Mein persönlicher Schmerzverlauf2024-12-22T21:09:57+01:00

Mein persönlicher Schmerzverlauf

Verzwiefelt, Migräne und nun Darmbeschwerden (Trina Roll)

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  • Trina
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    Hallo zusammen,

    ich heiße Trina, bin 52 Jahre alt, wohne in der Eifel in Rheinland-Pfalz und komme ursprünglich aus Kanada. Vor einer Weile habe ich Headbook gefunden und möchte mich gern vorstellen.

    Seit ich ca. 18 bin, leide ich an Migräne – damals immer zusammen mit der monatlichen Regel. Seit ich 40 bin, sind die Attacken heftiger geworden (bis zu 12-15 pro Monat).
    Die Migräne kommt in 3-Tages-Zyklen. Ich versuche, maximal 2 Triptane pro Zyklus zu nehmen. Ich schleppe mich zur Arbeit und liege danach sofort ins Bett. Mein Familienleben leidet, weil ich alle Energie aufwende, um meine Arbeitsstelle zu behalten. Mit 20–30 Jahren konnte ich noch Vollzeit arbeiten, heute geht nur noch eine halbe Stelle.

    Die Migräneattacken äußern sich mit pulsierenden Schmerzen auf der linken Seite, meist hinter dem linken Auge. Sie beginnen immer mit Rückenschmerzen zwischen den Schulterblättern und einer Aura am linken Auge. Trotz Orthopädie, Physio und Rehasport bleibt es so.

    Zu den Symptomen gehören: tränende Augen, häufiges Gähnen, Sprachstörungen, Geruchs-, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Rückenschmerzen, Verspannungen in Schulter, Nacken und Rücken, Hungerattacken und Reizbarkeit. Dazu habe ich Tinnitus in der Rechte Ohr.

    Als ich schwanger war, hatte ich keine Migräne – nur Aura ohne Schmerzen. Ich wäre am liebsten wieder schwanger, aber in meinem Alter ist das natürlich keine Option!

    Zu den nicht-medikamentösen Hilfsmittel benutzte ich ätherische Öle (Minze und Lavendel), Gelsenium Globuli (für die Rucken/Nackenschmerzen), Tigerbalm oder Öl für die Stern. Sport mache ich sooft wie ich kann.

    Hier zu Verlauf mit Ärtzin:

    o Eine Hausärztin nannte meine Migräne „nur psychische Probleme“.

    o Ich habe mich selbst in 2015 in einer Schmerzklinik in Trier angemeldet, wo mir eine Liste erstellt wurde, was ich ausprobieren sollte (Akupunktur, manuelle Therapie, Triptane für die Attacken). Das war endlich eine Hilfe, und man empfahl mir, einen Neurologen zu suchen.

    o 2017 fand ich einen Neurologen, der mir eine Prophylaxe (Topiramat und Amitriptylin) verschrieb. Leider ging er schon 2018 in Rente.

    o Seine Nachfolgerin hatte meiner Meinung nach keine Ahnung von Migränepatienten. Ihre erste Empfehlung war Yoga, und sie wollte alle Medikamente absetzen.

    o 2019 bekam ich starke Nebenwirkungen von Topiramat und Amitriptylin (Schwindel, Gedächtnisstörungen, Herzrasen und ich entwickelte eine Depression).

    o Nach dem Absetzen (mit häufigen Entzugserscheinungen) musste ich 6 Monate nur mit Rizatriptan 10 mg zurechtkommen.

    o Danach probierte ich zweimal Erenumab. Im ersten Monat war ich fast schmerzfrei (keine Migräne!), aber ab dem zweiten und dritten Mal ließ die Wirkung deutlich nach.

    o Immerhin konnte ich sagen, dass die Attacken von 8–12 im Monat auf 4–6 reduziert waren. Trotzdem setzte die Neurologin das Medikament ohne Begründung ab – vielleicht wegen der Krankenkasse?

    o Anfang 2023 erzählte sie mir von einem „neuen Wundermittel“ – der Yvepti-Infusion. Wir starteten die Therapie. Im ersten Monat hatte ich nur 1–2 Attacken, danach stieg die Zahl aber wieder an, bis ich im „Infusions-Monat“ wieder bei 8 Attacken war.

