Nichtmedikamentöse Vorbeugung2024-12-22T21:09:57+01:00

Nichtmedikamentöse Vorbeugung

Nordic Walking oder Spazieren gehen?

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  • Abdus-Salaam
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    Verehrte Migränegemeinschaft,

    bei mir wurde 2018 Migräne diagnostiziert. Damals machte ich noch 2-3 mal die Woche Nordic Walking und regelmäßig Muskeltraining (vorwiegend Übungen mit eigenem Körpergewicht). Seit April 2017 bin ich Student und im Laufe meines Studiums wurde die Migräne einer großen Behinderung. Aufgrund einer anderen Erkrankung nahm mein körperlicher Zustand zunehmend ab und erreichte 2020 seinen Tiefpunkt, weshalb ich meine sportlichen Aktivitäten immer weiter heruntergefahren habe. Danach habe ich immer mal wieder versucht ein regelmäßiges Nordic-Walking-Training zu etablieren, aber das löste dann meistens einen Migräneanfall aus, worauf ich gleich wieder aufgab. Ich ging dazu über regelmäßig spazieren zu gehen und Dehnübungen zu machen. Ich nehme zur Zeit zu viele Schmerztabletten und versuche alles mögliche, um die Anfallhäufigkeit zu senken. Nun habe ich einen erneuten Nordic-Walking-Versuch unternommen, welcher mir wieder einen Anfall beschert hat. Ich bin Ende 20 und rein von meinen physischen Voraussetzungen bin ich zu viel mehr Sport in der Lage, als ich momentan mache.

    Ich frage ich mich jetzt, ob ich trotz der getriggerten Migräneanfälle versuchen sollte mal über längere Zeit regelmäßig Nordic-Walking zu machen, oder ob ich mich besser wieder auf Spaziergänge beschränken sollte.

    Für Rat und Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.

    Grüßle
    Abdus-Salaam

    heika
    Participant
    Beitragsanzahl: 7221

    Hallo Abdus-Salaam,

    herzlich willkommen im Headbook!

    Leider kann eine höhere körperliche Belastung tatsächlich Migräne triggern, wobei man das Risiko senken kann, wenn man einige Dinge beachtet:
    – Nie auf nüchteren Magen Sport machen, vorher etwas Kohlenhydrathaltiges essen. Am schlimmmsten wäre Bewegung morgens vor dem Frühstück, wenn das Gehirn besonders dringend Kohlenhydrate braucht nach der langen Nachtpause.
    – Ausreichend Trinken vor der körperlichen Aktivität.
    – Die Bewegung langsam anlaufen lassen und nur langsam steigern. Zu schnelle Blutdruckanstiege können Migräne triggern.
    – Nachmittags ist der Körper anpassungsfähiger als vormittags, die Bewegung also besser in die 2. Tageshälfte legen.
    – Am besten mal über einen längeren Zeitraum aufschreiben, wie oft nach der Sporteinheit tatsächlich Migräne aufgetreten ist. Unsere Wahrnehmung kann uns manchmal ein wenig täuschen, da negative Ereignisse einprägender sind als positive.

    Wie viele Migränetage pro Monat hast du denn? Wie behandelst du sie?
    Die Migräne-App der Schmerzklinik Kiel kennst du? Sie bietet einen guten Überblick über die eigene Migränesituation und enthält viele hilfreiche Tipps.

    Wurde bei dir schon einmal eine medikamentöse Prophylaxe angedacht?

    Lieber Gruß
    Heika

    Abdus-Salaam
    Participant
    Beitragsanzahl: 14

    Hallo Heika,
    vielen Dank für die Ratschläge. Ich habe in der Regel etwa 10-15 Migränetage pro Monat.

    Ich mache vorbeugend jeden Morgen ein paar Dehnübungen, seit ca. einem Monat Progressive Muskelentspannung jeden Abend, nehme seit ca. 2 Monaten Magnesium und seit kurzem zusätzlich Nattokinase ein. Ich nehme bei sich anbahnenden Anfällen die Globuli Iris C 30.

    Bei akkuten Fällen nehme ich Thomapyrin, wenn die Symptome nicht so weit fortgeschritten sind, wenn das nicht wirkt oder wenn der Anfall schon manifestiert ist nehme ich normalerweise Sumatriptan.

