Hallo Semira und auch von mir ein herzliches Willkommen!
Deine Schilderungen kommen mir leider sehr bekannt vor 😉
Mich hat es selbst erst vor Kurzem hier ins Headbook getrieben, weil meine Migräne mir in den Wechseljahren so richtig zeigen will, was sie drauf hat. Ich versuche trotzdem einfach mal, auf Deine Fragen zu antworten:
1. Mein Neurologe möchte medikamentöse Prophylaxe beginnen. Und zwar Topiramat.
Soweit ich es inzwischen gelernt habe, ist das „alte Schule“ und nicht mehr aktuell als erste Prophylaxe. Prophylaxen der ersten Wahl sind eher Betablocker oder Amitriptylin. Meine Neurologin hat mir zuerst einen Betablocker verschrieben, weil der das geringste Nebenwirkungsprofil hat.
2. Meine Frauenärztin möchte eine Hormonersatztherapie.( Hormone laut Hormonstatus komplett im Keller)
Wurde der Hormonstatus mehrfach zu verschiedenen Zykluszeitpunkten überprüft? Die Hormone schwanken in den Wechseljahren stark. Wenn sie an einem Tag tief sind, können sie am nächsten Tag wieder höher sein. Die einmalige Bestimmung ist nur eine „Momentaufnahme“ mit wenig Aussagekraft. Wenn Du Wechseljahresbeschwerden hast, die Du mittels Hormontherapie lindern möchtest, dann könnte man die Hormonersatztherapie versuchen.
Aber: Bei Migräne mit Aura sind Östrogene eigentlich kontraindiziert, da ein (leicht) erhöhtes Risiko für Schlaganfälle besteht. Meine Gynäkologin verschreibt mir deswegen kein Östrogen (egal in welcher Form). Nach Abwägung des persönlichen Riskos könnte Frau trotzdem ein östrogenhaltiges Präparat versuchen, wenn die Gyn bereit ist, es zu verschreiben. Das kann gut gehen, kann sich auch positiv auf die Migräne auswirken, kann sie aber auch verschlimmern.
3. soll ich auch Triptane nehmen, wenn die Schmerzen nicht so stark sind, aber dieses fürchterliche Gesamtkrankheitsgefühl da ist?
Auch da musst Du nach persönlichem Empfinden entscheiden und ob Du dann auch noch die 10/20-Regel einhalten kannst. Ich nehme durchaus auch bei weniger starken Schmerzen schon ein Triptan, wenn ich mich insgesamt sehr schlecht fühle und nicht erst wenn der Kopf platzt 😉 . Wichtig: Triptan niemals während der Aura nehmen. Immer erst wenn die Aura vorbei ist.
4. macht es Sinn mal Mineralstoffe und Vitamine testen zu lassen?
Dazu kann ich nicht viel sagen. Meine miesen Eisenwerte hatten jedenfalls keinen Einfluss auf die Migräne. Aber da findet sich sicher noch jemand, der sich damit auskennt. 🙂
Ob Du Dich für eine Prophylaxe entscheidest oder Hormone probieren möchtest oder erst mal nichts davon machst, kannst Du nur selbst entscheiden. Die Frage ist, wie hoch Dein persönlicher Leidensdruck ist. Auf jeden Fall solltest Du nicht Hormone und medikamentöse Prophylaxe gleichzeitig ausprobieren, sondern dich erstmal für eins entscheiden und das andere ggf. danach testen, um Wirkungen und Nebenwirkungen dem jeweiligen Medikament zuordnen zu können.
Wenn Du schon länger hier mitliest, kennst Du sicher schon das Migränewissen, welches Du hier auf der Seite rechts in der Sidebar findest. Es lohnt sich trotzdem, dort immer mal wieder zu stöbern, wenn man nicht mehr weiter weiß. Dort stehen auch Tipps zur nicht medikamentösen Migräne-Prophylaxe wie regelmäßige Entspannung, regelmäßiger Tagesablauf, regelmäßige Mahlzeiten, (Kohenhydrate!), leichter Ausdauersport usw. Wenn Du im Moment so ein „Grenzfall“ bist, könntest Du auch erst mal schauen, ob Du da noch Optimierungspotential hast, bevor Du Dich für eine medikamentöse Prophylaxe entscheidest.
Das ist alles nicht einfach und ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es Dir gerade wohl geht. Je mehr Du über die Migräne weißt, umso besser kannst Du mit Deinen Ärzten reden. Dafür ist die Seite der Schmerzklinik und ganz besonders das Headbook eine wahre Goldgrube, in der Du bei Fragen und Problemen immer schürfen solltest. 🙂
Liebe Grüße
Auguste