Mein persönlicher Schmerzverlauf2024-12-22T21:09:57+01:00

Mein persönlicher Schmerzverlauf

Mein schmerzfreier Schmerzverlauf

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  • J. P.
    Participant
    Beitragsanzahl: 11

    Nachdem ich hier schon lange still mitlese, stelle ich meinen Weg nun auch kurz vor.
    Mit 56 Jahren hatte ich einen (genauer: zwei innerhalb von 24 Stunden aufeinander folgende) Schlaganfall.
    Dank der rechtzeitigen Lyse ist nur wenig Schaden davon geblieben.
    Etwa drei Monate nach dem Schlaganfall (es wurde intermittierendes Vorhofflimmern entdeckt und seit dem nehme ich Pradaxa sowie verschiedene Blutdrucksenker) traten unvermittelt Sehstörungen in Form von Flimmerskotomen linksseitig auf. Die Stroke Unit wertete dies als TIA mit einer Stenose Arteria Posterior P2/P3, was der zuständige Oberarzt allerdings nicht teilte. Eine Diagnose hatte er aber nicht für mich.
    Seit dem (3 Jahre) hatte ich ca. 380 Auren, zu 99% im linken Gesichtsfeld. Die Häufigkeit schwankt von eine im Monat bis ca. 30 im Monat. Keine nachfolgenden Kopfschmerzen.
    Die Fachklinik für Neurologie (durch DRV wegen der Einschätzung meiner Arbeitsfähigkeit 2022 für 7 Wochen angeregt) hatte ebenfalls keine Diagnose.
    Der nachsorgende Neurologe schließt Migräne aus, hat aber auch keine Diagnose.
    Der behandelnde Hausarzt hält eine weitere Abklärung für sehr sinnvoll, sieht diese aber beim behandelnden Neurologen als Facharzt. Der schließt, wie oben geschrieben, Migräne aus und sagt, dass bei ca. 50% der Patienten mit dieser Symptomatik keine Ursache gefunden wird.
    Insgesamt für mich nach dem Schlaganfall eine unschöne Situation, da eine Aura an sich ja schon recht angsteinflößend ist und mir natürlich permanent und bei jeder Aura die Furcht vor einem Rezidiv im Kopf herumgeistert.

    Das Forum ist für mich sehr hilfreich, da ich hier von einigen Mitgliedern lesen konnte, dass es ihnen ähnlich geht und das beruhigt mich dann wieder etwas.

    Gruß und frohes neue Jahr, Jan

    glückdererde
    Participant
    Beitragsanzahl: 884

    Hallo Jan,

    zuerst einmal herzlich willkommen hier bei Headbook.

    In der Tat: Auren sind beängstigende Erscheinungen. Und vor dem Hintergrund potentiell ja traumatisierender Ereignisse wie einem stattgefundenen Schlaganfall sind Auren noch einmal erschreckender.

    Zuerst einmal wäre es schön, wenn Du die Auren genauer beschreiben würdest. Ganz besonders wäre die Dauer der Aura wichtig.
    Dann würde mich sehr interessieren, ob bei Dir ein persistierendes Foramen ovale ausgeschlossen worden ist, bzw. ob zur entsprechenden Diagnostik mal ein Schluckecho des Herzens stattgefunden hat.

    Wie der ’nachsorgende‘ Neurologe eine Migräne ausgeschlossen hat, würde mich auch interessieren. Als Verdachstdiagnose kann man bei Dir eine isolierte Aura vermuten (wurde füher ‚migraine sans migraine‘ genannt). Das ist eine Migräneform, bei der eine Aura auftritt, die bei manchen von entsprechenden Kopfschmerzen gefolgt wird. Andere haben ausschliesslich die Aura ohne nachfolgende Kopfschmerzen. Die Auren sind dabei meist (aber nicht immer) einseitig und dauern in der Regel (aber nicht immer) nicht länger als 30 Minuten (höchstens eine Stunde). Da die isolierte Aura bei entsprechender und passender Symptomatik eine Ausschlussdiagnose darstellt (das heißt andere ursächliche Krankheiten konnten nicht festgestellt werden) kann man eine isolierte Aura gar nicht ausschliessen (bei entsprechender Symptomatik), wenn man keine andere Ursache findet.

