Dies ist unsere Gruppe zum Migräne- und Kopfschmerz-Chat und sie funktioniert folgendermaßen: Um ca. 12:00 Uhr des jeweiligen Chat-Tages wird die Kommentar-Funktion aktiviert. Will man eine Frage eintragen, klickt man in das Fenster der Kommentarfunktion. Hat man eine Frage eingetragen, sieht man unter seinem Beitrag “Antworten”. Diese Antwortfunktion benutzt Prof. Göbel, um die Antwort auf die vorherige Frage einzustellen. Prof. Göbels Antwort ist dann ein wenig eingerückt und unterscheidet sich daher auch optisch von den Fragen. Sollte der Fragesteller zum selben Thema noch eine Folgefrage haben, bitte auch auf “Antworten” klicken – aber nur dann! Sonst bitte immer in das Kommentar-Fenster schreiben. Nach dem Chat wird die Kommentar-Funktion wieder deaktiviert bis zum nächsten Chat-Tag. Alle Fragen und Antworten bleiben in diesem Blog erhalten und bestimmte Themen können jederzeit mit der Such-Funktion wiedergefunden werden. Alle Aktionen werden am Chat-Tag auch auf der Startseite des Headbook aufscheinen.
Fragen können nur am jeweiligen Chat-Tag ab 12:00 Uhr eingetragen werden. Bitte immer auf das aktuelle Datum in der Überschrift achten, das unter “Live-Chats” eingetragen ist.
Sehr geehrter Herr Göbel!
Vielen Dank, dass wir hier die Möglichkeit haben Fragen zu stellen.
Im Juli letzten Jahres war ich bei Ihnen wegen einer chronischen Migräne in Behandlung. Leider hat die empfohlene Prophylaxe Trimipramin (mittlerweile bei 75 mg )nicht ausreichend geholfen.
Auch die Änderung des Lebensstils mit Ausdauersport , PMR , kohlenhydrahtreiche Ernährung, weniger Arbeiten etc. brachte keine Verbesserung.
Pro Monat habe Ich ca 16 Migränetage mit langandauernden Attacken von 3 Tagen . Triptane (Ascotop/Naratriptan) wirken nur eine gewisse Zeit, so dass Ich mit Wiederkehrkopfschmerz zu kämpfen habe. Im Schnitt nehme ich an 7-8 Tagen Triptane
An Medikamenten habe ich mittlerweile in den letzten 25 Jahren einiges mit wenig Erfolg ausprobiert: Metoprolol Topiramat Valpoat Amitriptylin Doxepin Venlafaxin Botox
Flunarizin war oft hilfreich brachte aber auch jetzt in Kombination mit Trimipramin keine Besserung.
Was könnten Sie mir noch als Medikation empfehlen um die Häufigkeit der Migränetage zu reduzieren.
Vielen Dank für die Mühe der Beantwortung
Liebe Anni,
gerade bei komplexen chronischen Verläufen ist es erforderlich, dass nichtmedikamentöse Therapien sehr konsequent durchgeführt werden. Planungen des Tagesrhythmus, Regelmäßigkeit, Stressreduktion, Entspannungstrainings, geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus, sachgerechte Ernährung und viele andere Maßnahmen sind erforderlich. Die Wirkung dieser Maßnahmen kann durch kein vorbeugendes Medikament ersetzt werden. Es ist gut, dass die eingesetzten Triptane wirken. Wiederkehrkopfschmerzen können bei ca. 30 und mehr Prozent der behandelten Attacken auftreten. Das bedeutet nicht, dass das Triptane nicht wirkt, in der Regel ist einfach die Wirkzeit verbraucht und es muss eine Wiederholung der Einnahme erfolgen. Sehr gut ist, dass Sie die 10-20-Regel einhalten können und Triptane an 7-8 Tagen pro Monat verwenden. Bedauerlicherweise lassen vorbeugende Behandlungen eine Reduktion der Migränetage pro Monat nur in geringem Umfang erwarten. Im Mittel beträgt dies ca. 1-3 Tage im Monat. Dies bedeutet nicht, dass im Einzelfall deutlich mehr Tage durch vorbeugende Medikamente reduziert werden können, aber ein Mittelwert sagt aus, dass im Durchschnitt eben nur eine begrenzte Reduktion der Migränetage pro Monat zu erwarten ist. Man diese realistische Bewertung kennen, um den Behandlungseffekt zu bewerten.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
Anfang März musste ich eine Medikamentenpause machen, da akuter MÜK bestand. Nun versuche ich die Migräne unter Kontrolle zu bekommen, in dem ich, wie empfohlen, Magnesium 250g 1x am Tag und Candesartan einnehme. Nun habe ich viel darüber gelesen, und das es helfen soll, man nimmt mindestens 600 mg Magnesium, und dazu auch Vitamin B2. Ist das so korrekt und könnte ich langsam die Magnesium Dosis erhöhen? Und dazu um Migräneanfälle zu reduzieren, B2 einnehmen?
Vielen Dank für Ihre Hilfe und Antwort
Liebe Grüsse,
Liebe Kieler Sprotte,
die von Ihnen genannten Dosierungen müssen im Einzelfall nicht so durchgeführt werden. Die Dosierung muss je nach individueller Situation, insbesondere Körpergröße und Körpergewicht angepasst werden. Die kombinierte Gabe von Magnesium und Vitamin B2 kann prophylaktisch eingesetzt werden. Sollten unter Magnesium Nebenwirkungen wie z.B. Darmgeräusche oder wässriger Stuhl oder gar Durchfall auftreten, sollte eine Reduktion oder ein Aussetzen der Behandlung erfolgen. Die Magnesiumspeicher sind dann aufgefüllt und die weitere Gabe ist aktuell nicht zielführend.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
auch ich habe eine Frage zu Aimovig. Mir hilft die Spritze sehr, sehr gut, ich habe ca. 2/3 weniger Migräne! Allerdings habe ich jetzt seit 3 Wochen eine Dauerblutung. Ich nehme die Jubrele (Cerazette) und hatte schon lange keine Periode mehr. Sehen Sie hier einen Zusammenhang?
Vielen Dank für Ihre Hilfe.
Liebe Gsrot,
ob ein Zusammenhang zwischen den von Ihnen beschriebenen Symptomen und der Behandlung mit Aimovig besteht, ist offen. Lassen Sie sich zunächst eingehend frauenärztlich beraten und untersuchen.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Liebe Herr Prof. Göbel,
danke, dass Sie sich die Zeit nehmen, um uns Migränegeplagten wertvolle Tipps zu geben.