    Als medizinische Prophylaxe habe ich bereits Metroprolol und Amitryptilin versucht, beides war nicht erfolgreich, wobei Amitryptilin sogar nach hinten losgegangen ist. Momentan nehme ich CGRP-Antikörper-Spritzen (Aimovig 70mg), Ende des Monats steht die dritte an, bei der ich die Dosis verdoppeln will, da jetzt die Anfallhäufigkeit viel zu hoch ist.

    Eigentlich bin ich froh, wenn ich mal nicht auf mein Handy schauen muss, aber ich versuche die Migräne-App dann mal.

    Grüßle
    Abdus-Salaam

    Jasmin
    Participant
    Beitragsanzahl: 928

    Hallo Abdus-Salam,
    Ich wurde stutzig bei deiner Bemerkung, dass Amitriptylin nach hinten los ging, das war bei mir nämlich auch der Fall, selten aber kommt vor, hieß es in der Schmerzklinik Kiel und da gibt es ja sehr viel Erfahrung.
    Das heißt aber nicht, dass es bei anderen Präparaten aus der Klasse der Antidepressiva genauso sein muss. Mir hilft Doxepin gut.
    Die Wirkung von Aimovig klingt ja nicht so mega bislang, wenn es nach der dritten Spritze nicht besser wird, kann man einen anderen Antikörper versuchen.
    Ich musste während der vielen Attacken auch sportlich runterschrauben, wenn du schon mehrmals die Woche ne halbe Stunde spazieren gehst, Rad fährst oder schwimmst, ist es wenigstens als Ausdauertraining auch schon super .
    Liebe Grüße

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34374

    Hallo Abdus-Salaam, willkommen im Headbook. 🙂

    Ich nehme bei sich anbahnenden Anfällen die Globuli Iris C 30

    das kannst Du Dir im wahrsten Sinne des Wortes ersparen. Homöopathie hat keinerlei Wirkstoff und somit keinerlei Wirkung.
    Wozu nimmst Du Nattokinase ein? Auch sinnlos und überflüssig. Halte Dich lieber an wirksame und bewährte Verfahren. 🙂

    Heika hat Dir schon wichtige Tipps zur sportlichen Betätigung gegeben. Auch von mir noch die Frage, ob Du nüchtern Sport betreibst?

    Bei akkuten Fällen nehme ich Thomapyrin, wenn die Symptome nicht so weit fortgeschritten sind, wenn das nicht wirkt oder wenn der Anfall schon manifestiert ist nehme ich normalerweise Sumatriptan.

    Auch hier würde ich Dir raten, den Umweg über Thomapyrin sein zu lassen und bei eindeutiger Migräne gleich das Triptan zu nehmen. Wozu den Körper doppelt belasten? Zudem sind Kombipräparate wie Thomapyrin nicht empfehlenswert, da sie schneller als Monopräparate in einen MÜK führen können. Auch ist die Wirkung meist eh nicht ausreichend.

    Vielleicht helfen die 140 mg Aimovig dann besser, das wäre wünschenswert.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Abdus-Salaam
    Participant
    Beitragsanzahl: 14

    Vielen Dank für die weiteren Antworten und für das Willkommen heißen :).

    Zu den Fragen. Bei Homöopathie scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Mein Allgemeinarzt ist Homöopath und hat mir die Globuli verschrieben. Nattokinase wurde mir empfohlen, da es angeblich ähnlich wie Acetylsalicylsäure wirken soll. Nordic Walking habe ich bisher meistens morgens nach dem Frühstück gemacht, also mit vollem Magen. Nüchtern mache ich normalerweise keinen Sport.

    Ich nehme Thomapyrin, da es in der Anfangsphase manchmal Anfälle verhindern kann. Ich vermute, dass ich manchmal Spannungskopfschmerz habe, welcher dann, wenn ich nichts unternehme in Migräne übergeht. Leider bekomme ich die Kopfschmerzen aber ohne Medikamente in den meisten Fällen nicht weg. Da ich so viele Kopfschmerztage habe würde ich deutlich über die Obergrenze für die Triptananwendung kommen. Ich versuche immer nach dem Schmerzempfinden zu entscheiden, ob eine Thomapyrin reichen könnte und wann nur noch ein Triptan hilft, was natürlich nicht immer hinhaut, aber mir immer wieder das Triptan erspart. Ibuprofen hilft mir im Gegensatz zu Thomapyrin nicht und Aspirin verträgt mein Magen nicht so gut, deshalb nehme ich Thomapyrin als NSAR. Tabletten sind allgemein ein großes Problem für mich.