    Vielleicht suchst Du Dir einen anderen Neurologen?

    Ein persistierendes Foramen ovale ist neben Vorhofflimmern einer der häufigsten Gründe für Schlaganfälle. Das Foramen ovale steht aber auch in engem Zusammenhang mit dem verstärkten Auftreten von Migräneauren. Man kann ja beides haben: vorhofflimmern und ein Foramen ovale.

    Solltest Du tatsächlich eine Migräneaura haben, so kann man die nicht-medikamentös prophylaktisch genauso behandeln, wie eine Migräne. Sieh hierzu bitte beim Link der Seite der Schmerzklinik zu Migränewissen.

    Medikamentös kann man eine isolierte Aura prophylaktisch sehr gut zum Beispiel mit Lamotrigin behandeln.

    Also:
    1. abklären ob eine Diagnostik zum Foramen ovale stattgefunden hat. Wenn nicht, den Hausarzt darauf ansprechen und bei so häufigen Auren dann auch tatsächlich ein Schluckecho machen lassen.
    2. Mittelfristige verhaltensbezogene Migräneprophylaxe (Ernährung, Bewegung, Ruhe Entspannungsverfahren etc.) anwenden.
    3. Einen neuen Neurologen suchen und diesen auf die isolierte Aura und Lamotrigin gezielt ansprechen.

    Alles Gute

    J. P.
    Participant
    Beitragsanzahl: 11

    Hallo glückdererde,
    ich danke Dir für die lange Antwort!
    Meine Sehstörungen dauern von (selten) wenigen über (meist) 20 – 30 Minuten bis (sehr selten) eine knappe Stunde. Sie sind in der Ausprägung und den Erscheinungen unterschiedlich, aber immer mit Fortifikationen und Stellen, an denen ich dann nichts sehen kann. Wie in den Videos der app und aus dem Netz. Die Frequenz liegt bei 10 Hz.
    Mein Herz wurde nach dem Schlaganfall untersucht und ist in Ordnung.
    Warum der Neurologe Migräne ausschliesst, hat er mir nicht gesagt, nur dass bei ca. 50% der betroffenen Patienten keine Ursache für die Sehstörungen gefunden wird.
    Nachdem ich von der Stroke Unit (bis auf den Arzt mit der Stenose), dem Neurologischen Rehabilitationszentrum und meinem Neurologen prinzipiell gleiche Nicht – Diagnosen bekommen habe, verspreche ich mir relativ wenig bis nichts von einem weiteren Arzt. Es scheint ja in der Tat so zu sein, dass diese Sehstörungen meinem Kopf keinen Schaden zufügen, was meine größte Sorge ist/war.
    Obgleich ich relativ akribisch dokumentiete, wann und unter welchen Umständen die Sehstörungen auftreten, konnte ich keine Auslöser im Sinne von Gerüchen, Lebensmitteln oder Wetter ausmachen. Einzig Stress und Anspannumg scheinen einen nachvollziehbaren Einfluss zu haben.

    Da ich mit den Medikamenten nach dem Schlaganfall schon viele Probleme hatte (Statine, Ramipril und Amlodipin), würde ich mich vermutlich lieber mit den Sehstörungen arrangieren, als wieder eine Nebenwirkungsrally zu starten.
    Mich würde viel mehr intetessieren, warum ich im zarten Alter von 56 Jahren plötzlich diese Sehstörungen/Migräneform entwickelt habe, mehr Hintergrund über dieses Phänomen erfahren und dadurch Gelassenheit erlangen…

    Beste Grüße,
    Jan

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 9 months von J. P. bearbeitet.
    glückdererde
    Participant
    Beitragsanzahl: 884

    Hallo Jan,

    die von Dir geschilderte Symptomatik stimmt sowohl von der Art als auch von der Dauer her mit den Kriterien einer isolierten Aura überein. Da andere Ursachen ausgeschlossen sind, kannst Du davon ausgehen, dass diese Diagnose dann auch steht.

