr 4 Wochen mit Escitaloprambedingter Übelkeit und Kieferpressen, und später dann auch Dauerkopfschmerzen und viel stärkeren Migräneattacken (inklusive Notaufnahme) bin ich darauf gekommen, dass ich das Escitalopram wohl nicht vertrage und habe es dann ausgeschlichen (das ist jetzt 2 Wochen her).

    Mein Körper ist wohl noch etwas im Ausnahmezustand, ich spüre immer noch (Absetz)Symptome vom Antidepressivum, außerdem kämpfe ich aktuell mit erschwerten Migränebedingungen wegen Menstruation. In 2 Wochen beginne ich Atogepant als Prophylaxe und habe große große Hoffnungen, dass das bei mir wirkt und bis dahin vielleicht auch der Serotoninspiegel wieder stabiler ist.

    Sorgen macht mir eh auch mein Medikamentenkonsum wegen MÜK, ich weiß aber nicht wie ich meinen Alltag mit weniger Triptanen/Schmerzmittel bestreiten soll. Sollte Atogepant nicht helfen, wird wohl Kiel mein nächster Schritt. Im Moment habe ich große Angst, dass es einfach immer schlimmer wird und es keine Lösung gibt, obwohl die aktuelle Schwere der Symptome ja relativ gut erklärbar ist und es ja noch viele Möglichkeiten gibt. Ich erinnere mich nur noch so gut daran, wie schön das Leben war, wenn man nicht jeden zweiten Tag Schmerzen hat, und es macht mich ein bisschen ängstlich dass dieses Gefühl seit Jahren eher kleiner wird. (und ich bin doch erst 22 :(!)

    Ein Psychiater hat mir jetzt noch Tianeptin verschrieben, das hat eine geringe Halbwertszeit und könnte bei Unverträglichkeit schnell wieder abgesetzt werden. Aber ich möchte nach dieser blöden Erfahrung jetzt erst mal nichts mehr riskieren. (Amitryptilin hat auch Kopfschmerzen als Nebenwirkung.)
    Hoffnung macht mir trotzdem, dass ich denke, vielleicht ist es grade auch eine kleine Abwärtsspirale, und wenn bei Depression und/oder Migräne dann ein Ansatzpunkt zur Besserung da ist, dreht die sich um und die eine positive Wirkung wirkt auf die andere ein. Außerdem möchte ich mal meinen Hormonspiegel bei der Gyn testen lassen.

    Ich bin auf jeden Fall gespannt auf Tipps oder Antworten und freue mich jetzt Teil von euch zu sein!

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34369

    Willkommen, liebe Malin. 🙂

    Schade, dass Du Escitalopram nicht vertragen hast. Es hätte sich nämlich eventuell auch positiv auf die Attackenfrequenz auswirken können. Die Psyche sollte bei Dir stabilisiert werden, das siehst Du ja auch selbst so. Deshalb wirst Du wohl über kurz oder lang doch ein Antidepressivum benötigen. Versuche doch mal das Tianeptin, absetzen bei schlechter Verträglichkeit kannst Du ja jederzeit.

    Aber nun erst mal viel Erfolg mit Atogepant!

    Sorgen macht mir eh auch mein Medikamentenkonsum wegen MÜK, ich weiß aber nicht wie ich meinen Alltag mit weniger Triptanen/Schmerzmittel bestreiten soll.

    An wie vielen Tagen im Monat behandelst Du denn Deine Attacken? Kennst Du schon unsere kostenlose Migräne-App. Wenn nicht, schau mal rechts in die Sidebar. Da findest Du die Downloadlinks zur App.

