Möglichkeiten und Grenzen?
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Reif für die Insel/eine Kur (Jasmin)
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AutorBeiträge
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Hallo liebe Leser/-innen,
vor 3 Wochen ist mein Mann nach einem langen Krebsleiden verstorben und ich bin ziemlich erschöpft, nachdem ich ihn länger zu Hause gepflegt und die letzten Monate im Hospiz bis zum letzten Atemzug begleitet habe. Zum Glück hat sich meine Migräne in den letzten Wochen aushalten lassen, doch nun, wo ich mehr lockerlassen kann, habe ich wieder mehr Probleme.
Ich habe noch zwei unserer drei Kinder zu Hause wohnen (20, 15) und weiß die jüngere noch nicht wirklich unterzubringen, da wir keine Verwandtschaft in der Nähe wohnen haben, aber ich würde total gerne eine Auszeit für mich haben. Überlege nun, ob ich Königstein oder Kiel wählen sollte. In Königstein war ich vor einigen Jahren und es hat mir gut gefallen, migränemäßig allerdings nicht wirklich was verändert. Außerdem müsste ich mind. 3 Wochen investieren und habe nach dem Stress keine Lust auf die Mayr-Diät (müsste ich allerdings auch sicher nicht so streng machen, wenn ich nicht will). Was könnte mir Kiel bieten? Wer kann mir raten?
Habe medik. Prophylaxen mehr oder weniger erfolglos abgehakt. Z.Zt. nehme ich mit etwas Erfolg immerhin Magnesium verla.
Liebe Grüße
JasminLiebe Jasmin,
auch wenn es für Euch beide nun eine Erlösung ist, gibt es sicher keine passenden Worte des Trostes.
Du hast Unglaubliches geleistet über einen langen Zeitraum hinweg. Dass Du nun versuchen willst, endlich wieder mal an Dich selbst zu denken – was ja lange Zeit nicht mehr möglich war – ist meiner Meinung nach das einzig Richtige, was Du jetzt tun kannst.Da Du ein erwachsenes „Kind“ zu Hause wohnen hast, könnte es doch das 15-jährige Kind beaufsichtigen während des Klinikaufenthaltes? Nachbarn könnten als Ansprechpartner bei eventuell auftretenden Problemen fungieren und im Notfall würde sicher auch ein entfernt wohnender Verwandter einspringen, oder nicht?
Wenn Du schon mal in Königstein warst, könntest Du doch jetzt mal Kiel ausprobieren? 😉 Hier brauchst Du nur 2 Wochen zu bleiben und von Diät ist auch keine Rede. Für die Sommerferien würde ich Dir raten, eine Mutter/Kind Kur zu beantragen und mit dem jüngsten Kind einige Wochen lang auszuspannen. Die Genehmigung bekommst Du sicher ganz ohne Probleme und somit habt Ihr beide eine Auszeit.
Alle guten Wünsche sind auf dem Weg zu Dir!
Liebe Grüße
BettinaLiebe Jasmin
Ich wünsche Dir und Deinen Kindern viel Kraft und Zuversicht. Loslassen ist ein sehr schwieriger Faktor in unserem Dasein. Trotzdem es für Deinen Mann sicher eine Erlösung war, ist es für die Zurückgebliebenen sehr schmerzhaft.Nimm Dir unbedingt eine Auszeit! Bettinas Vorschlag ist gut. Du hast sicher auch Nachbarn, welche Dich verstehen und Dir sicher entgegenkommen werden? Ich hoffe es für Dich.
Hol Dir die nötige Kraft wieder. Dies ist aber nur möglich, wenn Du Dir eine Auszeit nimmst.
Wünsche Dir alles Gute und geh den Weg, der für Euch stimmt!
Sonne
Liebe Jasmin,
ihr habt ein langes und kräftezehrendes Abschiednehmen hinter euch und ich wünsche euch von Herzen viel Kraft, euch in der neuen Situation zurechtzufinden, was für euch alle bestimmt nicht einfach ist!