    Bezüglich der Aussage des Neurologen liegt eventuell ein Missverständnis vor: bei vielen (gerade auch neurologischen) Krankheiten kann man keine Ursache in Form eines veränderten Blutbildes oder einer Bildgebung finden. Die Diagnose wird dann auf Grund der Symptomatik und der Tatsache gestellt, dass andere mögliche Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Das ist ein ganz normales Vorgehen.

    Die Einschätzung, dass eine unbehandelte chronische isolierte Aura oder Migräne keine Langzeitfolgen hätte, teile ich nicht. Langzeitfolgen können psychische Veränderungen sein (Du schilderst bereits Ängste), soziale und berufliche Folgen sowie eine größere Wahrscheinlichkeit der Verfestigung der Chronifizierung. Es gibt auch Zusammenhänge mit dem Auftreten von Schlaganfällen und chronischer Migräne. Genaue Zusammenhänge sind diesbezüglich aber noch nicht genau erforscht.

    Man muss natürlich immer abwägen, ob eine Nebenwirkung eines Medikaments eventuell mal so stark sein kann, dass man es nicht mehr nimmt. Die Einnahme von unbekannten sinnvollen Medikamenten aber abzulehnen, weil sie eventuell irgendwelche Nebenwirkungen haben könnten, ist entweder nur unvernünftig oder bereits ein Ausdruck einer bestehenden Angsterkrankung.

    Bezüglich Deiner Frage, warum Du mit 56 plötzlich eine Migräneaura bekommst gibt es zwei mögliche Antworten: Weil Du die Disposition zur Migräne hast und sich der Körper eben auch verändert. Eines weiteren Grundes bedarf es nicht und die Suche ist ein verständlicher Ausdruck die Symptomatik unter Kontrolle zu bekommen. Theoretisch möglich (aufgrund des zeitlichen Zusammenhanges) ist aber auch das Auftreten des Vorhofflimmerns und der notwenigen Einnahme des Blutverdünners. Es ist bekannt, dass (sehr grob gesprochen) alle Veränderungen in den arteriellen Druckverhältnissen des Herzens Migräneauren begünstigen können.

    Alles Gute

    J. P.
    Participant
    Beitragsanzahl: 11

    Hallo glückdererde,
    ich danke Dir für die Antwort.
    Die Aussage des Neurologen war explizit, dass es sich nicht um Migräne handelt, er aber auch keine andere Diagnose hätte. Das sei eben bei etwa der Hälfte der Patienten mit dieser Symptomatik so.

    Eine Aura ist ohne Frage eine angsteinflössende Erscheinung, mit der ich mich aber arrangieren könnte. Nur deswegen möchte ich entsprechend zur Zeit kein weiteres Medikament nehmen und dadurch die gerade wieder erreichte Beschwerdearmut meines Körpers aufs Spiel setzen. Also weder Unvernunft, noch Angstsymptomatik. Die undefinierte Ursache dieser Symptomatik hingegen macht mir grossen Kummer.
    Ich hätte mir gewünscht, mehr Informationen zu – zwar vielleicht noch nicht vollumfänglich erforscht und verstandenen, aber doch erkannten – Zusammenhängen zu bekommen. Die Aussage mit den veränderten arteriellen Druckverhältnissen finde ich beispielsweise spannend, da mein Blutdruck kurz vor/in der Zeit der ersten Aura von 180mm/Hg systolisch auf 120 abgesenkt wurde.
    Aber ich habe halt gar keine Aussage zu den Ursachen erhalten…

    Beste Grüße, Jan

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 9 months von J. P. bearbeitet.
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