• Dies ist unsere Gruppe zum Migräne- und Kopfschmerz-Chat und sie funktioniert folgendermaßen: Um ca. 12:00 Uhr des jeweiligen Chat-Tages wird die Kommentar-Funktion aktiviert. Will man eine Frage eintragen, k […]

    • Sehr geehrter Herr Prof Göbel!

      Ich habe seit dem 13.LJ Migräne, bin jetzt 58 und musste die Erfahrung machen, dass nach der Uterus/Ovarentfernung mit 50 die Migräne heftiger wurde. Anfälle bis zu 10 Tagen , wo die Seiten wechseln und nach ca 3 Tagen auch Triptane nicht mehr wirken. Vor 3 Jahren hatte ich eine SVT Sinus sagittalis u transversus li, ein Jahr Marcoumar, dann abgesetzt. Zusätzlich hatte ich danach ca sechs Monate heftigste Hinterkopfschmerzen mit Schwindel und Übelkeit und Konzentrationsstörungen, seither Berufsunfähigkeitspension , im letzten Jahr wieder geringe Seminartätigkeit. Es ließ dann nach, aber geblieben sind- zusätzlich zur bekannten Migräne- Attacken die im Hinterkopf beginnen, oft so heftig sind, dass ich glaube , wieder eine Thrombose zu haben, nur kurz auf Triptane (nur Relpax) leichter werden und sehr lange dauern Manchmal habe ich seither schon Suizidgedanken. Zusatzdg: chron PTSD

      BITTE : handelt es sich bei dem neuen KS auch um Migräne? Ev Schmerzgedächtnis nach der SVT?Was kann man da machen?

      Mein Arzt sagt, wir haben alle Intervalltherapien durch, wobei ich auf Topiramit schwer depressiv wurde und auf Betablocker Psoriasis bekomme (stattdessen VS mit Candesartan).
      Botox half nicht, ist allerdings schon ca 10 Jahre her, ein versuch es in den Sternocleidomastoideus zu injizieren, brachte außer einer vorübergehenden Lähmung nichts. Gepante wurden schon während der Studie beendet (Leberwerte)
      Amitryptilin wurde vor einigen Jahren durch Cymbalta ersetzt.
      Prof Pinsger (Orthopäde) versuchte CT gezielte Infiltrationen mit Cortison, Xylo und Opiaten C1-C7 und n.occip., wurde nach der Thrombose verboten. Den Vorschlag Cannabinoide zu nehmen, habe ich damals abgelent aus Angst vor Psychose und Depression.

      Vot 2 Jahren habe ich in der Klinik Chiemseeblick einen Triptan- und Opiatentzug gemacht, danach war es einige Monate leichter.
      Seit der Thrombose habe ich auch einen schwankenden Bluthochdruck, der von 90/70 auf 180/120 springen kann ohne für mich ersichtliche Ursache.

      Medikation zZ: Cymbalta 60mg, Candesartan 16mg,Procorolan 5mg. Bin seit 4 Wochen Triptanfrei (auf eigene faust)
      Letzter Versuch: Simvastatin/D3 verschlimmerte die Symptome.

      Jetzt soll ich eine Eumitan-Dauertherapie machen und habe große Angst . Man soll doch die Triptane nur akut und möglichst wenig nehmen wg MÜK, was passiert dann beim Absetzen und muss ich ein Serotoninsyndrom fürchten? Ich kenne niemanden der das nimmt (mein Arzt kennt noch 2 Pat. damit) und finde auch keine Studien.
      Bitte können Sie mir raten?
      Ich lebe in Österreich, wollte auch schon nach Kiel kommen, schaffe es aber nicht, mich so lange von meinem Therapiehund zu trennen und habe auch niemanden dafür.
      Wenn Sie es für sinnvollhalten und es möglich ist, ein ambulantes Grspräch mit Ihnen zu führen, setzte ich mich in den Nachtzug (Fliegen wurde mir auch verboten)

      Bitte verzeihen Sie mir das lange mail, ich weiß echt nicht weiter.

