1. Sima sagt:

    Sehr geehrte Herr Prof. Göbel,
    meine Migräne ist Zyklusabhängige, agressive und wiederkehrend, obwohl ich schon seit 8 Jahren in den Wechseljahren bin hat es keine Veränderung gegeben. Gegen die Wechseljahresbeschwerden bekomme ich Hormonpflaster von meiner Gynäkologin und das schwächt meine Migräneattacken wesentlich ab.
    Sie meint jetzt, dass ich langsam von den Hormonen runter muss, und hat daraufhin die Dosis reduziert.
    Seit dem hab ich wieder häufiger Migräne, die Attacken sind schmerzintensiver und dauern länger an. Jedesmal, wenn ich die Hormone aus anderen Gründen abgesetzt habe war es genauso.
    Jetzt muss es wieder wegen einer Eierstockzyste sein und es bleibt mir leider nichts anderes übrig.
    Hatte schon zwei Botox-Behandlungen und hab gut darauf angesprochen und konnte relativ gut mit meinem Hormonpflaster, meinem Triptan und dem Ganzen leben und war zufrieden, bis jetzt wieder das mit meinem Hormonhaushalt losgegangen ist.
    Heißt es für mich weniger, oder gar keine Hormone, mehr Migräne – mehr Hormone, weniger Migräne?
    Wie komme ich aus diesem Teufelskreis raus?
    Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus

    • Liebe Sima,

      im Gegensatz zu früheren Jahren ist man heute mit der Gabe von Hormonen während der Wechseljahre vorsichtig. Grund dafür ist ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Ich vermute, dass die Vorsicht Ihrer Frauenärztin diesen Hintergrund hat. Ich würde Ihnen auch raten, möglichst intensiv alle Möglichkeiten der Migränevorbeugung einzusetzen. Wahrscheinlich können Sie damit die Migräne besser in den Griff bekommen, als mit der Hormongabe.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  2. Katharina sagt:

    Sehr geehrter Prof. Göbel, nachdem ich nun über fünf Monate Topiramat 100 genommen habe und der Erfolg nur mäßig war (Reduzierung von ca. 12 Migräne- und Kopfschmerztagen auf 8-10) meinte mein Neurologe, ich solle es langsam absetzen, was man wohl sowieso mache nach dieser Zeit. seitdem habe ich jeden zweiten Tag Migräne oder Kopfweh und Schlafstörungen. Die erste Frage betrifft diese unangenehme Wirkung beim Absetzen, ist dies bekannt von Topiramat und hört es wieder auf? (hatte kaum Probleme mit Nebenwirkungen bei einschleichen des Mittels). Die zweite Frage betrifft nun weitere Vorschläge zur Therapie, die ich bekommen habe, aber noch sehr zögere : zum einen von einem Migränechirurgiezentrum in München in der Schreiber Klinik,, eine einmalige Botox Behandlung und bei guter Wirkung eine anschliessende Operation an einem Stirnmuskel, und zweitens von einem
    Schmerztherapeuten direkt hier in Tübingen eine regionalanästhetische Spritzenbehandlung (rofivacain 0,02? ) in Nacken- und Halsbereich in Kombination
    mit Gabapentin zur Prophylaxe. Vielen Dank für eine Antwort!

    • Liebe Katharina,

      Topiramat führt nicht unbedingt zu einer Reduktion der Kopfschmerztage pro Monat. Viel häufiger erkennt man die Wirkung daran, dass die Attacken milder werden, kürzer und besser erträglich. Außerdem wirkt oft die Akutmedikation besser. Daher kann auch bei einer Reduktion von 12 auf 8 Migränetagen eine akzeptable Wirksamkeit bestehen. Beim Absetzen kommt dann die volle Intensität der Migräne wieder zurück. Da sie es gut vertragen haben, ist die Weiterführung der Medikation möglich und zu erwägen.

      Eine einmalige Botoxbehandlung am Stirnmuskel und die chirurgische Durchtrennung des Zornesfalten-Muskels sind ohne Wirkungsnachweis und beinhalten gravierende Risiken.