Am 28.März 2019 habe ich zum fünften Mal „aimovig 140mg“ gespritzt bekommen. Die Wirkung hat sich nach den ersten beiden Monaten gesteigert, sodass ich nur noch ca. halb so viel Migränetage habe wie vorher.(Statt durchschnittlich 20 jetzt knapp 10) Ein toller Erfolg und eine große Erleichterung.Das einzige Problem ist, dass die Triptane(habe verschiedene probiert) in den ersten und letzten Tagen der Spritzenwirkung(besonders die ersten Tagen nach der Spritze habe meistens starke Migräneanfälle) nicht mehr wirken. Ich nehme dann(mit sehr schlechtem Gewissen) 800mg Ibuprofen einmalig am Tag, was gut wirkt.Da mein Kreatininwert leicht erhöht ist, habe ich Ibuprofen in den letzten Jahren vermieden. Seid Aimovig nehme ich 800mg(weniger wirkt nicht) so 5 bis 6 mal im Monat.
Meine Frage: Gibt es ein ähnlich stark wirkendes Medikament, das sich nicht negativ auf die Nierenwerte auswirkt?(Leberwerte sind top)
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Liebe Grüße
Maria
Liebe Maria,
die Beobachtung, dass unter der Behandlung mit CGRP-Antikörpern die Triptane weniger effektiv wirken, wird auch von anderen Patienten im Einzelfall berichtet. Eine Alternative zu Ibuprofen zur Akuttherapie könnte z.B. Novaminsulfon sein, dies muss vom Arzt verordnet werden.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Guten Tag, Professor Göbel,
ich leide seit Jahrzehnten unter Migräne, die sich im Laufe der Zeit auch immer wieder verändert hat. Derzeit habe ich im Schläfenbereich (wechseitig) 4 bis 5 mittlere Attacken ohne Aura im Monat, die ich mit Zolmitriptan + Naproxen gut behandeln kann.
Seit geraumer Zeit beobachte ich aber, dass sich an den migränefreien Tagen an den Schläfen meine Adern „aufblähen“ (so fühlt es sich jedenfalls an. So, wie wenn jemand mit dem Fuß auf einem Wasserschlauch steht.) Es ist kein richtiger Schmerz, schlägt aber auch hier und da zu einer Migräneattacke um. Ich bin irritiert. Um was handelt es sich hier bzw. was kann ich dagegen tun? Das wäre meine 1. Frage.
Frage Nr. 2: Als Prophylaxe habe ich eine erfolglose Therapie mit Doxepin und eine ebenso erfolglose Betablocker-Therapie (Metoprolol plus zeitw. Flunarizin) hinter mir. Meine Ärztin hat mir nun zu Topiramat ( 25mg, ab 2. Wo. morgens und abends jew. 1 Tabl.) geraten. Allerdings haben mich die vielen Nebenwirkungen lt. Beipackzettel bislang davon abgehalten. Wie ist Ihr Rat?
Frage Nr. 3: Ich habe gelesen, dass man mit zunehmendem Alter (ich bin jetzt 66) nicht mehr Zolmitriptan als Akutmedikament einsetzen soll/darf. Stimmt das?
Dann wäre ich echt aufgeschmissen, denn Asperin, Ibuprophen & Co. helfen mir nicht wirklich. (Anmerkung: Ich leide nicht unter Bluthochdruck. Auch sonst geht es mir körperlich soweit gut.)
Ich bedanke mich schon jetzt für Ihre Bemühungenund freue mich auf Ihre Antwort.
Herzliche Grüße
Liebe/lieber A.M.,
bezüglich Ihrer ersten Frage wäre es ratsam, sich ärztlich untersuchen zu lassen und insbesondere den Blutdruck langfristig kontrollieren zu lassen.
Der Einsatz eines bestimmten vorbeugenden Mittels hängt von der Gesamtkonstellation ab. Die Wirkung kann auch nur dann beurteilt werden, wenn die Dosis im Verlauf bekannt ist und eine ausreichende Zieldosis erreicht wird. Andererseits sind Migräneprophylaktika nicht bei jedem Patienten wirksam und eine Umstellung und Austestung verschiedener Wirkstoffe ist sehr häufig erforderlich.
Es trifft nicht zu, dass man mit zunehmendem Alter das Triptan nicht einnehmen darf. Die Firmen informieren darüber, dass keine Sicherheitsdaten für Patienten über 65 Jahre zur Verfügung stehen und dürfen daher den Einsatz ihres Medikamentes nicht empfehlen. In der einzelnen Behandlungssituation sind jedoch Patient und Arzt frei, eine Behandlung zu erwägen.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
ich würde gerne wissen, ob mit zunehmender Einnahme von Naratriptan (2,5 mg) eine Gewöhnung an die Dosis geschieht, die die Wirkung vermindert (Kopfschmerzen bekämpft). Über ca. 6 Jahre hatte ich nie Probleme mit Naratriptan, ich brauchte die Rizatriptan/Maxalt Lingua nur bei sehr starken Kopfschmerzen mit extremer Übelkeit. Beim Naratiptan habe ich Vomex A 75 als Zäpfchen zur Bekämpfung der Übelkeit. Die Gesamtmenge an Tabletten pro Jahr schätze ich auf 3 Stück Rizatriptan 10 mg und 15 Stück Naratriptan 2,5 mg. Das war für mich eigentlich in Ordnung.
Seit ca. 5 Tabletten (ca. 1 bis max. 2 Tabletten pro Monat) ist keine Verbesserung des Migräne-Kopfschmerzes mehr feststellbar. Aktuell stelle ich nur mit 10 mg Rizatriptan eine Verbesserung fest.
Liegt das an der Gewöhnung oder hat sich die Art der Migräne verändert? Ich überlege, ob ich überhaupt noch das Naratriptan probieren sollte. Da ich immer nur eine Triptan-Tablette nehme, hilft mir dann ja nichts mehr (höchstens noch eine Tablette Naproxen oder Berlosin). Falls es wichtig ist: Ich bin jetzt 49 Jahre alt und bemerke anhand der Regel, dass meine Hormone völlig schwanken (Wechseljahre: alle 2 bis 3 1/2 Wochen Regelblutung). Auslöser der Migräne ist immer die Regel (und Wetter; in Kombination am sichersten).
Vielen Dank für einen Rat und auch ein herzliches Dankeschön für Ihre Zeit!