      Mit ganz herzlichen Grüßen

      Martina Sendera

      • Liebe Martina,

        aufgrund Ihrer Schilderungen ist der Dauerkopfschmerz auf die Sinusvenenthrombose mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückzuführen. Er ist ja zeitlich nach diesem Ereignis neu aufgetreten. Auch die Begleitsymptomatik mit Schwindel, Übelkeit und Konzentrationsstörungen sprechen dafür. Diese ist erfreulicherweise abgeklungen, die bei Ihnen bereits seit dem 13. Lebensjahr bekannten Migräneattacken bestehen weiter und haben nach Ihrer Schilderung anscheinend an Intensität und Häufigkeit mehr zugenommen. Dies ist bei einem entsprechenden Ereignis möglich. Oft liegt eine erhöhte Sensitivität von Hirnstrukturen aufgrund der Sinusvenenthrombose zugrunde. Notwendig ist eine umfangreiche Behandlung zur Reduktion der hohen Empfindlichkeit, intensive verhaltensmedizinische Therapieverfahren sowie ggf. auch medikamentöse Behandlungsverfahren.

        Wichtig ist natürlich auch hier, dass Sie die 10-20-Regel einhalten, damit nicht ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz die Häufigkeit und Intensität der Migräne verstärkt.

        Eumitan enthält Frovatriptan. Es ist für eine Dauertherapie, insbesondere zur Vorbeugung, nicht zugelassen. Wie Sie schreiben, ist davon auszugehen, dass im Gegenteil die Kopfschmerzhäufigkeit weiter ansteigen wird und auch möglicherweise zusätzliche Nebenwirkungen entstehen. Leitliniengerecht ist diese Behandlung nach meiner Auffassung nicht.

        Bitte informieren Sie sich einmal auf der Hompage der österreichischen Kopfschmerzgesellschaft über Kopfschmerzexperten in Ihrer Nähe. Aufgrund der komplexen Gesamtsituation mit den zahlreichen Begleiterkrankungen wäre es sicherlich hilfreich, wenn Sie möglichst in Ihrer Region einen Kopfschmerzexperten dauerhaft finden. Weitere spezielle Fragen könnten dann möglicherweise in Zusammenarbeit erörtert werden.

        Freundliche Grüße
        Hartmut Göbel

        • Bitte was meinen Sie mit Verhaltensmedizinischen Therapieverfahren? Kennen Sie in Österreich (Wien Umgebung) jemanden, den Sie mir empfehlen können? DANKE!!!

          • Verzeihung, hab zu früh gedrückt- bitte welche medikamentösen Behandlungsverfahren?? Mein Arzt sagt, es fällt ihm nichts mehr ein (AKH Wien/Kopfschmerzambulanz), ganz liebe Grüße aus Österreich

            • Liebe Martina, mit Verhaltensmedizin sind Verhalten, Entspannungsverfahren, Regelmäßigkeit im Alltag usw. gemeint. Zu den verschiedenen Behandlungsverfahren kannst Du Dich auch auf der Homepage der Schmerzklinik Kiel belesen. Und/oder bei uns hier im Headbook austauschen. 😉
              Liebe Grüße
              Bettina

    • Lieber Professor Göbel,

      was können Sie zur EMDR-Therapie bezogen auf chronische Kopfschmerzen/Migräne sagen? Wüssten Sie ggf. eine Adresse?

      Vielen Dank!
      kopflotte

      • Liebe Kopflotte,

        bei der EMDR-Therapie handelt es sich um den Versuch einer Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen. Es handelt sich um psychotraumatologische Behandlungsmethode für traumatisierte Personen. Diese Behandlungsform liegt außerhalb unseres Spezialgebietes. Sie können sich im Internet umfassend dazu belesen und auch Adressen finden.

        Freundliche Grüße
        Hartmut Göbel

    • Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Göbel,

      danke, dass Sie hier Fragen beantworten.

