Dies ist unsere Gruppe zum Migräne- und Kopfschmerz-Chat und sie funktioniert folgendermaßen: Um ca. 12:00 Uhr des jeweiligen Chat-Tages wird die Kommentar-Funktion aktiviert. Will man eine Frage eintragen, klickt man in das Fenster der Kommentarfunktion. Hat man eine Frage eingetragen, sieht man unter seinem Beitrag “Antworten”. Diese Antwortfunktion benutzt Prof. Göbel, um die Antwort auf die vorherige Frage einzustellen. Prof. Göbels Antwort ist dann ein wenig eingerückt und unterscheidet sich daher auch optisch von den Fragen. Sollte der Fragesteller zum selben Thema noch eine Folgefrage haben, bitte auch auf “Antworten” klicken – aber nur dann! Sonst bitte immer in das Kommentar-Fenster schreiben. Nach dem Chat wird die Kommentar-Funktion wieder deaktiviert bis zum nächsten Chat-Tag. Alle Fragen und Antworten bleiben in diesem Blog erhalten und bestimmte Themen können jederzeit mit der Such-Funktion wiedergefunden werden. Alle Aktionen werden am Chat-Tag auch auf der Startseite des Headbook aufscheinen.
Fragen können nur am jeweiligen Chat-Tag ab 12:00 Uhr eingetragen werden. Bitte immer auf das aktuelle Datum in der Überschrift achten, das unter “Live-Chats” eingetragen ist.
Guten Tag Herr Prof. Göbel,
ich soll als nächstes die Antikörper ausprobieren (wegen chronischer Migräne). Leider habe ich große Ängste, dass dann Triptane als Akutmedikation weniger gut wirksam sind. Denn diese sind viel zu oft meine letzte Rettung. Wie schätzen Sie dieses Risiko ein?
(Meist (jedoch nicht immer) wirken Triptane bei mir gut (nicht „sehr gut“), sie sind aber mit sehr starken Nebenwirkungen behaftet und ich bräuchte eigentlich auch mehr als 10/Monat.)
Zudem möchte ich Sie fragen, ob eine Kontraindikation besteht, wenn ich unter sehr häufigen Durchfällen leide, die noch abgeklärt werden sollen. (Darmspiegelung irgendwann in näherer Zukunft.)
Desweiteren leide ich unter recht deutlichem Untergewicht (auch mit Migräne-bedingt). Ist dies bezüglich der Injektion ein Problem (da mir evtl. das nötige Fett zur Injektion fehlt)?
Welche Antikörper würden Sie empfehlen?
Vielen Dank!
Liebe Miapp,
Antikörper zur Migränevorbeugung reduzieren nicht die Wirksamkeit von Triptanen. Im Gegenteil können sie sogar die Wirksamkeit der Triptane erhöhen. Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sollte vor Anwendung von Antikörpern zur Migränevorbeugung diagnostisch abgeklärt werden. Ein Untergewicht ist kein Hindernis, die Antikörper zu injizieren.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Göbel,
neben der seit meiner Kindheit bestehenden Migräne (in den 3 vorausgehenden Jahrzehnten nur linksseitig mit 1 – 2 Anfällen pro Monat und ohne Aura) kämpfe ich seit dem Jahr 2015 zunehmend mit immer mehr neuen Erkrankungen und Symptomen. Zunächst begann dies relativ seicht mit Psoriasis pustulosa palmoplantaris. Im April 2016 hatte ich dann einen Drehschwindelanfall und in der Folge einen Tieftonhörsturz links, wodurch die Verdachtsdiagnose Morbus Meniere gestellt wurde. Richtig „rund“ ging es dann ab August 2018; nach einem 7-tägigen Status migraenosus (der dritte und längste in meinem Leben) kam es erneut zu einem Drehschwindelanfall und in der Folge zu anhaltendem diffusem Schwindel, Gleichgewichtsproblemen sowie Tieftonhörminderungen und -tinnitus links. Im Jahr 2020 hat sich dies dann letztlich als Lermoyez-Syndrom mit chronischem Endolymphhydrops links herausgestellt. Zunächst wurde dieser Symptomkomplex jedoch zusammen mit den ab September 2018 auftretenden Gesichtsschmerzen rechts als „Mischsyndrom Morbus Meniere und vestibuläre Migräne“ mit Dominanz letzterer fehldiagnostiziert. Entsprechend wurde versucht nacheinander mit