Freundliche Grüße von
Dorothea
Liebe Dorothea,
bei der von Ihnen beschriebenen Einnahmehäufigkeit ist nicht davon auszugehen, dass die Wirkung der von Ihnen genannten Triptane abnimmt. Allerdings kann sich die Migräne ändern und es entsteht ein unterschiedliches Ansprechverhalten. Rizatriptan ist im Mittel effektiver als Naratriptan. Möglicherweise haben sich die Migräneattacken verstärkt, so dass Sie eine effektivere Behandlung erfordern.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Lieber Herr Professor Göbel,
gibt es schon Erfahrungen damit, ob man, wenn Aimovig nicht wirkt, zurück zu Botox wechseln kann? Hiermit habe ich zwar nicht weniger Migränetage (ca. 29-30 pro Monat), jedoch hat die Schmerzstärke abgenommen, so daß ich nicht an allen Tage Akutmedikation einsetzen muß. Meine Neurologen waren sich unsicher, da ich vorher unterschreiben muß, daß alle anderen Prophylaxen nicht oder nicht ausreichend wirken. Ich habe nur Angst, daß ich es jetzt ausprobiere und dann hinterher ohne jede Hoffnung und Hilfe dastehe.
Und falls eine 2. Frage erlaubt ist:
ich war letztens in einer Klinik und habe öfters um Eisbeutel gebeten, die in Ihrer Klinik ja frei verfügbar sind. Dort wurde ich jedoch gewarnt, daß diese einen Schlaganfall verursachen könnten. selbst auf der Schmerzstation dort wurden sie kaum angewandt. Das können Sie doch sicher entkräften?
Vielen Dank und liebe Grüße
frechdächsin
Liebe Frechdächsin,
tatsächlich wird die Wirtschaftlichkeit von Aimovig heute erst dann gesehen, wenn man auf andere Behandlungsoptionen nicht ausreichend anspricht. Daher ist es widersprüchlich, wenn man einerseits aufgrund nicht hilfreicher Behandlung mit Botox zu Aimovig wechselt und dann anschließend wieder die Behandlung mit Botox weiterführt. Die Unsicherheit Ihrer Neurologin ist daher verständlich. Daher muss im Einzelfall sehr sorgfältig überlegt werden, ob eine Umstellung begründet ist.
Eisbeutel stehen nicht im Verdacht, einen Schlaganfall zu verursachen.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
am 09.04. steht die nächste Botox-Behandlung an. Zu meinem Schmerztherapeuten, der diese verabreicht, habe ich leider kein Vertrauen. Die letzte Injektion war die Hölle. Er spritze 23 mal und meinte, dass er noch Spritzen übrig habe und fragte mich, wo ich noch welche haben möchte.Vorher hat er an Stellen gespritzt, wo ich noch nie welche bekommen habe. Er meinte beim letzten Termin, dass ich den Stress abbauen solle (befinde mich in einer Weiterbildung mit visuellem Unterricht, bei nur von den Lippen ablesen), und dann wäre die Migräne weg. Mein Vertrauen ist mehr als zerstört. Aber in meiner Nähe finde ich niemanden anderes, da alle untereinander sich austauschen und gesagt wird, da hilft nichts. Ich habe ihn auf Aimovig angesprochen und er meinte, dass er telefonisch Rücksprache mit Dr. Heinze gehalten habe und Kiel dies nicht einsetzt. Ich weiß, dass dies so ja nicht stimmt. Nicht das jemand, der den Chat liest, meint, das gäbe es in Kiel nicht. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, das es nicht von mir stammt und ich nie behaupten würde: in Kiel gibt es das Medikament nicht. Bitte nicht falsch verstehen.
Ich habe nur Bedenken vor meinem nächsten Termin. Da er so gut wie nichts mehr unternehmen möchte, sagt er mir nur: Kiel soll entscheiden. Was kann ich noch unternehmen. Ich liege jedes Wochenende nur noch im Bett, weil ich einfach nicht mehr kann. Die Woche über halte ich mich irgendwie über Wasser. Aber spätestens Freitag nachmittag bin ich völlig am Ende mit der Kraft und kann vor Schmerzen nicht mehr. Dazu kommt dann das ganze Programm der Migräne vollständig raus. In der Woche habe ich auch Migräne. Ich funktioniere quasi nur noch.
Gruß
Kris
Liebe Kris,
Sie beschreiben einen sehr schweren und komplexen Verlauf. Dieser kann nur durch eine eingehende ärztliche Untersuchung zielführend hinsichtlich möglicher Behandlungsoptionen bewertet werden.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
würden Sie jedem geplagten chronischen Migräne-Patienten Erenumab empfehlen oder muss man doch abwägen (70 mg oder 140 mg als Dosis)? Über Langzeitnebenwirkungen ist ja noch nicht so viel bekannt, oder?
Aktuell würden die Krankenkassen bei entsprechender Indikation die Kosten übernehmen. Würde dies dann auch so bleiben, wenn man gute Erfolge mit Erenumab hat oder muss der Patient die Kosten dann selbst tragen? Kann man Erenumab dauerhaft bei Erfolg einnehmen, also mehrere Jahre bzw. Jahrezehnte?
Vielen Dank vorab und einen schönen sonnigen Tag.
Gruß Claudia
Liebe Claudia,
Erenumab ist nicht für jeden geplagten chronischen Migränepatient zweckmäßig. Aktuell bildet sich der Konsens heraus, dass CGRP-Antikörper nur dann eingesetzt werden sollten, wenn andere evidenzbasierte medikamentöse vorbeugende Behandlungen nicht wirksam sind, nicht verträglich sind oder Kontraindikationen vorliegen. Allein aufgrund der Indikation übernehmen die Krankenkassen nicht die Kosten. Die Behandlung muss auch wirtschaftlich sein. Eine erfolgreiche Behandlung mit Erenumab ist dafür kein Beleg. Möglicherweise könnten Sie mit einem preiswerteren Medikament noch bessere Erfolge erzielen. Grundsätzlich gibt es bis heute keine zeitliche Limitierung für den Einsatz.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof.Göbel,
ich werde z.Zt. mit Aimovig behandelt, mit gutem Erfolg. Nun soll ich, wegen erhöhter Cholesterinwerte, die Antikörperbehandlung mit Evolocumab erhalten.
Mein Kardiologe möchte natürlich sein Produkt „verkaufen“, aber ich bin mir nicht sicher, wie sich beide vertragen.
Was können Sie mir raten.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen
Franziska
Liebe Franziska,
über eine kombinierte Therapie mit Antikörpern gibt es keine wissenschaftlichen Daten hinsichtlich der Verträglichkeit und der Wirksamkeit. Mir scheint eine solche Kombination aktuell zu verfrüht.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Guten Tag Herr Professor Göbel,
wenn ich vom Arzt wegen z.B. einer Rückenprellung oder einer akuten Mandelinfektion Ibu oder Etoricoxib AL 90 für einige Zeit verschrieben bekomme, wie soll ich dann die 10/20 Regel einhalten, wenn ich mindestens 5-7 Migränetage habe? Was ist zu tun? Und Gehört Etoricoxib zu den Schmerzmittel?
