Mein persönlicher Schmerzverlauf2024-12-22T21:09:57+01:00

Mein persönlicher Schmerzverlauf

Neuvorstellung Sara / Nordlicht 423, noch ganz neu in der Welt der Migräne

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  • Nordlicht423
    Participant
    Beitragsanzahl: 1

    Hallo Zusammen,
    mein Name ist Sara und ich bin Mitte 30. Seit gut 3 Monaten habe ich nun die Diagnose Migräne und habe nun nach jahrelanger Ursachenforschung für meine Kopfschmerzen nun endlich einen Namen für das „Kind“.

    Kopfschmerzen habe ich seit ich Anfang 20 bin und seit dem 30. Lebensjahr deutlich vermehrt. Seit Jahren habe ich nach der Ursache gesucht und bin vom Hausarzt, zum Orthopäden und zum Zahnarzt gerannt. Beim Orthopäden wurde eine leichte Haltungsstörung festgestellt und Verspannungen. Dann gab es Physiotherapie, aber die Kopfschmerzen kamen wieder. Mir wurde dann beim Zahnarzt eine schiene verschrieben, weil ich Knirsche und beiße. Auch diese Therapie zeigte langfristig leider keinen Erfolg.

    Ich war dann so resigniert, dass ich einfach Tabletten eingeworfen habe und mich nicht weiter damit beschäftigen wollte. Dies hat dank Ibuprofen und Thomapyrin auch einige Zeit gut funktioniert. Aber es gab immer mal Tage, wo die Medikamente nicht geholfen haben und ich mich mit schmerzen und Übelkeit durch den Arbeitstag geschleppt habe. Man muss es ja einfach aushalten…

    Letztes Jahr wurden die Tage, an denen es mir nicht gut ging und die Medikamente nicht halfen mehr. Ich habe dann auf Rat der Apothekerin angefangen ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Das war im Oktober. Ende November habe ich mich nochmals überwunden und bin mit der Problematik nochmal beim Hausarzt vorstellig geworden.
    Dieser stellte mir ein paar Fragen und die Diagnose Migräne kam ins Spiel. Viel Erklärungen habe ich nicht bekommen. Nur ein Rezept für Sumatriptan- das ich nehmen sollte, sobald ich wieder Kopfschmerzen bekomme.

    Bei der nächsten Attacke habe ich dann das Sumatriptan genommen und es hat mir sehr gut geholfen. Es war sehr schön, endlich fast Schmerzfrei durch den Tag zu kommen und auch die begleitenden Nackenschmerzen verschwanden mit dem Triptan.

    Nun ist das Problem, dass ich während meiner Periode immer eine ziemlich lange Attacke habe. Meist erst 3 Tage linksseitig, dann 1 Tag Pause und nochmal 2 Tage rechtsseitig. Hinzu kommen dann noch ca. 2 Attacken im Monat mit Aura und teilweise noch Attacken ohne Aura mit mittelschwerem Schmerz. Die Migräne während der Periode ist immer am stärksten.

    Ich komme so also meist auf 12-16 schmerztage im Monat. Und die kann ich ja nicht mit Schmerzmitteln abdecken.
    Wie geht man nun weiter vor? Darauf hoffen, dass der Hausarzt weitere Möglichkeiten aufzeigt oder einen Neurologen aufsuchen? Die Fachärzte sind ja leider sehr gut ausgelastet und da bin ich mir unsicher, ob „nur eine Migräne“ da nicht zu wenig ist.

    Ich würde mich über ein paar Tipps von euch freuen, da die persönlichen Erfahrungen einen meist besser weiterhelfen als kurze Arztgespräche

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7221

    Liebe Sara,

    herzlich willkommen in Headbook!

    Unser Austausch hier ist tatsächlich sehr wertvoll, weil wir sozusagen aus der Praxis für die Praxis austauschen. Ärzte können sich oft nicht die Zeit nehmen, sich ausführlich mit den individuellen Begebenheiten auseinanderzusetzen. Aber viele geben ihr Bestes. Wir hätten eine bessere ärztliche Versorgung, wenn die Entlohnung sich nach dem Aufwand richten würde und Beratungszeit angemessen entlohnt würde.

