Mein persönlicher Schmerzverlauf2024-12-22T21:09:57+01:00

Mein persönlicher Schmerzverlauf

Mein Migräneverlauf (Semira)

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  • Semira
    Participant
    Beitragsanzahl: 3

    Liebes headbook – Team,
    schon seit längerer Zeit lese ich hier mit und konnte schon sehr viele wertvolle Tips für mich erhalten. Danke dafür.
    Jetzt bräuchte ich aber doch einen Rat von euch.
    Als erstes zu mir: erstes Mal Migräne mit 12 Jahren , ab ca. 20 Jahren 1-2 Mal im Jahr ( 400 Ibu und gut),ab 30 Jahre
    Zunahme der Migräne auf monatlich 1-2 mal, meist zuerst in der Pillenpause dann Pille abgesetzt und danach meistens kurz vor der Periode, während
    meiner beiden Schwangerschaften keine Migräne, ab 42 Jahre starke Zunahme der Attackenfrequenz, jezt bin ich fast 47 Jahre laut meiner
    Frauenärztin in den Wechseljahren ( Periode komplett unregelmässig) und die Migräne legt leider richtig los.
    aktueller Stand: 3 bis 5 Attacken pro Monat, manche kurz manche über 6 Tage( erst 3 Tage eine Seite, dann 3 Tage andere Seite)
    Medikamente: Sumatriptan 100, Rizatriptan, (selten Naratriptan), meist kombiniert mit 500mg Naproxen, manchmal 1000mg Aspirin
    Ibuprofen wirkt leider fast gar nicht mehr
    10/20 Regel halte ich strikt ein wobei ich viele Tage auch aushalte, würde ich wirklich jeden Tag behandeln käme ich
    an die Grenze
    ich würde gerne Magnesium nehmen, bekomme aber leider schon von geringsten Mengen starken Durchfall und Magenschmerzen
    Attackenverlauf: früher- kurz, heftig, mit erbrechen immer nach einigen Stunden vorbei
    momentan- Sprachprobleme( kann Wörter nicht richtig aussprechen), Schmerzen nicht mehr so stark aber dafür lange,
    das Schlimmste sind gar nicht mehr die Schmerzen sondern das Krankheitsgefühl. Ich zitter, friere, habe
    Durchfall, weine, sehe nur noch schwarz, oder bin komplett aggressiv und genervt, die Triptane wirken sehr gut
    aber leider nicht mehr über den ganzen Zeitraum, häufig Wiederkehrkopfschmerz
    jetzt aber zu meinen Fragen:
    1. Mein Neurologe möchte medikamentöse Prophylaxe beginnen. Und zwar Topiramat.
    2. Meine Frauenärztin möchte eine Hormonersatztherapie.( Hormone laut Hormonstatus komplett im Keller)

    Ich weiß nicht was ich machen soll. Irgendwo habe ich gelesen, dass Topiramat gar nicht mehr zuerst gegeben werden soll. Und Hormon
    ersatztherapie ja bei Migräne mit Aura auch nicht so gut ist. Was soll ich bloß machen? So wie es jetzt ist geht es nicht weiter, ich habe das Gefühl mein ganzes Leben geht den Bach runter.
    Was gibt man denn in der Schmerzklinik im Moment als Erstmedikament zur Prophylaxe? Soll ich überhaupt eine Prophylaxe beginnen, oder weiter „nur“ die einzelnen Attacken therapieren. Mein Neurologe ist auch hin und hergerissen. Er meint ich wäre ein Grenzfall. Wenn ich
    eine Prophylaxe probieren will , dann ist es für ihn ok, wenn nicht dann nicht.
    Ich nehme sonst keine anderen Medikamente,habe auch keine anderen Erkrankungen.

    3. soll ich auch Triptane nehmen, wenn die Schmerzen nicht so stark sind, aber dieses fürchterliche Gesamtkrankheitsgefühl da ist?
    4. macht es Sinn mal Mineralstoffe und Vitamine testen zu lassen?

    Vielen lieben Dank schon im Voraus.