      Mein Mann ist chronischer Clusterkopfschmerz-Patient. Die aktuelle Episode mit mehreren Attacken täglich (3-4) dauert seit Juni an. Die Attacken kupiert er überwiegend erfolgreich mit Sauerstoff und/oder Imigran.
      Er nimmt seit Jahren täglich prophylaktisch Verapamil an der Dosierungshöchstgrenze und hat jetzt, um die aktuelle Episode zu beenden, folgendes probiert:

      ca. 2xtäglich Sumatriptan in Tablettenform (zwei Wochen lang) als zusätzliche Prophylaxe
      eine ambulante Kortison-Therapie (Tabletten)
      zwei stationären Aufenthalte in der Neurologie des westdeutschen Kopfschmerzzentrums in Essen im Abstand von drei Wochen zur Infiltrationstherapie und jeweils zwei Ketamin-Infusionen pro Aufenthalt.
      außerdem ‚gammacore‘ und ‚Amerikanische Chiropraktik‘.

      Leider hat keine der Therapien Wirkung gezeigt.

      Er bat mich deshalb Ihnen folgende Fragen zu stellen:

      1. Kann es sein, dass sich eine Episode beim Cluster durch den Übergebrauch von Imigran und Sumatriptan verlängert?

      2. Hemmt die Sauerstoff-Inhalation die Wirkung von Sumatriptan?

      3. Was könnte noch helfen, eine Episode zu durchbrechen?

      4. Stimmt es, dass Venlafaxin mittlerweile bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen eingesetzt wird?

      5. Ist es richtig, dass Kortison in Tablettenform die gleiche Wirkintensität hat wie Kortison-Infusionen?

      6. Kann es bei Clusterkopfschmerz-Patienten zu medikamenteninduziertem Kopfschmerz kommen?

      Ich hoffe, das sind nicht zu viele Fragen. Bitte entschuldigen Sie, falls doch. Wir wissen uns einfach keinen Rat mehr.

      Herzliche Grüße

      Johanna Svensson

      • Liebe Frau Svensson,

        es ist nicht anzunehmen, dass sich eine aktive Periode bei Clusterkopfschmerz durch den Dauergebrauch von Imigran oder Sumatriptan verlängert. Bei schwer einzustellenden Clusterkopfschmerzen kann es im Einzelfall notwendig sein, eine Dauereinstellung mit einem Triptan zu erwägen.

        Die Sauerstoffinhalation hemmt die Wirkung von Sumatriptan nicht.

        Beim Clusterkopfschmerz gibt es verschiedenste Möglichkeiten der Vorbeugung. Sicherlich wird man Ihnen diese im Kopfschmerzzentrum eröffnet haben. Nähere Einzelheiten finden Sie auf unserer Homepage unter dem Menüpunkt „Clusterkopfschmerz-Wissen“.

        Venlafaxin wird bei begleitender Depression auch bei Clusterkopfschmerzen verwendet. Auf den Clusterkopfschmerz selbst hat es keinen bisher nachgewiesenen Effekt.

        Kortikoide werden in unterschiedlicher Darreichungsform und auch in verschiedener Wirkstärke eingesetzt. Ein direkter Vergleich ist daher nicht möglich. Bei intravenöser Gabe kann eine schnellere Wirksamkeit erzielt werden. Auch kann die Dosis durch die hohe Konzentration zu einer höheren Wirksamkeit führen.

        Bei Patientin, die ausschließlich an einem Clusterkopfschmerz leiden, sind in aller Regel keine medikamenteninduzierten Kopfschmerzen zu erwarten. Besteht bei den Patienten jedoch zusätzlich ein anderer primärer Kopfschmerz, wie z. B. Migräne, kann zusätzlich eine Kopfschmerzfrequenzsteigerung dieser Kopfschmerzen entstehen.