      Für eine regionalanästhetische Spritzenbehandlung ist ebenfalls keine Wirksamkeit belegt und nicht zu erwarten.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • Katharina sagt:

        Vielen Dank für ihre Antwort. Dann stimmt es nicht, dass man Topiramat nach ca. Sechs Monaten absetzt, wie mein Neurologe sagte, sondern man kann es offensichtlich länger nehmen, also unbegrenzt lange? (Nebenwirkungen waren vor allem Kribbeln in den Händen und Haarausfall…). Und man kann es dann auch auf Dauer mit Novalgin und MCP zur Akutmedikation kombinieren? Vielen Dank nochmals für ihre Antworten.

        • Die Regel besagt, dass man mindestens 6 Monate das Medikament einsetzt. Absetzen oder Weiterführen bestimmt der individuelle Verlauf. Die Kombination mit Novalgin und MCP kann erfolgen.

  3. Sehr geehrter Herr Prof. Goebel,
    vor einiger Zeit las ich in einem Beipackzettel, dass man nach dem 65. Lebensjahr keine Triptane mehr einnehmen sollte.
    Gilt das nur für Risikogruppen, z. B bei hohem Blutdruck oder Herzproblemen, oder ist das allgemein für alle Migräne-Betroffenen gültig?
    Ich bin jetzt 63 Jahre alt, und mache mir natürlich Gedanken darüber, wie ich ohne Triptane durch meine schweren Attacken mit einer Dauer von 3- 4 Tagen kommen soll.
    Vielen Dank für Ihre Zeit-
    Herzliche Grüße aus Bad Segeberg-
    Gitte Inselfan

    • Liebe Gitte,

      auch ab 65 Jahren ist die Einnahme von Triptanen im Einzelfall möglich. Die Firmen haben jedoch nur Sicherheitsdaten bis zum 65. Lebensjahr, daher dürfen sie die Einnahme ab diesem Alter nicht generell empfehlen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  4. Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

    zuerst vielen Dank für die Möglichkeit, hier eine Frage zu stellen!
    Ich bin 50 Jahre alt und habe seit 35 Jahren mit schwerer Migräne zu tun. Hilfe bringt – seit es ihn gibt – nur der Wirkstoff „Naratriptan“.
    Seit 3 Jahren ist es besonders schlimm und ich komme inzwischen leider auch „auf“ oder „über“ 10 Schmerzmitteltage im Monat.
    Der Austausch im Forum legt nahe, dass die Tabletten selbst schon Migräne auslösen. Können Sie in diesem Zusammenhang ein anderes/vergleichbares Triptan empfehlen? Vielleicht hilft Naratriptan ansich nicht mehr gut?

    Vor 5 Jahren bin ich aus dem Raum Nürnberg nach Aalen in Baden-Württemberg umgezogen. Nachdem die Migräne so massiv wurde, würde gerne hier einen entsprechenden Schmerzspezialisten aufsuchen. Leider konnte mir jedoch weder mein Hausarzt noch ein Internist am Ort weiterhelfen. Ich habe dann selbst die Ärztetafel des Telefonbuchs der Region rauf und runter abtelefoniert und bekomme immer mehr den Eindruck, dass ich hier keinen kundigen Arzt finden werde.

    Können Sie weiterhelfen?

    Vielen Dank bereits an dieser Stelle!

    • Liebe Denkpositiv,

      bei Überschreiten der 10/20-Regel nutzt der Austausch eines Wirkstoffs mit einem anderen Wirkstoff leider nicht. Es ist daher erforderlich, die Attackenfrequenz mit einer Medikamentenpause auf unter 10 Tage im Monat zu reduzieren.

      Auch in Baden-Württemberg gibt es Migränespezialisten. Sie finden Praxen im bundesweiten Kopfschmerzbehandlungsnetz im Headbook auf der linken Spalte.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  5. martin sagt:

    Hallo Herr Prof. Göbel,

    so ein Chat ist eine gute Sache, daher möchte auch ich die Chance nutzen, um folgende Frage loszuwerden:

    Ich leide seit vielen Jahren unter Hörverlusten mit Tinnitus, die meist am Morgen auftreten und am Nachmittag komplett verschwinden. Nur selten (vielleicht 2-3 mal im Jahr) hält es mehrere Wochen an oder ist von heftigen Schwindelattacken oder Sehstörungen begleitet.