Topiramat, Amitriptylin, Opipramol und Nebivolol zu therapieren. Topiramat half zwar tatsächlich relativ gut gegen den Schwindel, ansonsten hatten all diese Prophylaxen aber überwiegend und teilweise ausschließlich Nebenwirkungen, meist starke und oft seltene. In Bezug auf (Migräne-)Kopfschmerzen hatten die Prophylaxen auch nach Phasen paradoxer Wirkung nur negative Effekte; die Anzahl der Kopfschmerztage stieg stetig an und ging auch nach Beendigung der jeweiligen Einnahme meist kaum zurück. Des Weiteren änderte sich der Charakter stark; plötzlich kam es wieder zu visueller Aura und Erbrechen wie in meiner Kindheit, mir zuvor unbekannten Auren und vor allem verlagerten sich die Migränekopfschmerzen nach rechts. Speziell Amitriptylin verursachte neben z. B. einer Ohrspeicheldrüsenschwellung dies betreffend die meisten Probleme. So bin ich im Oktober 2019 dann erstmals bei über 20 Kopfschmerztagen pro Monat angelangt. Vor etwa einem Jahr erfolgte schließlich ein Aufenthalt in Ihrer Klinik, wo einerseits Hirnstammauren zwar ausgeschlossen, die Ursache der Geschichtsschmerzen aber ebenfalls in der Migräne gesehen und ein Versuch mit Flunarizin gestartet wurde. Flunarizin trieb die Anzahl der Kopfschmerztage diesmal begrenzt auf die Einnahmezeit wiederum in die Höhe und verursachte dabei neben anderen Nebenwirkungen beim Absetzen dann eine Angststörung (selbst nach Nachfrage bei der Stationsärztin war jedoch kein Ausschleichen notwendig). Andererseits hatte die 10-wöchige Flunarizin-Einnahme nun als erste Prophylaxe überhaupt anhaltende positive Auswirkungen auf die Migräne. So gingen die Auren wieder stark zurück und die Schmerzintensität sank, wodurch ich nun wesentlich besser und mit mehr Abstand zu den 10 Tagen Akutmedikation auskomme (einen MÜK kann ich zu jedem Zeitpunkt ausschließen). In Bezug auf die Kopfschmerztage lag ich danach aber auch wieder meist knapp unter 20.
Nachdem sich ob der ganzen Symptome mein Leben ab spätestens Ende vergangenen Jahres dann nur noch als „Dahinsiechen“ beschreiben ließ und mir die plötzliche Häufung all dieser Gesundheitsprobleme Anfang 40 auch unter Betrachtung psychosomatischer Aspekte doch sehr seltsam schien, begann ich dieses Jahr dann sozusagen eine Rasterfahndung nach potentiellen Ursachen mit Selbstzahlerleistungen. Eine DVT offenbarte dabei unerwartet eine Wurzelentzündung mit drei radikulären Zysten mit Mund-Antrum-Verbindung als Ursache der zuvor schon bekannten, allerdings als nicht behandlungsbedürftig eingestuften Mukozele/Polyp/Zyste in der rechten Kieferhöhle. Diese odontogene Pathologie wurde zuvor teils mehrfach bei Schädel-MRTs, NNH-CT und OPG-Röntgen übersehen, bestand soweit im Nachhinein ebenfalls in der früheren Bildgebung nachvollziehbar jedoch seit mindestens Anfang 2016, vermutlich sogar 2015. Zumindest was Hydrops, Gesichtsschmerzen und Psoriasis angeht kam es 2 – 3 Wochen nach Extraktion von betroffenem Zahn und Zystektomie zu jeweils starken und ungewöhnlichen Flar-Ups. In der Folge verschwanden dann allerdings die Gesichtsschmerzen wie bisher bekannt und der Endolymphhydrops links besserte sich auch messbar seither anhaltend deutlich. Selbst 8 Wochen nach dem Eingriff sind jedoch z. B. auch in Bezug auf sich noch nicht wieder ganz im Normalbereich befindliche Blutwerte wie Alpha-2-Globuline noch diverse (Heilungs-)Prozesse am Laufen. In Bezug auf Migräne kam es wieder zu sehr starken Anfällen und nach 2 Jahren Pause erneut zu Erbrechen. Des Weiteren sprang die Anzahl der Kopfschmerztage in den vergangenen 4 Wochen drastisch um 7 auf 26 Tage. Mir ist unklar, ob dies ebenfalls eine Art anhaltenden Flare-Up darstellt, einen anderen Grund hat oder schlicht Zufall ist.