Danke und herzliche Grüße
Doddo
Liebe Doddo,
die kurzfristige Einnahme von Schmerzmittel bei anderweitigen Erkrankungen ist die Ausnahme von der 10-20-Regel. Ein Übergebrauchskopfschmerz entsteht nicht kurzfristig innerhalb von 14 Tagen, sondern in der Regel entwickelt er sich bei einem Überschreiten der 10-20-Regel über 3 und mehr Monate.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
ich hatte mich in den letzten Jahren schon mal hier gemeldet und Sie konnten mir jedes Mal weiterhelfen, vielleicht auch diesmal:
Die ganze Zeit hatte ich (m, 44, 77kg) meine Migräne soweit im Griff. Mit Beloc-Zok mite 47,5 (1-0-1) und mehrfach PMR pro Woche komme ich auf so 4 (bis manchmal 6) halbwegs erträgliche Migränetage (Akut dann: MCP+Sumatriptan 100+Naproxen 500) im Monat.
Ohne Beloc war ich häufig bei 8 bis 10 Tagen, die ich meist im Bett verbringen musste, also ist das schon eine Besserung. (Zum Topiramat vorher hatte ich schon mal was geschrieben, das war aber der blanke Horror)
Nun nehme ich – verordnet durch meine Therapeutin – seit 4 Wochen wegen einer Angststörung in Verbindung mit einer depressiven Phase Cipralex-Tropfen (=Escitalopram, 7mg pro Tag).
Das Thema Serotininsyndrom durch Triptane und SSRI ist ja im Prinzip keins, schreiben Sie immer wieder.
Wie ist es aber mit dem Rest?
Beloc und Cipralex scheinen sich gegenseitig zu beeinflussen (Erhöhung des Spiegels vom Beloc im Blut um fast Doppelte)
MCP und Cipralex wird auch nicht empfohlen
Meine Therapeutin sieht das eher gelassen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie die Zusammenhänge kennt. Ich hatte die Beipackzettel dabei.
Auch den Zusammenhang der Depressionen und der Betablocker wurden von Hausarzt und Therapeutin nicht gesehen „da hätten die Depressionen gleich kommen müssen und nicht nach 2 Jahren“
Meine Fragen:
1) Ist die Kombi aus Beloc und Cipralex generell problematisch, oder soll ich auf Symptome schauen und notfalls Beloc reduzieren
2) Kann MCP im Migränefall genommen werden, oder gibt’s da mit Cipralex Probleme
3) Wäre es sinnvoll, nach 2 Jahren den BB mal auszuschleichen, und zu schauen, was die Migräne dann macht, oder ist der als Dauermedikation zu sehen? (Aktuell habe ich auch noch untersuchte, wohl harmlose, aber sehr lästige Extrasystolen, so dass ein Kardiologe den BB eher noch erhöhen wollte, was ich aber kreislaufmäßig nicht geschafft habe)
Vielen Dank für Ihre Mühen!
Feuerdorn 97
Liebe Feuerdorn,
die Kombination aus Pille und Cipralex ist nach meiner Erfahrung nicht generell problematisch. Allerdings sollte bei Vorliegen einer Depression eine Behandlung mit Betablocker zurückhaltend erfolgen.
Ein grundsätzlicher Ausschluss der Gabe von MCP bei Cipralex-Einnahme besteht nicht.
Es ist bei stabilem Verlauf zu erörtern, eine Behandlung nach 6-12 Monaten auszuschleichen, um den spontanen Verlauf zu beobachten. Dies sollte jedoch in Absprache mit dem Kardiologen erfolgen.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Guten Tag Herr Prof. Göbel,
inzwischen leide ich täglich meist unter Migräne oder Kopfschmerzen und bin nicht mehr arbeitsfähig.
Seit Nov. 2018 injiziere ich mir vierwöchentlich 140 mg Aimovig. Unter Aimovig habe ich ungefähr 40 % weniger starke Migräne.
Im Februar trat das 1. Mal nach 7 Tagen eine Reaktion an den beiden Einstichstellen auf, nur eine kleine juckende Rötung von ca. 3cm : 5cm.
Im März trat schon nach einem Tag an beiden Einstichstellen eine erhabene Rötung auf, die sich die nächsten 3 Tage auf 20 cm : 15 cm ausweitete. Es bildeten sich Pusteln, brannte und juckte sehr stark, mit einem starken Schmerzgefühl und ein tagelanges Frieren kam hinzu. Auf der Haut bildeten sich Bläschen mit seröser Flüssigkeit, die an der Einstichstelle auf etwa 2Ct-Größe ‚zusammenflossen‘.
Etwa eineinhalb Wochen hat es gedauert, bis die Schwellung und der Juckreiz verschwanden. Der Schmerz und der Juckreiz waren diesmal nur noch schlecht auszuhalten. Behandelt habe ich mit Fenistil-Salbe (mit 0.5% Cortison) und 2 Tage mit 10 mg Prednisolon, 1 Woche 5 mg und 1 Woche 2,5 mg. Auch wegen meiner extremen Pollenallergie (ich bin auch noch Allergiker und habe allergisches Asthma).
Die letzte Injektion ist jetzt drei Wochen her und noch immer gibt es einen etwa handtellergroßen Bereich, der zwar nur noch blass rötlich erscheint, aber tiefer im Gewebe bläulich zu sein scheint. Auch habe ich das Gefühl, dass sich in diesen Bereichen eine Art narbige Struktur gebildet hat.
Sollte ich das nächste Mal nur noch 70 mg spritzen oder gar nicht mehr? Wozu würden Sie mir raten?
Vielen Dank für Ihre Mühe.
Mit freundlichen Grüßen aus Niederbayern
Sabara
Liebe Sabara,
die von Ihnen beschriebenen Beobachtungen lassen vermuten, dass bei Ihnen eine Überempfindlichkeit besteht. Bei dieser Konstellation ist von einer Weiterführung der Behandlung abzuraten.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
mit den zunehmenden Berichten über die Folgen der CGRP-Behandlungen kommt mir immer öfter die Frage, wie sich die Stoffe auf vorbestehende und auch akute Erkrankungen auswirken könnten. Ich denke da, um nur einige zu nennen, an z. B. Divertikulose (Obstipation wird ja oft als Nebenwirkung genannt), Asthma, MS, Insuffizienzen von Herz, Lunge, Nieren oder Gefäßen. Gibt es da schon neue Erkenntnisse? Und wie ist es mit Personen, die die Altersgrenze der Studien überschritten haben?