    Ich habe vor einen Schmerzverlauf von mir ins Forum zu stellen. Aber vermutlich nicht mehr heute.

    Grüßle
    Abdus-Salaam

    Julia
    Participant
    Beitragsanzahl: 8639

    Hallo Abdus Salaam,

    lies dich mal schlau zur 10/20 Regel. Alle Triptane und Schmerzmittel gehören dazu. Alle zusammen sollte man nicht öfter als an maximal 10 Tagen pro Monat nehmen. Da Triptane die sinnvolleren und weniger den Körper belastenden Mittel sind, solltest du diese vorziehen. Hält man sich nicht an diese Regel, kann es zu MÜK kommen.

    Und Spannungskopfschmerz ist keine Vorstufe der Migräne, die gehen nicht ineinander über. Ich denke, du brauchst noch viel Wissen zum Thema. Der Ratgeber von Prof. Göbel „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“ ist da sehr zu empfehlen. Du findest ihn rechts unten in der Sidebar unter Buchtipps.

    Viele neue Erkenntnisse beim Lesen wünsch ich dir,
    Julia

    Frakti
    Participant
    Beitragsanzahl: 113

    Hallo Abdus-Salaam,

    ich bin keine Fachperson, aber soweit ich weiß, wirkt Nattokinase blutverdünnend und sollte daher nicht mit anderen Blutverdünnern/Gerinnungshemmern zusammen genommen werden. Dazu gehört auch Acetylsalicylsäure, was der Wirkstoffname von Aspirin ist und in Thomapyrin neben Paracetamol und Coffein ebenso enthalten.

    Wie schon geschrieben wurde: Für die 10/20-Regel zählen Behandlungstage. Ist also egal, ob du die Attacke mit Triptanen oder Schmerzmitteln behandelst, abgesehen davon, dass Triptane deutlich organschonender sind.

    Vomex oder andere Medikamente, die nicht den Schmerz direkt bekämpfen, sondern vorwiegend sedierend wirken, zählen nicht zur 10/20-Regel. Damit kann man auch schon mal eine Attacke überschlafen, wenn man Behandlungstage einsparen will.

    Wie Bettina ja schon sagte, führen Kombinationspräparate schneller in einen Übergebrauchskopfschmerz. Der kann sich tatsächlich auch schonmal anfühlen wie ein Spannungskopfschmerz, jedenfalls nicht so wie eine reguläre Migräne. Wenn du regelmäßig 10-15 Tage mit unter anderem Thomapyrin behandeln solltest, wäre es nicht unwahrscheinlich, dass du einen hast (muss aber nicht zwingend, das ist nur ein Richtwert, der bei vielen unterschiedlich ausfällt).
    Falls du im MÜK sein solltest, könnte eine begleitete Pause dich aus der hohen Schmerzfrequenz herausholen.

    Da wäre es aber sehr wichtig, dir einen auf Migräne spezialisierten Neurologen zu suchen, Hausärzte sind nämlich oft mit dem Thema Migräne überfordert.

    Liebe Grüße
    Frakti

    Bettina Frank
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 34374

    Hallo Abdus-Salaam,

    Bei Homöopathie scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Mein Allgemeinarzt ist Homöopath und hat mir die Globuli verschrieben.

    nur die Geister ohne Ahnung. 😅 Und Dein Hausarzt scheint leider dazuzugehören. Wenn er Globuli gegen Migräne verschreibt, würde ich ihn dazu verdonnern, bei eigenen schweren Schmerzen auch nur Zuckerkügelchen ohne Wirksamkeit zu erhalten. 😠

    Nattokinase wurde mir empfohlen, da es angeblich ähnlich wie Acetylsalicylsäure wirken soll.

    Nur im Hinblick auf die Blutverdünnung, keinesfalls gegen Schmerzen. Wird aber auch von Behandlern eingesetzt, die sich von wirksamer Medizin entfernt haben. So auch, um die angeblich „toxische“ Wirkung von Corona-Impfungen zu neutralisieren. 🤦‍♀️ Wenn Du mich fragst, ich würde mir einen Neurologen suchen, der evidenzbasiert arbeitet und Dir vernünftig weiterhelfen kann.

    Ich nehme Thomapyrin, da es in der Anfangsphase manchmal Anfälle verhindern kann. Ich vermute, dass ich manchmal Spannungskopfschmerz habe, welcher dann, wenn ich nichts unternehme in Migräne übergeht.