    o Bei jeder Infusion erwähnte sie, wie teuer dieses Medikament sei und wie viel Glück ich habe, es ausprobieren zu dürfen. Nach drei Infusionen wurde auch Yvepti wieder abgesetzt – ohne Erklärung.

    o Während der Infusion bekam ich sehr hohen Blutdruck (200/140) und wurde schließlich einfach aus der Praxis entlassen.

    o Im August 2024, sechs Monate nach der letzten Infusion, stieg die Zahl meiner Migräneattacken wieder auf mindestens 12 pro Monat. Zusätzlich bekam ich starke Blähungen, extreme Müdigkeit, Erschöpfung und Wassereinlagerungen.

    o Im September 2024 wurde ich nach einer Darmspiegelung zweimal notoperiert, weil ich eine Darmperforation, Teil Darmentfernung, und eine Narbe die fast 30 cm lang ist, erlitten hatte. Seitdem leide ich nicht nur an Migräne, sondern auch an Darmbeschwerden und Unterleibsschmerzen. Es gibt keine Erklärung, warum es zu der Perforation kam – die Stelle, an der sie gefunden wurde, war nicht dort, wo die Spiegelung durchgeführt wurde.

    o Im November 2024 war ich im Schmerzzentrum in Mainz. Hilfreich war, dass ich dort von MÜKs weggekommen bin. Leider führte die Cortisontherapie zu erneut extrem hohem Blutdruck. Ein paar Tipps zum Entspannen und Dehnen habe ich mitgenommen, auch Eisreiben finde ich hilfreich für die Entspannung– aber Ruhe vor der Migräne habe ich immer noch nicht.

    o Ich war 6 Monate krankgeschrieben wegen der Operationen. Der Darmbereich heilt immer noch.

    o Da in Trier keine Neurologen Migränepatienten aufnehmen, fahre ich jetzt nach Mainz, was für mich mindestens 2,5 Stunde eine Richtung dauert.

    o Der Neurologe dort probierte Botox. Nach dem dritten Mal zeigte sich aber keine Wirkung mehr. Hilfe!

    o Ich warte nun auf eine Rückmeldung für eine Reha wegen der Darmgeschichte.

    Der Neurologe möchte die Antikörper-Therapie noch einmal bei mir probieren. Da ich anfangs eine gute Wirkung hatte, ist das ein gutes Zeichen. Allerdings gibt es die Sorge wegen der unklaren Darmbeschwerden und dem Risiko einer erneuten Darmperforation.

    Ich bin nun komplett verzweifelt.
    Hier kommen meine Fragen an euch:

    o Kann jemand sagen, ob starke Darmbeschwerden im Zusammenhang mit einer Antikörper-Therapie stehen können? Ich habe keine Verstopfung bemerkt, als ich 2023 Yvepti bekam, aber nach 6 Monaten fingen Blähungen, Schmerzen und ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung an.
    o Hat jemand gute Erfahrungen mit Cefaly gemacht? Bringt es etwas? Ich habe ein TENS-Gerät für Nacken- und Schulternverspannungen, das teilweise hilft – aber die Migräne kommt trotzdem.
    o Warum bekomme ich bei Migräne Symptome wie bei Allergien?(Ich habe auch starke Allergien.)

    Auf eure Rückmeldung wäre ich sehr dankbar!

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7220

    Hallo Trina,

    herzlich willkommen im Headbook!

    Es ist sehr hilfreich, dass du uns deinen Verlauf so ausführlich geschildert hast, so bekommt man einen guten Einblick. Dass du inzwischen verzweifelt bist, ist sehr verständlich. Du hast nicht nur mit deinem schweren Migräneverlauf, sondern nun auch noch mit deinen Darmproblemen zu kämpfen, das alles kostet unendlich viel Kraft.

    Migräne ist eine genetisch bedingte, neurologische Erkrankung, die mit einer Reizübertragungsstörung des Nervensystems einhergeht. Wir können Reize nicht so gut filtern wie Gesunde, so dass die Energieversorgung im Gehirn zusammenbricht und zu den Migräneschmerzen führt.
    Daran werde gewisse Therapien wie Physiotherapie, Akupunktur, u.ä.nichts ändern können.

    Führst du einen Kopfschmerzkalender?