Laut dem Buch „Der Fokus im HNO-Bereich: Fakt oder Fiktion?“ geht selbst die Schulmedizin von einer Fokaltoxikose als eine Ursache von Psoriasis pustulosa palmoplantaris (aber auch nur dieser Variante von Psoriasis) aus. Des Weiteren habe ich an mehreren Stellen die Aussage gelesen, dass die Schulmedizin bezüglich der Behandlung mit Antidepressiva therapieresistente Depression in Folge von chronischen Entzündungen kennt. Leider habe ich keine Angabe gefunden, wie dieser Mechanismus im Falle von Foci funktioniert. Mein Gedanke dazu war, dass Herderkrankungen den Serotoninspiegel irgendwie direkt beeinflussen und somit diese resistenten Depressionen verursachen könnten. Dann wären analog entsprechende Auswirkungen auf Migräne meines Erachtens naheliegend. Sind Ihnen solche Effekte von Foci auf Migräne einschließlich der Therapieresistenz bekannt? Falls ja, scheint mir ein erneuter Versuch mit einem weiteren Trizyklikum sinvoll. Seitens Ihrer Klinik wurde mir unabhängig davon bei Versagen von Flunarizin auch zu Doxepin und Trimipramin geraten. Konkret Doxepin verursacht aber offenbar insbesondere starke anticholinerg Nebenwirkungen und selbst bei 5 Tropfen Trimipramin als Hypnotikum sind diese Effekte neben starker Tagesmüdigkeit schon sehr deutlich. Dies könnte sich nach längerer Anwendung und höherer Dosis zwar wieder geben. Zusammen mit meinen Erfahrungen mit Amitriptylin und den Herzrhythmusstörungen durch Opipramol sowie dem generellen Zombie-Feeling mit beiden ist meine Skepsis allerdings relativ hoch. Was ist Ihrer Erfahrung nach in Bezug auf möglichst geringe Nebenwirkung bei guter positiver Wirkung auf Migräne das empfehlenswerteste der TZA?
Des Weiteren quälen mich seit circa einem Dreivierteljahr auf dem rechten Ohr, d. h. dem ohne Hydrops, zwei verschiedene pulssynchrone Tinnitus sowie ein Fließgeräusch. Speziell letzteres ist dabei lageabhängig und geht meistens zumindest stark zurück, wenn ich mich auf die rechte Seite lege. Während hier eine Durafistel oder eventuell auch ein Glomustumor mir als Ursache (neben anderen) relativ naheliegend scheinen, waren Ärzte was Diagnostik angeht bisher leider ziemlich unwillig bzw. haben auch ohne entsprechende Untersuchung den Grund in einem Gefäß-Nerven-Kontakt respektive dem Stapediusreflex gesehen. Zumindest eine Dopplersonographie steht aber mittlerweile an. Sind Ihnen Auswirkungen auf Migräne wie oben beschrieben, d. h. Chronifizierung, Seitenverlagerung, Änderung der Auren etc., durch Durafisteln und Glomustumore bekannt? „Einfache“ Kopfschmerzen sind in beiden Fällen offenbar nicht unüblich.