Wieder mal ganz herzlichen Dank und liebe Grüße,
Julia
Liebe Julia,
wie bereits oben ausgeführt, sind in die Studien Migränepatienten ohne gravierende Begleiterkrankungen eingeschlossen worden. Es ist daher offen, wie Patienten reagieren, die entsprechende Begleiterkrankungen haben. Dies gilt auch für ältere Patienten. Bei entsprechenden Konstellationen muss daher eine erhöhte Vorsicht bei der Anwendung aufgebracht werden.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Lieber Herr Professor Göbel,
war 2011 in Kiel, habe seit 40 Jahren Migräne, 70 Einnahmetage im Jahr, bin 64 Jahre alt. Komme mit Maxalt 10 mg und Naproxen 500 mg ganz gut zurecht.
Nach einer Herzkatheteruntersuchung wurde eine hypertensive Herzerkrankungen diagnostiziert. Diese wird jetzt mit einem ACE Hemmer Ramipril 2,5 mg behandelt. Die Migränetherapie soll überdacht und angepaßt werden. Nur weiß der Kardiologe der Klinik nicht wie. Wartezeit beim niedergelassenen Kardiologen 5 Monate. Ich fürchte mich schon jetzt vor der nächsten Migräne. Ohne Triptan werden es viele schwere Stunden.
Gehe ich ein hohes Risiko mit Maxalt ein und was käme zur Behandlung überhaupt noch infrage?
Fühle mich sehr alleingelassen und hoffe auf eine Einschätzung.
Für ihr unermüdliches Engagement vielen Dank.
Herzliche Grüße
Regina
PS: Ich rauche nicht, trinke keinen Alkohol, habe kein Übergewicht und lebe nach den Migräneregeln.
Liebe Regina,
wenn ein Blutdruck gut eingestellt ist, ist die Behandlung mit einem Triptan weiter möglich.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
ich leide seit 32 Jahren an täglichen Schmerzen, die zum Abend hin meistens stärker sind. Ich war schon bei zahlreichen Ärzten, die Migräne und Spannungskopfschmerzen diagnostizierten.
Nachdem mir bis jetzt weder verschiedene Medikamente, noch andere zahlreiche Behandlungen geholfen hatten, probiere ich seit November 140 mg Aimovig. Es ist in der Stärke der Schmerzen teilweise eine geringe Verbesserung eingetreten, doch es war bis jetzt nicht der große Erfolg. Ich vertrage Aimovig ganz gut, außer Verstopfung hab` ich nur vereinzelt mehrmals täglich heftige kurze Stiche im Bereich des Kopfes, die ich auf die Spritzen zurückführe. Doch das ist nicht weiters störend.
Ich habe meinen Neurologen darauf angesprochen, ob mir dann eventuell Emgality besser helfen könnte. Jedoch meinte er, wenn bei Aimovig keine deutliche Verbesserung zu sehen ist, macht es keinen Sinn ein anderes Mittel zu testen.
Wie sehen Sie das?
Die letzten Monate kommen verstärkt auch heftige Ohrgeräusche zu den Schmerzen dazu. Stehen die in einer Verbindung zur Migräne?
Außerdem habe ich seit einigen Jahren eine Laktose- und Fructoseintoleranz. Wäre es möglich, dass diese auch einen Einfluß auf meine Migräne hat?
Ich bedanke mich im Voraus recht herzlich. Es ist toll, hier die Möglichkeit eines Chats mit Ihnen zu haben.
Beste Grüße
Jasmin
Liebe Jasmin,
nach Ihren Beschreibungen scheint sich durch Aimovig keine entscheidende Besserung eingestellt zu haben. Daher ist zu erwägen, diese Behandlung nach 3 Monaten nicht weiterzuführen. Es ist offen, ob Sie auf einen anderen Antikörper ansprechen. Es gibt keinen Beleg dafür, dass bei mangelndem Ansprechen auf einen Wirkstoff es bei Einsatz eines anderen Wirkstoffs keine Wirkung geben sollte. Man muss dies individuell ausprobieren. Ohrgeräusche können bei Migräneattacken auftreten. Es ist möglich, dass eine Laktose- und Fruktoseintoleranz Einfluss auf die Migräne hat.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
viele Fragen befassen sich ja mit Aimovig. Ich wüßte gerne, ob in Ihrer Praxis bereits Nebenwirkungen bekannt geworden sind?
Ich selbst hatte, ziemlich gleichzeitig mit der Anwendung starke Erkältungssymptome und eine empfundene Immunschwäche.
Einen Zusammenhang kann ich vermuten, ist aber natürlich nicht nachgewiesen. Deshalb würde mich interessieren, ob Ihre Patienten von ähnlichen Nebenwirkungen berichten.
Ich würde bitte gerne noch eine zweite Fragen anfügen: Haben Sie schon von einem Produkt namens „Rehaler“ gehört?
Der wird von einem dänische Unternehmen BalancAir angeboten. Der Rehaler soll eine Kombination aus speziell entwickeltem Inhalator und einer Behandlungs-App sein. Er soll einen aufziehenden Migräneanfall hemmen oder ihn sogar vollständig stoppen können.
Ihre Meinung dazu würde mich natürlich sehr interessieren!
Herzlichen Dank und beste Grüße
Robert
Lieber Robert,
die häufigsten Nebenwirkungen von Aimovig betreffen Schmerzen an der Einstichstelle, Verstopfung und Juckreiz. In den Studien zu Aimovig wurden gesunde Probanden ohne Begleiterkrankungen eingeschlossen. Daher ist es jetzt bei der breiten klinischen Anwendung offen, welche Nebenwirkungen bei Patientinnen und Patienten auftreten, die Begleiterkrankungen aufweisen. Besondere Vorsicht ist daher geboten, wenn Herzkreislauferkrankungen sowie entzündliche Erkrankungen bestehen.
Zur Therapie mit dem „Rehaler“ habe ich mich bereits in einer obigen Frage geäußert.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
danke für Ihre Zeit und dieses tolle Forum!