    Die Hörstörungen sind niemals attackenmäßg sondern eher schleichend über Nacht kommend und über Tag verschwindend. Begleitet von heftigen Verspannungen und Reizbarkeit, Geräuschempfindlichkeit etc. und dem Gefühl ich bräuchte eine Brille.

    Kopfschmerzen habe ich keine.

    Inwiefern sind Ihnen Fälle bekannt in denen bei Migräne oder Basilarismigräne solche schleichenden Hörstörungen/-Minderungen im Vordergrund stehen? Besonders Tiefton-Hörminderungen, die sonst eher im Meniere-Bereich (das habe ich wohl nicht) zu finden sind? Und würde eine Medikamention mit Topamax, sicherlich nur eine Option von vielen, einen Versuch wert sein?

    Danke für die Antwort und viele Grüße

    Martin

    • Lieber Martin,

      Hörstörungen können tatsächlich im Rahmen einer Migräneaura bestehen. Das gleiche gilt für Tinnitus und Schwindel. Man spricht dann von einer vestibulären Migräne. Auch bei einer Basilarismigräne können solche Symptome beidseits auftreten.

      Die Behandlung sollte alle vorbeugenden Maßnahmen der Migräneprophylaxe einschließen. Topamax gehört dazu und ist eine mögliche Option.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  6. Claudia sagt:

    Hallo Herr Prof. Göbel,
    ich leide seit meiner Kindheit unter Migräne, wurde aber erst im August zum ersten Mal an einen Neurologen(Kopfschmerzspezialisten) überwiesen und führe seitdem ein Schmerztagebuch. Zunächst war mir gar nicht bewusst, dass es sich bei meinen drei verschiedenen Formen von Kopfschmerzen immer um Migräne handelt (1. leichte einseitige Schmerzen, die im Laufe des Vormittags beginnen und ca 12h anhalten, Sport ist möglich, kein Pochen; 2. starke einseitige pochende Schmerzen, die morgens starten, über Stunden immer stärker werden und am Abend in einem einseitig tränenden Auge und starken Schmerzen enden – z.T. trotz der Einnahme eines Triptans; 3. plötzlich auftretende Migräne mit Aura, bei der der Schmerz nur langsam stärker wird und von mittlerer Intensität ist). Zu dieser Erkenntnis kam ich, als ich 4 Wochen lang bei jeder Form von Kopfschmerz Naratriptan nehmen musste und es abgesehen von 2 Tagen immer gewirkt hat (egal, wie sich der Kopfschmerz angefühlt hat; ich hatte schon einen Placebo-Effekt befürchtet)
    Da ich an 25 von 30 Tagen unter Migräne leide, meist nur sehr leicht (Variante 1, die auf einer Skala von 1-10 normalerweise zwischen 1-3 liegt), an ca. 10-12 Tagen aber auch unter Variante 2 und 3, die auf der Schmerzskala zwischen 5 und 8 liegt, wenn ich nicht rechtzeitig Naratriptan einnehme, werde ich seit Ende September mit einer Basisbehandlung behandelt..
    Mein Arzt hat mir zunächst Sibelium verschrieben, was ich aber nach 6 Wochen abgesetzt habe, da es keinerlei positiven Einfluss auf die Migräne hatte. Nun nehme ich seit 2 Tagen Valproat, was mich stark verunsichert, da ich mittlerweile fast 36 Jahre alt bin und im nächsten Jahr doch endlich eine Schwangerschaft geplant wäre.
    Sollte Valproat nicht anschlagen, möchte der Arzt (Mitglied der Schweizerischen Kopfschmerzgesellschaft) mir nur Naratriptan verschreiben, was bei mir bei Variante 1 und 3 sehr gut wirkt, was ich dann aber an mehr als 10 Tagen/Monat nehmen müsste.
    Ich bin ausserdem wegen Depressionen in Behandlung und nehme seit März Valdoxan. Das weiss mein Neurologe auch, er ist bezüglich der Migränebehandlung aber nicht drauf eingegangen