Vielen Dank und freundliche Grüße
cortex
Liebe Cortex,
der Chat ist für die Beantwortung gezielter Fragen gedacht. Sehr weit gespannte und verschiedene Themenbereiche umfassende Fragen können hier leider nicht beantwortet werden. In aller Kürze: Migräne ist eine genetisch vermittelte Erkrankung und entsteht nicht durch Probleme im Zahnbereich. Wenn Sie individuell trizyklische Antidepressiva nicht vertragen, sollten andere Therapieoptionen in Erwägung gezogen werden. Die Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung und entsteht nicht durch Durafisteln oder Glomustumore.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Guten Tag Prof.Göbel und vielen vielen Dank für die Möglichkeit mit diesem Chat in Kontakt zu Ihnen zu treten. Ich war 2017 in IHrer Klinik und habe seit Kindheit chronische Migräne. Ich bin jetzt 53 Jahre alt und nach Durchlaufen aller oralen Prophylaxen und einmaiger Botox-Behandlung(ohne Erfolg) habe ich nun von meinem Neurologen die 1. Spritze Aimovig 70 bekommen vor ca. 4 Wochen. Ist es möglich, dass die Wirkung erst nach 3 Wochen eintritt? Die ersten 3 Wochen „bemerkte“ ich ausser Verstopfung und einigen sehr merkwürdigen Attacken (Seitenwechsel, sehr starke Übelkeit im Vergleich zu sonst) keinerlei Veränderung- frühere Frequenz auch fast jeden 2. Tag Migräne ohne Aura- jetzt bin ich seit fast 6 Tagen schmerzfrei, was wie ein Wunder scheint. Ich habe nun die Nachbesprechung bzw. wie geht es weiter mit dem Neurologen, mit 70 oder dann 140. Halten Sie die „Wirkung“ nach 3 Wochen für möglich oder ist es ein (sehr schöner ) Zufall? Vielen Dank für Ihre Mühe mit den Antworten. Alexandra aus Baden-Württemberg
Liebe Alexandra,
bei der Behandlung mit einem Antikörper tritt der Effekt nicht spontan und sofort ein. Man sollte immer 4 Wochen verstreichen lassen, um dann zu bewerten, wie die Kopfschmerzhäufigkeit sich verändert hat. Tatsächlich können durch Antikörper in einigen Fällen überraschend schnell sehr deutliche Effekte erzielt werden. Es kann zum Teil bereits nach der ersten Woche eine Linderung der Schmerzattacken eintreten. Dies ist aber nicht die Regel. Insofern ist der Eintritt einer bemerkbaren Schmerzreduktion nach 3 Wochen ein häufiger Verlauf. Viele Therapeuten nehmen heute 140 mg für die Behandlung, der Preis für die beiden Dosierungen 70 bzw. 140 mg ist der gleiche, insofern setzt man auf die höhere Dosis.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Prof. Göbel
Es geht um den NDPH.
Ich habe diesen Kopfschmerz seit bald 27 Jahren. Daneben auch noch die chronische Migräne. Alle Profilaxeversuche, die ich seit 2018 teste waren erfolglos. Mittlerweile bin ich beim Oxycodon retadiert 3x10mg/tg. angekommen und auch dieses spricht auf den NDPH nicht an. Kann es sein, dass auf Grund des seit 27 Jahren bestehenden NDPH eine Verbesserung kaum noch möglich ist?
Meine Neurologin hat sonst auch keine Idee mehr.
Gruß Flummi
Liebe Flummi,
der neuaufgetretene tägliche Kopfschmerz ist in der Regel ein sehr hartnäckig zu behandelndes Dauerkopfschmerzproblem. Bei diesem chronischen Dauerkopfschmerz ist es ähnlich wie bei Bluthochdruck oder bei anderen chronischen Erkrankungen. Man muss versuchen, über die Zeit eine Kontrolle der Schmerzen zu realisieren. Das Ziel, dass die Schmerzen sich legen und man schmerzfrei ist, ist oft nur sehr schwer zu erreichen. Daher ist eine Linderung ein erstrebenswertes Ziel. Im amerikanischen Bereich werden diese Kopfschmerzen teilweise mit Opioiden behandelt. Letztlich ist dies Ausdruck dafür, dass andere Behandlungsalternativen nur wenig wirken. Im Einzelfall jedoch kann es sein, dass solche Kopfschmerzen auch nach jahrelangem Bestehen in den Hintergrund treten oder ganz abklingen. Wesentlich ist, dass man von dem Ziel abrückt, dass irgendein Medikament innerhalb kürzester Zeit die Schmerzen aus der Welt schafft. Eine Reduktion der Schmerzen ist bereits ein Ziel, das man als positiv bewerten sollte.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel.
Vielen Dank für die Möglichkeit des Chats mit Ihnen. Da ist sehr wertvoll für mich.
Ich hätte eine Frage bzgl. der Antikörper.
Ich habe seit April 2020 den Antikörper Aimovig gleich mit 140 mg bekommen und diesen bis 27.03.2021 gespritzt. Jetzt folgt die 3-monatige Pause. Die letzten Monate hatte ich allerdings das Gefühl, dass der Antikörper nicht mehr seine volle Wirkung gezeigt hat, denn die Migräne wurde wieder viel häufiger und stärker.
Und auch während der Menstruation tritt die Migräne besonders stark auf.
Ich bin am Überlegen, ob ich evtl. nach der 3-monatigen Pause einen der anderen Antikörper testen soll und wenn ja, welchen ?!?!?!?!?!!?
Und, ob eine Hormontherapie sinnvoll wäre.
Vielen lieben Dank.