        Freundliche Grüße
        Hartmut Göbel

    • Lieber Herr Professor Göbel,
      danke das ich die Möglichkeit habe, Ihnen eine Frage zu stellen.
      Kurz zu mir. Ich hatte vor 5 Jahren sehr starke Schwindelanfälle, weil ich mich im Bett gereckt hatte. Da hatte ich sich wohl etwas am Atlaswirbel verrenkt und ich wurde dann leider mehrfach eingerenkt. In dieser Zeit hatte ich keinerlei Migräne mehr, wie ich sie kannte, dafür dann 3 Jahre mit starkem Benommenheitsschwindel zu tun, der von den Ärzten immer auf den verschobenen Atlas geschoben wurde. In der ersten Zeit hatte ich auch ein starkes instabil Gefühl an der HWS. Gott sei dank beruhigte sich alles soweit und die normale Migräne kehrte nun ca. 2 Jahre zurück. Meist immer beginnend mit starkem Benommenheitsschwindel.
      Letztes Jahr im Oktober wurde die Migräne wieder schlimmer und ich wurde wieder eingerenkt und bekam eine Woche danach einen Bandscheibenvorfall in der HWS C4/C5. Eine Reha folgte mit mäßigem Erfolg. Auch häufte sich massiv die Migräne mit stärkerem Benommenheitsschwindel und die starken Nackenschmerzen. Ich stellte für mich fest das der Bandscheibenvorfall an sich nicht mehr das Problem war. Es kam eher wieder zu dem starkem instabil Gefühl an dem Atlaswirbel, die Schmerzen und der Druck lagen viel weiter oben, als der Bandscheibenvorfall, wo dann leider wieder manipuliert wurde. Es war ein Teufelskreis, alle sagten mir die Migräne kommt davon. :o(
      Eine Ärztin brachte mich dann auf die Diagnose Dancing Dens, er auch durch ein Funktionsröntgen dargestellt werden konnte. Dieser wurde dann weiterhin mit Krafttraining, was ich in der Reha bereits gelernt hatte und hochdosiertem B12 in Spritzenform behandelt. Dies half dann auch endlich und verschaffte mir neue Lebensqualität, auch die Gewissheit, die Nackenschmerzen sind Teil der Migräne.
      Daher nun meine Frage, kann es sich das sich durch die ständige Reizung des Dens sich meine Migräne deswegen verstärkt oder es dadurch triggert? Da ist doch auch der Trigenimus in der Nähe, oder?
      Ich habe im Dezember einen Termin bei Dr. Heinze bei Ihnen in der Schmerzklinik, wo ich dann alle Unterlagen mitbringen werde.
      Durch Headbook, der Migräne Community und der lieben Bettina und Charlie konnte ich schon einiges selbst verbessern. Ich nehme zur Prophylaxe Migravent Classic, und benutze 2 mal täglich Cefaly und konnte so meine Anfälle dämpfen und auch reduzieren sodass ich auf zur Zeit 6-8 von ursprünglich 12-14 Einnahmetage komme und viele( Schmerztage bis zur 18 im Monat) t nicht behandeln muss. Dies ist schon auch großer Erfolg und ich kann besser damit umgehen, da meine Migräne zur Zeit sehr viel „im Nacken sitzt“ Auch ist der starke Benommenheitsschwindel eher seltener geworden seitdem ich manchmal bis zu 1200mg Magnesium nehme.
      Vielen Dank für Ihre Antwort und einen schönen Tag.
      Angi

      • Liebe Angi,

        Migräne ist eine eigenständige primäre Kopfschmerzerkrankung. Sie ist auf nichts anderes zurückzuführen. Vielmehr sind eigenständige Mechanismen für ihre Entstehung verantwortlich. Grundlage ist eine genetisch bedingte Risikobereitschaft, die ein Leben lang besteht. Ein verschobener Atlaswirbel, ein Bandscheibenvorfall oder ein tanzender Dens sind nicht für Migräne verantwortlich. Immer wieder wird das Bedürfnis, nach einer Ursache zu fragen und eine zu finden, damit befriedigt, dass vermeintliche verantwortliche andere Erkrankungen für die Migräne Bedingung sind. Dies ist nicht der Fall. Bedauerlicherweise entstehen bei der Behandlung dieser vermeintlichen Ursachen zahlreiche Komplikationen. Dazu gehören leider auch schwerwiegende Verletzungen an der Halswirbelsäule oder an den hirnversorgenden Arterien, die zum Teil lebensbedrohlich sind. Einrenkungen und andere Manipulationen sollte man daher nicht vornehmen lassen. Gerade solche Manöver können auf die Dauer Komplikationen bedingen und Schmerzen verursachen.

        Der von Ihnen jetzt eingeschlagene Weg ist der Richtige. Man muss sich auf die Behandlung der Migräne selbst konzentrieren und diese als eigenständige Erkrankung aufnehmen. Nur dann kann man zielgerichtet gegen sie wirksame Behandlungen finden.

        Freundliche Grüße
        Hartmut Göbel