Ich würde dir auch raten, dein 15-jähriges Kind lieber zuhause zu lassen anstatt woanders unterzubringen. In dem Alter schaffen das deine beiden Kinder, für diese begrenzte Zeit alleine klar zu kommen. Wir hatten das mit unseren Kindern auch schon gemacht, da war das ältere Kind noch jünger als deines. Tagsüber war das eh kein Problem, da durch Schule und Hausaufgaben die Zeit ausgefüllt war, und für nachts war uns wichtig, dass jemand „Erwachsener“ im Haus war. Schon allein wegen der Aufsichtspflicht. Falls du bei deinen beiden Kindern irgendwelche Probleme befürchten solltest, findest du vielleicht jemanden, der einfach in dieser Zeit bei euch zusätzlich im Haus übernachtet?
Gönn dir Kiel und lass dir helfen! Wann der richtige Zeitpunkt für deine Auszeit ist, musst du mit deinen Kindern klären. Ich Moment habt ihr bestimmt noch viel zu „verdauen“. Aber ich glaube, man muss einige Monate auf einen Termin warten, oder?
Ganz lieber Gruß
HeikaHallo Ihr Lieben,
danke für Euer Verständnis und die Anteilnahme. Leider haben wir keine Nachbarn, die ich hier wirklich einspannen könnte und auch keinen Verwandten, weil sie alle weiter weg wohnen. Weiß noch nicht ob mich hier weg traue. Während meiner Kur in Königstein war eben mein Mann noch hier.
Was könnte mir denn Kiel bieten? gibt es auch psychol. Gespräche? Sportlich darf ich leider nicht viel machen, da körperliche Anstrengung Migräne hervorruft.
Liebe Grüße
JasminAnonym
Inaktiv12. April 2010 um 09:05Beitragsanzahl: 1356Liebe Jasmin,
zunächst möchte ich mein herzliches Beileid ausdrücken. Es tut mir wahnsinnig leid zu lesen, welches Schicksal du zu ertragen hast. Lass dich mal in den Arm nehmen! *jasminganzfestedrück*
Meine Schwester hat vor 3 Jahren ihren Mann ebenfalls durch Krebs verloren. Sie hat zwei Söhne, die etwas älter sind als deine Kinder.
Ich schätze deine Situation etwas anders ein als meine Vorschreiber. Man darf nämlich keinesfalls vergessen, dass die Kinder ihren Vater verloren haben und auch sie ihre Trauer bewältigen müssen. Ganz sicher geht die Gesundheit vor, aber wenn du den Kopf in der Klinik nicht frei hast, weil du ständig daran denken musst, wie die Kinder das nun daheim allein bewältigen, dann kann ich mir einen großen Erfolg auch nicht wirklich vorstellen.
Kann es nicht organisiert werden, dass eine Verwandte zu euch kommt während du in der Klinik bist? Oder eine Freundin von dir? Oder vll. kann man einen Aufenthalt in den Ferien organisieren, und die Kinder fahren während dieser Zeit mit Freunden weg (falls das finanziell überhaupt möglich ist).
Deine Situation ist wirklich schwierig. Ich hoffe, dass schnell eine Lösung gefunden wird.
In Kiel gibt es auch psychologische Gespräche und Sport musst du nicht zwingend mitmachen, du bekommst einen auf deine Bedürfnisse zugeschnittenen Behandlungsplan. Von daher ist ein Aufenthalt sicherlich genau das Richtige für dich.
Ganz liebe Grüße
Monika
Liebe Monika,
danke für dein Mitgefühl. Du hast sicher recht, dass man die Trauer der Kinder berücksichtigen muss. Das macht es mir ja auch so schwer. allerdings muss ich sagen, dass auch die Kinder nun entspannter und gelöster scheinen als vor dem Tod meines Mannes. Wir haben alle schon Monate gelitten, da uns allen bereits im Sept. gesagt wurde, es könne jederzeit zu einer lebensbedrohlichen Situation kommen. Besonders seit vor Weihnachten wusste ich, jeder Tag könnte der letzte sein und das wurde mir immer wieder so mitgeteilt, was die Kinder auch in irgendeiner Weise mitbekommen haben. Drei Monate bin ich jeden Abend heulend von meinem Mann weggefahren und konnte es nicht immer vor den Kindern verbergen.
Gestern habe ich mit ihnen über meinen Wunsch nach einer Kur gesprochen und sie haben spontan gesagt, sie würden es schaffen und könnten mich doch abends anrufen. Nunja, die Jüngere macht mir da mehr Sorgen, aber es gibt wirklich keine Verwandten oder eine Freundin, die nach hier kommen könnte, allerdings ab und zu mal nach dem rechten schauen.