Claudia
Liebe Claudia,
wenn nach mehrmonatiger Gabe die Wirksamkeit des Antikörpers nicht mehr gegeben ist, ist es sinnvoll, abzusetzen und eine Umstellung auf ein anderes Präparat zu erwägen. Unabhängig würde man nach 9-12 Monaten bei gutem Erfolg auch eine Pause einlegen, um zu prüfen, ob der gute Effekt auch ohne das Medikament bestehen bleibt. Welcher der alternativen Antikörper ausgewählt werden kann, ist offen. Es gibt keine Gewährleistung dafür, dass der eine wirkt oder der andere nicht. Man muss es also ausprobieren. Eine Hormontherapie ist aus medizinischer Sicht nicht begründet.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Frage von Dr. Hasthi Ram aus Indien:
My wife was admitted at Kiel clinic for 2 weeks in 2015. We have now moved to India, and last month she took erenumab injection 70 mg for migrnae. This ia antibody based injection. This injection worked as wonder. After getting this injection, her frequency reduced to once per month. Earlier it was like 7-8 times per month. My question is that do you have idea about any side effects in its long term use? And how long you would recommend to use this injection? Thanks a lot for your time
Dear Hashti,
according to current studies, monoclonal antibodies for migraine prevention are well tolerated. This also applies to long-term use. If they do not work sufficiently, they are discontinued after 3 months. If the effect is good, the application is paused after 9 months. The aim is to check whether the effect lasts even without the medication. If not, the application can be continued. There is no fixed time limit for the duration of the application.
Kind regards
Hartmut
Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
Ich war vor 4 Wochen in der Schmerzklinik und nehme nun als Prophylaxe Doxepin 50 mg ein. Seit dem geht meine Waage ständig nach oben, trotz Sport und weniger Zucker und Fette. Vorher habe ich nie Probleme mit meinem Gewicht gehabt.
Gibt es ausser der trizyklischen Antidepressiva andere vorbeugende Medikamente (Migräne und Rückenschmerzen) die diese Nebenwirkungen nicht haben? 3 Kilo in 4 Wochen ist schon eine Hausnummer, vor allem wenn das in den nächsten Wochen so weiter geht.
Vorab herzlichen Dank für Ihre Antwort
Jennifer
Liebe Jennifer,
die grundsätzliche Ernährung bei Migräne sollte auf komplexe Kohlenhydrate regelmäßig über den Tag verteilt basieren. Fette haben einen deutlich erhöhten Energiegehalt als komplexe Kohlenhydrate und sollten daher nur reduziert konsumiert werden. Es gibt viele Menschen, die trotz Doxepin-Einnahme keine Gewichtszunahme erleben. Sollten Sie sich an die Ernährungsregel halten und gleichwohl eine Gewichtszunahme dieser Art haben, können Sie das Medikament jederzeit absetzen. Es gibt zahlreiche andere Optionen zur Migränevorbeugung.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Lieber Herr Professor Göbel,
vielen herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, unsere Fragen zu beantworten und uns zu helfen!
Ich habe starke chronische Migräne, die, vermutlich auch aufgrund zahlreicher Begleiterkrankungen, die unter anderem auch den Arzneistoffwechsel betreffen (z.B. M. Meulengracht, Polymorphismen der Catechol-O-Methyl-Transferase und Methyl-Tetrahydrofolat-Reduktase, Flammer-Syndrom), sich leider sehr therapierefraktär zeigt, da die gängigen Prophylaxemedikamente (Betablocker, Amitryptilin, Flunarizin, Topiramat, Valproat, Mirtazapin, Venlafaxin, Doxepin, Candesartan, Pestwurz, Mutterkraut, Migravent, Botox) leider entweder wirkungslos, kontraindiziert oder unverträglich sind. Daher bin ich im Wesentlichen derzeit auf meine Akutmedikation angewiesen (wirksam sind nur Sumatriptan s.c. und, eingeschränkt, Zolmitriptan intranasal).
Das Flammer-Syndrom, aufgrund dessen ich wegen einer damit einhergehenden Einschränkung der Retinadurchblutung derzeit auch die CGRP-(Rezeptor-)Antikörper nicht ausprobieren kann, da nicht auszuschließen ist, dass die Blockade der CGRP-Wirkung die Retinadurchblutung noch weiter einschränkt mit der Folge von (potentiell irreversiblen) Gesichtsfeldausfällen, geht neben einem extrem niedrigen Blutdruck u.a. auch mit einem veränderten ABC-Transportprotein, das im Arzneistoffwechsel relevant ist, einher und führt zu häufig sehr starken Nebenwirkungen vieler Medikamente (zahlreiche Medikamente sind nur in maximal einem Zehntel der üblichen Dosierung verträglich), nur Schmerzmedikamente (eine Hochregulierung von PGE2 führt zu erhöhter Schmerzempfindlichkeit bei Flammer-Syndrom) werden, warum auch immer, gut vertragen und oft sogar in erhöhter Dosierung benötigt.