Ich (w) habe zwar schon über Jahrzehnte Migräne mit Aura, bin aber erst seit einem halben Jahr bei einem Neurologen in Behandlung, da ich es von meiner Mutter so gelernt hatte, dass man sich da eben allein durchquälen muss. Nun sind meine Attacken nicht typisch, da die Aura / die neurologischen Störungen i.d.R. mehrere Tage und auch die Kopfschmerzphase überdauern. Das bringt mich in Probleme die prinzipiell gut wirksamen Triptane zu nehmen, da die Aura ja quasi nie vor den Kopfschmerzen weg ist, d.h. ich nehme Triptane, wenn die Schmerzen einsetzen, trotz noch vorhandener Aura. Wenn ich die Triptane nicht einsetze, dauern die Kopfschmerzen i.d.R. 70-90 Stunden… Momentan folgt auch seit 50 Tagen mit Dauerkopfschmerz jeder Migräneattacke die nächste (15 Migränetage/Monat) … und es kündigt sich gerade die nächste an. Ich beachte die 10/20-Regel und hatte bislang erst 1x 9 Einnahmetage pro Monat. Gleichzeitig bin ich dabei, mein Leben, Schlafen, Essen noch regelmäßiger zu gestalten, ich jonglieren mit Magnesium und mache außerhalb der Attacken gerne und regelmäßig (schon Jahre) Ausdauersport sowie verschiedene Entspannungsübungen. Die Wirkung der Prophylaxe (Metoprolol 2x 25 mg) muss ich noch abwarten …
Das größere Problem ist folgendes:
Seit einem halben Jahr dauern die neurologischen Störungen wie u.a. Taubheitsgefühle im linken Gesicht, Schwankschwindel und Benommenheit sowie starke Schwäche nicht nur Tage sondern teilweise Wochen an! Momentan sind es bereits 8 Wochen und meine Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit erlaubt immer noch keine fahrende Teilnahme am Straßenverkehr. Diese Erscheinungen haben mich leider bei Kombination mit starken Sprachstörungen und akuter Muskelschwäche (als Aura der nächsten Attacke) schon 2x per RTW in die Rettungsstelle gebracht. Außer Gangunsicherheit, Schwäche, Parästhesien in einer Gesichtshälfte und ungerichteter Fallneigung – und natürlich einseitigen Kopfschmerzen – war alles in Ordnung – kein Schlaganfall o.ä.! Nun bin ich sehr verunsichert wie ich damit umgehen soll? Es sind dann auch meist die anderen Menschen um mich herum, die aufgrund dieser Heftigkeit und Dauerhaftigkeit den RTW rufen! Die Rettungsstelle möchte ich aber in Zukunft gerne soweit möglich vermeiden, habe aber Angst, im Fall der Fälle nicht richtig zu reagieren! Das ist ein Dilemma, das ich momentan nicht zu lösen weiß. Auch wenn das natürlich immer nur im aktuellen Fall und vor Ort einzuschätzen sein wird, können Sie mir dennoch dazu etwas raten? Mein Neurologe ist leider im Notfall nicht zu erreichen bzw. erst Wochen später, so dass ich mir da einen eigenen Notfallplan aufbauen muss, falls ich wieder irgendwo in der Öffentlichkeit regelrecht zusammenklappe …
Mit besten Grüßen!
Liebe Monster,
Sie beschreiben sehr komplexe Auren. Die von Ihnen beschriebenen Phänomene können im Rahmen einer sogenannten hemiplegischen Migräne, aber auch einer Migräne mit Hirnstammaura auftreten. Dabei können sehr schwerwiegende motorische, sensorische und andere Symptome auftreten. Diese können z.B. Gangstörungen, Sprachstörungen, Tinnitus, Hörstörungen, Lähmungen und komplexe kognitive Störungen einschließen. Sie sollten sich in einem spezialisierten Kopfschmerzzentrum vorstellen und sich einen umfassenden Behandlungsplan erarbeiten lassen. Auch benötigen Sie einen Notfallausweis, den Sie bei entsprechenden Beschwerden den umstehenden Personen zeigen können, damit diese die richtigen Entscheidungen treffen können.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Göbel,
ich habe eine Frage bezüglich Migräne und Aura. Im Januar hatte ich einen schweren Migräneanfall und nach Abklingen der Schmerzen lieb mein rechtes Ohr für ca. eine Woche fast taub. Also ich hatte das Gefühl einseitig einen Motorradhelm zu tragen, sprich Druck auf dem Ohr und nur ganz gedämpft noch was gehört. Kann ich das der Migräne zuordnen? Im März bekam ich während des Anfalls einen komplett tauben Kopf, also alles gefühllos nur der pochende Schmerz war leider immer noch da. Sprechen ging noch mühsam, Essen nicht da alles taub war wie nach einem Zahnarztbesuch. Zählt das auch zu einer Aura? Und dürfte ich in diesem Zustand überhaupt noch ein Triptan nehmen? Herzliche Grüße aus Würzburg
Liebe Dirkou,
die von Ihnen beschriebenen Symptome können im Rahmen einer Migräne auftreten. Hörstörungen mit Reduktion des Hörvermögens, aber auch mit einem Tinnitus und Sprachstörungen können insbesondere bei der Migräne mit Hirnstammaura auftreten. Während dieser Situation sollten Sie keinesfalls ein Triptan einnehmen. Triptane sind nicht für die Aura geeignet, sondern sollten erst nach Abklingen einer Aura eingesetzt werden.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Göbel,
Vielen Dank für die Möglichkeit, hier Fragen zu stellen und Ihren grossen Einsatz für uns MigränikerInnen!!
Seit ich 11Jahre alt bin begleitet mich die Migräne mit komplexer Aura. Meine Anfälle sind heftig, mit starkem Erbrechen, ca. alle 2 Monate. Ich behandle sie mit Sumatriptan Inject, wobei ich häufig 1-2 Tage später einen Folgeanfall habe. So komme ich auf ca. 12 Anfälle jährlich.
Vor 10 Wochen kam meine Tochter (3. Kind) zur Welt. Im letzten Schwangerschaftsmonat hatte ich – anders als bei den vorherigen Schwangerschaften – ausserordentlich viele Anfälle (1-2 täglich), wobei die Aura im Vordergrund stand. Ich wurde in dieser Zeit auch zweimal wegen status migrenosus mit Kortison behandelt, jedoch hörten die Anfälle bis zur Geburt nicht auf. Nach der Geburt ging es unregelmässig, ca. 1x pro Woche, mit Migräne weiter, die ich jetzt mit Ibuprofen behandle. Zudem nehme ich weiterhin Magnesium 30 mmol täglich und achte auf genügend und gute Ernährung und Flüssigkeit.