    Keine Sorge, dass nun alles so bleibt wie es ist. Es gibt immer Schwankungen, so dass bald auch wieder bessere Phasen kommen können. Das wünsche ich Dir. 🙂

    Liebe Grüße
    Bettina

    Jasmin
    Participant
    Beitragsanzahl: 927

    Hallo Malin,
    ich reagiere auch sehr empfindlich auf Medikamente, vor allem auch Antidepressiva, wollte viele Jahre nichts davon wissen. Ich mache es nun so, dass ich mit einer wirklich minimalen Dosierung beginne und nur langsam steigere. Z.B. Escitalopram habe ich selbst kürzlich begonnen, erst mit einer halben 5 mg Tablette, also einige Tage 2,5, dann erst auf 5 mg erhöht. Hatte auch erst etwas mehr Kopfschmerzen, was für den Arzt nichts besonderes war. Erst nach einiger Zeit auf 10 mg, weil mir die 5 mg erst psychisch gut taten und dann die Wirkung nachließ.
    So würde ich es an deiner Stelle auch mit Tianeptin versuchen.
    Auf Amitriptylin habe ich übrigens auch mit Verschlechterung reagiert, also paradox. Trotzdem würde ich dich gerne zu weiteren Versuchen ermutigen.
    Mir hat auch sehr die Umstellung von Aimovig auf Ajovy geholfen.
    Am liebsten würden wir ja alle ohne Medis auskommen, aber ich habe gedanklich umgeschwenkt und bin nun eher dankbar, dass ich in einem Teil der Welt lebe, in dem man darauf Zugriff hat😉
    Liebe Grüße und viel Erfolg!

    • Diese Antwort wurde vor vor 1 year, 1 month von Jasmin bearbeitet.
    Malin
    Participant
    Beitragsanzahl: 3

    Hallo liebe Bettina,

    vielen Dank für deine Antwort! Ich habe im April an 9, im Mai an 13, im Juni an 10 Tagen die Attacken behandelt, im Juli an 16 (das ging leider nicht anders, weil mir das Escitalopram so starke Schmerzen gemacht hat). Der August hat leider auch noch nicht die große Verbesserung gebracht, obwohl ich jetzt seit fast 4 Wochen kein Escitalopram mehr nehme, musste ich schon an 13 Tagen bisher die Attacken behandeln und war auch wieder in der Notaufnahme für eine Infusion. Meine Therapeutin hat mich aber darauf hingewiesen, dass ich es vielleicht etwas zu schnell ausgeschlichen habe und daher die ganzen Absetzsymptome kommen, die mich jetzt noch verfolgen (inklusive massiv erhöhte Schmerztage und -intensität).

    Wenn dann mal eine bessere Phase angebrochen ist, und vielleicht sogar das Atogepant mir hilft, werde ich auf jeden Fall noch einen Versuch mit Tianeptin starten, jetzt grade ist nicht daran zu denken – bin nur um jeden Tag froh, den ich ohne Schmerzmittel schaffe.

    Liebe Grüße 🙂
    Malin

    Malin
    Participant
    Beitragsanzahl: 3

    Hallo Jasmin,

    wie schön, dass Ajovy dir hilft. Sollte Atogepant nicht wirken, würde ich das auch probieren. Ich denke auch, dass es auf jeden Fall ein Antidepressivum gibt, das mir gut helfen kann, aber ich habe wohl grade nicht die Ressourcen nochmal so eine Zeit wie die letzten 2 Monate mit Escitalopram zu überstehen und mag grade nichts riskieren. Aber Schritt für Schritt, ich schaue mal, dass ich die Schmerztage eindämmen kann und dann ist das Tianeptin dran 🙂

    Danke auf jeden Fall für die Ermutigung!

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34369

    Liebe Malin,

    Du weißt ja, dass Du in letzter Zeit zu viel eingenommen hast. Problem ist dann halt, dass sich die Attacken steigern und Prophylaxen sowie Akutmedikation immer mehr an Wirkung verliert. Neu eingenommene Prophylaxen wirken dann vielleicht gar nicht.

    Ob Escitalopram tatsächlich für Deine schwere Phase verantwortlich ist, ist fraglich.

    Sollte sich die Situation nicht bessern, vielleicht doch mal Kiel in Angriff nehmen.

    Liebe Grüße
    Bettina

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