Da Flammer-Syndrom-Patienten wohl gehäuft u.a. Migräne haben, hoffe ich sehr, dass Sie vielleicht Erfahrung damit haben und mir bei meiner Frage weiterhelfen können: Ich bin unsicher, ob ich aufgrund des Flammer-Syndroms und der zugehörigen Arzneistoffwechselbesonderheiten ein eher erhöhtes Risiko für einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz habe und daher eher (deutlich) unter der 10/20-Regel bleiben muss (derzeit nehme ich vorsichtshalber an maximal 6-8 Tagen/Monat Triptane, trotz täglicher Migräne) oder ob vielleicht die gute Verträglichkeit (und auch unter Umständen das Erfordernis erhöhter Dosierungen) von Schmerzmitteln bei diesem Syndrom sogar eher dazu führt, die 10/20-Regel (regelmäßig etwas) überschreiten zu können, ohne dass es mehr oder weniger rasch zu einem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz kommt?
Es würde mir sehr weiterhelfen, wenn Sie mir Ihre Einschätzung diesbezüglich mitteilen könnten.
Ganz herzlichen Dank vorab und Entschuldigung für den langen Text!
Herzliche Grüße,
Julia
Liebe Julia,
bei einem Flamer-Syndrom können über bestimmte Zeiten Einengungen von Arterien eintreten. In der Folge kommt es zu einer Minderdurchblutung der Gewebe. Die kleinen Blutgefäße reagieren überstark auf Reize. Dies kann einerseits durch bestimmte Erkrankungen ausgelöst werden, oder aber auch durch Veranlagung. Medikamente, die auf die Gefäßweite einwirken, wie Triptane und andere Substanzen, wären in dieser Situation kontraproduktiv. Die Gabe von Schmerzmitteln wie NSAR oder Novaminsulfon hat keinen gefäßverengenden Effekt und wären daher zu präferieren. Die Entstehung eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes sollte bei dieser Erkrankung nicht eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, daher kann auch die 10-20-Regel angewendet werden.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof.Göbel,
Im Voraus vielen Dank für ihr Engagement und für die Beantwortung meiner Frage.
Ich leide zusätzlich unter Vestibulärer Migräne wie im Schwindelzentrum Essen diagnostiziert wurde.
Behandle ich dies auch mit dem mir bekannten Riza Triptan?
Meine Neurologin sagte mir,Riza Triptan soll ich nehmen wenn ich meine kein anderes Schmerzmittel hilft.
Ich habe aber bei der Vestibulären Migräne keine Kopfschmerzen sondern stundenlangen Dauer-Schwankschwindel,Gangunsicherheit,teilweise Übelkeit etc.
Desweiteren habe ich häufig am Folgetag einer Kopfschmerz- Migräne zwar keine starken Kopfschmerzen mehr aber ausgeprägte Migräne-Begleitbeschwerden wie Druck im Kopf, starke Übelkeit,Schwindel,Gangunsicherheit welche sich alle unter jeglicher Bewegung verstärken.
Ist es auch da ratsam nochmals ein Triptan zu nehmen oder sollte man diese Symptome so aushalten?
Vielen lieben Dank und bleiben sie gesund.
Lieber Gruß
Dorothea
Liebe Doro,
Rizatriptan sollte, wie auch die anderen Triptane, nur zur Behandlung der Schmerzphase eingesetzt werden. Ein stundenlanger Dauerschwankschwindel mit Gangunsicherheit und Übelkeit ist kein Einsatzgebiet für ein Triptan. Dies ist in der Regel der Fall. Wenn jedoch die behandelnde Ärztin einen Behandlungstest machen möchte, kann dies im Einzelfall erwogen werden. Bei einem entsprechenden Problem ist die vorbeugende Behandlung entscheidend.
Wenn jedoch am Folgetag Kopfschmerzen mit Migränebegleitbeschwerden auftreten, ist die Einnahme eines Triptans gut begründet.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Ah ok.Vielen Dank.
Also behandelt man die Vestibuläre Migräne eher mit einer Prophylaxe als mit einem Akutmedikament bzw.einem Triptan. Habe ich das richtig verstanden?