    Semira

    Jasmin
    Participant
    Beitragsanzahl: 929

    Hallo semira,
    herzlich willkommen hier sage ich schon mal. Du hast den veauf gut verständlich beschrieben, interessanterweise könnte es fast meiner gewesen sein. In deinem Alter hatte ich genau diese langen Attacken mit 3 Tagen die eine, dann 3 Tage die andere Seite.
    Sobald du Probleme hast, die 10/20 Regel einzuhalten ist nach meinem Wissen in jedem Fall der Zeitpunkt für eine Prophylaxe gekommen. Nach meinem Stand versucht man erst Betablocker, dann Amitriptylin usw.
    Hormone haben es bei mir schlimmer gemacht, aber das ist bei jedem anders…
    Ich denke es melden sich noch andere.
    Bzgl. Magnesium kann ich z.b.kein Granulat oder Brausetabletten für den Magen vertragen, dafür kann ich migravent gut vertragen.
    Ich bin nun 62 und die hormonellen Schwankungen sind schon länger vorbei, die Migräne reagiert zum Glück sehr gut auf die Antikörper spritzen, davor versucht man aber erst vier andere Prophylaxen, bei chron.migrane plus Botox.
    Liebe Grüße
    Jasmin

    Auguste72
    Participant
    Beitragsanzahl: 222

    Hallo Semira und auch von mir ein herzliches Willkommen!

    Deine Schilderungen kommen mir leider sehr bekannt vor 😉

    Mich hat es selbst erst vor Kurzem hier ins Headbook getrieben, weil meine Migräne mir in den Wechseljahren so richtig zeigen will, was sie drauf hat. Ich versuche trotzdem einfach mal, auf Deine Fragen zu antworten:

    1. Mein Neurologe möchte medikamentöse Prophylaxe beginnen. Und zwar Topiramat.

    Soweit ich es inzwischen gelernt habe, ist das „alte Schule“ und nicht mehr aktuell als erste Prophylaxe. Prophylaxen der ersten Wahl sind eher Betablocker oder Amitriptylin. Meine Neurologin hat mir zuerst einen Betablocker verschrieben, weil der das geringste Nebenwirkungsprofil hat.

    2. Meine Frauenärztin möchte eine Hormonersatztherapie.( Hormone laut Hormonstatus komplett im Keller)

    Wurde der Hormonstatus mehrfach zu verschiedenen Zykluszeitpunkten überprüft? Die Hormone schwanken in den Wechseljahren stark. Wenn sie an einem Tag tief sind, können sie am nächsten Tag wieder höher sein. Die einmalige Bestimmung ist nur eine „Momentaufnahme“ mit wenig Aussagekraft. Wenn Du Wechseljahresbeschwerden hast, die Du mittels Hormontherapie lindern möchtest, dann könnte man die Hormonersatztherapie versuchen.

    Aber: Bei Migräne mit Aura sind Östrogene eigentlich kontraindiziert, da ein (leicht) erhöhtes Risiko für Schlaganfälle besteht. Meine Gynäkologin verschreibt mir deswegen kein Östrogen (egal in welcher Form). Nach Abwägung des persönlichen Riskos könnte Frau trotzdem ein östrogenhaltiges Präparat versuchen, wenn die Gyn bereit ist, es zu verschreiben. Das kann gut gehen, kann sich auch positiv auf die Migräne auswirken, kann sie aber auch verschlimmern.

    3. soll ich auch Triptane nehmen, wenn die Schmerzen nicht so stark sind, aber dieses fürchterliche Gesamtkrankheitsgefühl da ist?

    Auch da musst Du nach persönlichem Empfinden entscheiden und ob Du dann auch noch die 10/20-Regel einhalten kannst. Ich nehme durchaus auch bei weniger starken Schmerzen schon ein Triptan, wenn ich mich insgesamt sehr schlecht fühle und nicht erst wenn der Kopf platzt 😉 . Wichtig: Triptan niemals während der Aura nehmen. Immer erst wenn die Aura vorbei ist.

    4. macht es Sinn mal Mineralstoffe und Vitamine testen zu lassen?

    Dazu kann ich nicht viel sagen. Meine miesen Eisenwerte hatten jedenfalls keinen Einfluss auf die Migräne. Aber da findet sich sicher noch jemand, der sich damit auskennt. 🙂

    Ob Du Dich für eine Prophylaxe entscheidest oder Hormone probieren möchtest oder erst mal nichts davon machst, kannst Du nur selbst entscheiden. Die Frage ist, wie hoch Dein persönlicher Leidensdruck ist. Auf jeden Fall solltest Du nicht Hormone und medikamentöse Prophylaxe gleichzeitig ausprobieren, sondern dich erstmal für eins entscheiden und das andere ggf. danach testen, um Wirkungen und Nebenwirkungen dem jeweiligen Medikament zuordnen zu können.