    Meine Fragen:
    Ist es tatsächlich möglich, dass sich „meine“ Migräne in 3 so unterschiedlichen Gewändern zeigen kann? Ich kann es nämlich immer noch nicht recht glauben.
    Wäre es sinnvoll, zusätzlich B2 einzunehmen? Möglicherweise auch zusätzlich zu Valproat? (Hochdosiertes Magnesium vertrage ich nicht (wurde mir schon aus anderen Gründen verschrieben und mein Darm reagiert mit heftigen Krämpfen)).
    Wäre es sinnvoll, weiter eine passende Basisbehandlung zu suchen, sollte Valproat auch nicht helfen? Schliesslich lebe ich schon lange mit den häufigen Schmerzen, da sie im Normalfall aber eher leicht sind, beeinträchtigen sie zwar meine Lebensqualität, ich komme aber irgendwie damit zurecht.
    Wie lange müsste ich Valpraot zur Basisbehandlung nehmen und ist eine Schwangerschaft direkt nach Absetzen des Medikaments ohne erhöhtes Risiko?

    Entschuldigung für die überlange Nachricht und vielen Dank für die Antwort,
    Claudia

    • Claudia sagt:

      Vielleicht noch ein Hinweis: Ich habe vor dem Kontakt zum Neurologen nur in absoluten Ausnahmefällen ein Triptan genommen (1-max. 2x/Monat) und habe die Schmerzen jeweils ausgehalten. Auch andere Schmerzmittel nehme ich nicht. Ein MÜK kann also ausgeschlossen werden.

      • Liebe Claudia,

        die Migräne kann sich in ganz unterschiedlichen Formen präsentieren. Es gibt 22 verschiedene Hauptformen der Migräne. Diese können sich noch einmal hinsichtlich der Intensität der Symptome unterscheiden. Die meisten Betroffenen haben ganz unterschiedliche Migräneformen.

        Bei der beschriebenen hohen Attackenfrequenz kann Vitamin B2 erwogen werden. Die Wirksamkeit ist aber im Einzelfall nicht sicher vorherzusagen. Auch Valproat ist eine Option. Allerdings sollte diese nicht in erster Linie erwogen werden. Es gibt eine Reihe verträglicherer Möglichkeiten. Dazu können Sie sich in der Gruppe “Medizinische Vorbeugung” auf Headbook informieren.

        Bei einer möglichen oder geplanten Schwangerschaft ist Valproat nicht einzusetzen. Ein erhöhtes Risiko für das Ungeborene direkt nach dem Absetzen ist nicht auszuschließen.

        Freundliche Grüße
        Hartmut Göbel

  7. Schnucki sagt:

    Hallo Herr Prof. Göbel,
    ich wende mich an Sie, da ich mittlerweile sehr, sehr verzweifelt bin und nicht so recht weiterkomme, bzw. ich nicht weiß’ wem ich noch meine Hoffnung schenken soll.
    Zu meiner Person: ich habe seit ungefähr 22 Jahren Migräne, mit Schmerzmittelentzug, usw. usw hinter mir. Nehme im Moment Triptane und habe gerade Topiramat abgesetzt.
    Nun aber zu meinem eigentlichen Anliegen und was mich Tag für Tag aufs neue beunruhigt ist folgendes: meine Tochter Jessica, mittlerweile ist sie 11 Jahre alt, leidet seit 3 Jahren an Migräne. Sie hat fast jede Woche Kopfschmerzen und die Therapie in einer Schmerzklinik in HH hat keinen Erfolg gebracht. Man hat uns dort lediglich geraten, 10 Minuten täglich Entpannung zu üben und ansonsten einfach die doppelte Dosis Nurofen zu nehmen. Ich habe nun das Gefühl das das Medikament nicht mehr viel bringt und ich habe jetzt die sehr große Angst das ein medikamenteninduzierter chronischer Kopfschmerz vorherrscht. Das beunruhigt mich sehr und ich mache mir große Sorgen. Was raten Sie mir.
    Wenn Sie Zeit finden, mir zu antworten, wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Einen lieben Gruß aus Bad Bramstedt
    Sandra

