Hallo ihr Lieben,
ich habe Migräne ohne Aura seit ich Kind/Jugendliche bin. Damals waren das für mich einfach Kopfschmerzen, die alle paar Wochen mal gut mit Ibuprofen behandelbar waren. Seit ich ungefähr 18-19 Jahre alt bin werden die Attacken langsam immer stärker und häufiger, außerdem kamen teilweise Übelkeit und fast immer depressive Verstimmungen dazu. Ich bin jetzt 22 und seit knapp einem Jahr in Psychotherapie, denn bestimmt triggern auch mein andauernder emotionaler Stress und leichte depressive Episoden die Migräne (welche mich auch wieder depressiv fühlen lässt – daraus entsteht wohl ein Teufelskreis).
Nach drei Monaten 70 mg Aimovig bin ich jetzt im 3. Monat mit 140 mg Aimovig. Der erste Monat mit 140mg (Juni) hat vielversprechend angefangen. Von durchschnittlich 15-20 Schmerztagen monatlich bin ich in der ersten Monatshälfte erst mal auf nur ungefähr 3 Schmerztage gekommen, und normalerweise sichere Trigger wie Zugreisen oder Menstruation bedeuteten nicht unbedingt Migräne! Ende Juni kam dann eine psychische Krise dazwischen, und ich habe mich dazu hinreißen lassen, es mal mit Escitalopram zu versuchen. Meine Therapeutin hatte mir schon länger vorgeschlagen, mal ein Antidepressivum auszuprobieren, aber die vielen möglichen Nebenwirkungen haben mich mit der instabilen Migränelage vorher immer abgeschreckt. Die Depression macht mich zwar traurig, aber ist mit Therapie theoretisch auch ohne Medikamente irgendwie schaffbar, denke ich (nach wie vor).
Als es dann doch sehr akut wurde psychisch, habe ich doch zum Escitalopram gegriffen und war so hoffnungsvoll, meine Psyche ein bisschen stabilisieren zu können, dass ich wohl ein bisschen blind war für die Nebenwirkungen, die mich ja eigentlich sehr vorsichtig bzgl Antidepressiva gemacht haben. Erst nach ungefähr 4 Wochen mit Escitaloprambedingter Übelkeit und Kieferpressen, und später dann auch Dauerkopfschmerzen und viel stärkeren Migräneattacken (inklusive Notaufnahme) bin ich darauf gekommen, dass ich das Escitalopram wohl nicht vertrage und habe es dann ausgeschlichen (das ist jetzt 2 Wochen her).
Mein Körper ist wohl noch etwas im Ausnahmezustand, ich spüre immer noch (Absetz)Symptome vom Antidepressivum, außerdem kämpfe ich aktuell mit erschwerten Migränebedingungen wegen Menstruation. In 2 Wochen beginne ich Atogepant als Prophylaxe und habe große große Hoffnungen, dass das bei mir wirkt und bis dahin vielleicht auch der Serotoninspiegel wieder stabiler ist.
Sorgen macht mir eh auch mein Medikamentenkonsum wegen MÜK, ich weiß aber nicht wie ich meinen Alltag mit weniger Triptanen/Schmerzmittel bestreiten soll. Sollte Atogepant nicht helfen, wird wohl Kiel mein nächster Schritt. Im Moment habe ich große Angst, dass es einfach immer schlimmer wird und es keine Lösung gibt, obwohl die aktuelle Schwere der Symptome ja relativ gut erklärbar ist und es ja noch viele Möglichkeiten gibt. Ich erinnere mich nur noch so gut daran, wie schön das Leben war, wenn man nicht jeden zweiten Tag Schmerzen hat, und es macht mich ein bisschen ängstlich dass dieses Gefühl seit Jahren eher kleiner wird. (und ich bin doch erst 22 :(!)
Ein Psychiater hat mir jetzt noch Tianeptin verschrieben, das hat eine geringe Halbwertszeit und könnte bei Unverträglichkeit schnell wieder abgesetzt werden. Aber ich möchte nach dieser blöden Erfahrung jetzt erst mal nichts mehr riskieren. (Amitryptilin hat auch Kopfschmerzen als Nebenwirkung.)
Hoffnung macht mir trotzdem, dass ich denke, vielleicht ist es grade auch eine kleine Abwärtsspirale, und wenn bei Depression und/oder Migräne dann ein Ansatzpunkt zur Besserung da ist, dreht die sich um und die eine positive Wirkung wirkt auf die andere ein. Außerdem möchte ich mal meinen Hormonspiegel bei der Gyn testen lassen.
Ich bin auf jeden Fall gespannt auf Tipps oder Antworten und freue mich jetzt Teil von euch zu sein!