Nun weiß ich immer noch nicht, wie lange es mit Kiel dauern könnte.
Liebe Grüße
JasminAnonym
Inaktiv13. April 2010 um 09:41Beitragsanzahl: 1356Liebe Jasmin,
da ich genau neben meiner Schwester wohne, habe ich ihr und meinen Neffen von der Diagnose bis zum Tod (nicht mal 3 Monate) jeden Tag zur Seite gestanden und noch 9 Monate danach kam sie jeden Abend zu mir, weil sie es daheim nicht aushielt. Ich kann dadurch in etwa einschätzen, was ihr für einen schmerzhaften Weg gegangen seid und auch immer noch geht.
Dass deine Kinder dir auch zum Klinikaufenthalt raten, finde ich sehr stark von ihnen. Es zeigt auch, wie sehr sie sich um dich sorgen. Du kannst sehr stolz auf sie sein!
Was die Wartezeit in Kiel betrifft, da gibt es hier kompetentere Ansprechpartner als mich. Da wird sich sicher noch jemand zu Wort melden ;).
Liebe Grüße
Monika
Anonym
Inaktiv13. April 2010 um 13:24Beitragsanzahl: 1356Liebe Jasmin,
warst du schon einmal auf der Homepage der Schmerzklinik Kiel? Dort gibt es eine Rubrik „Service für Patienten“
http://www.schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/ – vielleicht stöberst du dort einmal.Was am Wichtigsten wäre, die Frage zu klären, ob deine Krankenkasse den Aufenthalt dort übernimmt. Und dann kannst du ja mal dort in der Aufnahme anrufen (Tel.-Nr. steht auf der HP) und nachfragen, wann du frühestens aufgenommen werden könntest und im Anschluss daran schnellstens eine Kostenübernahme der Krankenkasse einholen und die benötigten Dokumente besorgen und alles der Klinik zukommen lassen (man wird dir am Telefon sicherlich noch alles genau erklären! Keine Scheu, die Mitarbeiter dort sind sehr nett und helfen gerne weiter!).
Viel Glück!
Monika
Liebe Jasmin,
mein herzliches Beileid zu deinem großen Verlust. Tapfer und stark hast du die Pflege deines Mannes überstanden und als Aussenstehende ist es sehr schwer die richtigen Worte zu finden. Sicherlich war es für deinen Mann die Erlösung und der Verstand sagt es einem selbst auch, aber wie es drinnen aussieht, kann niemand wirklich erahnen.
Doch deine Überlegung nach Kiel zu gehen, ist sicher für deine Kinder und dich die richtige Entscheidung, denn danach geht es dir wahrscheinlich besser. Ich stand Anfang Januar vor der Entscheidung, da ich mit vielen Migräneattacken nicht mehr leben konnte. An Wartezeit – so sagte man mir – müsste ich acht Wochen einplanen. Gedauert hat es 6 Wochen, dann durfte ich nach Kiel. Man braucht lediglich die Einweisung des behandelnden Arztes, dieser muss noch ein Formular ausfüllen und dann abschicken nach Kiel. Findet man auf der Startseite und nach wenigen Tagen erhält man von der Klinik Bescheid, ob sie einem aufnehmen.
Dann kannst du in Kiel nachfragen, wie lange es ungefähr dauert und dir ausrechnen, wann es ungefähr so weit sein wird. Der Aufenthalt in der Klinik dauert 14 Tage, bei Ärzten, die unglaublich menschlich und fachlich Kompetent sind.
Und geboten wird dir zuerst einmal, dich danach wieder gesunder zu fühlen und mehr schmerzfreie Zeiten zu haben. Außerdem eine Vielzahl an Behandlungen, z. B. Entspannungsübungen, psych. Betreuung, Biofeedback, Shiatsuanwendung, physiolog. Anwendungen, z.B. Gesichtsdrainage und leichtes Ausdauertraining – wenn du möchtest – und sehr gute Patientenseminare. Außerdem einen schönen Wanderweg an der Schwentine entlang und den Sophienhof, die Shoppingmeile. Aber du musst nichts machen, was die Migräne fördert oder verstärkt. Also „alles kann, nichts muss“. Wenn es dir schlecht geht, kannst du einfach im Bett bleiben und musst gar nichts. Wenn du 14 Tage dort behandelt bzw. betreut wurdest, bist du ein anderer Mensch. Es stimmt wirklich und ich hatte 25-30 Schmerztage/Monat.Und Kindern sollte man schon einiges zutrauen, sie wachsen mit ihren Aufgaben. Ich denke, auch Ihnen ist geholfen, wenn es Mama danach besser geht. Mit 15 Jahren ist man nicht mehr so klein, dass man nicht 14 Tage mit der älteren Schwester allein bleiben könnte. Wahrscheinlich klappt es besser, als du denkst.