    • Liebe Sandra,

      zu Ihrer Situation: Aus Ihren Ausführungen entnehme ich, dass bei Ihnen noch keine wirksame Vorbeugung gefunden wurde, dies sollte weiter versucht werden. Auch sollten nichtmedikamentöse Therapieverfahren intensiv eingesetzt werden. Triptane alleine sind nicht zielführend.

      Zu Ihrer Tochter Jessica: Hier sind ebenfalls nichtmedikamentöse Therapieverfahren und wahrscheinlich auch eine medikamentöse Vorbeugung erforderlich. Die alleinige Gabe von Ibuprofen, auch bei doppelter Dosis, sollte nur dann erwogen werden, wenn sehr wenige Kopfschmerztage im Monat bestehen.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • Schnucki sagt:

        Was schlagen Sie denn als Vorbeugung vor. Und was sehr wichtig ist, zu welchem Arzt kann ich mit Jessica gehen?
        Vielen Dank für Ihre Anwort.
        Sandra

        • Individuelle Therapievorschläge sind hier leider nicht möglich. Grundsätztlich können niedrige Dosierungen von Amitriptylin oder Metoprolol erwogen werden.

          Schmerzspezialisten finden Sie auf der Startseite in der linken Spalte in Headbook. Fragen Sie bei der Anmeldung, ob spezialisierte Behandlung von Kindern möglich ist.

  8. Ursula sagt:

    Lieber Herr Göbel,

    ich dachte immer, ich weiß schon eine ganze Menge, aber vieles war eben nur graue Theorie, wie ich bei meinem Aufenthalt in Kiel im September zur Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerz (Diagnose MÜK) feststellen musste. Durch das spezielle Umfeld und die äußeren Begebenheiten in einer Klinik – alles dreht sich ausschließlich rund ums eigene Wohlergehen – konnte ich am eigenen Leib spüren, wie sehr Migräne (und auch Spannungskopfschmerz) und das eigene Verhalten sich gegenseitig beeinflussen. Auf jeden Fall sehe ich für mich noch ganz vieles, was ich durch achtsameres Verhalten zum Positiven verändern kann und dadurch auch weniger Medikamente benötige. Ruhe und Entspannungsphasen im richtigen Moment schwächen Schmerzen deutlich ab, so meine Erfahrung.

    Nun ist es im Alltag aber nicht immer so leicht, manchmal auch nicht möglich, sich Entsprechendes zu gönnen. In einem solchen Fall nehme ich dann das verordnete Triptan mit Naproxen und arbeite z. B. einfach weiter – die Schmerzen sind ja weg. Da ich gelernt habe, dass sich der Migräne-Patient mit seinem Anspannungs-Level immer irgendwo auf einer Berg- und Talfahrt befindet, wobei die Spitze der Kurve der Migräne-Anfall, eine Art Zwangspause, ist und danach der Pegel wieder auf Null gesetzt wird, frage ich mich, wie das ist, wenn ich per Medikament den Anfall beende, mich aber nicht schone und weiterarbeite, wie wenn gar nichts wäre. Ich habe so den Verdacht, dass die Schmerzen noch eine Weile irgendwo dumpf herumgrummeln und ich ganz doll aufpassen muss, dass sie nicht wieder zum Vorschein kommen. Im Gegensatz dazu sind die Schmerzen vollständig weg und ich fühle mit fit, wenn ich mich trotz Medikamenteneinnahme ausruhe und nichts tue. Bilde ich mir das ein oder stimmt das?

    Ich freue mich auf Ihre Antwort!