    Kennst du den super guten Patientenratgeber von Prof. Göbel „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“? Darin findet man alle Infos, die man als betroffene Person wissen muss, und das alles gut verständlich erklärt. Den würde ich dir sehr empfehlen.

    Da du weißt, dass man 12-16 Schmerztage nicht mit Triptanen oder Schmerzmitteln abdecken sollte, gehe ich davon aus, dass du die 10-/20-Regel kennst. Behandelt man dauerhaft zu oft, also an mehr als 10 Tagen pro Monat, kann man einen MÜK entwickeln, einen Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz.
    Wobei die 10 Tage eine bewährte Regel sind, auch das kann sich individuell unterscheiden. Manche vertragen mehr, manche leider aber auch weniger Tage, bis ein MÜK entsteht. Monopräparate wie Ibuprofen führen übrigens weniger schnell in einen MÜK als gemischte Präparate wie Thomapyrin.

    Wurde bei dir jemals über eine medikamentöse Prophylaxe gesprochen? Diese ist immer dann angezeigt, wenn Triptane oder Schmerzmittel nicht gut wirken oder eben die Schmerztage zu viele sind, um immer mit Akutmedikamenten behandeln zu können. Das wäre ein Thema, das ich an deiner Stelle zuerst angehen würde.

    Ich selber bin auch bei weit über 10 Migränetagen pro Monat. Ich hebe mir die Triptantage für wichtige Termine oder intensive Arbeitszeiten auf. Ansonsten halte ich hin und wieder die Schmerzen halt aus, bevorzugt am Wochenende. Nachts nehme ich dann Dimenhydrinat zum Schlafen, das ist eigentlich ein Medikament gegen Reiseübelkeit, doch es kann angenehm müde machen und beim Schlafen helfen. Die 150mg Vomex-Zäpfchen wirken bei mir besonders intensiv, da kann ich auch mit Schmerzen ein paar Stunden schlafen.

    Bei dir würden sich die mittelstarken Migräneattacken zum Aushalten anbieten. Die Migräne rund um die Menstruation verläuft bei den meisten Frauen besonders heftig, da würde ich dann auf jeden Fall immer behandeln.

    Ich würde mir auf jeden Fall einen Neurologen suchen. Die haben auch ein höheres Budget zur Verfügung, wenn es um die Verschreibung von teureren Medikamenten geht. Auch wenn du eine lange Wartezeit hast und man manchmal auch ein wenig suchen muss, bis man einen guten Neurologen findet, es lohnt sich immer.

    Lieber Gruß
    Heika

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7221

    Und dann schau mal hier nach, da findest du auch ganz viele wertvolle Infos, der Link „Migränewissen“ ist auf der Startseite rechts unten zu finden:

    https://schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/migraene-wissen/

    Kakao
    Participant
    Beitragsanzahl: 15

    Liebes Nordlicht,

    Wie schön, dass du dieses Forum gefunden hast. Ich bin auch erst seit Kurzem hier und ich habe schon so viel gelernt und Unterstützung erfahren.

    Gut, dass du endlich eine passende Diagnose erhalten hast! Das ist doch der erste Schritt.

    Der zweite Schritt ist informieren – wie du es hier und mit deinem Kopfschmerzkalender tust :). Kennst du auch die Informationen für Patienten auf der Website der Klinik Kiel? Und Herrn Göbels Buch „erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“? Das Buch hat mir so geholfen und liegt grade auch wieder vor mir.

    Zum Auslöser Menstruation: Könntest du Frovatriptan anstatt von Sumatriptan ausprobieren? Das hat eine Halbwertszeit von 26 (?) Stunden, wirkt also sehr lange, und am Längsten von allen Triptanen. Nicht so lange wie du bräuchtest, aber vielleicht eine Verbesserung.
    Ich habe selber keine lang anhaltenden Migräneattacken durch Menstruation, aber Andere im Forum schon, die können dir bestimmt noch weiter helfen.