Lg
Lieber Herr Prof. Göbel,
ich habe Migränbe von meiner Oma geerbt. Sie litt ungefähr 10 Jahre an Migräne, im Alter von Mitte 30 bis Mitte 40. Danach war die Migräne plötzlich vollkommen verschwunden. Sie hat die Migräne nicht therapiert, hat oft nicht mal Schmerzmittel genommen. Ich habe auch mit Mitte 30 die Diagnose bekommen (bekomme zur Zeit Botox). Nun hoffe ich natürlich, dass es bei mir ähnlich abläuft wie bei meiner Oma und die Migräne nach 10 Jahren einfach verschwindet. Wie wahrscheinlich ist das? Kann so ein Verlauf mitvererbt werden? Oder ist das sehr immer total individuell?
Viele Grüße
Nayelli
Liebe Nayelli,
der Verlauf der Migräne kann im Einzelfall nicht vorhergesagt werden. Es gibt immer wieder Betroffene, bei denen nach einigen Jahren die Migräne sich in Wohlgefallen auflöst. Allerdings kann niemand prognostizieren, ob das im Einzelfall der Fall ist und insbesondere wann. Was Sie jedoch machen könnten ist, die speziellen vorbeugenden Maßnahmen konsequent umsetzen, insbesondere die Verhaltensmaßnahmen und die nichtmedikamentösen Verfahren, um dann möglicherweise die Migränehäufigkeit so zu reduzieren, dass Sie an weniger oder gar keinen Migräneattacken mehr leiden.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
ich freue mich, dass wieder ein chat stattfindet und ich danke Ihnen sehr dafür.
Mein Anliegen:
Ich habe chronische Migräne,
keinen Spannungskopfschmerz,
keinen „dumpfen Dauerkopfschmerz“
Die Migräne reagiert auf Triptane immer sofort ( nach ½ Stunde meistens) und umfänglich.
Um die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren habe ich Prophylaxe-Medikamente versucht.
Magnesium hat mir gut getan, ebenso Metoprolol und andere Betablocker.
Das Problem ist, dass alle diese Mittel eine „Muskelschwäche“ in ihrem Nebenwirkungsprofil haben – auch hochdosiertes Magnesium.
Die verursacht bei mir heftige Beschwerden in meiner Skoliose. Die Muskeln dort verspannen und entzünden sich. Das ist sehr schmerzhaft und ist weder durch NSAR noch durch physikalische Maßnahmen ( Wärme, Massage, prophylaktisches Aufbautraining) zu lindern.
Andere Präparate wie Amlodipin oder Sartane haben auch diese Muskelschwäche im Nebenwirkungsprofil, so dass ich es nicht wage, die zu testen.
Was könnte ich tun?
Liebe Alchimilla,
die von Ihnen geschilderten Probleme sind sehr ungewöhnlich. Normalerweise bedingt z.B. Magnesium keine Muskelschwäche. Er normalisiert die elektrische Erregbarkeit im Nervensystem. Das gleiche gilt auch für Betablocker. Möglich ist, dass die erhöhte Sensitivität durch die Migräne für die verspannten und schmerzhaften Muskeln verantwortlich ist. Was sehr ungewöhnlich ist, dass all die verschiedenen von Ihnen aufgezählten Präparate anscheinend mit diesem Effekt zusammengebracht werden. Daher wäre es angebracht zu überlegen, ob die schmerzhaften und verspannten Muskeln nicht spezifisch behandelt werden können, damit Sie dann auch möglicherweise unabhängig davon ein wirksames Migräneprophylaktikum einsetzen können.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Guten Morgen,
es scheint, dass viele Migränikerinnen sehr oft eine Migräneattacke bei der Menstruation haben. Wurde schon gezielt über die hormonellen Gründe der Migräne geforscht?
Außerdem, gibt es bestimmte akute oder prophylaktische Behandlungsmöglichkeiten für diese besonderen Attacken?
Viele Grüße
Allie
Liebe Allie,
es gibt im letzten Jahrhundert sehr umfangreiche Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen dem Hormonstatus und der Migräne. Dabei hat sich herausgestellt, dass eine hormonelle Behandlung der Migräne in aller Regel nicht zielführend ist. Auch die Internationale Kopfschmerzklassifikation hat die sogenannte menstruelle Migräne nicht mehr in dem Hauptteil der Kopfschmerzklassifikation aufgenommen. Die Migräne während des menstruellen Fensters wird genauso behandelt wie auch Migräneattacken zu anderen Zeiten.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
Sehr geehrte Prof. Göbel,
ich, 65 Jahre, mache nach allen gescheiterten Therapien in den letzten 43 Jahren, nur noch durchschnittlich 2x im Monat Akutbehandlung mit 1x ASCOTOP Nasal 5 mg und 2x Ibuprofen 800 mg dazu und es wirkt .