Nur Mut, es klappt, ich bin davon überzeugt.Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Kraft, um diese schwere Zeit durchzustehen.
Liebe Grüße
YvonneLiebe Yvonne,
vielen Dank für deine ermutigenden Worte und den Bericht über die Inhalte des Kiel-Aufenthaltes. Ich denke, das wäre genau das Richtige im Moment.
Ja, meine Kinder sind schon in den letzten Monaten sehr gereift und verantwortungsvoller geworden und ich kann stolz auf sie sein. Die 15-jährige muss mit dem großen Bruder hier auskommen, das ist noch etwas anders als mit der Schwester, die auswärts studiert, aber ich traue es ihnen zu. Man merkt allerdings deutlich, dass der Verlust des Vaters an der 15-jährigen noch mehr nagt und sie sicher auch um mich als zweiten Elternteil Angst hat. Seelisch ist sie noch eher Kind als die anderen beiden. Umso wichtiger wird es allerdings sein, dass ich auch eine Stütze bleiben kann, ist mein Gefühl. Ich hatte migränetechnisch 10 schlimme Jahre, in denen mein Mann mich sehr unterstützt hat. WErde diese Woche 50 J. und hatte eine derbe Verschlimmerung durch die hormonelle Achterbahn der Wechseljahre. Es scheint nun besser zu werden. Trotzdem bin ich noch nicht arbeitsfähig und darf mich körperlich nicht anstrengen (putzen, Sport etc.) und nun liegen natürlich auch noch meine Nerven blank.
Also werde ich mal Kiel in Angriff nehmen 🙂Danke für die Kraftwünsche, kann ich tatsächlich gut gebrauchen und man ist in solcher Zeit tatsächlich für jeden Kalenderspruch dankbar.
Auch für dich alles Gute,
JasminLiebe Jasmin,
es sind die wirklich gemeinten guten Wünsche die uns aufrechterhalten. Und in diesem Forum, da bin ich mir sicher, sind alle Wünsche gut gemeint. Eben weil wir alle Leidensgenossen sind. Die Einen mehr und die Anderen weniger. Und so ist es auch in der Klinik. Die Menschen dort haben alle Migräne und eine Leidensgeschichte hinter sich und können deshalb gut nach empfinden, wie es dir geht. Du musst jetzt auch wieder lernen, an dich zu denken. Du bist nicht Sklavin deiner Kinder. Sicher brauchen sie deine Unterstützung, die sie auch bekommen sollen, aber du hast dein Leben auch noch nicht hinter dir. Damit du wieder für sie da sein kannst, solltest du etwas für dich tun.
Und deine Tochter ist in einer guten Position, als kleine Prinzessin. Sie hat den großen Bruder zur Seite, der sie mit Sicherheit eifersüchtig bewachen wird.Und wenn du sagst, du bist stolz auf deine Kinder, kannst du nach Kiel erst recht sagen, dass du stolz auf sie bist, wenn sie auch dies gemeistert haben. Sie sind doch schon 20 und 15 Jahre alt.
Meine Tochter ist mit 21 Jahren ausgezogen und es hat alles geklappt. Wir haben ein supertolles Verhältnis zueinander und sie meistert ihr Leben gut. Sie wohnt zwei Straßen weiter und die Distanz hat uns viel näher zusammen gebracht, als wir dachten.Deine Kinder werden sicher sehr viel mehr zu schätzen wissen, was du für sie tust, wenn du einmal zwei Wochen nicht Tag und Nacht zur Verfügung stehst. Und Kiel ist nicht aus der Welt.
Also Kopf hoch, Blick nach vorn und viel Mut.
Liebe Grüße aus Aachen
Yvonne
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