    Kennst du die 10-/20-Regel, dass man an maximal 10 Tagen pro Monat behandeln darf und nicht darüber hinaus?

    Kennst du das Buch von Prof. Göbel „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“? Das würde ich dir in jedem Fall empfehlen, weil es dir viel Wissen und damit Sicherheit im Umgang mit deiner Migräneerkrankung geben wird.
    Du könntest dich auch rechts unten auf der Headbook-Startseite unter dem Punkt „Migränewissen“ einlesen, auch dort steht sehr viel Hilfreiches.

    Nun zu deinen Fragen:

    Darmbeschwerden unter der Antikörpertherapie sind bekannt. Wobei die Verstopfung zu den häufigsten Nebenwirkungen gehört. Ob auch weitere schwerwiegende Probleme wie eine Perforation auftreten können, weiß ich nicht.

    Ich habe das Cefaly-Gerät bei meinen Klinikaufenthalt in der Schmerzklinik Kiel ausprobieren können und mir danach eines angeschafft. Zur Prophylaxe hilft es bei mir nicht, doch da ich bei ca. 25 Migränetagen pro Monat bin, muss ich viele Tage ohne Triptane oder Schmerzmittel auskommen. In der akuten Attacke ist mir das Prickeln sehr angenehm, weil es den Schmerz teils überlagert, davon ablenkt.

    Die Nacken- und Schulterverspannungen sind meist eine Folge der Migräne, von daher wird ein TENS-Gerät die Migräne nicht zum Verschwinden bringen oder verhindern, weil sie ein Teil des Migränegeschehens sind. Ebenso ist ein hoher Muskeltonus, also ein höherer Spannungszustand in den Muskeln, bei viele Schmerzpatienten leider oft dauerhaft vorhanden und nur schwer beeinflussbar.

    Bei Migräne feuern gewisse Nerven im Gehirn verstärkt, das kann auch andere Symptome machen, bei dir ähnlich wie bei Allergien bzw. eine Verstärkung deiner Allergien. Ich kenne bei mir auch grippeähnliche Symptome wie Schweregefühl und Gliederschmerzen.

    Lieber Gruß
    Heika

    Frakti
    Participant
    Beitragsanzahl: 112

    Liebe Trina,

    Heika ist ja schon ausführlich auf deine Fragen eingegangen, ich hätte noch eine Ergänzung zum Cefaly:

    Da viele von uns unterschiedlich darauf reagieren (manchmal ist es zu stark stimulierend oder wirkt umgekehrt nicht ausreichend), würd ich auch empfehlen, es einfach mal auszuprobieren.

    Da musst du auch inzwischen nicht mehr das teure Original-Cefaly bestellen, sondern es gibt mittlerweile viel günstigere Geräte, mit gleicher oder ähnlicher Funktionsweise. Ich selbst hab meins im Aldi Nord für knapp 25 Euro erstanden. Da war es jetzt auch mehrfach schon im Angebot, nebst Klebeelektroden, und ist genauso tauglich, wirksam und gut verarbeitet (kannst aber auch einfach „Migräne Tens-Gerät“ googeln, da finden sich einige Optionen). Bei mir überdeckt es den Schmerz komplett, solange ich es trage.

    Der Spruch deiner ehemaligen Neurologin, dass du Glück hättest, den Antikörper auszuprobieren, ist komplett daneben und kontraproduktiv für die Behandlung. Man sollte Patient*innen kein schlechtes Gewissen einreden, sondern sie vielmehr ermutigen und unterstützen. Viele von uns haben ja eh schon ein kompliziertes Verhältnis zu Medikamenten, da braucht es eher Sicherheit und eine gute Begleitung.
    Mit den Blutdruckwerten entlassen zu werden, da fehlen mir auch grad die Worte. Gut, auf jeden Fall, dass du weitergezogen bist.

    Liebe Grüße
    Frakti

    Trina
    Participant
    Beitragsanzahl: 3

    Hallo Heike, Hallo Frakti,

    ich bin nicht so oft in Forums, hoffentlich antworte ich richtig in einem Thread. 🙂

    Viele lieben Danke für die schnelle und hilfreiche Antworten.