Nun hat sich ein neues Phänomen gezeigt, und zwar habe ich seit 6 Wochen immer Dienstags Migräne. Es ist nicht abhängig von den Aktivitäten oder meinem Verhalten, der Dienstag ist in meiner Mutterschaftspause ein Tag wie jeder andere. (Überhaupt sind meine Wochentage alle ziemlich ähnlich). Die Anfälle kommen nachts im Schlaf, morgens kurz nach dem Frühstück oder auch schon montagabends kurz vor dem zu Bett gehen. Es macht mir den Eindruck, als habe sich die Migräne in diesem Rhythmus quasi „verselbstständigt“, wie programmiert, und sie kommt einfach immer dienstags, egal was ich mache. Kann das sein?
1. Wie könnte man dies durchbrechen? Würde es etwas bringen, wenn ich am Montag Abend jeweils prophylaktisch Ibuprofen nehmen würde?
2. Darf ich Riboflavin und Q10 hochdosiert zur Prophylaxe einnehmen während der Stillzeit oder schadet dies dem Baby?
Liebe Angelheart,
das von Ihnen beschriebene Auftretensverhalten kann ich aufgrund der schriftlichen Informationen nicht ohne weiteres erklären. Es gibt zwar Migräneverläufe, die in festen Zeitabständen und festen Rhythmen auftreten, aber ein fixer Rhythmus ist ungewöhnlich, dennoch kann es sein. Zur Vorbeugung empfehlen sich sämtliche bekannten Therapiemaßnahmen zur Migräneprophylaxe, insbesondere nichtmedikamentöse Therapieverfahren. Zur Sicherheit von hochdosiertem Riboflavin und Q10 während der Schwangerschaft und der Stillzeit gibt es keine Daten. Es empfiehlt sich die Einnahme von Magnesium.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
es gibt ja nun 2 neue Antikörper zusätzlich zu Aimovig, zugelassenen werden. Wirken diese gleich wie Aimovig oder setzen diese wo anders an?
Ich frage deswegen da ich nun seit 2 Monaten Aimovig nehme, einmal 70 mg und einmal 140 mg und es bei mir keine Wirkung zeigt.
Könnte es dann sein, dass einer der neuen Antikörper wirkt oder wirken diese gleich wie Aimovig und sind nur von einem anderen Hersteller?
MfG Meike
Liebe Meike,
bisher gibt es keine Vergleichsstudien zwischen den jetzt zugelassenen CGRP-Antikörpern. Daher gibt es keine Hinweise darauf, ob ein unterschiedliches Ansprechen zu erwarten ist. Tatsächlich haben die Antikörper zum Teil unterschiedliche Angriffsweisen. Erenumab wirkt gegen den CGRP-Rezeptor, währenddem die anderen Antikörper gegen das CGRP direkt wirken. Ob sich dabei ein Unterschied in der Behandlung zeigt, ist unbekannt.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Vielen Dank für die Info.
Außerdem habe ich den Eindruck dass aimovig am Anfang des Monats vielleicht noch wirkt und ab der dritten Woche kommt die Migräne um so heftiger. Kann das sein?
Könnte man hier 70 mg am Anfang des Monats spritzen und 70 mg zusätzlich in der Mitte des Monats, anstatt 140 mg am Anfang des Monats?
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
ich habe eine chronische Migräne und nehme seit einigen Jahren Amitriptylin ein. Zuletzt 20mg.
Vor einigen Wochen habe ich einen Auslassversuch gestartet und habe wochenweise um einen Tropfen reduziert. In der letzten Woche nur alle zwei Tage einen Tropfen. Die letzte Einnahme war vor 12 Tagen.
Seit einer Woche habe ich täglich heftige Migräne (Beginn 6 Tage nach dem letzten Tropfen). Allerdings habe ich auch zeitgleich verstärkte Hitzewallungen und Depressionen (55 Jahre alt).
Meine Frage ist nun, kann diese lange und heftige Migräneperiode trotz sehr langsamen Ausschleichens noch mit dem Absetzen zusammenhängen?
Eigentlich war ich sehr froh, nun unabhängig vom Ami zu sein, auch weil ich nächste Woche Termin beim Neurologen habe und hoffe, dann Aimovig zu bekommen.
Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und danke herzlich für Ihre Zeit und Mühe.
Beste Grüße
Bettina
Liebe Bettina,
aufgrund der von Ihnen beschriebenen Symptome scheint die Behandlung mit Amitriptylin gut begründet zu sein. Auch scheint die Wirkung vorteilhaft für Sie gewesen zu sein. Es ist zu bedenken, dass Aimovig wahrscheinlich nicht die von Ihnen beschriebenen Beschwerden verbessert.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
erneut wende ich mich nun an Sie, da Sie mir in der Vergangenheit bereits einige Male wertvolle Tipps geben konnten.
Seit ca 40 Jahren leide ich an Migräne mit Aura, diese nahm vor ungefähr 15 Jahren einen chronischen Verlauf und ist schwer behandelbar. Auch treten parallel neuropsychologische Störungen in den Bereichen Arbeitsgedächtnis, Wortfindung, längerfristiges Neugedächtnis, sowie Amnesien auf.
Meine Attackenfrequenz ist trotz Botox 150 IE (alle 3 Monate, seit einigen Jahren) und 2 x 50 mg Topiramat nicht unter 2 x die Woche, wobei ich durch anschließende Spannungskopfschmerzen und Schwindel, Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen auf vielleicht 2 beschwerdefreie Tage/ Woche komme. Andere Prophylaxe Medikamente schlagen gar nicht an oder musste ich wegen Unverträglichkeiten absetzen. Selbstverständlich achte ich auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und betreibe Entspannungsübungen.
Nun wurde mir zum 2. Mal 200 IE Botox verabreicht. Nach dem ersten Mal hatte ich in den darauffolgenden Tagen sehr starke Schwindelgefühle (keine Migräne!) und nach circa 6 Tagen stellte ich darüber hinaus eine geplatzte Ader im Auge fest. Ich habe dann meinen Blutdruck kontrolliert und dieser lag statt des üblichen Wertes von circa 120/70 bei 190/145. Ich rief daraufhin den Notarzt und dieser bestätigte den Wert und gab mir ein entsprechendes Medikament (Nitrolingual Weichkps). Eine ein paar Tage später durchgeführte RR Langzeitmessung beim Hausarzt zeigte keinerlei Bluthochdruckauffälligkeiten.
Nach der zweiten Behandlung mit 200 IE Botox hatte ich sehr heftige „Knochen- und Gelenkschmerzen“, Schüttelfrost und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Das hielt circa 14 Tage an.
Die Migräne wiederum hat sich darunter hingegen stark verbessert, so dass ich sogar das Topiramat auf 75 mg pro Tag reduzieren konnte und nur noch alle 2 Wochen Akutmedikamente benötigt habe.