    Wie bereits geschrieben wurde, geht ein Spannungskopfschmerz nicht in Migräne über. Das ist dann wohl Migräne von Anfang an und sollte ab einer gewissen Schmerzstärke sinnvollerweise gleich mit einem Triptan behandelt werden. Sonst belastest Du Dich ja völlig umsonst immer wieder doppelt.

    Tabletten sind allgemein ein großes Problem für mich.

    Inwiefern?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Abdus-Salaam
    Participant
    Beitragsanzahl: 14

    Hallo Julia,
    ich war tatsächlich in der Annahme, dass die Obergrenze von 10 Tabletten nur für die Triptane gilt, da muss ich meinen Neurologen mal falsch verstanden haben. Dann sollte ich die Thomapyrin wohl doch weglassen. Ich bin gerade dabei Herrn Göbels Migräneratgeber zu lesen, über diesen bin ich auf diese Website gestoßen. trotzdem Danke für die Empfehlung :).

    Mein Hausarzt ist sicher nicht ohne Ahnung! Ich bin bereits seit langem bei einem Neurologen zur Behandlung meiner Migräne und mein Hausarzt hat mir die Globuli zusätzlich verschrieben. Die Nattokinase hat er mir nicht empfohlen.

    Mein Problem mit den Tabletten ist, dass ich zu viele nehme. Ich habe von der zweiten Hälfte des Mai bis Ende August viel zu viele genommen und dann wirkten sie nicht mehr, mir war die ganze Zeit übel und schwindelig und meine Anfälle wurden unerträglich. Ich habe dann von Ende August bis Ende September keine Tabletten mehr gegen Kopfschmerzen und Migräne genommen. Über ein paar Tage ist mir nach meiner letzten Tablette in dem Monat ein Anfall im Anfangsstadium in meinem Kopf stecken geblieben, dann hatte ich über ich glaube 3 Tage täglich Anfälle, die schlimmsten die ich bisher erlebt habe. Von Anfang September bis Ende September hatte ich dann keine Anfälle mehr. Über die Zeit hatte ich mich aber auch zurückgenommen. Dann kamen wieder Anfälle (Beginnend mit einem Prüfungstermin). Die erste Aimovig-Spritze habe ich übrigens am letzten Tag vom August verpasst bekommen. Jetzt geht das mit den Tabletten wieder los und ich befürchte, dass ich wieder in die gleiche Situation wie Ende August komme.

    Vielen Dank für die vielen Informationen und Ratschläge, ihr helft mir sehr weiter.

    Grüßle
    Abdus-Salaam

    Auguste72
    Participant
    Beitragsanzahl: 222

    Hallo Abdus-Salaam,

    Wahrscheinlich hattest Du im August dann schon einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (was für ein Wort) – kurz: MÜK. Anschließend hast Du eine Medikamentenpause gemacht und bist so aus dem MÜK wieder rausgekommen. Nun steuerst du wohl geradewegs in den nächsten MÜK hinein.

    Lies doch mal im Buch von Prof. Göbel zur 10/20 Regel nach. Nicht die Anzahl der Tabletten ist wichtig, sondern die Anzahl der TAGE, an denen Du welche nimmst. Das heißt, wenn Du am selben Tag morgens ein Triptan und/oder Schmerzmittel nimmst und abends nochmal (weil die Migräne wieder kommt), dann zählt das als 1 Tag.

    Was Dein Sport-Problem angeht:
    Hast Du eine Pulsuhr/Smartwatch? Wenn ich beim Sport meinen Puls über eine bestimmte Grenze bringe, triggert das bei mir zuverlässig Migräne. Mit der Smartwatch habe ich meinen Puls im Blick und weiß, wann ich „einen Gang runterschalten“ muss. Seitdem kann ich auch Sport machen, ohne Migräne hinterher zu bekommen. Zwar immer noch „mit angezogener Handbremse“, aber besser als nur spazieren gehen.

    Liebe Grüße
    Auguste

    Abdus-Salaam
    Participant
    Beitragsanzahl: 14

    Hallo Auguste,

    eine Pulsuhr o.Ä. habe ich nicht. Ich denke ich versuche einfach Mal in nächster Zeit mit geringerer Intensität Nordic Walking zu machen und am Nachmittag. Vielleicht reicht das schon.

    Grüßle Abdus-Salaam

    • Diese Antwort wurde vor vor 2 years, 12 months von Abdus-Salaam bearbeitet.
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