    Herzliche Grüße,
    Ursula

    • Liebe Ursula,

      Sie haben ganz wunderbar beschrieben, dass man selbst sehr viel durch richtiges Verhalten und Wissen verbessern kann. Und ebenso richtig ist: Auch wenn ein Triptan gut wirkt, sollte man Ruhe und Entspannung ermöglichen. Es ist im Gegenteil die Reihenfolge zu berücksichtigen: Erst Ruhe und Entspannung einleiten und dann erst das Triptan einsetzen. Damit ermöglicht man eine bessere Wirksamkeit und hilft seinem Gehirn, sich zu erholen und zu regenerieren.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  9. Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

    auf Bitte der Teilnehmer des Fadens, der sich derzeit mit hochkonzentrierten Ananas-Enzymen (z. B. Promelain P.O.S.) beschäftigt (die Bitte hat mich eben erreicht), würde ich Sie gerne fragen, was Sie als Experte dazu wissen/sagen/meinen.

    Das Enzym wurde wohl noch in keiner aussagekräftigen Studie in Zusammenhang mit Migräne getestet. Können Sie uns hier oder vielleicht in den nächsten Tagen dazu evt. ein bißchen mehr sagen?

    Ich habe den Eindruck, das läuft auf eine Art Selbstversuch der Teilnehmer hier hinaus. Aber im Unterschied zu vielen Präparaten, die auf den Markt angeboten werden und die Migränikern nur das Geld aus der Tasche ziehen, scheint es doch einigen auch zu helfen.

    Mit herzlichem Dank im Voraus, Regenbogen

    • Liebe Regenbogen,

      ob Bromelain bei Migräne wirkt, ist wissenschaftlich nicht untersucht. Es wirkt entzündungshemmend und abschwellend, daher ist eine mögliche Wirksamkeit theoretisch nicht ausgeschlossen. Mangels Studien kann jedoch nichts Begründetes gesagt werden.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

  10. Elisabeth sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Göbel, meine Tochter (14) hat seit 5 Wochen ununterbrochen Kopfschmerzen (8/10) Sie leidet seit 4 Jahren an Kopfschmerzen mit zunehmenden Anfallszeiten (Dauer von 3 Tagen -typische Migräne – bis 2 Wochen). Nun ist sie seit 2 1/2 Wochen im Krankenhaus und erhält Gabapentin, das langsam aufdosiert wird auf 3×200 mg tgl. Ein Betablocker, den sie seit 3 1/2 Monaten nahm, wurde abgesetzt, und sie soll diese Woche troz Schmerzen wieder nach Hause entlassen werden. Hier meine Frage: Wie können solche Schmerzen bei Jugendlichen therapiert werden? Gibt es wirklich nichts, was die akuten Schmerzen lindern/den Schmerzkreislauf durchbrechen könnte? Paracetamol und Ibuprofen zeigen keine Wirkung, eine Morphium-Injektion konnte die Schmerzen für 30 Stunden auf 4/10 reduzieren, aber das ist wohl keine Lösung! Wir sind völlig verzweifelt! Vielen Dank für Ihre Anregungen und freundliche Grüsse aus der Schweiz,
    Elisabeth

    • Liebe Elisabeth,

      bei 5-wöchigem Dauerkopfschmerz muss primär die Frage geklärt werden, welche Diagnosen dem Verlauf zugrunde liegen. Die alleinige Annahme der Migräne ist in einem solchen Verlauf nicht ohne weiteres zu vereinbaren. Gabapentin ist weder bei der Migräne, noch beim Spannungskopfschmerz wirksam. Auch muss die Frage geklärt werden, ob an mehr als an 10 Tagen im Monat Akutmedikamente eingesetzt wurden und eventuell ein MÜK besteht.

      Die Gabe von Morphium-Injektionen bei einer 14-jährigen ist nicht nachzuvollziehen.

      Mir scheint, dass eine spezialisierte Behandlung Ihrer Tochter dringlich erforderlich ist.

      Freundliche Grüße
      Hartmut Göbel

      • Elisabeth sagt:

        Danke für die Antwort. Ein MÜK liegt wahrscheinlich nicht vor. Neurologische Abklärungen haben nichts Anormales gezeigt. Ich komme gerade aus dem KH, wo sie uns in Anwesenheit meiner Tochter sehr unwirsch mitgetei