Nun steht mein nächster Termin an.
Was würden Sie empfehlen? Weiterhin die 200 IE oder wieder 150 IE? Wenn 200 IE, wie kann man die NW einschränken? Bei 150 IE hatte ich nie irgendwelche Auffälligkeiten.
Ich habe gelesen, dass bei Überempfindlichkeitsreaktionen der Wirkstoff keinesfalls mehr verabreicht werden darf! Sind meine Reaktionen als solche zu bewerten oder sind es „normale“ NW?
Vielen Dank für Ihre Bemühungen .
Beste Grüße
Dschenny
Liebe Dschenny,
die von Ihnen beschriebenen Beschwerden lassen sich nicht ohne weiteres auf das eingesetzte Botox zurückführen. Vielmehr sollte zunächst geklärt werden, woher die sehr hohen Blutdruckwerte bedingt sind. Aufgrund des von Ihnen beschriebenen Verlaufes empfiehlt sich dann eine Behandlung mit 150 Einheiten.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel
Wenn Aimovig 70mg im ersten Monat keine Wirkung zeigt (und auch keine Nebenwirkungen auftreten), empfiehlt sich dann ein Versuch mit 140mg im zweiten Monat?
Herzlichen Dank und beste Grüsse
Siena
Liebe Siena,
sollte im ersten Monat sich keine Wirkung einstellen, kann im zweiten Monat ebenfalls eine Behandlung mit 70 mg erfolgen. Sollte auch dabei keine Wirkung erzielt werden, kann ggf. im dritten Monat 140 mg erwogen werden. Sollte auch dabei keine Wirkung erzielt werden, ist eine weitere Behandlung nicht sinnvoll. Rund 10 %, die in den ersten beiden Monaten nicht ansprechen, können im dritten Monat noch eine Wirkung zeigen.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Lieber Herr Prof. Göbel,
vielen Dank zunächst für Ihre Bereitschaft, persönlich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Meine Diagnose „Migräne“ bekam ich (41 J.) erst im Dezember 2018, obwohl ich schon seit meiner Kindheit unter häufigen und starken Kopfschmerzen leide und schon bei vielen Ärzten war. Seit 7 Wochen nehme ich zur Prophylaxe Amitriptylin (jetzt bei 50mg) in Kombination mit Migradolor. Akut hilft mir meist Naratriptan mit Naproxen. Bei rund 23 Schmerztagen pro Monat schaffe ich es geradeso, die 10/20 Regel einzuhalten, wobei sich seit etwa zwei Wochen eine Besserung andeutet. Nun habe ich Fragen, die mich aktuell sehr beschäftigen.
1. Ich habe manchmal Symptome, die ich nicht so richtig einordnen kann. Sie treten meist ohne oder nur mit leichten Kopfschmerzen auf. Da diese nicht zeitlich klar begrenzt sind mit anschließendem Kopfschmerz und auch keine Sehstörungen auftreten, habe ich Zweifel, dass das Auren sind. Oft habe ich das über den Tag verteilt immer mal wieder für einige Minuten bis Stunden, manchmal auch tage- oder wochenlang gar nicht. Ich fühle mich dann sehr unruhig, muss dauernd einen Arm oder ein Bein bewegen, kann nicht still sitzen oder liegen. Gelegentlich – fast ausschließlich im Liegen – fühle ich eine Art inneres „Absacken“, als wenn ich kurz ohnmächtig werde, mich aber gleich wieder fange. Ich kann es leider nicht anders beschreiben. Dazu bin ich unkonzentriert, leicht benommen, fahrig und körperlich schwach, als ob ich mich nicht mehr auf den Beinen oder den Kopf nicht halten kann. Was kann das sein? Doch eine Aura? Was kann mir helfen? Am Amitriptylin kann es nicht liegen, diese Symptome treten schon seit Jahren hin und wieder auf.
2. Als ich Kind war, ging meine Mutter mit mir mal zum Arzt wegen meiner Kopfschmerzen. Ich musste dann eine sog. „Lichtkastentherapie“ machen, die mir für einige Zeit sehr geholfen hat. Ich erinnere mich daran, dass ich dazu einige Male in die Poliklinik musste. Dort lag ich auf einer Liege, der Kopf unter einem Holzkasten mit Fenster und mehreren Glühlampen drinnen, die leuchteten. Ich weiß allerdings nicht, ob das normale Glühbirnen oder spezielles Licht war. Das war so Ende der 80er Jahre in der DDR. Weil es mir damals half, habe ich im Internet danach gesucht, aber nichts gefunden. Sagt Ihnen diese Methode etwas? Vielleicht gibt es sie ja noch unter einem anderen Namen.
3. In letzter Zeit wird eine neue Methode „Rehaler“ zur Attackentherapie im Internet sehr beworben. Was halten Sie davon?
4. Im Beipackzettel von Amitriptylin steht, dass bei gleichzeitiger Einnahme von Schilddrüsenhormonen Vorsicht geboten ist. Was ist damit genau gemeint? Ich habe eine SD-Unterfunktion und nehme seit über 10 Jahren L-Thyroxin 100 mit Jod ein. Die Werte werden einmal jährlich kontrolliert.
Vielen Dank nochmals für Ihre Zeit und herzliche Grüße aus München.
Liebe Claudia,
die von Ihrer Frage 1 beschriebenen Beschwerden lassen sich kaum der Migräne zuordnen. Für Ihre Beschwerden gibt es mehrere Erklärungen, die aber aufgrund einer schriftlichen Beschreibung allein nicht diagnostisch zu fassen sind. Hier ist eine spezifische nervenärztliche Untersuchung erforderlich.
Die in Ihrer Frage 2 beschriebene Behandlung könnte einer Lichttherapie bei Depressionen entsprechen.
Die in Ihrer Frage 3 beschriebene Methode basiert darauf, dass man während der Migräneattacke seine eigene Atemluft zurückinhaliert und damit der Kohlendioxidspiegel im Blut ansteigt. Dadurch soll die Gefäßweite bei der Migräne mit Aura erweitert werden. Das Verfahren basiert im Prinzip darauf, dass man sich einen Plastikbeutel vor den Mund hält und die Luft teilweise zurückatmet. Das kann man entsprechend ausprobieren.
Amitriptylin und die Gabe von Schilddrüsenhormonen können sich gegenseitig verstärken. Dabei kann z.B. eine Schilddrüsenüberfunktion bedingt werden, die sich in verstärkter Unruhe oder schnellem Pulsschlag äußert.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel