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  • regenbogen68
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    Liebe Brain,

    ja, das ist ein schöner Austausch. Großartige Erfahrungsberichte, die du da eben beigesteuert hast.

    Ich kenne das auch, dass Menschen die Schotten dicht machen. Ich erlebe es inzwischen aber auch sehr oft, wie sehr sich Menschen öffnen, wenn ich mich ihnen gegenüber öffne. In meinem Freundeskreis ist Therapie auch gar kein Tabu-Thema, (Entwicklungs-)Trauma auch nicht. Durch die Therapieerfahrung ist ein ganz intensives und gutes Miteinander möglich mit ehrlichem Tiefgang.

    Die wichtigste Frage für mich im Miteinander (auch bei Wut und Ärger) ist inzwischen übrigens „Und was hat das jetzt mit mir und meiner eigenen (Kindheits-)Geschichte zu tun?“.

    Lieben Gruß
    die Regenbogen

    regenbogen68
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    Beitragsanzahl: 1749

    Liebe Katrin,

    danke für deinen schönen Erfahrungsbericht. Ich habe das Gefühl, dass du auf einem guten Weg bist.

    Wenn du dich mit etwas noch nicht beschäftigen möchtest, ist das ein guter Ansatz, denn da ist ja das Wort „noch“. Es ist dir klar, dass du das im Auge behalten solltest, aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Dieses Gespür für sich selbst zu haben (oder zu entwickeln), ist oft allein schon ein Weg.

    Sehr, sehr spannend bzw. toll, dass du einfach so bei „Gefühls- und Verhaltensausschlägen“ gelandet bist bzw. das einfach so wahrgenommen hast. Ich habe das erst realisiert, als ich letztes Jahr zufällig den YouTube-Kanal von Dami Charf entdeckt habe und wenig später fassungslos war, weil ich zum ersten Mal verstanden habe, was eigentlich los ist.

    Zu deiner Frage, was „körperorientierte Therapiemethoden“ (= Körperpsychotherapie) sind:

    Bei diesen Methoden spricht man natürlich auch, aber der Körper bzw. die Gefühle, die sich zeigen, finden ganz stark Berücksichtigung. Also, man erzählt etwas und dann geht es um die Frage, wie spürt sich das gerade im Körper an. Das bedeutet, dass das, was an Gefühlen im Therapieprozess hochkommt, eine wichtige Rolle spielt. Auf diesem Weg kann man sich auch Gefühlen annähern, die aus den ersten Lebensjahren stammen. An die Ereignisse aus dieser Zeit haben wir ja keine Erinnerung, aber die Gefühle sind in uns bzw. eben unserem Körper abgespeichert. Ich habe mir gerade den Wikipedia-Artikel zum Thema „Körperpsychotherapie“ angeschaut. Der ist als allererster Einstieg nicht schlecht.

    Die Verhaltenstherapie war in erster Linie eine Redetherapie. Ich habe da natürlich über Gefühle gesprochen, aber ich ich bin in diese Gefühle nicht mit meinem gesamten Empfinden und Erleben eingestiegen. So war das dann für mich zu oberflächlich. Ich bin da nicht weitergekommen.

    Zu deiner Frage, ob diesen Methoden zu einer veränderten (Körper-)Wahrnehmung führen:

    Nun kenne ich nicht alle Methoden. Ich kenne einen kleinen Ausschnitt. Ich bin bei einer Therapeutin, bei der Somatic Experience nach Peter Levine eine wichtige Rolle spielt. Ich habe sie mir genau deshalb ausgesucht. Die Körperwahrnehmung verändert sich auf jeden Fall. Der Körper wird nach und nach zu einer positiven, kraftvollen Ressource und ist nicht nur ein Ort des Schmerzes (Migräne!) und etwas, das einfach funktionieren und einen durchs Leben tragen soll (uff, schwer zu beschreiben).

    Es geht darum, im Körper alle Gefühle zuzulassen, keine Gefühle wegzudrücken; auch sehr intensive Gefühle zuzulassen (Traurigkeit, Freude, Hass, Neid, Scham, Wut …). Damit das möglich ist, lernt man bei einer körperorientierten Traumatherapie auch, wie man sich selbst über den Körper stabilisiert, wie man den Körper nutzen kann, damit es der Seele gut geht.

    Und damit landet man wieder beim Windows of Tolerance: Was kann ich selbst tun, damit ich nicht so oft in die Untererregung oder Übererregung komme, sondern im Normalbereich bleibe? Was kann ich tun, wenn ich mich aus dem Fester rauskapituliert habe, um wieder in den Normalbereich zu gelangen?

    So in etwa. Ich hoffe, dir hilft das weiter.

    Lieben Gruß
    die Regenbogen

    regenbogen68
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    Beitragsanzahl: 1749

    Liebe Brain,

    danke für deinen Kommentar. Du hast dich in das Thema „Trauma“ auch ganz schon eingearbeitet.

    Zunächst möchte ich gerne zu deinem Satz

    Ich finde die Vorstellung, dass Migräne durch Traumata verursacht würde, generell auch viel zu vereinfacht.

    etwas sagen, denn er zeigt, dass das, was ich ausdrücken wollte, offenbar unklar war.

    Wenn man unter „Migräne“ die angeborene Übererregbarkeit des Gehirns versteht, also die Erkrankung, dann bin ich absolut bei dir. Auch ich sehe keinen Zusammenhang zwischen Traumata und der Erkrankung als solche. Traumata lösen nicht die Erkrankung aus. Die bekommen wir einfach so bei der Geburt mitgeliefert.

    Wenn man unter „Migräne“ die Migräneschmerzen, die Kopfschmerzen, also die Symptome der Erkrankung versteht, dann, nur dann ist ein Zusammenhang möglich. Traumata können zu Veränderungen im Gehirn und zu einer Emotionsregulationsstörung führen (nochmals der Hinweis auf das Windwos of Tolerance).

    Und der Migräneschmerz ist ein Zustand der Übererregung. Das ist der Zusammenhang auf den ich hier hinweisen wollte. Und dass seelische Vorgänge bzw. Emotionen (Stress, Angst, Trauer, aber auch starke Freude) Migräne auslösen können, wissen wir alle.

    Den Grundgedanken, dass sich eine verdrängte seelische Wunde zwangsläufig in einer körperlichen Erkrankung manifestieren muss, Den Grundgedanken, dass sich eine verdrängte seelische Wunde zwangsläufig in einer körperlichen Erkrankung manifestieren muss, finde ich furchtbar vage …

    Da bin ich ganz bei dir. Das ist nicht nur vage, sondern ein Rückschluss der auch meiner Meinung nach falsch ist. Seelische Wunden können sich in körperlichen Symptomen ausdrücken, müssen es aber nicht.

    Ich kann im Detail nicht sagen, wo wie intensiv geforscht wird. Wenn ich aber Bessel van der Kolks Buch über „Verkörperter Schrecken. Traumapsuren in Gehirn und Körper und wie man sie heilen kann“ lese, habe auch ich den Eindruck, dass die USA weit voran liegen. Wie du richtig schreibst, waren die Vietnamveteranen der Anlass, intensiv zu forschen. Van der Kolk gibt einen guten Überblick über den Fortgang der Traumaforschung. Besonders interessant habe ich den Abschnitt gefunden, in dem er darlegt, wie beeindruckend das für ihn war, als man Traumatisierungen erstmals im Gehirn sichtbar machen konnte.

    Zu dissoziativen Identitätsstörungen kann ich nichts sagen. Damit kenne ich mich nicht aus. Re-Traumatisierungen sind der mega Gau. Deshalb gehört die Behandlung in erfahrene Hände. Sonst denke ich, dass mehr möglich ist, als nur ein guter Umgang mit Symptomatiken einer Traumatisierung.

    Und ja, deinen Hinweis, dass etwa Depression eine verständliche Reaktion auf schlimme Lebensereignisse sein kann, finde ich extrem wichtig. Ich finde, dass das viel für Betroffene ändert. Die Depression kommt oft nicht irgendwo aus dem Himmel irgendwo daher, sondern hat ihre Ursache.

    Was kommt, werden wir sehen. Und Klassifizierungen ändern sich. Sie sind nicht fix. Und haben auch ihre Grenzen.

    Danke für deinen Input!

    Lieben Gruß
    die Regenbogen

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 months, 1 week von regenbogen68.
    regenbogen68
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    @Sternchen, alles gut, danke. Keine Sorge, ist bei mir richtig angekommen.

    regenbogen68
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    Liebe Julia,

    ich denke, eine normale liebevolle Erziehung durch normale, also nicht superperfekte, Eltern hinterlässt ganz sicher Spuren, aber ob man da als Migräniker jetzt auf die Suche gehen muss?

    Nein, liebe Julia, darum geht es nicht. Hier geht es um emotionalen Missbrauch, der tiefe Einschnitte hinterlassen kann und nicht um Eltern, die einfach nicht ganz perfekt sind (denn perfekte Eltern gibt es nicht).

    Und in keinem meiner Posts steht, dass Migräniker grundsätzlich in ihrer Vergangenheit nach Ursachen suchen sollen. Da kommt jetzt doch einiges durcheinander in der Nuancierung.

    Lies doch vielleicht noch meine Antwort auf Alchemillas Post oben.

    regenbogen68
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    Liebe Alchemilla,

    danke für deine offenen Worte. Ich denke, man muss auch nicht so in die Tiefe gehen.
    Es ist und bleibt ja ein Migräneforum.

    Alles, was du an Wandlungen abseits der Migräne beschreibst, erlebe ich auch so, allerdings erlebe ich es auch so, dass sich Glaubenssätze ganz Tief im Inneren verändern lassen.

    Mir war es ein Anliegen, das Thema hier einmal anzusprechen. Wer Migräniker ist, an eine Psychotherapie denkt und ahnt, dass in der Kindheit einiges nicht gut war, der könnte sich eine Therapieform suchen, die nicht körpferfern arbeitet, die auf Traumata ausgerichtet ist und tiefenpsychologisch orientiert ist. Und dann einfach schauen, was sich tut.

    regenbogen68
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    @Flummi, hallo! Ich möchte dir auch gerne antworten.

    Warum sollte ich dir deinen Kommentar übel nehmen? Ich bin eine erwachsene Frau, die sich hier gerne austauscht.

    In deinem Post vermengen sich verschiedene Dinge, die ich hier nicht alle auseinanderdröseln kann.

    Was mir aber spontan eingefallen ist, als ich deine Nachricht gelesen habe:

    Nein, eine tiefenpsychologisch orientierte Therapie kann niemals eine Migränpropyhlaxe sein. Sie ist nur sinnvoll, wenn jemand traumatisiert wurde. Wenn derjenige auch noch zusätzlich Migräniker ist, kann sich so eine Therapie auch auf die Migräne positiv auswirken. Migräne ist eine angeborene Übererregbarkeit des Gehirns und traumatisierte Menschen haben eine Emotionsregulationsstörung. Traumata hinterlassen Spuren im Gehirn.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 months, 1 week von regenbogen68.
    regenbogen68
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    @Sternchen, hallo, ich freue mich, dass auch du dich zu Wort meldest.

    Zur Sicherheit erst kurz nochmals der Hinweis, dass der korrekte Ausdruck „Entwicklungstrauma“ und nicht „Erlebnistrauma“ lautet.

    Du fragst, ob ich einen Austausch zu dem Begriff hier erwartet hätte. Ja, genau genommen schon. Oder besser gesagt: Ich erstaunt, dass das Thema in diesem altehrwürdigen Forum, mit so vielen engagierten und erfahrenen Mitliedern, zum Thema „Entwicklungstrauma“ keinen einzigen Treffer liefert!

    Zum Thema „Trauma“ finden sich ein paar Einträge, die sich aber vor allem auf Schädel-Hirntraumata etc. beziehen, also auf eine ganz andere Form der Traumatisierung.

    Auf das Thema „Migränepersönlichkeit“ möchte ich hier nicht eingehen. Das ist für mich (und wie ich sehe, auch für dich) sehr unergiebig und wurde hier schon zigfach diskutiert. Ich sehe da auch keinen Bezug zu Entwicklungstraumata.

    Mir geht es um die doch deutlich unterschätzen Folge