    Wenn Du schon länger hier mitliest, kennst Du sicher schon das Migränewissen, welches Du hier auf der Seite rechts in der Sidebar findest. Es lohnt sich trotzdem, dort immer mal wieder zu stöbern, wenn man nicht mehr weiter weiß. Dort stehen auch Tipps zur nicht medikamentösen Migräne-Prophylaxe wie regelmäßige Entspannung, regelmäßiger Tagesablauf, regelmäßige Mahlzeiten, (Kohenhydrate!), leichter Ausdauersport usw. Wenn Du im Moment so ein „Grenzfall“ bist, könntest Du auch erst mal schauen, ob Du da noch Optimierungspotential hast, bevor Du Dich für eine medikamentöse Prophylaxe entscheidest.

    Das ist alles nicht einfach und ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es Dir gerade wohl geht. Je mehr Du über die Migräne weißt, umso besser kannst Du mit Deinen Ärzten reden. Dafür ist die Seite der Schmerzklinik und ganz besonders das Headbook eine wahre Goldgrube, in der Du bei Fragen und Problemen immer schürfen solltest. 🙂

    Liebe Grüße
    Auguste

    Semira
    Participant
    Beitragsanzahl: 3

    Hallo liebe Jasmin und liebe Auguste,

    vielen Dank für eure Rückmeldungen und eure guten Tips. Leider hatte ich gerade wieder so eine 3 rechts 3 links Attacke und bin
    erst seit gestern Mittag wieder Schmerzfrei.
    Ich habe mir eure beiden Verläufe jetzt durchgelesen und bin wirklich erstaunt wieviel Ähnlichkeiten es gibt.
    Über das weitere Vorgehen bei meiner Migräne bin ich mir immer noch unsicher, aber ich denke das Topiramat wird erstmal
    bei mir nicht zum Einsatz kommen. Irgendwie habe ich ungeheuren Respekt ein Antikonvulsivum zu nehmen wenn ich keine Epilepsie habe. Ich denke ich werde wahrscheinlich einen Versuch mit einer reinen Gestagenpille starten.
    Zum Glück habe ich eh bald einen Termin bei meiner Frauenärztin und kann dann das nochmal abklären.
    Meinen Neurologen sehe ich erst im November wieder. Er ist sehr nett und ich verstehe mich gut mit ihm. Aber ich glaube er ist
    nicht direkt auf Migräne spezialisiert. Dafür jedoch kann ich mit ihm auf Augenhöhe reden.
    Ich denke auch im Bereich der nichtmedikamentösen Vorbeugung gibt es noch Potenzial bei mir. Aber mit 2 Söhnen in der Pubertät, plus
    Mann und Job (in einer Grundschule) ist schon immer recht viel Action geboten.
    Ich bin sooooo froh dieses Forum gefunden zu haben. Es hilft mir wirklich sehr. Auch wenn es mir wieder so schlecht geht und ich nur
    kurz hier lese und mir sagen kann“ du bist nicht allein, es gibt auch andere die zu kämpfen haben“.
    Ich gebe auf alle Fälle Bescheid wie es weitergeht mit mir.
    Liebe Grüße
    Semira

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34373

    Herzlich willkommen, liebe Semira. 🙂

    Du hast jetzt schon super Tipps und Erklärungen erhalten.

    Ich würde auch nicht direkt mit Topamax starten. Das würde Sinn machen, wenn Du sehr starke Auren hast, die extrem behindern. Betablocker sind Mittel der 1. Wahl und in aller Regel gut verträglich. Sie können sogar schon Kindern zur Migräneprophylaxe verschrieben werden.

    Beim Magnesium probiere Dich einfach mal durch, irgend eines wirst Du sicher vertragen.

    Ähnlichkeiten wirst Du wohl bei den meisten von uns finden. 😉 Migräne ist eine progredient verlaufende Erkrankung und nimmt bei den meisten im Laufe des Lebens zu. Erst im Alter wird sie bei den meisten wieder rückläufig.

    Ich denke ich werde wahrscheinlich einen Versuch mit einer reinen Gestagenpille starten.

    Das macht Sinn, vielleicht reicht sie schon als alleinige Prophylaxe aus.

    Liebe Grüße
    Bettina

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