Meine Migräne war immer ohne Übelkeit, aber sehr agressiv. Von Null auf 100 innerhalb kürzester Zeit.
Hab nun seit April 2020 zu hohen Bltdruck.
Behanlung:
Erst im April 1/2 Tablette Candesartan 8mg.
Hatte weiterhin bis zu 2 Anfälle im Monat.
Dann im November Hygroton 25 mg dazu, da der untere Wert zu hoch geblieben war. Ebenfalls 1/2 Tab,
einzunehmen gleichzeitig abends.
Seit dem, nun beinahe 5 Monaten hab ich sehr schwache Anfälle, was mir ein neues Leben beschert hat.
Der Rytmus ist unverändert.
Meine Fragen:
Wie ist das zu erklären? An welchem der beiden Medikamente liegt das?
Hab immer Angst, dass die Migräne wiederkommt.
Wenn ich die Dosis für besseres Ergebniss erhöhe, würde mein Blutdruck zu stark sinken. Liegt jetzt schon bei durchschnittlich 110 zu 70.
Kann das bei eher zu niedrigem Blutdruck auch helfen? Denn meine Tochter, 38 leidet auch seit ihrer Pubertät unter Migräne.
Danke im Voraus
Sima
Liebe Sima,
Candesartan ist ein wirksames Medikament in der Migräneprophylaxe und es wird dazu auch speziell eingesetzt. Es ist gut möglich, dass dieses zu einer Reduktion der Attacken geführt hat. Wenn der Blutdruck zu stark gesenkt wird, sollten Sie in Zusammenarbeit mit Ihrem Hausarzt das Hygroton reduzieren. In der Regel wird Candesartan in einer Dosierung von 8-16 mg zur Vorbeugung der Migräne eingesetzt. Viele Menschen haben in der Regel einen niedrigen Blutdruck, insofern sollte das kein Hindernisgrund sein, Candesartan auch in dieser Situation einzusetzen.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel
danke, aber Candesartan in einer Dosierung von 8 mg hab ich ja vom April bis November eingenommen, das allein hat sich aber nicht auf die Migräne ausgewirkt. Hygroron musste ich dazu einnehmen, weil der untere Wert immernoch bei 95 und mehr lag. Meine Hausärztin meinte ich soll weiter beides einnehmen.
meinte
Candesartan allein hat sich aber leider nach 5 Monaten NICHT auf die Migräne ausgewirkt.
Tut mir leid, wenn ich nerve, aber bin verwirrt.
Das Problem ist das Zusammenspiel der beiden Blutwerte.
Würde es Sinn machen Hygrotondosis beibehalten und Candesartandosis erhöhen? Auf die Gefahr hin, dass der Blutdruck weiter sinkt?
Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,
ich (67) leide seit Jahrzehnten neben Migräne an Depressionen. Gegen die Migräne nehme ich bei Bedarf Sumatriptan, von den Medikamente gegen Depressionen vertrage ich nur Moclobemid,. Da man es nicht zusammen mit Triptanen einnehmen darf, habe ich lange Zeit auf Mittel gegen Depressionen verzichtet. Im Augenblick bin ich aber an einem Punkt, dass ich dringend das Moclobemid wieder bräuchte. Gibt es Triptane, die man zusammen mit Moclobemid einnehmen kann? (Bei meinem Neurologen bekomme ich die nächsten Wochen keinen Termin, mein Hausarzt konnte mir die Frage nicht beantworten.)
Noch eine zweite Frage: Kann man am Tag der Corona-Impfung – falls nötig – ein Triptan einnehmen?
Herzlichen Dank für Ihre Auskunft.
Liebe Luzilla,
die Einnahme von allen Triptanen ist in Verbindung mit der Anwendung von Moclobemid kontraindiziert. Hier wäre also zu überlegen, ob man nicht ein anderes Antidepressivum findet, das verträglich und wirksam ist.
Am Tag der Corona-Impfung ist die Einnahme eines Triptans möglich.
Freundliche Grüße
Hartmut Göbel