    Wie du richtig sagst, hast du mehr Attackentage, als du mit Triptanen abdecken kannst. Deshalb würde ich deinen Arzt auch nach einer medikamentösen Prophylaxe fragen. Ein Medikament, das man täglich einnimmt, und Attacken reduziert und weniger schwerwiegend macht.

    Ich würde mich auch nicht scheuen, den nächsten Termin bei deinem Hausarzt oder einem Neurologen zu machen. Ich glaube „nur Migräne“ gibt es nicht – also nicht physisch. Es ist ein soziales Konstrukt, das in vielen Köpfen (auch mancher Ärzt*innen) steckt. Migräne mindert die Lebensqualität. Migräne senkt die Leistungsfähigkeit. Migräne behindert. Hast du denn bei deinem Hausarzt ein gutes Gefühl? Ist er oder sie kompetent?

    Ich würde auf jeden Fall gut informiert in die Praxis gehen (über die verschiedenen Triptane, die verschiedenen Prophylaxen) – und dann siehst du ja, ob dein Arzt oder deine Ärztin gut informiert ist und dich ernst nimmt oder mit ‚Blödsinn‘ abspeist.

    Alles Gute!

    Kakao
    Participant
    Beitragsanzahl: 15

    Ups Heika, da habe ich geschrieben, während du schon unterwegs warst! Sorry für die Wiederholung!

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7221

    Doppelt gemoppelt, liebe Kakao, hält bekanntlich besser. 🙂
    Problemetisch wäre es erst, wenn wir uns deutlich widersprechen würden. Verstärken und ergänzen dagegen sind doch prima.

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7221

    Liebe Sara,

    ich selber nehme das von Kakao erwähnte, langwirkende Frovatriptan, das bei meinen 2-3 tägigen Migräneattacken meist mit einer Einnahme am ersten Tag ausreicht.
    Man sollte bei diesem Triptan bedenken, dass die Wirkung erst etwas später einsetzt, bei mir sind das ca. 2-3 Stunden. Für sehr aggressive, sich schnell hochschaukelnde Attacken also weniger geeignet. Und man sollte es auf jeden Fall früh genug einnehmen.

    Migräne ist eine genetisch bedingte, neurologische Erkankung, die mit einer Reizverarbeitungsstörung der Nervenzellen einhergeht. Wir können Reize nicht so gut filtern wie gesunde Menschen, was zu einem Zusammenbruch des Energieversorungssystems im Gehirn führt und eine Migräneattacke auslösen kann.

    Migräne ist eine schwer beeinträchtigende Erkrankung. Es ist auf keinen Fall „nur“ Migräne.
    Und bei deiner hohen Frequenz und deinen teils starken Attacken bist du insgesamt sehr eingeschränkt in deinem Alltag, so dass es umso wichtiger ist, dass du ärztlich gut versorgt wirst und ein gutes Behandlungskonzept an die Hand bekommst.
    Damit du trotz deiner Erkrankung, die man weder heilen noch wegzaubern kann, so viel Lebensqualität wie möglich erhalten kannst.

    Lieber Gruß
    Heika

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34374

    Auch von mir ein herzliches Willkommen im Headbook, liebe Sara. 🙂

    Die Migräne während der Periode ist immer am stärksten.

    Das war bei mir auch so! Du hast schon einige gute Empfehlungen erhalten. Aber vielleicht testest Du für diese lange und starken Attacken auch mal Eletriptan (Relpax), denn es wirkt lange und stark. So oder so wirst Du Dich eh mal ein wenig durchtesten müssen, was für Dich persönlich am meisten Sinn macht.

    Auch wenn Neurologen ausgelastet sind, vereinbare trotzdem schon mal in einer Praxis (sie sollten Kopfschmerzen zumindest im Behandlungsspektrum auslisten 😉 ) einen Termin, dass Du zumindest in einigen Monaten mal drankommst.

    Wir bieten von der Schmerzklinik aus auch eine kostenlose Migräne-App an, Downloadlink siehst Du rechts in der Sidebar.

    Lieben Grüße
    Bettina

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