    @Heika
    , ich habe den 10/20 Regeln gehört – aber ist das nur mit Triptan Einnahme oder Schmerzmittel überhaupt gemeint? Danke für ein ausführliche Erklärungen über Migräne. Ich habe das Gefühl, dass ich so viel tun den „Reiz im Leben“ zu minimieren und trotzdem komme die Anfälle. Ich werde of jeden Fall das Buch von Prof. Göbel lesen. Ich führe seit ein Paar Jahren, das Schmerzkalender von Kiel. Aber heute habe ich Headacy herunterladen, weil ich besser Sport, Entspannungsübungen und Triggers in Blick haben möchte. Ich schau mal.


    @Frakti
    – super Tipp mit dem günstiger Gerät. Ich schaue das an!

    Vielen lieben Dank für die Unterstützung hier. Ich wollte am Anfang nicht schreiben – aber es gibt hier so viele Hilfreiche Infos.

    Bei jeder Tip bin ich dankbar.

    Liebe Grüße aus der Eifel.

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7220

    Liebe Frakti,

    das ist ja ein guter Tipp mit dem günstigen Gerät.
    Wie machst du das dann mit dem Nachbestellen neuer Klebelektroden?

    Lieber Gruß
    Heika

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7220

    Liebe Trina,

    du hast das perfekt gemacht hier in Headbook.
    Du hast einen eigenen Schmerzverlauf erstellt und schreibst darin weiter, besser geht´s nicht.

    Diese 10 Medikamententage gelten für alle Triptane und Schmerzmittel.

    Heutzutage ist man von der Triggersuche ziemlich abgekommen. Fast immer sind mehrere Trigger dafür zuständig, dass das Gehirn überreizt ist, man notiert dann aber den letzten vermuteten Trigger, nach dem die Migräne begonnen hat. Logischerweise versucht man dann diesen Trigger in Zukunft zu vermeiden und beschneidet sein Leben unnötig, was weniger Lebensqualität bedeutet.

    Man kann auch Migräne bekommen, wenn man nur ruhig auf der Couch sitzt.
    Dazu kommt auch noch, dass eine zu starke Schonung vor Reizen dazu führt, dass man immer reizempfindlicher wird. Man tut sich damit also wirklich keinen Gefallen.

    Was natürlich sehr sinnvoll ist, ist, sich immer wieder Ruhepausen zu gönnen und sich bewusst zu entspannen, das Gehirn „herunterfahren“ (also nicht am Handy die Nachrichten checken 😉 ). Das kann die Belastung des Gehirns im Alltag ein wenig ausgleichen.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde vor vor 1 year, 2 months von heika bearbeitet.
    Frakti
    Participant
    Beitragsanzahl: 112

    Liebe Heika,

    ich hatte ursprünglich den Hersteller angeschrieben (Dittmann GmbH) und die sagten mir, dass man bei ihnen direkt nachbestellen kann (allerdings etwas teurer dann). Weiß aber nicht, ob das noch aktuell ist, da das Gerät auf der Website im Moment nicht angezeigt wird.

    Es war jetzt allerdings schon wieder mehrfach beim Aldi im Angebot, vor zwei Wochen das letzte Mal. Da hab ich mich einfach jedes Mal so eingedeckt, dass ich jetzt einen schönen Vorrat hab (mit Rücksicht auf die anderen Betroffenen, versteht sich, aber der Aldi hier ist auch immer gut bestückt).

    Liebe Grüße
    Frakti

    Frakti
    Participant
    Beitragsanzahl: 112

    Liebe Trina,

    gern, ist gut, dass du hier schreibst 😊 Von jeder Frage profitieren ja zudem immer auch die Mitlesenden.

    Liebe Grüße
    Frakti

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34361

    Auch von mir ein herzliches Willkommen im Headbook, liebe Trina. 🙂

    Heika und Frakti haben Dir schon super weitergeholfen. Daher von mir nur noch ein Wort zur Darmproblematik und den Antikörpern. Es wird Dir heute wohl noch niemand wirklich sagen können, ob Du die Darmproblematik mit den Antikörpern verschlechtern könntest. Einen Effekt auf den Darm haben sie definitiv, daher wäre mir persönlich die Behandlung mit den Antikörpern zu heikel.

    Eventuell könntest Du mal Atogepant testen. Wirkt zwar auch auf CGRP, aber Du könntest sie bei Beschwerden jeden Tag absetzen.

    Liebe Grüße
    Bettina

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